zurück Startseite

Sendung vom 23.03.2016 [Archiv] Ku'damm 56

Dreiteilige Familiengeschichte über den Aufbruch der Jugend in den 1950er Jahren

Die Berliner Tanzschule "Galant" in den 1950er Jahren: Hier prallen Welten aufeinander, hier wird der Kampf zwischen Prüderie und Emanzipation ausgetragen. Der neue ZDF-Dreiteiler erzählt diesen besonderen Abschnitt zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunder. In den Hauptrollen spielen Claudia Michelsen, Sonja Gerhardt, Maria Ehrich und Emilia Schüle, in weiteren Rollen stehen Heino Ferch, Uwe Ochsenknecht, Sabin Tambrea, Trystan Pütter, August Wittgenstein und viele weitere vor der Kamera. Nach dem Drehbuch von Annette Hess ("Weissensee"), inszeniert von Sven Bohse. 

Maria Ehrich, Claudia Michelsen, Sonja Gerhardt und Emilia Schüle in Ku'damm 56 (v.li.)

Eine Familie gerät aus dem Takt ...

Sehen Sie hier erste Bilder aus dem Event-Dreiteiler!

(20.03.2016)
Ku'damm 56 - der Event-Dreiteiler im ZDF

Im Look der Fifties

Entdecken Sie unsere Hauptdarstellerinnen auf den Litfaßsäulen Berlins!

(20.03.2015)
Trystan Pütter und Sonja Gerhardt beim Tanz-Training

Das Tanztraining

Blaue Flecken, Tennisarm und ausgerenkte Rücken ... Sonja Gerhardt und Trystan Pütter waren bei den Proben mit vollem Einsatz dabei!

(20.03.2016)

1956: Die junge Monika Schöllack wird wegen ungebührlichen Benehmens der Hauswirtschaftsschule verwiesen. Beschämt kommt sie zurück nach Berlin zu ihrer Mutter Caterina und ihren Schwestern Helga und Eva. Monikas Rauswurf ist für Caterina ein weiterer Beleg für das Versagen ihrer Tochter und sie befürchtet, niemals einen Mann zu finden, der Monika heiratet.

Die Redaktion

Heike Hempel (Hauptredaktionsleiterin Fernsehfilm/Serie II), Bastian Wagner, Anna Boßlet

Dabei ist es Caterinas großes Ziel, ihre Töchter durch vorteilhafte Heirat bestmöglich in der Gesellschaft zu etablieren. Der Ruf der Familie steht dabei für Caterina über allem. Sie ist sehr konservativ und entsprechend ist auch das Programm der Tanzschule "Galant", die Caterina alleine leitet. Ihr Mann und Vater der Töchter, Gerd Schöllack, wird seit 1944 vermisst. Lediglich Fritz Assmann, ein Freund der Familie, unterstützt sie in der Tanzschule und steht ihr auch sonst zur Seite.

In die Freiheit tanzen

Monika Schöllack (Sonja Gerhardt, l.)und Freddy Donath (Trystan Ptter, r.) tanzen
Monika (Sonja Gerhardt) und Freddy (Trystan Pütter) beim Rock 'n' Roll (Quelle: ZDF und Stefan Erhard)
Das Programm der Tanzschule von Caterina Schöllack spiegelt die verkrampfte konservative Einstellung der Besitzerin wider: Nur Standardtänze werden angeboten! Von ihren drei Töchtern Monika, Eva und Helga verlangt sie, dass sie sich durch vorteilhafte Heirat bestmöglich in die konservativ geprägte Gesellschaft einfügen.

Aber dann entdeckt Monika den Rock 'n' Roll, Helga stellt fest, dass ihr Ehemann eigentlich auf Männer steht und Eva verliebt sich in einen verheirateten Mann – obwohl sie in ihrem Chef Prof. Dr. Fassbender bereits eine gute Partie gefunden hatte. Monikas Geschichte und die ihrer beiden Schwestern stehen dabei exemplarisch für zahlreiche Biografien einer Zeit, in der das Leben und der Wert einer Frau über den Platz an der Seite ihres Ehemannes bestimmt wurden. Doch gleichzeitig bewegten die Suche nach einer neuen weiblichen Identität und der aufkommende Wunsch nach Gleichberechtigung die Frauen dieser Generation.

