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Die Deutschen: Friedrich der Große  | Sendung vom 11.11.2008 [Archiv] Friedrich II., der Große

Vom musischen Kronprinzen zum genialen Feldherrn

Seine harte Kindheit prägte ihn ein Leben lang: Friedrich II., genannt "der Große", ging als genialer Feldherr und "Erster Diener des Staates" in die Geschichte ein. Doch nur mit brutaler Gewalt zwang sein Vater ihm die "preußischen Tugenden" auf. Denn eigentlich interessierte sich der junge Friedrich mehr für das Flötenspiel und französische Romane als für Soldaten.  

Vergebliche Flucht vor dem Vater

Der kleine "Fritz", wie ihn die Eltern nannten, wurde am 24. Januar 1712 im Berliner Schloss geboren. Sein Vater, König Friedrich Wilhelm I., war ein pietistisch religiöser Mensch mit einem großen Faible für das Militär. Drei Viertel der Staatsausgaben flossen in den Aufbau eines mächtigen Heeres. Kriege scheute der "Soldatenkönig" allerdings - aus Sparsamkeit. Der Spruch "So schnell schießen die Preußen nicht" stammt aus dieser Zeit.Von frühester Kindheit an ließ der Soldatenkönig den kleinen Kronprinzen, der sich vor Geschützlärm fürchtete, militärisch drillen. Mit drei Jahren musste sein Sohn reiten lernen und als Achtjähriger eine ganze Kadettenkompanie kommandieren. Der junge Friedrich entzog sich immer mehr der Kontrolle. Heimlich spielte er Flöte, las französische Romane und lernte Latein. Wenn der Vater davon Wind bekam, setzte es Prügel, oft vor den Augen von Offizieren und Dienstboten.

Um dem jähzornigen Vater zu entkommen, beschloss der Thronfolger 1730 die Flucht. Er sondierte erst bei englischen, dann bei französischen Diplomaten. Doch die Pläne flogen auf, Friedrich wurde als Deserteur verhaftet und in Festungshaft genommen. Sein Vater verhängte die Todesstrafe über Friedrichs besten Freund, Hans Hermann von Katte, der in die Fluchtpläne eingeweiht war. Bei der Hinrichtung musste der Kronprinz zusehen. Friedrichs Zynismus, sein ständiges Vabanquespiel, seine Todesverachtung führen Psychoanalytiker auf dieses Trauma zurück.

"Eingebildete Eunuchtheit"

Zu Frauen hatte Friedrich ein gestörtes Verhältnis. Sein Vater zwang ihm die Hochzeit mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern auf, einer Nichte der Kaisergattin in Wien. Ob die Ehe je vollzogen wurde, ist zweifelhaft: Friedrich litt an einer Geschlechtskrankheit, die kurz vor der Hochzeit chirurgisch behandelt wurde und zu einer "eingebildeten Eunuchtheit" führte. Als König schob Friedrich seine Gattin nach Schloss Niederschönhausen ab. Schloss Sanssouci durfte sie zeitlebens nicht betreten.

Preußen schien verloren

Im Gegensatz zum "Soldatenkönig" führte Friedrich II. häufig, ja fast ununterbrochen Krieg. Schon direkt nach der Thronbesteigung 1740 besetzte er ohne Vorankündigung das österreichische Schlesien und wurde zum Hauptkonkurrenten Maria Theresias im österreichischen Erbfolgekrieg bis 1748. Ebenfalls überfallartig rückte Friedrich 1756 in Sachsen ein und löste damit den Siebenjährigen Krieg aus, der Preußen an den Rand des Zusammenbruchs führte.1757 stand Preußen alleine gegen eine Allianz aus Österreich, Sachsen, Frankreich, Schweden und Russland. Friedrich suchte sein Heil im Angriff: Seine "schiefe Schlachtordnung" in der Schlacht von Leuthen schrieb Militärgeschichte. Das zahlenmäßig weit unterlegene preußische Heer gewann die Schlacht. 1762 schien Preußen endgültig verloren und Friedrich spielte mit dem Gedanken an Selbstmord, als die russische Zarin Elisabeth starb. Ihr Sohn schied aus dem Anti-Preußen-Bündnis aus. Im anschließenden Friedensvertrag konnte Friedrich sogar den Landgewinn in Sachsen behaupten, Preußen stieg zur Großmacht auf. Berlin baute Friedrich zur Großstadt aus.

Aufgeklärter Absolutismus

Religionsfreiheit lockte französische Hugenotten, Salzburger Protestanten und muslimische Türken in die preußische Hauptstadt. Der König selbst ließ sich fern des Trubels bei Potsdam ein Rokokoschloss bauen: Sanssouci. Umgeben war er hier ausschließlich von Männern. "Da ist kein Hof", beklagte sich der französische Philosoph Voltaire später, "sondern eine Klausur, aus der die Frauen verbannt sind." Seine Debatten mit Voltaire und die Gedanken der französischen Aufklärung prägten Friedrich in seinem Staatsverständnis. Im "aufgeklärten Absolutismus" war es zwar noch allein der Monarch, der persönlich und uneingeschränkt regierte. Doch verstand Friedrich den Staat nicht als sein Eigentum, sondern sich als "ersten Diener" seines Staates.

Als der "alte Fritz" am 17. August 1786 einsam in Potsdam verstarb, hatte er Preußen zur zweiten deutschen Großmacht neben den Habsburgern in Wien gemacht. Der Dualismus dieser Mächte endete erst 1871 mit der Reichsgründung: Nun dominierte eindeutig Preußen, während Österreich bei der "kleindeutschen" Lösung komplett außen vor blieb.

11.11.2008

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