zurück Startseite

Fernsehfilm der Woche  Blutgeld

Drei Brüder, die an der Bluter-Krankheit leiden und sich durch ein vermeintliches Heilmittel mit HIV infizieren, stehen im Mittelpunkt des Fernsehfilms "Blutgeld", in dem es um den Blutkonservenskandal geht, der Deutschland in den 80er Jahren erschütterte. 

Zeitstrahl der Ereignisse

Bluter in Deutschland

Anfang der 70er Jahre. Marianne Seifert bangt um das Leben ihrer Söhne. Sie sind Bluter, jede auch nur kleine Verlet­zung kann tödlich sein. Ein Fahrradunfall des Jüngsten, Ralf, scheint zum Glücksfall zu werden: Marianne erfährt von einem neuartigen Be­handlungsmittel. Mithilfe des Medikaments können die Brüder Ralf, Thomas und Stefan ein normales bürgerliches Leben führen.

Chat

Nach der Ausstrahlung am 28. Oktober können Zuschauer in einem Chat ihre Fragen zum Film und den realen Hintergründen stellen. Dafür stehen ein Experte und ein anonymisierter Betroffener, dessen Geschichte die Grundlage für den fiktionalen Film war, zur Verfügung.

Das medizinische Wunder hat einen Na­men: Faktor VIII ist ein Gerinnungsmittel, das aus Blutspenden ge­wonnen wird und Bluter scheinbar sorgenfrei leben lässt. Der Arzt, der ihnen das Wunder ermöglicht, ist Professor Dr. Schubert. Doch durch HIV-verseuchte Blutkon­serven erkranken sie wie sehr viele andere Patienten an der Immun­schwäche Aids. Als die Brüder erfahren, dass sie HIV-positiv sind, beginnt für sie der Kampf gegen die ständige Angst – vor dem Aus­bruch der Krankheit und vor deren Entdeckung, die in den 1980er Jah­ren eine totale soziale Ausgrenzung nach sich zieht.

In der Familie kommt es zum Zerwürfnis und der frühe Tod von einem der drei Brüder belastet zusätzlich. Doch vor allem Ralf will sein Leben nicht völlig der Krankheit unterordnen. Unterstützt von der jungen Ärz­tin Martina Meissner ringt er darum, den Übertra­gungsweg beweisen und die Verantwortlichen der Katastrophe zur Re­chenschaft ziehen zu können. Die Verantwortlichen, die den Skandal zu vertuschen versuchen. Bis heute haben die damals verabreichten Faktor VIII-Präparate mehr als 1000 Bluter-Kranke das Leben gekos­tet.

Infos zum Thema

Aus der Sicht eines Betroffenen

Ich hatte Gelegenheit, den Film vorab zu sehen und muss sagen, dass er sehr, sehr gut geworden ist. Er drückt nicht so sehr auf die Tränendrüse, sondern leistet sehr viel Aufklärungsarbeit. Mal davon abgesehen, dass bestimmt sehr viele Menschen gar nichts oder nur sehr wenig von dem Skandal wussten, tut es einfach gut, nach so langer Zeit zu sehen, dass nicht alles in Vergessenheit geraten ist. Hier ist ein erschreckender Tatsachenbericht entstanden, der aber trotzdem das Ausmaß der Tragik innerhalb der Familien ahnen lässt.

Auch können wir den Verstorbenen hier noch mal ein kleines Denkmal setzen und zeigen, dass sie nie vergessen werden. Viele, viele Bluter - zu viele - mussten zu jung einen elendigen Tod sterben und ihre Eltern, Frauen und Kinder mit ihrem großen Leid zurück lassen. Nur weil es letzten Endes um Geld ging.

Ich hoffe, der Bundesregierung auch einen Anstoß gegeben zu haben, um die HCV-Opfer (Hepatitis C) zu entschädigen. Seit Jahren streben viele Beteiligte nach einer Lösung, leider ist bislang seitens der Regierung kein Entgegenkommen wahrzunehmen gewesen. Hier hat sich im Prinzip der gleiche Skandal wiederholt, allerdings ohne diesen Menschen zu helfen.

Abschließend möchte ich sagen, dass es mich sehr traurig stimmt,  zu ahnen, dass die Menschheit nicht dazugelernt hat und es morgen genauso wieder passieren würde. Denn die Profitgier ist leider heute noch größer als in den Achtzigern.

