zurück Startseite

Thema  | 03.11.2015  Riskante Verhütung

Antibabypillen unter Verdacht

Warum erleiden so viele junge Frauen schwere Thrombosen und Lungenembolien - und das, obwohl sie gesund waren? Experten haben Antibabypillen der neueren Generation im Verdacht, häufiger Thrombosen zu verursachen. Sie fordern, diese Pillen vom Markt zu nehmen. 

Antibaby-Pillen

Der Beitrag als Video

(03.11.2015)

von Beate Frenkel und Astrid Randerath

Astrid Schock hat nur wenige Wochen lang die Antibabypille Yasmin genommen, eine Pille der neueren Generation, als die 30-Jährige zusammenbricht. Sie erleidet eine Lungenembolie. Die Mutter eines drei Monate alten Babys stirbt auf der Stelle, der Notarzt kann nicht mehr helfen. Ihr Mann, Christian Schock, will jetzt den Bayer-Konzern verklagen. Er gibt der Pille die Schuld am Tod seiner Frau: “Meine Frau war gesund, Nichtraucherin, sportlich“, erzählt er. “Sie stand mitten im Leben, es gab keine Anzeichen für irgendwelche Krankheiten oder Thrombosen.“ Es gebe keine Erklärung dafür, bis auf den Zusammenhang mit der Pille, meint Schock. Sein Anwalt, Martin Jensch, erläutert, warum sein Mandant gegen den Pharmariesen vor Gericht zieht: “Wir klagen im Fall der Astrid Schock, weil wir der Auffassung sind, dass der von Bayer verwendete Wirkstoff Drospirenon die Lungenembolie, an der Frau Schock verstorben ist, verursacht hat.“

Erhöhte Risiken

Moderne Verhütungsmittel wie Yaz, Yasmin, Yasminelle oder Petibelle enthalten, anders als ältere Pillen, den Wirkstoff Drospirenon. Dennoch werden sie gern und oft verschrieben, weil sich vor allem junge Mädchen damit auch eine Verbesserung ihres Hautbildes erhoffen.

Mehr Infos zum Thema

Der Gesundheitsexperte Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen fürchtet für die jungen Frauen erhöhte Risiken, vor allen Dingen Thrombosen. “Das sind Thrombosen-Gefäßverschlüsse, die auch wandern können, die Lungenembolien machen.“ Das seien Risiken, die zum Tode führen könnten. “Wenn ich ein doppelt so hohes Risiko bei den neueren Pillen habe, im Vergleich zu den alten, dann ist das für mich ein Grund, genau diese Pillen nicht zu empfehlen.“ Glaeske fordert, dass die Pillen vom Markt genommen werden müssen.

Wegen möglicher Nebenwirkungen seiner Verhütungspille Yasminelle muss sich der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern Bayer nun allerdings vor einem deutschen Gericht verantworten. Eine Studentin verlangt von dem Unternehmen Schadenersatz und Schmerzensgeld wegen Gesundheitsschäden, die angeblich durch Yasminelle entstanden sind. In den USA hat Bayer bereits rund zwei Milliarden US-Dollar an etwa 10.000 Frauen gezahlt, die Venenthrombosen oder Lungenembolien erlitten haben. Der Konzern betont, dass dies ohne Anerkennung der Schuld geschehen sei und die Pillen ein positives Nutzen-Risiko-Profil haben.

Hohe Umsätze mit modernen Pillen

768 Millionen Euro Umsatz erzielte der Konzern weltweit im Geschäftsjahr 2014 mit seinen drospirenonhaltigen Pillen. Philipp Mimkes von den kritischen Bayer-Aktionären "Coordination gegen BAYER-Gefahren" sieht in den hohen Umsätzen einen Grund, warum die Tabletten nicht vom Markt genommen werden.

03.11.2015

Mehr zur Sendung

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen