Jugendgangs in Kapstadts Townships
"Zehn Jahre lang war mein Sohn immer wieder auf Entzug. Er musste zwei Jahre in unserer Garage wohnen, weil er mehrfach versucht hat, mich umzubringen. Er hat mich sogar gefragt, ob ich Sex mit ihm haben will", erzählt Venetia. Momente, die man als Mutter nie vergisst. Vergewaltigung, Mord und Bandenkrieg - in den Cape Flats, den Ghettos von Kapstadt, ist jeder Tag lebensgefährlich. Gewalt und Kriminalität nehmen hier stetig zu, auch das eine Folge von Tik.
Teufelskreis Crystal Meth
Tik, auch unter dem Namen Crystal Meth bekannt, ist die am häufigsten konsumierte Droge Kapstadts. Schon im Zweiten Weltkrieg benutzten Soldaten sie als Aufputschmittel, um ihre Angstgefühle zu hemmen und ihre Leistung zu steigern. Tik ist billig und einfach zu beschaffen. Nur knapp vier Euro kostet der Amphetaminrausch, den man auch ganz einfach durch das Vermischen von Rattengift und Batteriesäure selbst herstellen kann. Rund 300.000 Menschen in den Cape Flats sind abhängig und die Zahl nimmt weiterhin zu. "Die Drogensituation hier ist katastrophal. Drogen gehen Hand in Hand mit Waffen, Prostitution und Alkohol. Mit den Waffen bekommst du Drogen", verrät Polizist Charl Kitching. Er kämpft täglich gegen den gut organisierten Drogenhandel. "Selbst Kinder werden als Dealer benutzt. Die Sucht nach Tik macht sie zu Gangstern. Sie werden kriminell, um für ihre Sucht zu bezahlen", sagt er.Der Glaube als Stütze
Venetia Orgill hat den Drogen ebenfalls den Kampf angesagt. Tik hat ihre Familie zerstört, denn auch ihre Tochter ist inzwischen abhängig. Venetia leitet ein Heim für Abhängige, eine Art Entzugsklinik. Die Waffe gegen die Sucht: der Glaube an Gott. Kalter Entzug und sechs Monate Bibelschule warten hier auf die Mädchen. Der Aufenthalt ist kostenlos. Auch wenn viele von ihren Schützlingen wieder rückfällig werden, gibt Venetia die Hoffnung nicht auf. Ihren Sohn hat sie bereits verloren, aber um ihre Tochter will sie kämpfen. Sie glaubt fest an den Willen ihrer Patienten, den Drogen zu entkommen. Ariane Vuckovic war für das ZDF vor Ort.