Problemfeld Arzneimittelsicherheit

Hämophilie, auch als "Bluterkrankheit" bekannt, ist eine angeborene und vererbbare Störung der Blutgerinnung. Sie entsteht durch einen genetischen Defekt, der zur Verminderung bestimmter Gerinnungsfaktoren (Faktor VIII oder Faktor IX) im Blut führt. Während noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts viele Hämophile bereits in jungen Jahren verstarben, begann in den 60er Jahren durch neu entwickelte  Behandlungsmöglichkeiten für die damals jungen Hämophilen ein neuer, hoffnungsvoller Lebensabschnitt.

Doch wie der Film "Blutgeld" verdeutlicht, brachte der medizinische "Fortschritt" in den 70er und 80er Jahren mit der Einführung von aus menschlichem Blutplasma industriell hergestellten Faktorenkonzentraten für viele Hämophile schreckliche Nebenwirkungen mit sich: die Infektion mit HIV und/oder dem Hepatitis C-Virus (HCV) durch verunreinigte Präparate. Es wurden zu wenige Gegenmaßnahmen getroffen, so dass weit über 1000 Hämophile in Deutschland dies mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Dank der heutzutage gängigen Virusinaktivierungsverfahren bei der Herstellung von Faktorkonzentraten gelten Virusübertragungen mittlerweile als nahezu ausgeschlossen. Seit 1993 stehen in Deutschland auch gentechnisch hergestellte Faktorpräparate zur Verfügung. Man kann glücklicherweise davon ausgehen, dass ein medizinisch optimal versorgtes hämophiles Kind heute eine der Normalbevölkerung annähernd entsprechende Lebenserwartung haben wird.

Als bundesweite Interessenvertretung der Blutungskranken begrüßt die Deutsche Hämophiliegesellschaft (DHG) es sehr, dass "Blutgeld" Deutschlands größten Medizinskandal thematisiert und so auf eindrückliche Weise das Schicksal der Opfer erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt.

Werner Kalnins, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hämophiliegesellschaft

„Blut-Aids-Skandal“ darf nicht vergessen werden!

Die heutige Generation von Menschen mit angeborenen Blutgerinnungsstörungen kann ein Leben führen, das dem von blutgesunden Menschen nahezu identisch ist. Gerade deshalb aber besteht die latente Gefahr, den  „Blut-Aids-Skandal“ der 80iger Jahre und damit die Betroffenen zu vergessen.

Dank modernster Herstellungsverfahren bei den Faktorenkonzentraten ist eine Infektionsgefährdung mit hochgefährlichen Viren wie HCV und HIV heutzutage nur noch rein theoretisch denkbar.

 Wenn auch diese Entwicklung für die junge Blutergeneration begrüßenswert und segensreich ist, darf nicht vergessen werden, dass nahezu 90% aller ständig behandlungsbedürftigen Patienten mit Hämophilie in den 70iger und 80iger Jahren mit HCV und HIV infiziert wurden. Viele dieser Patienten sind inzwischen an den Folgen dieser Nebenerkrankungen gestorben. Viele der noch überlebenden Menschen,  sind heute schwer krank  und ihre Einkünfte beschränken sich wegen eigener Erwerbsunfähigkeit zum großen Teil auf Geldleistungen aus der im Jahre 1995 gegründeten Stiftung „Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen“. Für sie bedeutete der größte bundesdeutsche Medizinskandal gesellschaftliche, berufliche und teilweise auch private Ausgrenzung.

 Der Vorstand der Interessengemeinschaft Hämophiler e.V. begrüßt deshalb ausdrücklich, dass das ZDF mit der Ausstrahlung des Films „Blutgeld“ auf die schwierige Situation dieser Menschen aufmerksam macht. Wir hoffen, dass auch alle Verantwortlichen in der pharmazeutischen Industrie und der Gesundheitspolitik sich ihrer langfristigen Verantwortung gegenüber dieser Patientengruppe aufgrund der damaligen Katastrophe bewusst bleiben und zumindest die finanzielle Absicherung der betroffenen Hämophilen dauerhaft sicherstellen.

 Dr. med. Thomas Becker, Vorsitzender des Vorstands der Interessengemeinschaft Hämophiler e.V.

Die Skandale von heute

"Blutgeld" nimmt uns mit in eine Zeit des Schreckens: Die große Angst vor Aids. Die Ungewissheit, wie das Virus übertragen wird. Schnell wurde deutlich: HIV ist nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung. Nicht nur das Virus bedrohte die Menschen, sondern auch Ausgrenzung und Diskriminierung.

