Anschlag der Terrorsekte in Nigeria
von Dalia Antar
Die Terrororganisation kämpft mit Gewalt für die systematische Einführung der Scharia im Norden des Landes. Übersetzt heißt Boko Haram "westliche Erziehung ist Sünde". Ihre Mitglieder lehnen Beteiligung an öffentlichen Wahlen und jegliche westliche Ausrichtung strikt ab. Finanzielle und technische Unterstützung erhalten sie dabei vermutlich von Al Kaida, der sie ideologisch sehr nahe stehen. Symphatisanten soll Boko Haram aber auch in Parlaments und Regierungskreisen haben.Christen fliehen in den Süden
Besonders die Christen des Landes haben Angst vor weiteren Anschlägen, Angst vor Boko Haram. Von den insgesamt rund 160 Millionen Nigerianern sind zwischen 40 und 48 Prozent christlichen Glaubens. Viele von ihnen sind aufgrund der zahlreichen blutigen Anschläge auf Kirchen, Behörden und die Polizei in den Süden geflohen. Den religiösen Pogromen im Norden des Landes sind seit 2010 1400 Menschen zum Opfer gefallen.Die Regierung scheint nun entschlossener gegen die Terrorsekte vorzugehen. Ende August kam es zu einem großangelegten Polizeieinsatz in Abuja, der Hauptstadt Nigerias. Dort wurden Werkstätten der Terrorgruppe entdeckt- Sprengstoff, Zubehör und Anleitungen zum Bombenbau. Dabei wurden fünf Verdächtige verhaftet.
Schlag gegen den Terror
Und auch letzte Woche ist dem nigerianischen Militär ein empfindlicher Schlag gegen Boko Haram gelungen. Der Sprecher der Terrorgruppe mit dem Kampfnamen Abu Qaqa soll in der nordnigerianischen Stadt Kano bei dem Versuch an einem Kontrollposten zu fliehen, erschossen worden sein.Doch der Terror geht weiter. Am vergangenen Sonntag sprengt sich ein Mitglied der Boko Haram vor einer Kirche in Baichu im Norden des Landes in die Luft. Drei Menschen werden getötet, 45 verletzt. Die Regierungstruppen reagieren prompt. Sie veranlassen Hausdurchsuchungen im Bundesstaat Yobe im Norden des Landes und töten am Wochenende 35 mutmaßliche Aktivisten von Boko Haram. 60 Verdächtige werden festgenommen.
Organisation ohne Kopf?
Boko Haram gilt als eine dezentrale Organisation, ohne eine bekannte Führungsriege. Die Mitglieder der gewalttätigen Vereinigung agieren im Hintergrund. Ihre Namen sind nicht bekannt. Verhandlungen mit der Regierung finden nur über Mittelsmänner statt. Angesichts der dezentralen Struktur der Terrororganisation und dem Fehlen eines Verhandlungsführers ist die Hoffnung auf eine baldige Beendigung des Blutvergießens äußerst gering.

