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Die Deutschen: Friedrich II.  | Sendung vom 16.11.2010 [Archiv] Umstrittene Experimente

Friedrich wollte das Wissen der Welt an seinem Hof zusammentragen

Friedrich war nicht nur an Philosophie und Wissenschaft interessiert, er selbst betrieb naturwissenschaftliche Forschungen und machte Experimente. Heute würde man ihn einen Naturwissenschaftler von hohem Rang nennen. Doch seine Leistung wurde erst spät gewürdigt.  

Friedrich II. mit arabischen Gelehrten am Seziertisch (Spielszene)
Friedrich II. mit arabischen Gelehrten am Seziertisch (Spielszene)
Der kaiserliche Hof war ein Zentrum der Wissenschaft. Friedrich umgab sich mit den klügsten Köpfen seiner Zeit. Darunter Leonardo Fibonacci, ein Kaufmann aus Pisa, der in Europa die arabischen Ziffern mit der Null einführte, dem Nichts, was als Teufelswerk galt. Und mit denen sich schneller und einfacher rechnen ließ als mit römischen Zahlen. In Palermo übersetzten jüdische Gelehrte aus dem Arabischen ins Hebräische und Lateinische. Nicht weniger als das Wissen der Welt, ein "Kompendium enzyklopädischen Wissens", sollte am kaiserlichen Hof zusammengetragen werden.

Naturwissenschaftliche Forschungen

Gelehrte am Hof von Kaiser Friedrich II. (Spielszene)
Gelehrte am Hof von Kaiser Friedrich II. (Spielszene)
Arabische Quellen berichten über ganze Kataloge von Fragen, die Friedrich II. an muslimische Gelehrte geschickt haben soll. Warum erscheinen Ruder im Wasser gebrochen? Bleibt die Seele im Körper des Toten, oder verlässt sie ihn? Und wo befindet sich das himmlische Paradies, wo liegen Hölle und Fegefeuer verborgen?

Friedrich war nicht nur an Philosophie und Wissenschaft interessiert, er selbst betrieb naturwissenschaftliche Forschungen und machte Experimente. Die alte Frage, ob die Sonne Straußeneier ausbrüten könne, klärte er in einem Versuch. Es gelang. Eine Herzensangelegenheit war ihm die Falkenjagd, er selber schrieb ein Standardwerk über die Falknerei. Auch hier forschte der Kaiser persönlich. Eine bleibende Innovation aus seiner Hand: kleine Löcher in den ledernen Falkenhauben, damit die kostbaren Tiere nicht so sehr schwitzten und sich erkälteten.

Sezierung von Hingerichteten?

ZITAT

Der erste moderne Mensch auf dem Thron”

Jacob Burckhardt, Historiker

Gerüchteweise sind aber auch andere Experimente überliefert. War es für die Verdauung besser, nach einem üppigen Mahl zu ruhen oder aber zu reiten? Für die Suche nach der Antwort soll Friedrich die Sezierung von zwei Hingerichteten befohlen haben. Für die meisten Zeitgenossen war das eine Entweihung der Toten durch die Lebenden, wenn nicht sogar unbefugtes Eindringen in die kosmischen Geheimnisse der göttlichen Schöpfung.

Friedrich II. mit Falke (Spielszene)
Friedrich II. mit Falke (Spielszene)
Der Franziskanermönch Salimbene von Parma berichtet von weiteren zweifelhaften Versuchen: Neugeborene Kinder habe Friedrich isolieren lassen, um die Ursprache der Menschheit zu ergründen. Er habe einen Mann in einem Fass mit Spundloch ersticken lassen, um die Frage zu klären, ob die Seele den Toten verlasse. War das alles nur Propaganda, üble Nachrede eines scharfzüngigen Gegners des Kaisers? "Diese Anekdoten Salimbenes sind zweifellos Produkte der Fantasie des Franziskaners", urteilt der Historiker Hubert Houben. "Sie zeigen aber, als wie ungewöhnlich Friedrichs wissenschaftliche Experimente angesehen wurden."

Späte Würdigung

Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen

Von der "aufmerksamen Beobachtung des vom Auge Erfassten" sei er ausgegangen, schreibt Friedrich im Vorwort seines Buches "De arte venandi cum avibus". Kenner bezeichnen es als eines der kompetentesten Falkenbücher, die je geschrieben wurden.

Gut dreißig Jahre beobachtete er und machte Experimente mit Vögeln und Vogeleiern. Ein Falkner aus Leidenschaft, der sich "über jedes Maß an den Falken ergötzte" - so beschreibt ihn sein Hofastrologe Theodor von Antiochien. Heute würde man Friedrich einen Empiriker, einen Naturwissenschaftler von hohem Rang nennen.

Die wissenschaftliche Leistung, die in seinem Werk steckt, wurde erst spät gewürdigt. Dass auch die Jagd mit Greifvögeln zu den Wissenschaften zählt, widersprach gängiger Lehrmeinung. Im Mittelalter war eine theologische Deutung aller Dinge und Erscheinungen üblich. So mag es eine Ironie der Geschichte genannt werden, dass die Prachthandschrift heute zu den großen Schätzen in der Bibliothek des Vatikans gehört.

16.11.2010

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