Präzise recherchiert und packend erzählt

Die Geschichte wird von Annette Hess, einer der besten Drehbuchautorinnen unserer Zeit, in ihrer unverwechselbaren Handschrift erzählt. Ihre Figuren sprühen vor Leben. Zudem gelingt es ihr immer wieder, den Härten der Zeit humorvolle Momente entgegenzustellen.

Kommentare der Schauspieler

Claudia Michelsen spielt Caterina Schöllack

Caterina Schöllack (Claudia Michelsen)

Die Zeitreise, die wir machen durften, war ein Geschenk. Für mich war vor allem interessant, die Rollen der Frau von damals und heute zu begreifen. Welche Auswirkungen haben die Erlebnisse unserer Eltern bis hinein in unsere Generation und sogar in die Generation unserer Kinder?

Sonja Gerhardt spielt Monika Schöllack

Monika Schöllack (Sonja Gerhardt, l.) hat Angst vor der Reaktion ihrer Mutter.

Als ich die Bücher das erste Mal gelesen habe, wollte ich unbedingt Monika Schöllack spielen. Mich haben vor allem die Entwicklung der Figur, wie auch das Rock 'n' Roll-Tanzen und die geschichtlichen Hintergründe der 50er Jahre gereizt.

In einer Werbung der 50er Jahre heißt es: "Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen? Und: Was soll ich kochen?" (lacht). Diese traditionelle und für heutige Verhältnisse eher veraltete Rollenverteilung musste ich mir während der Dreharbeiten ständig ins Gedächtnis rufen.

Maria Ehrich spielt Helga Schöllack

Helga Schöllack (Maria Ehrich) freut sich auf die bevorstehende Hochzeit mit Wolfgang.

Ich habe extrem viele Bücher und alte Zeitschriften wie beispielsweise die "Constanze" gewälzt, um mich erst einmal überhaupt in der Zeit zurechtzufinden. Wie war man damals als junges Mädchen, was war schick, was modern, wofür hat man sich begeistert? Während dieser Lektüren musste ich aber auch herausfinden, wie vielen Zwängen eine Frau in den 50er Jahren unterlag. Das war gleichzeitig spannend und erschreckend.

Emilia Schüle spielt Eva Schöllack

Eva Schöllack (Emilia Schüle) ist fassunglos, als sie auf ihren totgeglaubten Vater Gerd Schöllack (Robert Schupp) trifft

Um mir ein genaues Bild der Zeit zu machen, habe ich auch einige Lebensberichte gelesen und Bücher verschlungen. In der Nachkriegszeit des Männermangels und Frauenüberschusses befanden sich Frauen konstant auf der Jagd nach einer "guten Partie". Als Töchter einer Tanzschullehrerin und der guten Etikette, die jede ordentliche Frau an den Tag zu legen hatte, haben wir vor den Dreharbeiten einen klassischen Tanzkurs absolviert. Das half, sich die damals "züchtige" und stocksteife Körperhaltung anzueignen.

Uwe Ochsenknecht spielt Fritz Assmann

Uwe Ochsenknecht spielt Fritz Assmann

Es ist für einen Schauspieler immer interessant, in historische Zeiten einzutauchen und in Kostüme zu schlüpfen. Da 1956 mein Geburtsjahr ist, umso mehr. Die Tanzszenen waren die größte Herausforderung. Fünf Wochen Proben und vier verschiedene Tanzstile waren nur mit der tollen und bezaubernden Lehrerin Angelika Honig möglich. Danke nochmal. Zudem haben die Ausstatter, Requisiteure, Maskenbildner und Kostümbildner eine tolle Arbeit abgeliefert. Ich war total in die Fifties gebeamt. Und hatte volles Haar – ein Traum!

