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auslandsjournal vom 19. Dezember 2012  

Prophezeihung und Profit

Das Geschäft mit dem Weltuntergang

Diesen Freitag soll die Welt untergehen. Am 21.Dezember 2012 sei das Ende gekommen, so prophezeit es ein 800 Jahre alter Mayakalender. Und mit ihm einerseits eine Horde von gläubigen Fantasten und andererseits eine Industrie, für die die angekündigte Katastrophe zum Kassenschlager wird. 

Bugarach / Quelle: ap

Das kleine französische Örtchen Bugarach sei einer der wenigen Orte, an dem man vor der Apokalypse sicher sei - dank des Berges im Hintergrund. Der diene nämlich als UFO-Landeplatz.

(Quelle: ap)

von Josef Wolfsgruber

Unausweichlich und umfassend sei sie, die Apokalypse. Ob Meteoriteneinschlag, Erdbeben oder fatale Planetenkonstellation ist sekundär, fest stehe: Die Erde geht unter. So unergründlich wie die Ursachen für den Weltuntergang sind auch die passenden Rettungsszenarien. Denn an manchen magischen Orten habe man trotz allem die Chance, dem Tod zu entkommen.

Ein UFO im Berg

Das kleine Dorf Bugarach ist so ein Ort. Es liegt in den französischen Pyrenäen am Fuß des gleichnamigen Berges. Dort im Fels habe, so die Überzeugung mancher Dorfbewohner, ein UFO geparkt, um einige Auserwählte vor dem Weltuntergang zu retten. Die Behörden rechnen mit einem Ansturm von Esoterikern, UFO-Gläubigen, Apokalypse-Aposteln. Das Gelände ist diese Woche sowohl vom Boden als auch von der Luft aus abgeriegelt, um Bergsteiger und Leichtflugzeuge vor Unfällen am schroffen verschneiten Berg zu schützen.

Dennoch bereitet sich das Dorf auch mit Vorfreude auf die Fantasten vor, denn: Die Apokalypse ist ein einträgliches Geschäft. Die Grundstückspreise in Bugarach sind stark gestiegen, ein Gästezimmer kostet dieser Tage mehr als 1000 Euro pro Nacht. Für den eigenen Schutz kann man Hämmorhoiden-heilendes Quellwasser oder Stücke des UFO-Bergs als „Steine der Ewigkeit“ erwerben.

Nach einer Interpretation des Maya-Kalenders droht das Weltende. / Quelle: dpa
Nach einer Interpretation des Maya-Kalenders droht am 21.12. das Weltende. (Quelle: dpa)

Pilgern zu mystischen Stätten

Und auch in Mittelamerika pilgern die Menschen zu mehr oder weniger mystischen Stätten. Für die erhaltenen Mayatempel werden Besucherrekorde prophezeit, Sterneköche veranstalten ein luxuriöses letztes Mahl inklusive Maya-Tischgebet. Wenn die Welt untergehe, solle man dabei zumindest in einem neuen Auto sitzen, so die Werbung eines französischen Autoherstellers. Ob sie nun an den Weltuntergang glauben oder nicht: Die Menschen fahren zu Mayatempeln, feiern Rituale, trinken Weltuntergangswein oder kaufen das Maya-Sonderlos der mexikanischen Lotterie.

Dass der eigentliche Grund der Aufregung, die endzeitliche Interpretation des Mayakalenders, sowohl von Wissenschaftlern als auch von Maya-Nachkommen einhellig abgelehnt wird und die Maya-Nachfahren den Regierungen Ausverkauf ihrer Kultur vorwerfen, stört dabei freilich wenig. Denn selbst wenn es diesen Freitag doch keine Alieninvasion geben sollte und am Samstag die Sonne wider Erwarten unbeeindruckt aufgeht, steht der nächste Termin für einen Weltuntergang bereits fest.

18.12.2012

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