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Sendung vom 06.01.2014 [Archiv] "Ultreia" - auf ins Abenteuer!

"Die Pilgerin": Jahresauftakt auf neuen Pfaden

In dem zweiteiligen Fernsehfilm "Die Pilgerin" lässt das ZDF zum Jahresauftakt 2014 eine abenteuerliche Reise Mitte des 14. Jahrhunderts lebendig werden. Nach dem gleichnamigen Roman von Iny Lorentz spielt Josefine Preuß die Titelrolle der jungen Tilla aus der fiktiven Reichsstadt Tremmlingen, die als Mann verkleidet eine gefährliche Pilgerreise antritt, um den letzten Wunsch ihres Vaters zu erfüllen - nämlich nach seinem Tod sein Herz nach Santiago de Compostela zu bringen. 

Karte des Jakobswegs

Der Weg der Pilgerin

Sehen Sie hier Tillas Route von Tremmlingen nach Santiago de Compostela!

(Quelle: ZDF)

Mehr als 2.000 Kilometer sind es von der Gegend um Ulm auf dem Jakobsweg ins spanische Santiago de Compostela. Zu Fuß begangen ist die Strecke heute das, was man eine Gelegenheit zur inneren Einkehr nennt, einen Weg aus dem Alltag in die Zwiesprache mit Gott. Oder, wahlweise und sportiver, eine echte Herausforderung.

Redaktion

Alexander Bickel, Alexander S. Tung

Für die Menschen des Mittelalters war die Wallfahrt zum Grab des Heiligen Jakobus ein im doppelten Sinne existenzieller Hoffnungsmarsch, angetreten zur Erfüllung eines Gelübdes oder zum Ablass für eine Sünde. Auf für unsere Begriffe unbefestigten Wegen ging es damals quer durch das noch dünn besiedelte Europa bis ans Ende der bekannten Welt. Eine Reise voller Ungewissheiten und Gefahren, ein wirkliches Abenteuer.

 

Josefine Preuß als eigenwillige Tilla

Pilgerin - Josefine Preuß mit Kreuz
Josefine Preuß spielt "Tilla" (Quelle: ZDF und Jirí Hanzl)
So auch für Tilla! Auf der Flucht vor ihrem Bruder Otfried pilgert sie inkognito als junger Mann unter Männern und damit in ständiger Sorge, dass ihre Gefährten ihre Verkleidung entdecken. In diesem Sinne ist "Die Pilgerin" ein Stoff über weibliches Selbstverständnis und das seinerzeit reichlich asymmetrische Verhältnis der Geschlechter, aber auch über mittelalterliche Spiritualität und Gottvertrauen und über Tillas nicht gerade zeittypischen Eigensinn. Fast möchte man sie, die den unbekannten Gefahren der Pilgerschaft entgegentritt und an ihren Herausforderungen wächst, eine Vorbotin der Neuzeit nennen.

Mit Herz und Seele verpflichtet sich der Zweiteiler aber vor allem einer Sache: der Lust am Abenteuer und dem Vorsatz, über 2 x 90 Minuten beste Unterhaltung für die ganze Familie zu liefern. Oder genauer: die fremde Epoche glaubwürdig und authentisch, aber auch heutig und mit Sinn für Unterhaltsamkeit zu erzählen.

 

Ungewöhnlicher Historienfilm

Bei dem mit hohem Produktionswert in Tschechien gedrehten Abenteuer um die Pilgerin Tilla führt Philipp Kadelbach Regie, der zuletzt den preisgekrönten ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" inszeniert hat. Auf eine für das Genre bemerkenswerte Weise nimmt der Film die Figuren und ihre Haltungen ernst. Dadurch erhält die Geschichte über die rein mittelalterlichen Masken und Kostüme hinaus etwas zeitlos Gültiges. "Die Pilgerin" ist kein romantisierender Historienfilm, der auf überkommenen und ausgetretenen Pfaden wandelt. Stattdessen kommt der Zweiteiler zuweilen durchaus eigenwillig daher, drängend, ungestüm, suchend nach der sinnlich wahrnehmbaren Lebenswirklichkeit des heutigen Menschen im fernen Spiegel der mittelalterlichen Handlung. Der Zweiteiler ist also auch das, was man ein bisschen knorrig, aber durchaus selbstbewusst einen modernen öffentlichrechtlichen Abenteuerfilm nennen kann.

 

Nach Drehbüchern von Khyana el Bitar, Don Schubert, Sebastian Orlac und Marc O. Seng spielen neben der fabelhaften Josefine Preuß Volker Bruch als Tillas argwilliger Bruder Otfried, Jacob Matschenz als ihr unverdrossener Widerpart Sebastian, Stipe Erceg als galantpragmatischer Ritter Gourdeville, Laura de Boer als undurchsichtige Freifrau Felicia sowie Friedrich von Thun, Roeland Wiesnekker, Lucas Gregorowicz und Dietmar Bär, um nur einige zu nennen.

