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Zum Reformationstag 2015  Sendung vom 31.10.2015 [Archiv] Der lange Weg junger Flüchtlinge

"Leben ist mehr" am Reformationstag

Tausende minderjährige Flüchtlinge kommen jedes Jahr unbegleitet nach Deutschland - und Dietrich Grönemeyer begegnet aus Anlass des Reformationstags zwei von ihnen. 

Dietrich Grönemeyer spielt Tischfußball

Der lange Weg junger Flüchtlinge

Sehen Sie die "Dietrich Grönemeyer - Leben ist mehr" als Video!

(31.10.2015)
Dietrich Grönemeyer töstet einen jungen Flüchtling

Dietrich Grönemeyer mit Baheer

Trost in einem schweren Moment: Dietrich Grönemeyer leiht Baheer seine Schulter, als diesen die Erinnerung an seine Flucht und den Verlust seiner Eltern einholt.

(Quelle: ZDF)

Im Gepäck haben sie traumatische Erlebnisse und ansonsten nur ihre Hoffnung auf ein neues Leben. Der 15-jährige Baheer ist vor wenigen Monaten in Deutschland angekommen und kämpft mit seiner Vergangenheit. Turi Omari ist schon einige Schritte weiter.

Der heute 21-Jährige ist vor gut vier Jahren aus Afghanistan nach Deutschland geflohen, hat mit Unterstützung vieler Helfer seine ersten Schritte in die Gesellschaft gemacht, gut Deutsch gelernt, eine Lehre begonnen, eine eigene Wohnung bezogen. "Ich will in die Zukunft schauen und mir hier in Deutschland ein Leben aufbauen", sagt er. Jetzt steht ein neues Problem an: Seine Aufenthaltsgenehmigung läuft aus - ob sie verlängert wird?

Suche nach verlorener Geborgenheit

Baheer wurde auf der Flucht von seinen Eltern getrennt und hat seither nichts mehr von seiner
Dietrich Grönemeyer mit Baheer in einem Fahrradladen.
Dietrich Grönemeyer mit Baheer und Dele Müller bei der Fahrradreparatur (Quelle: ZDF)
Familie gehört. In einer Wohngruppe auf einem Bauernhof sucht er nach der verlorenen Geborgenheit - und nach einer Perspektive. Unterstützt wird er dabei von Dele Müller und dessen Team aus Helfern. Sie versuchen, dem verunsicherten Jungen im Dschungel der deutschen Bürokratie einen Weg zu bahnen.

So unterschiedlich ihre Situation ist: Turi und Baheer verbindet die Herausforderung, sich in ein neues Leben hineinfinden zu müssen - und die Fallhöhe könnte für beide kaum höher sein: Eine Behördenentscheidung könnte sie zurückstoßen in ihr altes Leben.

Dietrich Grönemeyer begleitet die beiden in ihrem Alltag zwischen Deutschunterricht und Ausbildung, Behördenwelt und Theaterspiel. Er versucht in Gesprächen ihre Nöte, Hoffnungen und Wünsche zu ergründen. Dabei wird deutlich, wie sehr die beiden auf eine Gesellschaft angewiesen sind, die sich öffnet und den Herausforderungen der aktuellen Entwicklungen stellt. Ohne die Hilfe jedes Einzelnen gibt es keine Perspektive für diese Jugendlichen. Ein Appell, der gerade am Reformationstag, an dem gesellschaftliche Erneuerung und Verantwortung im Mittelpunkt stehen, nicht verhallen sollte.

31.10.2015

Sendungsinformationen

Samstag 31.10.2015, 17:40 - 18:00 Uhr

VPS 31.10.2015, 17:40 Uhr


Länge: 20 min.

Deutschland , 2015

Stichwort: Reformationstag

95 Thesen, die die Welt verändern sollten

Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine Thesen an die Tür der Schloßkirche in Wittenberg genagelt haben. Das war die Initialzündung der Reformation und ist für die Protestanten noch heute ein wichtiger Feiertag. Der Reformationstag ist in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gesetzlicher Feiertag. Zur Feier gehören entsprechende Gottesdienste und mancherorts die so genannten Reformationsbrötchen. Das sind süße Gebäckstücke in Rosenform, die aussehen sollen wie Martin Luthers Wappen: die Lutherrose.

Verzweifelte Suche nach Vergebung

Mit seinen 95 Thesen hat Martin Luther den Ablasshandel kritisiert. Jahrelang hatte er sich als Mönch, Priester und Professor mit der Frage gequält, wie er Vergebung für seine Sünden finden kann. Das Wissen um seine Sünden peinigte ihn sehr. Als Mönch versuchte er es mit Geißelung und kroch wie andere Sünder in Rom auf dem Bauch die "Heilige Treppe" hinauf, um Buße zu tun. Luthers Ängste waren so groß, dass er sich von Dämonen und dem Teufel verfolgt fühlte. Generell war in der damaligen Zeit die Angst der Menschen vor dem Zorn eines strafenden Gottes tief in den Seelen verwurzelt. Deswegen hatten Ablassprediger wie Johann Tetzel Hochkonjunktur. Sein Slogan: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt." Von dem eingenommenen Geld wurden dann kirchliche Bauten finanziert oder die Schulden der Bischöfe abgezahlt.

