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Sendung vom 26.01.2016 [Archiv] Letzte Ausfahrt Gera

Acht Stunden mit Beate Zschäpe

Beate Zschäpe hat ihr Schweigen gebrochen, doch ihre Aussagen wecken Zweifel. Das Dokudrama "Letzte Ausfahrt Gera – Acht Stunden mit Beate Zschäpe" zeigt, wie Verhörspezialisten 2012 versuchten, von ihr die Wahrheit zu erfahren. 

Beate Zschäpe (Lisa Wagner) mit den beiden BKA-Verhörspezialisten Troller (Rollenname geändert; Joachim Król) und Dietrich (Rollenname geändert; Christina Große)

Wer hat was gewusst?

Acht Stunden mit Beate Zschäpe. Sie hat ihr Schweigen gebrochen, doch ihre Aussagen wecken Zweifel. Das Dokudrama zeigt, wie Verhörspezialisten 2012 versuchten, von ihr die Wahrheit zu erfahren.

(26.01.2016)
Lisa Wagner als Beate Zschäpe und Joachim Król als BKA Ermittler

Wo liegt die Wahrheit?

Lisa Wagner als Beate Zschäpe und Joachim Król als BKA Ermittler

Seit Mai 2013 muss sich Beate Zschäpe wegen mutmaßlicher Mittäterschaft an den grausamen Morden des NSU vor Gericht verantworten. Das BKA stellte zur Begleitung der mutmaßlichen Rechtsterroristin besonders erfahrene Ermittler ab.

Axel Milberg als Richter Manfred Götzl
Axel Milberg als Richter Manfred Götzl
Im Sommer 2012 durfte sie während der Untersuchungshaft ihre Großmutter in Thüringen besuchen. Nach der Fahrt von der JVA Köln nach Thüringen und retour verfassten die Beamten ein Protokoll. Es diente den Autoren Raymond und Hannah Ley als Grundlage für das Drehbuch. Im Mittelpunkt stehen Stationen der Fahrt, bei der die Angeklagte redete, aber wenig sagte und dennoch einiges über ihren Charakter offenbarte.

Im Dokudrama kontrastieren die Autoren Etappen der Reise mit Momenten aus dem späteren Prozess. Die Gerichtsszenen geben beklemmende Schilderungen der Opfer-Angehörigen wieder. Sie machen deutlich, dass sie nicht nur unter den Taten zu leiden hatten, sondern während der Ermittlungen sogar selbst als Täter verdächtigt wur­den.

Neben Joachim Król und Christina Große als BKA-Ermittler standen Lisa Wagner als Beate Zschäpe und Axel Milberg in der Rolle des Richters Götzl vor der Kamera. Grimme-Preisträger Ley führte Regie.


Statements und Infos zur Dokumentation

Vom Recht zu schweigen und zu lügen

Von Peter Arens, Leiter der Hauptredaktion Kultur, Geschichte und Wissenschaft
und Stefan Brauburger, Leiter Redaktion Zeitgeschichte

Es gibt Momente, da stellt der Rechtsstaat die Geduld der Bürger auf die Probe. Angeklagte dürfen schweigen, dies ist eine Errungenschaft unserer freiheitlichen Rechtskultur. Doch kann sich ein Prozess dadurch derart in die Länge ziehen, dass das Verfahren vor allem für die Seite der Opfer kaum mehr zumutbar erscheint. Und wenn der oder die Beklagte dann spricht, was heißt das? Der Rechtsstaat erlaubt dem Angeklagten – anders etwa als dem Zeugen – auch straffrei zu lügen, aus Selbstschutz, so lange die Behauptung keine neue Straftat darstellt, etwa die fälschliche Beschuldigung eines Dritten. Das Ende des Schweigens bedeutet also keineswegs, dass ein Verfahren dadurch beschleunigt oder die Wahrheitsfindung erleichtert wird. Eine Aussage kann eben wahr oder falsch sein, und das Gericht wird seine Zeit brauchen, darüber zu entscheiden.

