Dustin Hoffmann führt erstmals Regie
Dustin Hoffmans Regiedebüt: "Quartett"
Er ist einer der ganz Großen Hollywoods, doch erst jetzt, mit 75 Jahren, hat sich Schauspieler Dustin Hoffman einen Traum erfüllt: Regie. Sein Debüt "Quartett" erzählt vom Gegenteil dessen, was Hoffman an Hollywood beklagt: dass dort nur Jugend und Profit zählen. Auf einem Landsitz, der als Altersheim für fossile, aber immer noch fidele Musiker und Opernsänger dient, scheinen erhebliche Dissonanzen auf als eine einst weltberühmte Operndiva auftaucht ... Hoffman inszeniert ein grandioses britisches Schauspieler-Ensemble in einer romantischen Komödie. Dass Altsein nichts für Feiglinge ist, darüber hilft uns dieser Feelgood-Film glatt und amüsant hinweg. Ab 24. Januar im Kino."Himbeerreich" im Theater - neue Einsichten in die Finanzwelt
Der Regisseur und Autor Andres Veiel hat sich ein Jahr lang mit Bankern, Brokern und Finanzvorständen getroffen. In der Finanzwelt des großen Geldes gelten die Gesetze einer geschlossenen Gesellschaft. Das Bankgeheimnis ist mindestens so heilig wie das Beichtgeheimnis. Die Interviews mit rund zwei Dutzend "Masters of the Universe", die sonst das Licht der Öffentlichkeit scheuen, hat Veiel zu einem aufsehenerregenden Theaterstück verarbeitet. Im "Himbeerreich" der Banker geht es um alle Fragen der Gegenwart. Macht, Moral, Verantwortung, Schuld und Sühne. Die wichtigste Inszenierung dieses Winters hat am 11. Januar am Staatstheater Stuttgart und am 16. Januar 2013 am Deutschen Theater in Berlin Premiere.Jakob Augstein am Pranger
Im Ranking der zehn schlimmsten antisemitischen Phrasendrescher der Welt, zwischen den üblichen Verdächtigen aus dem Iran und der ägyptischen Muslimbrüderschaft, überrascht dieses Jahr Platz neun: Der geht an Jakob Augstein, Journalist, Verleger und Lieblings-Gast in deutschen Talkshows. Den zweifelhaften Ehrenplatz auf dieser Liste hat ihm das Simon Wiesenthal Zentrum in Los Angeles verliehen, immerhin die größte jüdische Menschenrechtsorganisation. Für sie scheint die Gleichung einfach: Wer - wie Augstein - die Politik der israelischen Regierung kritisiert, gehört ins Lager der Judenhasser. Basta. In Deutschland sprangen namhafte Politiker Augstein bei. Selbst der Zentralrat der Juden, gewöhnlich fest an der Seite der israelischen Politik, verteidigte den Publizisten. Man muss Augsteins Thesen nicht teilen, aber ist Kritik an der israelischen Politik wirklich automatisch 'antisemitisch'?Im Kino: "Hannah Arendt"
Als Hannah Arendt 1963 in der Zeitschrift New Yorker ihre Artikel über Adolf Eichmann und die "Banalität des Bösen" veröffentlichte, brach ein Sturm der Entrüstung über sie herein. Ausgerechnet der jüdischen Philosophin, die selbst aus dem Internierungslager geflohen war, warf man vor, eine Feindin Israels zu sein und das jüdische Volk nicht zu lieben. Die Regisseurin Margarete von Trotta hat jetzt einen bewegenden Film über Arendt zu dieser Zeit gemacht. Ab 10. Januar im Kino.Mnozil Brass' Wagner-Show
Zum Beginn des Richard Wagner-Jahres eine Reise nach Bayreuth: Mnozil Brass, das weltberühmte Blechbläserensemble aus Wien, präsentiert dort eine fulminante Crossover-Show: „Hojotoho“. Keine Verarschung, sondern eine Liebeserklärung. Respektlos, aber virtuos. Philippe Arlaud, der schon auf vielen Bühnen der Welt Wagner inszeniert hat, führt Regie. Falls die Show Fragen offen lässt - diese werden von Christian Thielemann beantwortet, dem musikalischen Leiter der Bayreuther Festspiele.Mythos Kraftwerk
Ihre Live-Auftritte sind selten und legendär: Vier roboterähnliche Menschen stehen an Computer-Maschinen und machen Musik. Oder sollte man besser sagen: Die Maschinen machen den Sound? Dazu eine computergesteuerte Videoinstallation im Hintergrund - fertig ist das Auftrittskonzept von Kraftwerk, der deutschen Pionierband für elektronische Tanzmusik. Seit ihren Anfängen in den 70er Jahren haben sie nichts am Konzept geändert: Futuristisch und nostalgisch zugleich setzen sich Kraftwerk mit dem Verhältnis Mensch/Maschine auseinander. Ihre Auftritte im vergangenen Jahr im MOMA in New York waren binnen kürzester Zeit ausverkauft und haben Kultstatus. Bei der Fortsetzung ihrer Auftrittsserie in den Düsseldorfer Kunstwerken Ende dieser Woche sieht es nicht anders aus. Der Mythos Kraftwerk funktioniert noch immer.