Thesen am Schwarzen Brett

Viele der üblichen Bußpraktiken lehnte Luther schon lange innerlich ab. Vor allem der Ablasshandel war ihm zutiefst zuwider. Deswegen soll er am 31. Oktober 1517 seine Thesen an die Wittenberger Schlosstür geschlagen haben. Diese war damals eine Art Schwarzes Brett, von dem so manch akademische Diskussion ihren Ausgang nahm. Historisch ist der Thesenanschlag umstritten. Als belegt gilt, dass Luther seine Thesen an Freunde und Vorgesetzte verschickte, um eine Diskussion über den Ablasshandel anzuregen. Er wandte sich gegen die Vorstellung, dass die Menschen sich von ihren Sünden mit Geld freikaufen können. Göttliche Gnade durch irdische Güter - eine Praxis, die nicht mit Luthers Überzeugung vereinbar war.

Angriff auf das Monopol der Kirche

Luthers Antwort auf die Frage "Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?" war: allein durch den Glauben und allein durch die Bibel. Der Christ ist nur seinem Gewissen und seinem Gott verpflichtet, nicht aber der Kirche. Damit war die Kirche nicht mehr alleiniger Mittler zwischen Gott und den Menschen: ein gewagter Angriff auf die Autorität des Papstes. Außerdem hat Luther mit seiner Argumentation dem Ablasshandel die Grundlage genommen. Er hat dem Christenmenschen die Freiheit gegeben, allein mit wahrer Reue und echtem Glauben seinen Frieden mit Gott zu finden.

Vervielfältigung durch den Buchdruck

Zuerst wurden Luthers Gedanken nicht sonderlich beachtet. Der Papst ordnete zwar an, mäßigend auf den Rebell in Wittenberg einzuwirken. Ihre volle Wucht entfalteten Luthers Thesen aber erst, als sie mithilfe des Buchdrucks vervielfältigt und verteilt wurden. Außerdem mäßigte sich Luther ganz und gar nicht - stattdessen präzisierte er seine Thesen in weiteren Schriften. Die Gedanken der Reformation verteilten sich so auf vielen Flugblättern im ganzen Land, ja in ganz Europa.

Unterstützung von vielen Fürsten

1518 wurde gegen Luther der Ketzerprozess eröffnet. In seinem Drang, sich zu rechtfertigen, formulierte Luther seine religiösen Ansichten zu einer selbstständigen Theologie und trennte sich während dieses Prozesses innerlich völlig von Rom. 1521 wurde der Bannfluch über Luther verhängt. Viele Fürsten jedoch waren für Luthers Ideen offen. Denn die Reformation bot die Möglichkeit, den Einfluss des Papstes und des Kaisers auf die Reichspolitik zu schwächen. Wegen dieser lutherfreundlichen Stimmung im Lande musste der Kaiser Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms anhören. Dort soll der Reformator die berühmten Worte "Hier stehe ich und kann nicht anders!" gesprochen haben.

Eine Bibel fürs Volk

Es folgte Luthers inszenierte Entführung auf die Wartburg bei Eisenach, wo er, vor Verfolgung sicher, die Bibel ins Deutsche übersetzte. Das ermöglichte jedem, der lesen konnte, das Wort Gottes selbstständig auszulegen. Lange hielt Luther es allerdings auf der Wartburg nicht aus. Schon 1522 kehrte er - trotz Ächtung - nach Wittenberg zurück und arbeitete mit Schriften und Predigten daran, seine Lehren praktisch umzusetzen. Er reformierte den Gottesdienst, Priester begannen zu heiraten und auch Luther selbst heiratete 1525 die entflohene Nonne Katharina von Bora. Als jedoch die Bauern sich auf ihn beriefen, um mit Gewalt die sozialen Umstände zu verändern, distanzierte sich Luther von den so genannten Bauernkriegen. Luther lehnte die Verwendung der Bibel für politische Ziele ab und trennte zwischen weltlichem und geistlichem Bereich.

Spaltung der Kirche

Nach der Niederlage der Bauern wurde die Reformation von einer Volksbewegung zu einer Angelegenheit der Fürsten, die mit dem Aufbau der Landeskirchen begannen. Damit wurde die Spaltung der Kirche institutionalisiert. Mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 durften dann die jeweiligen Landesfürsten offiziell über die Konfession ihres Landes und ihrer Untertanen entscheiden, was die Religionsverteilung in Deutschland bis heute prägt. Der 31. Oktober 1517 war der Anfang eines Prozesses, der die mittelalterliche Ordnung gänzlich durcheinander geworfen hat. Mit 95 Thesen, die die Welt veränderten.

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