Die Betroffenen mussten sich – eine tödliche Bedrohung vor Augen – Gehör verschaffen und ihre Rechte einfordern. Es ist beschämend, wie lange manche Verantwortliche weggehört und abgewiegelt haben. Und es ist höchst erfreulich, dass sich die Gesellschaft insgesamt entschieden hat, der Epidemie mit Solidarität und Aufklärung zu begegnen statt mit Ausgrenzung und Repression.

Trotzdem sind wir noch lange nicht am Ziel. Die Studie "positive Stimmen" der Deutschen AIDS-Hilfe zeigt: Diskriminierung gehört für die meisten Menschen mit HIV immer noch zum Alltag. Ausgrenzung und Benachteiligung drohen beim Arztbesuch ebenso wie am Arbeitsplatz oder in der Familie. Der Grund dafür sind oft irrationale Ängste und falsche Vorstellungen vom Leben mit HIV.

Und noch immer sind Menschen von wirksamen Maßnahmen zum Schutz vor HIV und Hepatitis ausgeschlossen, Menschen die kaum eine Lobby haben:

·      In 10 von 16 Bundesländern gibt es keine Drogenkonsumräume, obwohl diese nachweislich Leben retten.

·      Häftlinge erhalten oft keine Substitutionstherapien – in Freiheit die Standardtherapie –  für Heroinabhängige. Und es gibt in deutschen Haftanstalten keine sterilen Spritzen, wie es außerhalb von Gefängnissen Standard ist.

Mit anderen Worten: Das Menschenrecht auf Gesundheit wird in Deutschland noch immer Menschen vorenthalten. Für manche ist das lebensgefährlich. Dieser Skandal geschieht heute und wird in der Öffentlichkeit kaum thematisiert.

Das Leben mit HIV hat sich in den letzten Jahren verändert. Medikamente ermöglichen HIV-Positiven nach heutigem Wissensstand eine fast normale Lebenserwartung und – bei allen Einschränkungen – auch einen fast normalen Alltag. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Die größte Herausforderung besteht darin, Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen zu beenden.

Silke Klumb, Geschäftsführerin der Deutschen AIDS-Hilfe

 

28.10.2013

Weitere Links zum Thema

ZDFmediathek: Der Fernsehfilm der Woche

  • Es kann - früher oder später - jeden treffen. Schon heute sind 1,3 Millionen Menschen in Deutschland ... ARTIKEL

  • Der Fernsehfilm der Woche | 26.09.2016, 20:15

    Die Toten von Salzburg

    Der getötete Anlagebetrüger Walter Holzer hinterlässt so manch Geschädigten. Als Mörder kommen viele ... VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 10.10.2016, 20:15

    Trailer: Die großen Mehrteiler im ZDF

    Vorschau auf die großen Mehrteiler diesen Herbst VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 03.10.2016, 20:15

    Trailer: Tödliche Gefühle

    Vorschau auf den Fernsehfilm der Woche "Tödliche Gefühle" vom 03.10.: Tina ist mit Karl verheiratet, ... VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 29.09.2016, 20:15

    Der Tote in der Mauer

    Bei Abbrucharbeiten wird eine einzementierte Leiche entdeckt. Der Mann ist im Zement erstickt. Für ... VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 26.09.2016, 20:15

    Hörfassung: Die Toten von Salzburg

    Der getötete Anlagebetrüger Walter Holzer hinterlässt so manch Geschädigten, als Mörder kommen viele ... VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 26.09.2016, 20:15

    Trailer: Die Toten von Salzburg

    Vorschau auf den Fernsehfilm der Woche "Die Toten von Salzburg" vom 26.09.: Major Peter Palfinger ... VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 25.09.2016, 21:50

    Tod an der Ostsee

    Ralf Kossak wurde erschlagen. Er hatte einen tragischen Autounfall verursacht, in dem ein kleines ... VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 19.09.2016, 20:15

    Liebe bis in den Mord ...

    "... - Ein Alpenthriller": Sonja hat sich gerade mit Thomas Gruber verlobt. Das glückliche Paar ... VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 19.09.2016, 20:15

    Hörfassung: Liebe bis in den Mord

    "... - Ein Alpenthriller": Sonja hat sich gerade mit Thomas Gruber verlobt. Das glückliche Paar ... VIDEO

  • Der Fernsehfilm der Woche | 12.09.2016, 20:15

    Wer ist Lotte Jäger?

    Silke Bodenbender stellt ihre neue Rolle als Lotte Jäger vor: Sie spielt eine Oberkommissarin in ... VIDEO

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen