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auslandsjournal  |  03.07.2012 

Die Themen der Sendung

Berichte aus aller Welt

Das auslandsjournal berichtet diese Woche über Beschneidungsrituale in der Türkei, das Ölgeschäft in Libyen, das geteilte Zypern als EU-Ratspräsident und ist im außendienst der Kultur der australischen Aborigines auf der Spur. 

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Der Schnitt zur Männlichkeit – Beschneidungsrituale in der Türkei

Sie tanzen, klatschen zur Musik, sind die Helden an diesem Tag: 600 kleine Jungen im Alter zwischen 5 und 9 Jahren, ausstaffiert in glitzernden Prinzenkostümen mit Turban und Zepter, feiern auf einer großen Bühne das Fest nach der Beschneidung. Die Veranstaltung ist ein Service der Istanbuler Stadtverwaltung für sozial schwache Familien. Das Angebot wird dankbar angenommen, denn die Beschneidung ist ein Muss für die männlichen Muslime in der Türkei. Die Vorstellung, auf die Beschneidung zu verzichten, weil der Eingriff ein unzulässiger Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Kindes darstellt, scheint vielen Türken abwegig.

Die Autorin Nil Gün, die schon 2005 ein Buch gegen die Beschneidung von Jungen im Kindesalter veröffentlicht hat, glaubt, dass der Eingriff für die Männer ein traumatisches Erlebnis ist, das nicht von jedem gleich gut verarbeitet werden kann. Sie plädiert dafür, diese Entscheidung erst bei Erreichen der Volljährigkeit zu treffen, wenn der junge Mann selbst entscheiden kann, ob er das möchte. Auch in Deutschland wird diese Debatte geführt. Nachdem das Kölner Landgericht in seinem Urteil Beschneidungen aus rein religiösen Gründen als Körperverletzung wertete, sehen Muslime und Juden in Deutschland ihre Religionsfreiheit bedroht. Aus der Türkei berichtet ZDF-Korrespondent Luc Walpot über das umstrittene religiöse Ritual.

 

Das schwarze Gold – Deutsche Ölförderung in Libyen

Libyens Reichtum liegt unter der Erde. Unter dem heißen Wüstensand verbergen sich die neuntgrößten Ölreserven der Welt. Vor dem Krieg gegen Ex-Machthaber Gaddafi wurden täglich bis zu 1,6 Millionen Barrel Erdöl gefördert. Die deutsche BASF-Tochter Wintershall investiert schon seit über 50 Jahren in die Ölproduktion in Libyen - noch bevor Gaddafi die Macht übernahm. In den Zeiten seiner Herrschaft gehörte das deutsche Unternehmen zu den größten Ölproduzenten des Landes. Als die Revolution losbrach, musste die Ölförderung jedoch aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden. Einheimische Mitarbeiter blieben trotz der blutigen Kämpfe vor Ort und warteten die Anlagen. Gegenüber den Gaddafi-Truppen und den Rebellen zeigten sie diplomatisches Geschick.

Dennoch konnte die deutsche Firma erst mit dem Tod des libyschen Diktators im Oktober 2011 die Ölproduktion wieder aufnehmen. Am 7. Juli 2012 werden nach vier Jahrzehnten das erste Mal freie Wahlen stattfinden. Über 2,7 Millionen Libyer entscheiden dann über die Versammlung, die den bisherigen Übergangsrat ablösen soll. Deren Aufgabe ist es, eine neue Regierung für Libyen aufzustellen. Für das auslandsjournal berichtet ZDF-Korrespondent Uli Gack über das wichtige Ölgeschäft in einem Land auf dem Weg zur Demokratie.

 

Sonne unterm Rettungsschirm – Das geteilte Zypen soll Europa einen

Türkisblau glitzert das Wasser an den Stränden Zyperns. Wer sich hier der Mittelmeersonne hingibt, versteht die sagenumwobene Vorliebe von Aphrodite und Adonis für diese Insel. Doch so bezaubernd das Urlaubsparadies auf der einen Seite erscheint, so hoch türmen sich seine politischen Probleme. 1974 geteilt in Nord- und Südzypern, in türkische und griechische Zyprioten, die seit 38 Jahren um eine Einigung streiten. Es ist ein Land, das sich noch nicht einmal selber gefunden hat. Nun soll es in seiner Ratspräsidentschaft das taumelnde Europa zu Einheit und Stärke zurückführen.

Ein schwieriges Unterfangen für ein gespaltenes Land. Der Chefunterhändler der UNO, Alexander Downer, ist überzeugt, dass eine Einigung der Insel innerhalb kürzester Zeit möglich sei – wenn die Parteien denn nur wollten. „Manchmal ist man schon ‚leicht irritiert’, um es höflich zu sagen.“, kommentiert er auf die Frage ob er nicht manchmal die Geduld verliere. Zudem steckt der Süden des Landes tief in der Schuldenkriese mit drin. Investitionen ins Mutterland, das nun am Tropf der EU hängt, sind am griechischen Teil Zyperns nicht spurlos vorübergezogen. Der türkische Norden kämpft unterdessen um internationale Anerkennung, die ihm außerhalb der Türkei noch niemand gewährt hat. ZDF-Korrespondent Christian Sievers hat sich auf Spurensuche nach den Problemen eines Landes begeben, das jetzt die von ganz Europa lösen muss.

 

Mit Speer und Digeridoo – Aborigines auf den Spuren der eigenen Kultur

Seit fast 50.000 Jahren besiedeln die Aborigines den fünften Kontinent. Jahrtausendelang lebten Australiens Ureinwohner in über 500 verschiedenen Stämmen als Jäger und Sammler im Einklang mit der Natur. Bis die weißen Siedler kamen und ihren Lebensraum zerstörten. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden systematisch Aborginiekinder verschleppt und in christliche Missionen gesteckt - ein Verbrechen, welches noch bis 1976 praktiziert wurde. In dieser Zeit verlor die Bevölkerung der Aborigines einen Großteil ihrer Kultur. Unfähig den Sprung zwischen Tradition und Moderne zu bewältigen, verfallen viele dem Alkohol und leben am Rande der australischen Gesellschaft.

In Reservaten zusammengepfercht, verlernen sie wie ihre Vorfahren zu leben. „Unsere religiösen Zeremonien zum Beispiel, alles weg. Auch Teile unseres Wissens über Medizin oder die Jagd müssen wir erst wieder neu lernen“, erzählt der Aborigine Juan Walker. Ausgerechnet der westliche Tourismus hält zumindest Teile ihrer Tradition am Leben. Die eigene Kultur wiedererlernen bei dem Versuch sie anderen zu erklären, lautet dabei das Motto. ZDF-Reporter Andreas Stamm hat im außendienst nicht nur die Erfolgsaussichten dieses Projekts unter die Lupe genommen, sondern sich auch den Herausforderungen von Didgeridoo spielen und Krabbenjagd gestellt.

03.07.2012, Quelle: ZDF

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