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auslandsjournal vom 09. Januar 2013  

Zwischen Ethik und Einkommen

Das Geschäft mit den Eizellen

Eigenes Genmaterial an andere Personen spenden? Das klingt befremdlich. Doch genau das machen immer mehr junge Spanierinnen: Um an Geld zu kommen, spenden sie ihre Eizellen. Denn in Spanien stehen nach wie vor alle Zeichen auf Krise. Die jungen Erwachsenen trifft es besonders hart: Über 50 Prozent von ihnen sind arbeitslos. Trotz Studium finden viele keinen Job. 

kuenstliche befruchtung von eizellen im labor / Quelle: mev

Künstliche Befruchtung

Immer mehr junge Spanierinnen verkaufen ihre Eizellen. In der Krise brauchen sie das Geld dringend.

(Quelle: mev)

Janine Pietrek

Susana Duarte Fernández ist eine von ihnen. Sie hat einen Master in Neuropsychologie und eine Ausbildung zur Flugstewardess. Trotzdem findet sie keine Arbeit. Deswegen hat sie sich dazu entschlossen, Eizellen zu spenden. 900 Euro bekommt sie dafür. So einfach wie eine Samenspende geht das nicht. Damit sich eine Entnahme lohnt, muss Susana möglichst viele Eizellen produzieren. Dafür spritzt sich die junge Frau regelmäßig Hormone. Diese Injektionen haben jedoch Nebenwirkungen: Sie führen bei einer von 100 Frauen zu einem sogenannten Überstimulationssyndrom. Dieses äußert sich durch Thrombosen, Flüssigkeit in der Lunge und Nierenversagen. Außerdem kann sie unfruchtbar werden. Ein weiteres Risiko stellt die Vollnarkose dar, unter der die Eizellen entnommen werden.

Eizellspende in vielen Ländern verboten

In vielen Ländern sind Eizellspenden allerdings verboten, auch in Deutschland. Als Grund werden ethische Bedenken angeführt. „Eizellspenden führen zur Kommerzialisierung des weiblichen Körpers, das heißt, sie verkauft ihre eigenen Körperprodukte und wird zum Rohstofflieferanten“, sagte Bundestagsabgeordneter Hubert Hüppe (CDU). Um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, reisen daher immer mehr unfruchtbare Frauen aus aller Welt nach Spanien. Bis zu 10.000 Euro zahlen sie pro künstlicher Befruchtung. Die Spendebereitschaft der Spanierinnen ist schon immer hoch, seit der Krise hat sie deutlich zugenommen. Da der Prozess den Körper stark belastet, spenden Frauen in der Regel nur ein bis zwei Mal.

Eizellen-Casting

Bauch einer schwangeren Frau / Quelle: dpa
Viele unfruchtbare Frauen erfüllen sich in Spanien ihren Kinderwunsch. (Quelle: dpa)

Die Erfolgsquote einer künstlichen Befruchtung liegt in Barcelona bei 60 Prozent. Bevor die Eizellen eingepflanzt werden, sortiert das Krankenhaus, welche Eizelle für welche Befruchtung verwendet wird. Die Spenderin und die Empfängerin sollen sich physisch ähneln und die gleiche Ethnie haben. Außerdem werden Blutproben entnommen, genetische Studien durchgeführt und ein Intelligenztest gemacht. „Unser Ziel ist es, dass das Kind, das geboren wird, glücklich ist. Deshalb muss das alles zusammen passen“, sagt der Direktor der Reproduktionsmedizin des Universitätskrankenhauses Quiron Antonio Gosalvez Vega.


Nach sechs erfolgreichen Befruchtungen darf eine Frau nicht mehr spenden.
Kontrolliert wird das jedoch nicht. „Es gibt noch kein Eizellenregister, obwohl das Gesetz das eigentlich vorsieht“, sagt Carlos Maria Romeo vom Lehrstuhl Jura und menschliches Genom an der Universität Deusto. In der Hoffnung, Arbeit zu finden, möchte Susana - wie viele andere junge Spanier - nach Deutschland kommen. Deswegen bezahlt sie mit den 900 Euro ihrer Spende einen Deutschkurs. Ob sie noch einmal spenden wird, weiß sie noch nicht. Aber wenn sie ein regelmäßiges Einkommen hat, sagt sie, möchte sie selbst Mutter werden.

08.01.2013, Quelle: ZDF

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