Seit Mai 2013 steht Beate Zschäpe in München vor Gericht, kein Verfahren der letzten Jahre hat die Öffentlichkeit mehr bewegt und aufgewühlt als der NSU-Prozess. Angesichts der Fülle von Indizien und Belegen scheint in den Köpfen vieler Beobachter das Urteil längst gefällt, im Sinne der Anklage. Doch der Begriff Unschuldsvermutung ist keine bloße Formsache. Beate Zschäpe ist noch immer mutmaßliche Mittäterin bei den zur Last gelegten Morden, Sprengstoffanschlägen und Raubüberfällen.

Ein Film wie eine Gratwanderung

Nach der durch ihren Anwalt Grasel vorgetragenen ersten Aussage, nach fast 250 Prozesstagen des Schweigens, war schnell von "Lüge" die Rede, von einer Ohrfeige für die Opfer-Angehörigen. Und doch wird auch die Erklärung vom 9. Dezember 2015 sorgfältig vor dem Urteil zu wiegen sein.

Was aber heißt das für den Filmemacher? Es handelt sich um ein laufendes Verfahren. Ein Film zum Thema Zschäpe darf nicht wie eine Vorverurteilung daherkommen. So waren alle an unserem Projekt Beteiligten, mitsamt juristischer Beratung, sehr darauf bedacht, den Zuschauer durch das 90-minütige Dokudrama " Letzte Ausfahrt Gera – Acht Stunden mit Beate Zschäpe" in die Lage zu versetzen, sich selbst ein Bild zu machen. Es ist der Versuch, das Publikum sprichwörtlich mit auf eine Reise zu nehmen, eine, die 2012 tatsächlich stattfand.

Das Leid der Opfer

Die Großmutter der Beschuldigten war krank, die Enkelin sollte sie noch einmal besuchen dürfen. Zwei besonders erfahrene BKA-Ermittler – gespielt von Joachim Król und Christina Große – wurden zur persönlichen Begleitung abgestellt, in der Hoffnung, Zschäpe zum Reden zu bringen. Nach der Fahrt von der JVA Köln nach Gera und retour verfassten die Beamten ein Protokoll, das den Autoren Raymond und Hannah Ley als Grundlage für das Drehbuch des Filmes diente.

Im Mittelpunkt stehen die Etappen der Reise, bei der die künftige Angeklagte (gespielt von Lisa Wagner) zwar redete, aber wenig sagte und dennoch einiges über ihren Charakter verriet. Es fiel kein Wort zu den Taten und zum Schicksal der Opfer. Deshalb war uns umso mehr daran gelegen, die Stationen der Fahrt zu kontrastieren, mit Bildern der Täter und der grausamen Morde und vor allem mit Szenen aus dem späteren Prozess. Die Gerichtsmomente (mit Axel Milberg als Richter Götzl) geben den beklemmenden Schilderungen von Opfer-Angehörigen Raum. Dabei wird spürbar, dass sie nicht nur unter den Verbrechen selbst zu leiden hatten, sondern auch als Verdächtigte in der Zeit der Ermittlungen.

Der Weg zur Wahrheit

Nur wenige Beobachter können Zeuge der Verhandlungen vor Ort sein. Dieser Film, der von den Produzenten Walid Nakschbandi (AVE) und Nico Hofmann (UFA Fiction) angeregt und in Zusammenarbeit mit der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte realisiert wurde, vermittelt Einblicke, wie steinig der Weg zur Wahrheitsfindung in diesem Verfahren ist, und was es heißt, Geduld in einem Rechtsstaat aufzubringen, der seinem Namen gerecht werden will.

Gedanken von Regisseur Raymond Ley zum Dokudrama

Ist Beate Zschäpe die biedere, wenn auch promiskuitiv lebende Kleinbürgerin, die ausländerfeindliche Nachbarin? Ist diese selbstbewusst auftretende Frau der Prototyp des antisemitischen Deutschen, der hinter den Gardinen der Vorstädte seinen Hass auf alles "Fremde" pflegt und schließlich morden lässt? Für ein juden- und ausländerfreies Deutschland? Doch was war tatsächlich ihr Tatbeitrag? Unser Film schaut hinter die narzisstische Fassade der Beate Zschäpe, die mit zwei Männern jahrelang im Untergrund lebte. Auf der Fahrt nach Gera gesteht sie sogar Schuld ein, will sich zu ihren Taten erklären, will sich bei ihrer Großmutter entschuldigen.

Mit dem Film auf dem richtigen Weg

Unser Dokudrama setzt die Fakten neu zusammen, interpretiert Zschäpes Haltung und ist eine Art Psychogramm, eine fragile Annäherung an den Charakter der Beate Zschäpe, die sich gern beklagt – kalte Zellen, schlechtes Essen, böse Presse – die aber gegenüber den begleitenden Beamten keine Formulierung für Reue und Einsicht bereit hält.

Inzwischen hat Beate Zschäpe im Münchner Gericht über 50 Seiten zu den Taten und ihrer Beteiligung verlesen lassen. Diese Erklärung bestätigt in ihren Aussagen die Sicht unseres Filmes und die Art, wie Frau Zschäpe ausweicht und sich und die Taten des NSU in keinerlei Verbindung bringen möchte. Auf eine erschreckende und fast "unheimliche" Art und Weise korrespondieren unser Film und Zschäpes Erklärung miteinander. In ihrer "Aussage" versucht sich Frau Zschäpe reinzuwaschen – in unserem Dokudrama ergibt sich aus der Montage der Zschäpe-Szenen aus dem Bus, dem Gericht und den Fragmenten rund um das Zusammenleben mit den beiden Uwes aber ein anderes Bild – das Bild einer meinungsstarken rassistischen Nationalistin, die wusste, was sie tat, was sie "erduldete" und was sie damit mindestens beförderte: Den Mord an unschuldigen Menschen.

Interview mit den Schauspielern über den Film

Gedanken von Lisa Wagner, Joachim Król und Axel Milberg zu Fall, Film und Person

Die Realität "schrieb" – ohne die Arbeit der beiden Autoren schmälern zu wollen – das Drehbuch für das Dokudrama über Beate Zschäpe. Der Stoff ist traurige Wirklichkeit. Welche Gedanken kamen, als man Ihnen vor Monaten die Rolle anbot? Welche Überlegungen haben zur Zusage geführt?

Lisa Wagner: Die Befürchtung, jemandem einen Fokus zu geben, eine Aufmerksamkeit, die dieser Person nicht gegeben werden sollte. Die Befürchtung, dazu beizutragen, dass man sich über Gebühr mit Frau Zschäpe befasst, die dies ja auch zu genießen scheint, und dass der Fokus wieder einmal von den Opfern zu den Tätern wandert. Der Wunsch und Drang zu verstehen, hat aber letztlich überwogen und dazu geführt, sich der Herausforderung zu stellen.

Joachim Król: Die Aufgabe für die Drehbuchautoren war eine extrem schwierige, auch wenn der Eindruck entstehen konnte, "die Realität hätte das Drehbuch geschrieben". Sie mussten aus sehr überschaubaren Quellen schöpfen – sehr schwierig. Ich denke, es ist ihnen hervorragend gelungen, eine Grundlage zu schaffen, auf der wir Schauspielerinnen und Schauspieler das wirkliche Geschehen so realitätsnah wie nur möglich erarbeiten konnten.

Axel Milberg: Es ist immer von besonderer Relevanz, mit einem Film mehr zu erreichen als gute Unterhaltung. Schlimme Versäumnisse, Verbrechen in unserer Gesellschaft, die vielleicht unter den Teppich gekehrt werden, aufzudecken. Oktoberfest-Attentat, Waffenexporte oder NSU-Dilemma: Behörden sind verstrickt, Beamte unfähig, Ermittlungen vereitelt. Dokumentationen darüber sind wichtig, Spielfilme auch.

Wie nähert man sich als Schauspieler einem Thema, das durch die öffentliche Berichterstattung und den noch andauernden Prozess derart präsent, aktuell und brisant ist, wie der vorliegende Fall?

Lisa Wagner: Man liest, was man dazu finden kann, möglichst viel zum Werdegang, zu Alltäglichem, zur Kindheit. Man versucht zu verstehen, was die zu Grunde liegenden Motivationen sein könnten, versucht, eine Phantasie für ihre Handlungsweise zu entwickeln, ein Gespür dafür zu kriegen, wie diese Frau funktioniert. Ansonsten setze ich mein Vertrauen in Raymond Ley, Frau Zschäpe ins "rechte Licht" zu setzen, was eine wahre Gratwanderung ist, wie alles, was mit diesem Thema im Zusammenhang steht.

Joachim Król: Die öffentliche Berichterstattung ist ja vielfältig. Meine Aufgabe war es, neben meinen persönlichen Reaktionen darauf, mir zu überlegen, wie ein hochprofessioneller Verhörspezialist, der absurderweise ja seiner eigentlichen Arbeit gar nicht nachgehen durfte, mit ihr umgeht – sehr reizvoll.

Axel Milberg: Als Schauspieler beobachte ich natürlich den echten, lebendigen Menschen, der agiert, sich und andere bewegt, ohne ihn zu bewerten. Als Individuum, möglicherweise mit Eigenheiten. Arbeite von außen nach innen.

War bzw. ist die Rolle für Sie eine "wie jede andere", die Sie sich mit Ihrer Professionalität erarbeiten, oder mussten Sie sich dem Thema und der Rolle anders nähern als sonst? Wie sind Sie an die Arbeit herangegangen?

Lisa Wagner: Was diese Rolle von anderen unterscheidet, ist natürlich das allgemeine Interesse. Jeder, mit dem ich gesprochen habe, hat dazu eine Meinung, und die Debatte wird sehr schnell sehr hitzig. Das hängt natürlich auch mit der deutschen Geschichte zusammen. Wie wird man dem Thema gerecht? Um Frau Zschäpe spielen zu können, muss ich ihr innerhalb ihres Kosmos recht geben; muss ich mich mit ihrem Werdegang identifizieren und ihr Sein anerkennen, sonst kann ich sie nicht verstehen; sonst kann ich sie nicht glaubhaft verkörpern, auch wenn ich mich von ihr privat als Person komplett distanziere. Das ist ein schizophrener Vorgang, aber das ist in dem Fall meine Aufgabe als Schauspielerin. Alles andere wäre ein Verrat an der "Figur", ein nicht gefülltes Vorzeigen; und das hat mit wirklich verstehen wollen dann nichts zu tun.

Axel Milberg: Der Richter Manfred Goetzl leitet die Gerichtsverhandlung. Seit Jahren, mit zahlreichen Rechtsverteidigern im Raum, beobachtet von der, ja, Weltöffentlichkeit. Ein unendlich schweres Amt. Es braucht einen sehr erfahrenen Langstreckenläufer. Dennoch blitzt etwas vom Menschen hervor, dahinter, der ungeduldig ist, hellwach und um Übersicht kämpft. Ihn habe ich kurz beobachten können im Gerichtssaal.

Joachim Król: Erst einmal ist das natürlich eine Rolle wie jede andere, wie es ja auch für die Ermittler, Anwälte und Richter ein Fall wie jeder andere sein sollte. Dass es das nicht sein kann, liegt auf der Hand. Interessant und äußerst hilfreich war die daraus entstehende intensive Auseinandersetzung mit dem Thema im Ensemble und im Team allgemein. So etwas erlebt man bei konventionellen Dreharbeiten nicht.

