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Die Alpen - 2. Teil   | 03.01.2013  Auf dem Dach Europas

Von Liftgrößen und Partyzauber

Auftakt des zweiten Teils der Alpendokumentation ist das legendäre „Ski-Opening“ Ende November in Ischgl. Ballermann in den Bergen, der Alkohol fließt in Strömen und wer mit Party nichts am Skihelm hat, ist hier fehl am Platz. Denn Schneesicherheit allein reicht nicht mehr, um sich in der Konkurrenz der Skigebiete behaupten zu können. Die Riesenparty von November bis Ostern – das ist der Marketing-Clou nicht nur von Ischgl.Umso ruhiger geht es in den Tälern des südwestlichen Piemont zu. Sie gehören zu den einsamsten der Alpen. Manche Täler verloren neun Zehntel ihrer Bewohner, in den Dörfern zerfallen die Häuser, die Natur erobert die Almen zurück. In dem winzigen Dorf Rimella treffen wir Renata Rinoldi. Die rüstige Italienerin trotzt mit ihrem winzigen Hotel dieser Entwicklung und hält die Stellung. 

Karte: Die Alpen im Überblick

(Quelle: ZDF)
Die Alpen 33

Mondän und glamourös: Sankt Moritz

(03.01.2013 Quelle: ZDF/Michael Sommer)
Die Alpen 23

Bildergalerie

Für ihre zweiteilige Dokumentation haben die ZDF-Reporter Barbara Lueg und Stephan Merseburger dem Bann der Alpen nachgespürt.

(03.01.2013)

Wolfurt in Vorarlberg wird den wenigsten Menschen ein Begriff sein und ist doch Sitz eines wahren „Global Players“. Die Firma Doppelmayr baut Seilbahnen und Skilifte. Der Weltmarktführer ist in 87 Ländern präsent, auch in Russland. Wenn dort 2014 das olympische Feuer entzündet wird, dann werden die Wintersportler von Sesselbahnen und Schleppliften aus Vorarlberg auf die Wettkampfpisten gebracht. „Das sind unsere Wachstumsmärkte“, sagt Michael Doppelmayr, der das Familienunternehmen in vierter Generation führt. Dabei ginge es ihm nicht nur um Profit, so betont er, er will auch Nachhaltigkeit.

ZDF-Reporterin Barbara Lueg hat unterdessen die Schweiz erreicht. In Linthal im Kanton Glarus erlebt sie eine fremde Welt, die nicht hierher zu gehören scheint. Hier haben Hunderte von Exiltibetern eine neue Heimat gefunden. Weil sie aus ihrer Heimat fliehen mussten, ermöglichte ihnen der Schweizer Alpenclub die Ansiedlung in der heimischen Bergwelt.

Sankt Moritz - fernab jeder Demut

Fernab jeder Demut, dafür großspurig und glamourös: so präsentiert sich Sankt Moritz. Kein Geschmeide zu protzig, keine Limousine zu großkalibrig, wer hier reich ist, zeigt es auch. 300 Sonnentage im Jahr verwöhnen die ohnehin schon verwöhnte Klientel, Skifahren wird hier in der Wiege des Skisports beinahe zur Nebensache. Ganz anders sehen das die „Freeheelers“ in Meiringen im Berner Oberland. Sie haben ihre Leidenschaft für eine alte Technik des Skifahrens entdeckt: den Telemark-Schwung. Mit der Ära des Retro-Schick ist auch Telemarken wieder „angesagt“.

Wissenswertes zu den Alpen

Entstehung

Der grosse Kinigat in den Karnischen Alpen

Die Entstehung der Alpen begann vor etwa 100 Millionen Jahren. Zum Hochgebirge wurden sie vor etwa 30 bis 35 Millionen Jahren in der sogenannten alpidischen Phase. Damit sind die Alpen ein relativ junges Gebirge. Die meisten deutschen Mittelgebirge sind über 300 Millionen Jahre alt.

Und weil die afrikanische Platte gegen die eurasische drückt, sind die Alpen noch immer in Bewegung. Die Ostalpen senken sich zwar pro Jahr um 0,3 Millimeter – die Westalpen wachsen aber jährlich um mehr als einen Millimeter.

Menschen

Teilnehmer der 26. Gamsbartolympiade 2012 in Mittenwald (Bayern)

Mit einer Fläche von ungefähr 200.000 Quadratmeter sind die Alpen das größte Gebirge des europäischen Kontinents. Sie erstrecken sich über acht Länder: Frankreich, Monaco, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien. Die größte Stadt inmitten der Alpen ist Grenoble in Frankreich. Die höchst gelegene Stadt in den Alpen, und damit auch Europas, ist übrigens Davos in der Schweiz (1.560 Meter).


Die ersten Menschen siedelten sich in den Alpen vor ungefähr einer Million Jahren an. Heute leben hier knapp 15 Millionen. Pro Jahr kommen noch mal über 100 Millionen Touristen hinzu. In vielen Alpen-Gemeinden macht der Tourismus mehr als 80 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus.

