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Ausstieg aus der Kohle  | 24.11.2015  Allianz will Investments aus der Kohleindustrie abziehen

64 Prozent der Deutschen ist es wichtig, dass ihr Geld klimafreundlich angelegt wird. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von Frontal21. Kurz vor dem UN-Klimagipfel in Paris kündigt nun die Allianz an, aus der zerstörerischen Kohle-Finanzierung auszusteigen. 

Kohlekraftwerk

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(24.11.2015)
Der Allianz-Tower in Berlin.

Rückzug aus Kohle-Investments

Der Allianz-Konzern zieht milliardenschwere Investitionen aus der Kohleindustrie ab. Als Grund nannte der Versicherer den Klimaschutz, weshalb man künftig verstärkt in Windenergie investieren will.

(24.11.2015)
dampfende Schornsteine

Vorab-Bericht in ZDF-Morgenmagazin

Konzerne und Kirchen haben vorgelegt im Kampf gegen den Klimawandel. Die "Allianz", größter Versicherer der Welt, zieht vier Milliarden Euro aus der Kohle ab. Ein Zeichen vor dem Klimagipfel in Paris.

(24.11.2015)
Jennifer Morgan

"Divestment ist nicht nur Symbolpolitik"

Im Vorfeld des UN-Klimagipfels hat Frontal21 mit Jennifer Morgan über die Bedeutung des Ausstiegs aus Kohle-Investments gesprochen. Morgan leitet das Klimaprogramm beim World Resources Institute.

(24.11.2015)

von Christian Esser, Sha Hua und Martina Morawietz

Die Allianz, der größte Versicherer der Welt und einer der fünf größten Finanzinvestoren, will nicht mehr in Kohle investieren. Im Exklusiv-Interview mit Frontal21 erklärt Andreas Gruber, Chefinvestor der Allianz: "Die Allianz steigt aus der Kohle aus. Wir werden nicht mehr in Bergbau- und Energieunternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes beziehungsweise ihrer Energie-Erzeugung aus Kohle generieren." Der Abbau werde über die nächsten sechs Monate per Aktien erfolgen. "Bei festverzinslichen Anlagen werden wir keine Verkäufe tätigen, aber wir werden unsere bestehenden Investments auslaufen lassen."

Vertrauensverlust in die Kohleindustrie

Branchen-Kenner schätzen, dass es beim Kohle-Ausstieg um ein Gesamtvolumen von etwa vier Milliarden Euro geht. Das Geld ist beispielsweise in Kohleminen und -kraftwerke investiert. "Wir wollen damit die Verhandlungen auf dem Klimagipfel in Paris im Dezember unterstützen, aber auch ein Zeichen setzen an unsere Branche und an die Kapitalmärkte“, so Gruber. Der Versicherungskonzern ist überzeugt, klimaschädliche Investments rechnen sich in Zukunft nicht mehr.

Mit dem Vertrauensverlust in die Kohleindustrie kündigt Gruber gleichzeitig an, Geldanlagen in Windenergie massiv auszubauen. "Wir haben bis heute etwa zwei Milliarden Euro in Windenergie investiert und wir haben vor, diesen Betrag über die nächsten Jahre zu verdoppeln", so der Allianz-Manager. "Hier erwarten wir eine Rendite von fünf bis sechs Prozent für unsere Kunden." Die Allianz verwaltet 2000 Milliarden Euro. Das Geld stammt insbesondere aus Rücklagen für Altersvorsorgen.

Deutsche Finanzinstitute investieren weiter in die Kohle

Andere deutsche Finanzinstitute investierten dagegen weiter im Milliardenumfang in die Kohle, kritisiert Kathrin Petz von der Umweltorganisation Urgewald. "Allein die Deutsche Bank hat in den letzten fünf Jahren mit zehn Milliarden die internationale Kohleindustrie finanziert und heizt damit aktiv den Klimawandel an.“

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Erst Anfang des Jahres habe die Deutsche Bank, so Petz, eine Kapitalerhöhung für Coal India durchgeführt, den größten Kohleminen-Betreiber Indiens. Aus einer neuen Studie, die Urgewald am Dienstag veröffentlichen wird, geht hervor, dass die Deutsche Bank in den vergangenen fünf Jahren allein 3,3 Milliarden Euro in die Braunkohle investiert hat. Bis Redaktionsschluss hat sich die Deutsche Bank dazu nicht geäußert.

Unterdessen ergab eine neue Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von Frontal21, dass 64 Prozent der Deutschen eine klimafreundliche Anlage ihres Geldes wichtig ist. Klimaschützer wollen nun auch in in Deutschland durchsetzen, dass sich Banken und Versicherungen von umweltschädlichen Geldanlagen trennen. Denn in anderen Ländern zeigt das Umdenken bereits erste Wirkungen: Große Fonds, Versicherungskonzerne und Stiftungen beginnen ihre Investitionen aus fossilen Energieunternehmen abzuziehen.

Divestment im Kampf gegen Klimawandel

Diesen Vorgang, dass man sich von Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt, die unökologisch oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdig sind, nennt man Divestment. Prominentes Beispiel ist die Rockefeller-Dynastie in den USA: 144 Jahre nach der Gründung von Standard Oil kündigt die Stiftung der Familie an, ihr Geld aus der Förderung fossiler Energieträger abzuziehen.

Valerie Rockefeller Wayne ist Bevollmächtigte der Stiftung und eine Ururenkelin von John D. Rockefeller, einem der Mitbegründer einer Erdölraffinerie, aus der 1870 die Standard Oil Company hervorging. Sie sagt gegenüber Frontal21: "Als Stiftung unterstützen wir den Kampf gegen den Klimawandel finanziell, da macht es keinen Sinn, in fossile Brennstoffe und schmutzige Energie zu investieren.“ Divestment sei außerdem ein notwendiger Schritt, um auch in Zukunft sichere Gewinne erzielen zu können.

24.11.2015, Quelle: ZDF/Frontal21

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