zurück Startseite

Thema  | 02.06.2015  Schleichwerbung im Netz

Gekaufte Blogger, manipulierte Kids

Immer mehr Großunternehmen machen Schleichwerbung im Internet. Die Industrie bezahlt Blogger oder Videokünstler, die dann in sozialen Netzwerken wie YouTube, Facebook, Twitter oder Instagram versteckte Produkt- oder Markenempfehlungen unterbringen. Das ist das Ergebnis einer Recherche von Frontal21. 

Tablet zeigt Werbung in sozialen Netzwerken

Der Beitrag als Video

(02.06.2015)

von Marius Brüning, Andreas Halbach und Heiko Rahms

"Es ist ein Massenphänomen, auf das wir reagieren müssen", sagt der oberste Medienwächter Deutschlands, Jürgen Brautmeier, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Medienanstalten, im Interview mit Frontal21.

Vor allem für die jungen Internet-User bestehe die Gefahr, dass sie durch die heimliche Werbung der Blogger und Videostars manipuliert würden, betont Brautmeier und fügt hinzu: Internet-Ikone hätten eine große Glaubwürdigkeit. "Und das perfide ist, wenn die Nähe ausgenutzt wird, um Werbebotschaften unterzubringen."

Schleichwerbung im Netz nimmt zu

Auch andere Experten bestätigen die zunehmende Ausbreitung der Schleichwerbung im Netz. "Wenn ich an die Zukunft denke, was da auf uns zukommt, wird mir fast schon schlecht“, sagte die Internet-Unternehmensberaterin Theresa Grotendorst kürzlich auf dem Blogger-Treffen re:publika bei einer Expertenrunde zum Thema "Schleichwerbung in Sozialen Medien". Man sei überhaupt nicht mehr in der Lage zu beurteilen, wo fange Werbung an, wo höre sie auf.

Le Floid, einer der populärsten deutschen YouTube-Stars, distanzierte sich gegenüber Frontal21 von jeder Art versteckter Werbung: "Jeder, der Idolfunktion hat und geht auf ein solches Geschäft ein, ist in meinen Augen nicht tragbar und auch sehr dumm." Der Videokünstler mit mehr als 2,5 Millionen Followern gibt vor allem der Werbeindustrie die Schuld an der Ausbreitung der Schleichwerbung im Internet, weil sie die juristische Unerfahrenheit der Internetszene schamlos ausnutze: "Die große Verführbarkeit liegt am schnellen Geld für nur einen Post, das den jungen noch unerfahrenen YouTubern geboten wird."

Redaktionelle Artikel mit versteckten Werbebotschaften

Frontal21 wollte wissen, wie leicht das Geschäft mit der heimlichen Werbung im Netz zustande kommt. Mit Hilfe des bekannten Nachrichten-Bloggers Richard Gutjahr machte die Redaktion Stichproben und reagierte auf etwa ein Dutzend sogenannter Kooperationsanfragen von PR-Agenturen. In den meisten Fällen waren die Tatbestände für illegale Werbung erfüllt: Es wurden redaktionelle Artikel mit versteckten Werbebotschaften angeboten. Dafür wollten die Agenturen Geld zahlen, vorausgesetzt, der Blogger verzichtet auf den Werbehinweis. "Diesbezüglich sind unsere Kunden sehr streng", schrieb beispielsweise eine Agentur, die einen Artikel über den "umweltbewussten Haushalt" in sozialen Medien platzieren wollte, gegen ein Honorar von 200 Euro. In den Beitrag eingebettet war ein Link, der direkt zur Werbung für "besonders energiesparende Waschmaschinen" eines großen Versandhauses führte.

Nach einer nicht repräsentativen Umfrage unter 115 Bloggern verdienen 65 Prozent der Befragten Geld mit ihren Internet-Plattformen. Jeder Dritte gibt zu, seine Kooperationen regelmäßig nicht als Werbung zu kennzeichnen.

02.06.2015, Quelle: ZDF

Mehr zur Sendung

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen