außendienst vom 12. September 2012
Voodoo
Ursprung
Das Wort „Voodoo“ ist ein haitianischer Abkömmling vom afrikanischen Wort „Vodun“. Es bedeutet „Gottheiten“ oder „Geister“. Anhänger des Voodoo gehen davon aus, dass es sich bei diesen Gottheiten und Geistern um mächtige und geheimnisvolle Wesen handelt. Zweck dieser Religion ist die Hilfestellung in bestimmten Lebenssituationen: Voodoo ermöglicht dem Menschen sein Schicksal selbst zu lenken. Dadurch ist er in der Lage positive Energien zu verstärken und negative Kräfte zu beseitigen.
Die Voodoo-Religion wird heute hauptsächlich in den afrikanischen Staaten Benin, Ghana und Togo ausgeübt. Sie ist aber auch in den karibischen Staaten Haiti und der Dominikanischen Republik zu finden, wo sie sogar als Staatsreligion anerkannt ist.
Geschichte
Durch die Kolonialisierung im 16. Jahrhundert wurden viele Afrikaner als Sklaven an Händler aus Europa verkauft: Die Kolonisten zwangen die Menschen dazu, den christlichen Glauben anzunehmen. Die Sklaven aber wiederum taten alles, um an ihrer eigenen Religion festzuhalten, da die Religion eines der stärksten Elemente ihres Lebens ist. Eine Loslösung davon hätte den Verlust der eigenen Identität zur Folge gehabt. Daher nahmen die Sklaven ihren Glauben mit in die Fremde. Besonders stark war dies in Haiti der Fall. Ab dem 18. Jahrhundert entwickelten sich jedoch immer mehr Konflikte zwischen den Gruppen mit unterschiedlichen religiösen Ansichten: Es kam zu Aufständen und schließlich zur Unabhängigkeit Haitis um 1804. Dennoch wurde die voodooistische Religion weiterhin von der katholischen Kirche verfolgt. Erst zum Ende der Kolonialherrschaft konnten die einstigen Sklaven zumindest teilweise zu ihren Traditionen und ihrer Religion zurückkehren.
Götter
Die Anhänger des Voodoo teilen sich in verschiedene Gruppierungen auf, die jeweils einer anderen Tradition folgen. Götter im Voodoo gelten allgemein als überirdische Kreaturen und werden „Loa“ genannt. Dieses Wort ist afrikanischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „geistiger Führer“. Jedem Loa werden dabei charakteristische Eigenschaften und Attribute zugeordnet. Darüber hinaus gibt es einen obersten Gott: Der Schöpfungsmythos des Voodoo erzählt, dass „Bondye“ („der liebe Gott“) die Welt aus sich heraus erschaffen hat und somit selbst zu aller Materie wurde. Er wird daher als Personifizierung des Lebens verehrt und steht über allen Menschen.
In einem Ritus werden den Loas Opfergaben wie Früchte, Blumen, Getränke oder auch Tiere dargebracht. Die Opfergaben hängen von dem jeweiligen Loa ab, der angebetet wird. Dem Tier, auch Blutopfer genannt, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Opfert zum Beispiel jemand ein Tier, das er selber aufgezogen hat, geht mit dieser Opferung ein persönlicher Verlust einher. Der Loa nimmt von seinem Opfer die Essenz (Seele) auf und die körperlichen Überbleibsel (Fleisch) kann der Mensch danach verwenden.
Fetisch
Die Voodooisten kennen neben den Loas auch andere übernatürliche Wesen, die ihnen zur Seite stehen. Dazu gehört auch der „Fetischismus“. Dieser Begriff bezeichnet einen Glauben an übernatürliche Eigenschaften bestimmter auserwählter unbelebter Gegenstände und deren Verehrung. Fetische sind daher mit magischer Kraft versehene Gegenstände oder Figuren, die um Hilfe gebeten werden. Fetische sollen vor bösen Träumen bewahren, gute Geschäfte gewährleisten, Kinder beschützen, das Böse abwehren, Fruchtbarkeit garantieren sowie Wohlstand mehren und schützen. Fetische können aber auch zur Bekämpfung von Feinden eingesetzt werden.
In Ghana ist zum Beispiel der „Antilopenfetisch“ weitläufig bekannt. Ausgestopfte Körperteile werden benutzt, um die Energien zu verstärken und auf den Menschen zu übertragen: Der Voodooist will sich die Schnelligkeit und Geschicklichkeit der Antilope aneignen.
Voodoo-Puppen
Ein bekannter Brauch ist das Herstellen von Voodoo-Puppen, die meist einem bestimmten Menschen nachempfunden sind. Ursprünglich handelt es sich dabei nicht um ein Ritual, das einem anderen Menschen dauerhaft Schaden zufügen soll. Das Verfahren wurde ursprünglich von Priestern in Haiti verwendet. Die Voodoo-Puppen sind aus der Not heraus entstanden, da die Sklaven bei den Händlern ihre Religion nicht praktizieren durften. Daher waren aus Holz geschnitzte Abbildungen der Gottheiten verboten und Puppen wurden als Tarnung benutzt.
Voodoo-Puppen stellt man bevorzugt aus Ton oder Stoff her: Sie werden geformt, angezogen und mit einem persönlichen Gegenstand der zu verzaubernden Person versehen. Durch das Stechen mit Nadeln in die Puppe können dem Betroffenen Schmerzen zugefügt werden. Meistens steht jedoch das Heilen von Krankheiten oder das Beeinflussen von Umständen im Vordergrund, auf die der Mensch keinen direkten Einfluss hat: Zum Beispiel die Liebe, das Glück und der Reichtum.
Trance
Es heißt, dass während der Trance die Seele des Menschen den Körper verlässt und an dessen Stelle ein Gott oder ein Geist eines Ahnen hinein fährt. So ein Zustand wird meist durch einen rituellen Tanz oder den Einsatz von Drogen erreicht. Es heißt, die Trance verhelfe zu den stärksten Gefühlen, zu denen ein Mensch in der Lage sein kann. Ziel ist es, den Menschen zu heilen.
Menschenopfer
Früher wurde geglaubt, dass zur Praxis des Voodoo auch Menschenopfer gehörten. Auslöser war eine Schrift von Sir Spenser St. John, ein britischer Konsul in Haiti. Jedoch konnte dies nie belegt werden. Ganz im Gegenteil: Der Moralkodex des Voodoo besagt, dass keine andere Person Schaden nehmen darf.