 

Iny und Elmar Lorentz schrieben die Romanvorlage zum Film

Die Autoren im Interview

Was hat Sie am Pilgern im Mittelalter fasziniert?

"Die Bereitschaft und die Begeisterung, mit der die Menschen in der damaligen Zeit die Mühen und Gefahren einer solch beschwerlichen Pilgerreise auf sich genommen haben, hat uns schon lange sehr beeindruckt, aber auch der Austausch an Wissen und Kultur, der mit den Pilgerströmen einher ging und der die Entwicklung Europas nachhaltig beeinflusst hat."

Wie haben Sie recherchiert?

"Wir haben den Jakobsweg zu einem großen Teil mit dem Auto abgefahren und uns etliche der Stellen, die im Roman vorkommen, genauer angesehen. Darüber hinaus haben wir uns in den zwei Jahren, in denen wir "Die Pilgerin" geplant und geschrieben haben, jedes Buch über den Jakobsweg, Santiago de Compostela und das mittelalterliche Pilgerwesen im allgemeinen besorgt, das wir bekommen konnten."

Gibt es für Ihre Schauplätze reale Vorbilder?

"Der Weg der Pilgerin folgt, bis auf winzige Abweichungen, den in jener Zeit gebräuchlichen Pilgerwegen nach Santiago, die auch heute noch existieren. Ulm und Einsiedeln waren Sammelpunkte der Santiagopilger und in Frankreich benutzte die Pilgergruppe mit Tilla mit der Via Podiensis, sprich der Strecke über Le Puy einen der meistbegangenen Jakobswege in Frankreich. Die meisten Kirchen und Plätze, an denen unsere Pilger vorbei kommen, sind daher real. Ebenso real waren der hundertjährige Krieg und der Kampf um den Thron Kastiliens. Das Vorbild der Stadt Tremmlingen war die Stadt Donauwörth, die ebenso wie unser Städtchen mehrfach den Begehrlichkeiten der bayerischen Herzöge ausgesetzt war. Der einzige Grund, weshalb wir nicht Donauwörth als Heimat unserer Pilgerin gewählt haben, lag in ihrem familiären Umfeld und dem Kampf um "ihre" Stadt."

Was finden Sie an Frauenschicksalen so spannend?

"Frauen waren stets größeren Einschränkungen unterworfen als Männer, und ein von der Norm abweichendes Schicksal zu beschreiben, stellt für uns eine tolle Herausforderung dar. Bei männlichen Protagonisten gibt es nicht so viele Spannungsfelder und vieles wäre einfacher zu beschreiben. Einen Roman über ein Frauenschicksal müssen wir uns viel härter erarbeiten, und das macht uns auch mehr Spaß."

 

Das kreative Team von "Unsere Mütter, unsere Väter"

An der Seite von Philipp Kadelbach steht bei dieser Produktion erneut das kreative Team von "Unsere Mütter, unsere Väter". Kameramann David Slama, Production Designer Thomas Stammer, Kostümbildnerin Wiebke Kratz und Maskenbildner Gerhard Zeiss stehen auch bei "Die Pilgerin" für hohe Qualität und besondere Machart. Produziert von UFA FICTION von Produzent Benjamin Benedict und koproduziert mit dem ORF markiert die Ausstrahlung unseres Event-Zweiteilers zum Jahresauftakt 2014 das Ende einer langen und abenteuerlichen Pilgerreise. Wir hoffen, dass wir nun auch unsere Zuschauer mit auf die Wanderschaft nehmen können, um das Mittelalter in bisher nie dagewesener Weise neu zu entdecken. Im Blick fest das Ziel, dieser fernen, kraftvollen, faszinierenden Epoche eine Geschichte abzugewinnen, die ein großes Fernsehpublikum zwischen 12 und 99 Jahren fesselt, berührt und begeistert.


"Ultreia! ", wie die Pilger sagen, "Vorwärts! "
Das Abenteuer wartet.

06.01.2014

Sendungsinformationen

Montag 06.01.2014, 20:15 - 21:45 Uhr

VPS 06.01.2014, 20:15 Uhr


Länge: 90 min.

Historienfilm, Deutschland, 2014

Gemeinschaftsproduktion von ZDF und ORF

Weitere Informationen

Regie: Philipp Kadelbach

Drehbuch: Don Schubert, Khyana el Bitar, Sebastian Orlac, Marc O. Seng

Kamera: David Slama

Musik: Fabian Römer, Steffen M. Kaltschmid


Darsteller 

Tilla Willinger - Josefine Preuß
Sebastian Laux - Jacob Matschenz
Otfried Willinger - Volker Bruch
Koloman Laux - Friedrich von Thun
Veit Gürtler - Dietmar Bär
Rigobert Gürtler - Sebastian Hülk
Aymer - Lucas Gregorowicz
Vater Thomas - Ernst Stötzner
Ambros - Roeland Wiesnekker
Sepp - Tomas Lemarquis
Dieter - Sven Pippig
Manfred - Carlo Ljubek
Gourdeville - Stipe Erceg
Felicia de Béarn - Laura de Boer
Ilga - Lore Richter
Elsa - Corinna Kirchhoff
Radegund Gürtler - Muriel Wimmer
Eckhardt Willinger - Uwe Preuss
Damian Laux - Lucas Prisor
Schrimpp - Gottfried Breitfuss
 - u.a.

