Auf den Wein gekommen
Lina Rusch
Obwohl Chinesen einer Theorie nach die Erfinder des Weinbaus sind, verbinden wir Rotwein nicht mit der traditionellen chinesischen Küche. Doch in Fernost steigt das Interesse am europäisch-westlichen Lebensstil - und somit auch die Nachfrage nach Wein. Immer öfter wird statt des traditionellen chinesischen Schnapses ein feiner Wein aus Europa, Kalifornien oder Australien angeboten. Mit 17 Millionen Hektoliter im Jahr ist China schon jetzt die fünftgrößte Weintrinkernation der Welt, knapp hinter Deutschland. Ein immer wichtigerer Absatzmarkt ist das Land also für die europäischen Weinbauer – und auch ein ernstzunehmender Konkurrent.Kaum zu glauben, doch selbst eigenen Wein produziert das Reich der Mitte. Zunehmenden Respekt aus der Fachwelt ernten die exotischen Weinproduzenten, auch wenn chinesische Massenweine wie „Great Wall“ oder „Dynasty“ bei uns keine Käufer finden würden, seien die Chinesen wirklich nicht zu unterschätzen. Die Weinindustrie sei dort zwar noch unterentwickelt, habe aber großes Potential. Ob Chinas Weine sich bald mit europäischen Spitzenweinen oder denen aus Kalifornien oder Südaustralien messen können, ist abzuwarten. Nichtsdestotrotz ist das Interesse chinesischer Investoren und Konsumenten an Traditionsweinen, wie denen aus Frankreich, ungebrochen. Für rund 600 Millionen Euro kaufen Chinesen jährlich Wein aus Bordeaux ein. Und sie zahlen gut. Zu gut – denn so treiben sie die Preise für den Spitzenwein so stark in Höhe, dass ihn sich die Franzosen selbst kaum noch leisten können. Nicht nur das: ganze Weingüter werden von chinesischen Investoren zu Traumpreisen aufgekauft. In Bordeaux sind inzwischen 30 der 8000 Weingüter in chinesischer Hand. Zhao Wei ist ein Superstar in China. Die Schauspielerin und Sängerin erstand letztes Jahr für geschätzte vier Millionen Euro ein Chateau bei Saint Emilion. Als Weinenthusiastin hat sie Großes vor mit der Marke.Übernahmen wie diese beleben das Geschäft, meinen die einen, und hoffen sich über die neue chinesische Geschäftsführung einen Namen am Zukunftsmarkt China zu machen. Andere sind skeptisch über die rasante Preisentwicklung nach oben, vor allem für Land und Immobilien, in den Weinbauregionen Bordeaux und Burgund. Viele Franzosen bangen sogar um das Kulturgut Wein insgesamt und befürchten eine ungebremste Kommerzialisierung ihrer Tradition. Daran, dass Chinesen nun Teilnehmer am traditionsreichen Weinmarkt sind, müssen sich viele zunächst gewöhnen. Doch dies sollten sie schnell tun, denn chinesische Investoren sind aus den Weinbauregionen nicht mehr wegzudenken.