Pflanzen und Tiere

Bluehende Herbstzeitlose unter den Kalkwaenden der Schijenfluh in St. Antoenien-Partnun im Praettigau, Schweiz

Ungefähr 13.000 Pflanzenarten wachsen laut Naturschutzorganisation WWF im Alpengebiet. Die Alpenflora ist je nach Höhenlage sehr unterschiedlich. Während unterhalb der Waldgrenze Eichen, Fichten oder Kastanien beheimatet sind, wachsen auf höheren Stufen nur noch Alpenglöckchen, Kraut-Weide oder Flechten. Den Höhenrekord hält der Steinbrech mit über 4400 Meter.

Auch die Tierwelt der Alpen ist vielseitig – Wissenschaftler gehen von mehr als 30.000 Arten aus. Charakteristisch sind neben vereinzelten Braunbären Steinböcke, Gämse oder Alpendohlen. Aber auch die seit etwa 150 Jahren vertriebenen Wölfe siedeln sich seit kurzem ganz langsam wieder an.

Umwelt- und Naturschutz

Isolationsdecke am Tortin-Gletscher nahe Verbier im Kanton Wallis (Schweiz)

Klimawandel und Massentourismus bereiten den Alpen als empfindliches Ökosystem Probleme. Schon seit den 70er Jahren weisen Umweltschützer auf Bodenerosionen durch Skipisten, Luftverschmutzung durch den Verkehr und Artensterben hin.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass bereits die Hälfte der Alpengletscher durch die Klimaerwärmung abgeschmolzen ist. In manchen Skigebieten decken die Betreiber ihre Gletscher im Sommer deshalb mit Schutzfolien ab. Außerdem fördern einige Alpen-Gemeinden sanften Öko-Tourismus. 1995 trat außerdem die Alpenkonvention in Kraft. Die Regierungen der Alpenstaaten verpflichten sich darin, das Gebirge zu erhalten und zu schützen.

Höchste Gipfel

Blick von Franzoesischer Seite auf das Montblanc-Gebirge in den Westalpen

Die Zugspitze ist mit 2.962 Meter der höchste deutsche Alpen-Berg. Die Schweizer (Dufourspitze, 4.634 Meter) und Österreicher (Großglockner, 3.798 Meter) haben aber deutlich höhere Gipfel. Die höchste Erhebung der Alpen ist mit 4.810 Meter der Mont Blanc. Der Grenzverlauf um seinen Gipfel ist umstritten, sowohl Frankreich als auch Italien beanspruchen ihn für ihr Staatsgebiet.

Doch für Wintersportler sind die hohen Gipfel nicht ungefährlich. Hunderte von Lawinen gehen jedes Jahr in den Alpen ab. Traurige Statistik: Allein 2011 kamen laut Deutschem Alpenverein (DAV) 147 Menschen bei Lawinenunglücken in den Alpen ums Leben.

Alpinisten

Postkarte aus dem Buch "Frauen im Aufstieg, auf Spurensuche in der Alpingeschichte"

Als wohl kühnster Abenteurer ging Hannibal in die Geschichte der Alpinisten ein. Mit über 50.000 Soldaten und 37 Elefanten überquert er die Alpen 218 v. Chr. Die ersten touristischen Eroberungen begannen im 14. Jahrhundert, als einige Gipfel zuerst bestiegen wurden. Besonders im späten 18. Jahrhundert lockten Abenteuerlust und Erholung die europäische Aristokratie und Oberschicht in die Alpen.
Im 19. Jahrhundert gründeten sich dann bürgerliche Alpenvereine, um das Gebirge zu erforschen und Tourismus durch Bergwege und Vereinshütten zu fördern. Der Deutsche Alpenverein (DAV) wurde 1869 gegründet. Heutzutage beschäftigen sich die Alpenvereine mit allen möglichen Themen rund um die Berge: z.B. alpine Kulturgeschichte, Umwelt- und Naturschutz oder Trendsportarten. Der erste Alpenverein kommt übrigens nicht aus Österreich oder der Schweiz – „The Alpine Club“ wurde 1857 in London gegründet!

von Ole Hilgert

Die Reise durch die 6.000 Kilometer lange Route endet am Jungfraujoch - 3.454 Meter über dem Meer. Europas höchster Bahnhof und einmal mehr Beweis dafür, dass die Alpen der Abenteuerspielplatz Europas schlechthin sind. Der Bau der Zahnradbahn war für die Schweiz ein Prestigeprojekt, so ähnlich wie für Frankreich der Eiffelturm. Wer heute mit der Bahn „TheTop of Europe“, so der Werbeslogan, erklimmt, landet in einem Alpendisneyland mit Rolltreppen, Erlebnisstollen, indischem Restaurant, 360 Grad Kino und Eispalast mit Märchenfiguren. Kitsch pur, die Alpen als Geldmaschine. Der Gang auf die Terrasse allerdings macht demütig: Ein faszinierendes Panorama auf das Dach Europas erinnert den Zuschauer daran, wie klein er eigentlich ist, im Angesicht dieser großartigen Naturschöpfung, die selbst menschlicher Größenwahn nicht zu zerstören vermag.

03.01.2013

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