Alle Links zum Film

Weitere Statements der Darsteller

Volker Bruch spielt Otfried Willinger

Otfried (Volker Bruch)

Der Reiz der Rolle: "Grundsätzlich mag ich es, Geschichten in einer anderen Zeit zu erzählen, weil man durch die Distanz eine ganz andere Freiheit hat. Die Bilder, in denen erzählt wird, sind roher und schmutziger. Man kann sich anders ausprobieren und auch mal über die Stränge schlagen"

"Das ganze Team von "Unsere Mütter, unsere Väter" war wieder mit dabei: Von ihnen weiß ich, dass sie immer versuchen, den Rahmen zu sprengen. Und dabei wollte ich helfen."

Jacob Matschenz spielt Sebastian Laux

Jacob Matschenz als "Sebastian"

Die Zusammenarbeit mit Regisseur Philipp Kadelbach: "Philipp hat sich schon im Vorfeld sehr viel Zeit genommen, mit jedem über seine Rolle zu sprechen. Er lässt nicht locker, wenn er eine ganz genaue Vorstellung von einer Szene hat – das hieß dann für uns manchmal eben auch, dass die ganze Pilgertruppe fünfmal durch das eiskalte Wasser und den Schlamm waten musste."

Josefine Preuß spielt Tilla Willinger

Josefine Preuß als "Tilla"

Stimmungsvolle Atmosphäre: "Das Besondere an diesem historischen Film waren die unglaublichen Sets, die originalgetreuen Requisiten und die Kostüme."

"Durch das Zusammenspiel von Szenenbild, Kostüm und Maske wurde eine stimmungsvolle Atmosphäre erzeugt, die es uns Darstellern erst ermöglicht hat, in diese fremde, uns unbekannte Welt einzutauchen."

Stipe Erceg spielt den Ritter Gourdeville

Stipe Erceg als "Gourdeville"

Reiz des historischen Abenteuerfilms:

"Eine Ritterrüstung zu tragen, ein Pferd zu reiten und eine Prinzessin zu retten, das ist der Traum eines jeden Jungen."

"Die Freiheit zu haben, in eine für mich fremde Welt einzutauchen, die nicht an heutige moralische und ethische Vorstellungen gebunden ist."

Friedrich von Thun spielt Koloman Laux

Friedrich von Thun als "Bürgermeister Laux"

Der "Duft des Mittelalters": "Wir haben an sehr beeindruckenden Schauplätzen gespielt, auf historischen Burgen, in einem Bergwerk und einem unglaublich authentisch ausgestatteten mittelalterlichen Markt. Dort war es schmutzig, halbe Schweine hingen dort und Fische lagen aus – der Geruch war entsprechend."

Dietmar Bär spielt Veit Gürtler

Veit Gürtler (Dietmar Bär)

Emotionen - damals und heute: "Dazu kommt der reizvolle Aspekt, dass auch die Menschen des Mittelalters trotz des historischen Hintergrundes von den gleichen Emotionen und Kräften geprägt und geprüft wurden wie wir in der Gegenwart: Liebe und Hass, Neid und Missgunst, Machthunger, Rachsucht usw. Die menschliche Psyche und ihre Abgründe bleiben zeitlos, ob im Neonlicht oder im Schein einer Kerze."

Lucas Gregorowicz spielt Graf Aymer

Graf Aymer (Lucas Gregorowicz, vorne liegend) hält Tilla (Josefine Preuß) auf seiner Burg gefangen.

Eine andere Welt: "Man taucht für ein paar Tage in eine andere Welt ab. Ein bisschen wie früher als Kind, nur dass man sich die Schlösser, Schwerter und Burgmädchen nicht vorstellen muss. Es ist alles wirklich da!"

Laura de Boer spielt Felicia de Béarn

Tilla (Josefine Preuß, rechts) und die Adelige Felicia (Laura de Boer, links) entkommen ihren Verfolgern zu Pferd.

Besonderheiten eines Mittelalter-Historienfilms: "Die Kostüme sind fantastisch, aber auch die Ausstattung ist sehr anregend, alles ist entweder aus Holz, Leder, Stein oder Eisen. Außerdem kann man sich bei so einem Projekt gut vorstellen, was Menschen damals gefühlt haben müssen. Man lernt, was Entbehrung bedeutet. Das sind nicht nur die körperlichen Entbehrungen, sondern auch die psychischen. Meine Figur zum Beispiel, Felicia, hat es als Frau im Mittelalter erheblich schwerer als wir Frauen heutzutage. Ich finde es sehr interessant, mich in ihre Lage zu versetzen."

Die Pilgerin

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