Sabin Tambrea spielt Joachim Frank

Sabin Tambrea spielt Joachim Franck

Ich war sehr glücklich über die große Herausforderung, Joachim Franck zu spielen. Diese Figur hat eine enorme Spannweite in ihrer Zeichnung. Die größte Aufgabe war sicherlich die Entwicklung zwischen Joachim Franck und Monika Schöllack. Dies in Zusammenhang mit den anderen komplexen Strängen der Geschichte, mit Regie, Kamera, allen Abteilungen und wunderbaren Kollegen, bescherte mir eine wertvolle Erinnerung an eine außergewöhnliche Arbeit. Ich bin sehr glücklich, Teil davon gewesen zu sein.

Trystan Pütter spielt Freddy Donath

Freddy Donath (Trystan Pütter) sorgt auf Helgas Hochzeit mit einer Rock n' Roll-Einlage für Aufruhr.

Es ging mir selten so, dass mich ein Buch so schnell überzeugt hat, wie es hier der Fall war. Die Rolle Freddy Donath war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick für mich und eine sehr interessante Herausforderung. Abgesehen von der Figuren-Entwicklung waren vor allem die Fähigkeiten, die Annette Hess Freddy gegeben hat, eine große Aufgabe für mich: Freddy spielt wie ein Wilder den Kontrabass und tanzt Rock 'n' Roll wie kein Zweiter. Abgesehen von ein paar mickrigen Klavierstunden, vor denen ich mich als 12-Jähriger meist gedrückt habe, habe ich nie ein Notenblatt berührt. Und so musste ich, mit viel Hilfe, Schweiß und Wutausbrüchen, für unseren Film neun Musikstücke auf dem Kontrabass lernen – und ich kann es kaum glauben, aber es hat geklappt!

August Wittgenstein spielt Wolfgang von Boost

Das Brautpaar Helga (Maria Ehrich) und Wolfgang von Boost (August Wittgenstein) beim gemeinsamen Foto mit ihren Hochzeitsgästen.

Autorin Annette Hess hat drei sehr starke Bücher geschrieben, bei denen vor allem die Beziehungen zwischen den Figuren feingliedrig skizziert sind. Als Schauspieler kribbelt es da schon beim Lesen in den Fingern und man will einfach mitmachen. Speziell mit der Figur Wolfgang von Boost habe ich beim Drehbuchlesen sofort mitgefiebert – umso schöner war es, dass ich gerade für diese Rolle vorsprechen durfte!

 

Die erfahrenen Produzenten hinter dem Film sind Nico Hofmann und Benjamin Benedict von der UFA Fiction. Gemeinsam mit ihnen hat das ZDF bereits eine Reihe von präzise recherchierten und packend erzählten zeitgeschichtlichen Stoffen wie "Unsere Mütter, unsere Väter" oder "Dresden" realisiert. Die Inszenierung von Regisseur Sven Bohse ist nah an den Figuren und stets intensiv durch die Kombination von klaren Bildern und treibendem Rhythmus. Ein großartiges Schauspielerensemble gibt der wendungsreichen Geschichte ihr Gesicht: Größen der deutschen Schauspielkunst wie Claudia Michelsen, Uwe Ochsenknecht und Heino Ferch wurden kombiniert mit den kommenden Stars der Szene Sonja Gerhardt, Maria Ehrich und Emilia Schüle.

23.03.2016

Sendungsinformationen

Mittwoch 23.03.2016, 20:25 - 22:05 Uhr

VPS 23.03.2016, 20:15 Uhr


Länge: 100 min.

