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Die Deutschen (1. Staffel)  | 09.11.2008  Wallenstein und der Krieg

Genialer Feldherr oder Verräter

Es ist ein Kampf um die religiöse und politische Vorherrschaft im Reich und in Europa: Katholiken gegen Protestanten. Ein Mann soll für den Kaiser die Anhänger der Reformation besiegen: Der Feldherr Albrecht von Wallenstein.  

Schicksalstag ist der 23. Mai 1618: Mit einem Gewaltakt auf der Prager Burg nimmt eine der dunkelsten Epochen in der deutschen und europäischen Geschichte ihren Anfang. Protestanten stürzen die Statthalter des katholischen Monarchen Kaiser Ferdinand II. kurzerhand aus dem Fenster. Dank "göttlicher Fügung" - genau genommen dank eines Misthaufens im Burggraben - überleben die Männer den Sturz aus 17 Metern Höhe. Der Prager Fenstersturz löst eine Spirale der Gewalt aus. Der Konflikt mündet im Dreißigjährigen Krieg.

Das Jahr 1625: Kaiser Ferdinand will seine Macht gegenüber den Fürsten stärken und den Protestantismus gewaltsam eindämmen. Böhmen und die Pfalz fallen an die Katholiken, die immer weiter bis in den Norden vordringen. Jetzt regt sich Widerstand bei den europäischen Nachbarn. Der protestantische König von Dänemark fürchtet um seine Vorherrschaft im Ostseeraum und erklärt Kaiser Ferdinand den Krieg.

"Der Krieg ernährt den Krieg."

Ferdinand benötigt dringend Truppen und Waffen. Jetzt schlägt die Stunde von Wallenstein. Der Kriegsunternehmer macht dem Kaiser das unwiderstehliche Angebot, binnen kurzer Zeit ein 50.000 Mann starkes Heer aufzustellen. Wallenstein, nun mit einer außergewöhnlichen Machtfülle ausgestattet, erweist sich als Finanzgenie und glänzender Organisator.

Wallenstein perfektioniert das Geschäft mit dem Krieg: Das Geld, das er aus seiner eigenen Kasse vorlegt, will er sich in den Kriegsgebieten zurückholen. Eine Kalkulation ohne Skrupel. Er investiert in neue Soldaten und neue Waffen. Und das auf Kosten der Bauern, der Handwerker, der Händler und der Bürger, die für Wallensteins Truppen die Logis stellen, Lebensmittel liefern und für die Soldzahlungen aufkommen müssen. Getreu dem Motto Wallensteins: "Der Krieg ernährt den Krieg."

Millionen Menschen sterben

Jetzt entfesselt sich endgültig ein Krieg, der lange Zeit als der Krieg der Kriege gilt: Er dauert schier endlose 30 Jahre. Millionen von Menschen sterben durch Hunger, Seuchen und rohe Gewalt. Wallenstein weiß diesen Krieg für sich zu nutzen.

Er steigt zu einem der mächtigsten Männer im Reich auf. Unter seinem Kommando wird die kaiserlich-katholische Herrschaft wieder bis an die norddeutschen Meere vorgeschoben. Bis Schweden auf der Seite der Protestanten eingreift - ein entscheidender Wendepunkt. Denn jetzt betritt ein anderer Mächtiger deutschen Boden: König Gustav Adolf von Schweden. Seine Truppen dringen bis in den Süden Deutschlands vor. 1632 kommt es zur Schlacht bei Lützen: Wallenstein und König Gustav stehen sich gegenüber. Der schwedische König stirbt und Wallenstein entrinnt nur knapp dem Tod.

Wallensteins tödliches Umdenken

Der Kriegsunternehmer sieht nun keinen Sinn mehr in seinem todbringenden Gewerbe. In Anbetracht der Eskalation kommt Wallenstein zu der Einsicht, dass sich der Krieg als Geschäft nicht mehr lohnt und dass nur ein Ausgleich zwischen den Mächten und den

Konfessionen dem Gemetzel ein Ende bereiten kann. Der Kaiser unterstellt ihm Hochverrat. 1634 machen die eigenen Soldaten Jagd auf Wallenstein. Der Kaiser hat ihnen ein Kopfgeld versprochen. Wallenstein stirbt, weil er den Krieg nicht mehr für andere führen wollte - schon gar nicht um des Glaubens willen.

14 lange Jahre sollte der Krieg noch dauern, der Deutschland verwüstet und ein Drittel seiner Bewohner um ihr Leben bringt. Erst 1648 wird der Westfälische Friede geschlossen.

09.11.2008

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