Die Fragen stellte Barbara Gauer

Chronik der Ereignisse

26. Januar 1997: Bei Hausdurchsuchungen werden u.a. in einer von Beate Zschäpe angemieteten Garage vier funktionsfähige Rohrbomben, 1,4 kg TNT und Propagandamaterial gefunden. Uwe Böhnhardt entfernt sich ungehindert vom Ort der Durchsuchung, anschließend tauchen er, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe unter.

28. Januar 1997: Für Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe wird ein internationaler Haftbefehl ausgestellt.

9. September 2000: In Nürnberg-Langwasser wird Enver Şimşek, Inhaber eines Blumenhandels, mit acht Schüssen, abgefeuert aus zwei Pistolen, niedergeschossen. Er stirbt zwei Tage später im Krankenhaus. Er ist das erste Opfer des NSU.

19. Januar 2001: In der Kölner Altstadt explodiert in einem Lebensmittelgeschäft ein Sprengsatz und verletzt dabei einen Menschen schwer.

13. Juni 2001: Das zweite Opfer des NSU wird ebenfalls in Nürnberg ermordet, Abdurrahim Özüdoğru wird mit zwei Kopfschüssen getötet. Die kriminaltechnische Untersuchung ergibt, dass hier, wie schon beim Mord an Enver Şimşek, eine Česká 83 benutzt wurde.

27. Juni 2001: Zwei Wochen nach dem zweiten Mord wird der Obst- und Gemüsehändler Süleyman Taşköprü in Hamburg-Bahrenfeld mit drei Schüssen aus zwei verschiedenen Waffen getötet. Wie bei den beiden vorangegangenen Verbrechen wurde auch hier mit einer Česká 83 geschossen. Wie beim ersten Mord an Şimşek kam zudem eine Bruni Modell 315 zum Einsatz.

29. August 2001: In München-Ramersdorf wird Habil Kılıç, Inhaber eines Obst- und Gemüsehandels, in seinem Geschäft erschossen. An diesem und allen weiteren Tatorten findet die Polizei, im Unterschied zu den ersten drei Verbrechensschauplätzen, keine Patronenhülsen.

25. Februar 2004: Im Rostocker Ortsteil Toitenwinkel stirbt Mehmet Turgut an einem Döner-Imbiss nach drei Kopfschüssen.

9. Juni 2014: In Köln-Mülheim werden bei einem Nagelbombenattentat 22 Menschen verletzt, vier davon schwer.

9. Juni 2005: In Nürnberg wird İsmail Yaşar, Inhaber eines Döner- Imbisses, mit fünf Schüssen in Kopf und Oberkörper getötet.

15. Juni 2005: Eine Woche nach dem sechsten Mord wird Theodoros Boulgarides, Mitinhaber eines Schlüsseldienstes, in seinem Geschäft in München-Westend erschossen.

4. April 2006: In der Dortmunder Nordstadt wird der Kiosk-Besitzer Mehmet Kubaşık in seinem Kiosk ermordet.

6. April 2006: In Kassel wird der Betreiber eines Internet-Cafes, Halit Yozgat, durch zwei Kopfschüsse getötet.

25. April 2007: In Heilbronn wird auf die beiden Polizisten Michèle Kiesewetter und Martin A. geschossen. Kiesewetter wird tödlich getroffen, ihr Kollege überlebt schwerverletzt.

4. November 2011: Nach einem missglückten Banküberfall werden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tot in einem ausgebrannten Wohnwagen in Thüringen gefunden. Bei ihnen befinden sich die Waffen der beiden Polizisten, die 2007 in Heilbronn getötet beziehungsweise schwer verletzt wurden. Wenig später steht das Haus in Zwickau in der Frühlingsstraße in Flammen, das zuvor von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe mitbewohnt wurde.

8. November 2011: Beate Zschäpe stellt sich der Polizei in Jena.

11. November 2011: Zum Polizistenmord von Heilbronn übernimmt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen. Es gibt offenbar Verbindungen zu den anderen Morden. Beate Zschäpe wird in Untersuchungshaft genommen.

8. November 2012: Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Beate Zschäpe als mutmaßliches Mitglied der terroristischen Vereinigung NSU und wegen Mittäterschaft an der Ermordung von acht Mitbürgern türkischer und einem Mitbürger griechischer Herkunft, dem Mordanschlag auf zwei Polizeibeamte in Heilbronn sowie der Beteiligung an den versuchten Morden durch die Sprengstoffanschläge des NSU in der Kölner Altstadt und in Köln-Mülheim.

6. Mai 2013: In München beginnt vor dem 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts in Saal A 101 der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte.

13. Mai 2013: Die Anklageschrift wird durch den Bundesanwalt Herbert Diemer verlesen. Beate Zschäpe wird darin vorgeworfen, sich als Mittäterin bei der Ermordung von zehn Menschen innerhalb der Jahre 2000 bis 2007 beteiligt zu haben. Auch sieht es die Bundesanwaltschaft als erwiesen an, dass sich Beate Zschäpe bei zwei Sprengstoffanschlägen in Köln in den Jahren 2001 und 2004 als Mittäterin des versuchten Mordes schuldig gemacht hat. Auch habe sie bei fünfzehn Raubüberfällen als Mittäterin gehandelt. Darüber hinaus habe sie am 4. November 2011 in Zwickau eine besonders schwere Brandstiftung begangen. Wegen dieser zahlreichen Morde und Mordversuche sei auch die Voraussetzung für die Anordnung der Sicherungsverwahrung gegeben.

9. Dezember 2015: Am 249. Verhandlungstag – nach über zweieinhalb Jahren Schweigen – trägt der Pflichtverteidiger Grasel die mit Spannung erwartete Einlassung Zschäpes vor. Die Öffentlichkeit vernimmt, dass Zschäpe zum Zeitpunkt der jeweiligen Morde nichts davon gewusst, sondern erst im Nachhinein davon erfahren haben will. Sie habe weder die Morde, noch die Sprengstoffanschläge gebilligt. Von den Raubüberfällen habe sie gewusst, nicht aber an der jeweiligen Vorbereitung und Durchführung mitgewirkt. Lediglich von dem erbeuteten Geld habe sie profitiert. Weiterhin gesteht sie, am 4. November 2011 das Haus in der Zwickauer Frühlingsstraße in Brand gesetzt zu haben. Hier hatte sie mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gelebt. Sie habe sich – wie sie weiter ausführen lässt – in einer emotionalen Abhängigkeit zu den beiden befunden. Den Gedanken, auszusteigen oder zur Polizei zu gehen, habe sie verworfen, weil Böhnhardt und Mundlos für diesen Fall damit gedroht hätten, sich umzubringen. Die beiden seien für sie wie eine Familie gewesen. Die insgesamt anderthalbstündige Einlassung endet mit einer Entschuldigung Zschäpes bei den überlebenden Opfern und Angehörigen der Ermordeten für die Taten der beiden Männer. Ihr Anwalt hatte zuvor darüber informiert, dass Fragen zur Erklärung Zschäpes seitens des Gerichts nur schriftlich möglich seien, solche der Nebenkläger und der Bundesanwaltschaft gar nicht beantwortet werden.

Zusammengestellt von Stefan Mausbach

26.01.2016

Sendungsinformationen

Dienstag 26.01.2016, 20:15 - 21:45 Uhr

VPS 26.01.2016, 20:15 Uhr


Länge: 90 min.

Deutschland , 2016

Altersfreigabe: 6

Wiederholung 

27.01.2016, 02:15 Uhr Nachtprogramm 

Weitere Informationen

Regie: Raymond Ley

Buch: Hannah Ley, Raymond Ley

Kamera: Philipp Kirsamer


Darsteller 

 - 
Beate Zschäpe - Lisa Wagner
BKA-Beamter Troller - Joachim Król
BKA-Beamtin Dietrich - Christina Große
Richter Manfred Götzl - Axel Milberg

ZDFzoom: Der Fall Zschäpe

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ZDFmediathek: Dokumentation

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