Familiendrama, Deutschland , 2016

Altersfreigabe: 12

Wiederholung 

09.04.2016, 23:20 Uhr 

Weitere Informationen

Regie: Sven Bohse

Buch: Annette Hess

Kamera: Michael Schreitel

Musik: Maurus Ronner


Darsteller 

Monika Schöllack - Sonja Gerhardt
Caterina Schöllack - Claudia Michelsen
Helga von Boost - Maria Ehrich
Eva Schöllack - Emilia Schüle
Dr. Jürgen Fassbender - Heino Ferch
Fritz Assmann - Uwe Ochsenknecht
Joachim Franck - Sabin Tambrea
Freddy Donath - Trystan Pütter
Wolfgang von Boost - August Wittgenstein
Rudi Hauer - Steve Windolf
Sonja Lundi - Katharina Schüttler
Gerd Schöllack - Robert Schupp
Christa Hauer - Anne Werner
Otto Franck - Markus Boysen
Frau von Boost - Emanuela von Frankenberg
Fräulein Martina - Paula Kober
und andere - 

Ku'damm 56 | 09.04.2016, 20:15

Film verpasst?

Hier finden Sie die kompletten Filme in der Mediathek! [mehr]

Die 50er Jahre, eine Zeit der Gegensätze

Statement von Autorin Annette Hess

Meine Inspiration für "Ku'damm 56", für die Figuren, waren die Erzählungen meiner Eltern über diese Zeit. Immer wieder tauchte der Name einer unmöglichen Monika auf. Sie war nicht anständig, poussierte mit Jungs, trug Petticoats und las Romane! Eine Helga gab es auch, eine Freundin meiner Mutter, gutmütig, anständig, bemüht, allen Erwartungen gerecht zu werden. Auch Vorbilder für die berechnende Eva, die 'auf dem Standesamt promovieren' will – wie das damals hieß – kamen in vielen Erzählungen vor. Aber am meisten interessierte mich diese Monika, denn der Umgang mit ihr war verboten. Sie war also gefährlich.

Statement von Regisseur Sven Bohse

Die Geschichte spielt zu der Zeit, in der meine Eltern aufgewachsen sind. Mich damit auseinanderzusetzen, wie die Welt ihrer Jugend war, hat mich interessiert. Die Art des Umgangs, die Sprache, die Sichtweisen – Vieles kam mir im Buch bekannt vor, auch von Familienfesten bei meinen Großeltern. Außerdem ist dieses Kapitel deutscher Geschichte, bei dem weder Nazis noch die Stasi im Mittelpunkt stehen, noch nicht so auserzählt. Ich fand es schon beim Lesen unglaublich spannend, wogegen junge Menschen, vor allem Frauen, damals ankämpfen mussten, welchen Erwartungen sie ausgesetzt waren. Mein Bild der 50er setzte sich hauptsächlich aus Heinz-Erhard Filmen, Schlagermusik und dem Wirtschaftswunder zusammen, die heile Welt, in die viele damals geflüchtet sind.

Statement von Produzent Nico Hofmann

Ku'damm 56" spielt nicht zufällig dort, wo all die erwähnten Widersprüche wie an keinem anderen Ort aufeinanderprallen: Mitten in Berlin, der geteilten und traumatisierten Stadt. Und "Ku'damm 56" erzählt ebenso wenig zufällig vor allem von drei jungen Frauen und ihrer Mutter. Noch viel mehr als die Männer leiden sie unter der Bigotterie dieser Jahre, in denen ihnen ein  selbstbestimmtes Leben in vielen Bereichen noch verwehrt bleibt. Doch sie beginnen, aufzubegehren, kämpfen für ihre Unabhängigkeit und einen neuen Umgang mit ihrer eigenen Sexualität und legen damit den Grundstein für die Selbstfindung und Emanzipation einer ganzen Generation von Frauen. Der Rock 'n' Roll wirkt dabei wie ein Katalysator, durch den die Sehnsüchte und Gefühle der Heldin Monika endlich den langersehnten Ausdruck finden, und macht den Dreiteiler nebenbei auch zu einer absolut sehens- und hörenswerten Reise in die Musik- und Modegeschichte.

(Benjamin Benedict und Nico Hofmann, UFA FICTION)

Dokumentationen zum Dreiteiler

"Wir Nachkriegskinder", Dienstag, 15. und 22. März 2016, jeweils 20:15 Uhr

"Ku'damm 56 – Die Dokumentation", Sonntag, 20. März 2016, direkt im Anschluss an Folge 1, 21:45 Uhr

SB Ku'damm 56

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen