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Lebensabend in Osteuropa

Das statistische Bundesamt veröffentlicht Zahlen zur Pflegesituation, die alarmierend sind. Die Pflege in Deutschland ist so teuer, dass viele Senioren und ihre Angehörigen kein Altenheim mehr bezahlen können. Zwar gibt es die staatliche Pflegeversicherung, doch selbst die kann nur für einen Teil der Kosten für die Pflege aufkommen. Das Problem drängt, denn die deutsche Gesellschaft wird immer älter und Jahr für Jahr gibt es mehr Pflegefälle. 

Lina Rusch

Pflege im Alter / Quelle: dpa
Immer mehr deutsche Senioren werden im Ausland gepflegt. (Quelle: dpa)
Unterschiedliche Lösungsansätze für das Problem gibt es bereits. Viele alte Menschen werden durch Pflegerinnen und Pfleger aus Osteuropa versorgt. Sie wohnen meist im Haus des Pflegebedürftigen und begleiten diese durch den Tag. Solche qualifizierten Pfleger kosten im Monat meist weit weniger als ein durchschnittlicher Heimaufenthalt. Jetzt wird unter Pflegeexperten und Politiker über neue Ansätze diskutiert. Der CDU-Politiker Willi Zylajew regte jüngst an, dass man deutsche Rentner doch im Ausland pflegen lassen könne. Die Idee ist nicht absurd. Denn viele Senioren leben bereits in einem Heim in der Slowakei, Tschechien oder Ungarn. Auch an tropischeren Orten werden heutzutage alte Deutsche gepflegt, so etwa in Spanien oder gar in Thailand.

Christa Scherbaum ist auch eine von diesen Seniorinnen, die ihren Lebensabend nicht in der Heimat verbringen werden. Die finanzielle Belastung des Sohnes war zu stark geworden, denn mehr als 1600 Euro musste er monatlich zu dem Heimaufenthalt seiner Mutter im Fränkischen Oberasbach zusteuern. Statt 3200 Euro kostet ihr neues Pflegeheim in der Slowakei 1000 Euro im Monat. Erschwinglich – und auch qualitativ ist an dem slowakischen Heim und den Pflegerinnen nichts auszusetzen. Obwohl es Schwierigkeiten bei der Verständigung gibt, hat sich die Frau ganz gut eingelebt. Zwar ist klar, dass ihre Familie sie fortan weniger sieht, doch hat ihr Sohn versprochen sie oft besuchen zu kommen. Frau Scherbaums Demenz ist ohnehin so stark, dass sie ihre Angehörigen wahrscheinlich kaum noch erkennt.

Das Geschäft mit der Vermittlung Ost

Was auf den ersten Blick ein wenig wie eine Abschiebung der demenzkranken Mutter aussieht, ist für viele Familien der einzige Ausweg. Frau Scherbaum ist in guter Gesellschaft. Allein in ihrem Heim gibt es noch zwei andere deutsche Patienten. Die Vermittlung an ein Pflegeheim in Osteuropa erscheint wie ein Kompromiss, der für alle Seiten erträglich ist. Die günstige Alternative bedeutet, dass weder der Geldbeutel der Alten, noch der der Kinder überstrapaziert wird. Schlechter als in Deutschland ist die Pflege in Osteuropa selten und somit ist der Heimaufenthalt auch für die Alten so erträglich wie eben nur möglich. Auch der Vermittler freut sich, denn Unternehmer wie Artur Frank verdienen beachtliche Provisionen bei dem Geschäft mit der Vermittlung Ost.

Auch politisch macht das Konzept Sinn. In einer Europäischen Union, wo Dienstleistungen unbegrenzt mobil sein sollten, ist die Mobilität von Pflegebedürftigen eigentlich wünschenswert. Zwar verbietet geltendes EU-Recht derzeit noch konkrete Verträge zwischen deutschen Krankenkassen und Heimen im EU-Ausland, doch bereits jetzt können Pflegebedürftige wie Frau Scherbaum ihren Pflegezuschuss ausgezahlt bekommen, wenn sie in einem Pflegeheim in einem der Mitgliedstaaten der EU betreut werden.

31.10.2012

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