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Forum am Freitag  | 14.11.2014  Verraten und bedroht

Sabatina James wird von Extremisten bedroht

Es gibt Mordaufrufe gewaltbereiter Islamisten, über das Internet verbreitet: Sabatina James, die schon von ihrer Familie gesucht wird, weil sie vor über zehn Jahren vor einer Zwangsverheiratung geflohen ist, wird nun auch von Salafisten verfolgt. "Forum am Freitag"-Moderator Abdul-Ahmad Rashid hat die Frau, die in einem Opferschutzprogramm an einem unbekannten Ort lebt, getroffen. 

Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit und hat eine außerordentliche Ausstrahlung. Wer sie trifft, glaubt kaum, dass diese Frau Opfer einer Zwangsheirat ist. Die Rede ist von Sabatina James, heute 27 Jahre alt und pakistanischer Herkunft.

Vorwand: Heimaturlaub

Sabatina lebte bis zu ihrem zehnten Lebensjahr mit ihrer Familie im pakistanischen Dhedar, als ihr Vater ihre Familie mit ins österreichische Linz nimmt. Sabatina integriert sich schnell in Österreich, lernt die deutsche Sprache und besucht das Gymnasium. Doch ihre konservativen Eltern lehnen ihren Lebensstil ab, der ihnen zu westlich und freizügig erscheint.

Sabatina James lehnt sich mit dem Rücken an eine Scheibe in der sie sich spiegelt.
Sabatina James (Quelle: ZDF,Torsten Lapp)

Unter dem Vorwand, Heimaturlaub zu machen, locken sie ihre Tochter nach Pakistan. Dort wird sie von ihrer Familie genötigt, 17 ihren Cousin zu heiraten. Sabatina James Leidensweg beginnt.

Sie habe die Ehre der Familie beschmutzt, werfen ihre Eltern ihr vor und ihre Mutter verprügelt sie vor der Familie. Sie muss eine strenge Koranschule besuchen, wird geschlagen und misshandelt. Sabatinas Schicksal ist kein Einzelfall. Weltweit werden, so rechnet die Unicef, jährlich mehrere Millionen Mädchen zu einer Heirat gezwungen.

 

Zurück nach Österreich

Alleine in Deutschland sollen jedes Jahr mindestens 1000 Mädchen unter Zwang heiraten, schätzt die Hilfsorganisation Terre des Femmes. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich höher. Damit sind nicht die auch besonders in europäischen Adelsfamilien von den Eltern arrangierten Ehen gemeint, bei denen rechtlich mündige Kinder in relativer Freiheit zustimmen oder ablehnen können. Sabatina James hatte keine Wahl. Sie fügt sich zunächst ihrem Schicksal und verlobt sich mit ihrem Cousin, nur um so die Chance zu haben, zurück nach Österreich zu kommen. Da sie sich weigert, die Heiratsurkunde zu unterschreiben, beginnt der Psychoterror der Eltern. Ihr Vater droht, sich umzubringen und die Mutter weigert sich, ihre Tabletten gegen Bluthochdruck einzunehmen. Sabatina ist verzweifelt und unternimmt sogar einen Selbstmordversuch.

Ihr einziger Halt in dieser Zeit ist die Religion, die sie wechselt. Durch einen Freund inspiriert, konvertiert sie zum Christentum. Unterdessen eskaliert der Konflikt mit den Eltern. 2001 droht ihr Vater, sie umzubringen: "Innerhalb von zwei Wochen bist du wieder Muslima, oder du bist tot". Sabatina sieht keinen Ausweg mehr und flieht nach Deutschland. Zunächst wohnt sie bei Bekannten, doch muss sie seit den Morddrohungen ständig ihren Wohnsitz wechseln. Inzwischen ist sie Teil eines Opferschutzprogramms.

Engagiert gegen Zwangsehen

Gleichzeitig gründet sie einen Verein, Sabatina e. V., der zwangsverheirateten Mädchen und Frauen in Deutschland hilft. Sabatina lebt derzeit unter Pseudonym im Untergrund und hat ihr Schicksal in einem Buch niedergeschrieben: "Sterben sollst du für Dein Glück - Gefangen zwischen zwei Welten". Die Liebe zu ihrer Familie, ihrer Heimat und ihrer Kultur indes hat sie nicht verloren. "Ich liebe meinen Vater und meine Brüder immer noch" erzählt sie uns offen - trotz der Morddrohung.
Sabatina vermisst Pakistan, die Musik, die Farben, die Gastfreundschaft, und sie vermisst ihre Eltern. Sie ist keineswegs verbittert, manchmal aber holt sie die Einsamkeit ein. Sie will einfach nur selbstbestimmt leben, ohne Angst, und einen Mann heiraten, den sie liebt. Für diese Freiheit muss sie einen hohen Preis zahlen.

14.11.2014

Todesdrohungen gegen Sabatina James

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Interaktives zum Islam auf ZDF.de

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