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Leschs Kosmos  | 24.11.2015  Der Klima-Lügen-Check

Was ist dran am Klimawandel?

Es wird stetig wärmer. Dürren, Stürme und Überschwemmungen drohen vermehrt. Und alles, weil wir unseren Planeten aufheizen und so den Treibhauseffekt provozieren, so die gängige Theorie. Den Klimawandel gibt es überhaupt nicht, behaupten die Skeptiker. Schmelzende Gletscher und Wetterextreme beruhen auf natürlichen Schwankungen, so ihre Theorie. Wer hat Recht im Klimastreit? 

Forscher in der Arktis untersuchen einen Eisbären

Die Zweifel am Klimawandel und dessen Folgen sind weit verbreitet. Harald Lesch zeigt Tatsachen und Daten, die selbst Klimaskeptiker nicht ignorieren können.

(24.11.2015)
Harald Lesch im Studio

Harald Lesch mit einem Kommentar zum Thema der Sendung "Der Klima-Lügen-Check".

(24.11.2015)

Die Zweifel am Klimawandel und dessen Folgen sind weit verbreitet. Wir sehen Bilder von abgemagerten Eisbären, hören erschreckende Zahlen über den Meeresspiegelanstieg, aber vorstellen können wir uns den Klimawandel nicht. Die Wissenschaft kann uns die Fakten präsentieren. Aber die gilt es auch zu interpretieren. Welche Rolle spielt beispielsweise die Sonnenaktivität bei der Erderwärmung tatsächlich? Harald Lesch trennt Fakten von Fiktion und stellt die Argumente der Klimaskeptiker auf den Prüfstand.

Zeugen des Klimawandels

Erforschung der Eisbären

Forscher untersuchen Eisbär

Kürzlich stellte eine Fotografin schockierende Fotos eines abgemagerten Eisbärenweibchens ins Internet. Handelt es sich dabei um einen Einzelfall? Ein amerikanisches Forscher-Team ist den Ursachen auf der Spur. Dafür betäuben sie die Raubtiere vom Hubschrauber aus. Nur so kommen sie an die notwendigen Untersuchungsdaten. Oft sind die Tiere untergewichtig. Und immer wieder treffen sie auf Weibchen, die noch Milch produzieren, aber deren Nachwuchs nicht mehr bei ihnen ist. Doch ohne den Schutz der Mütter haben die Jungtiere keine Überlebenschance. Was kann passiert sein?

Erschwerte Nahrungssuche

Eisbärin mit Jungem

Die Eisbärenweibchen halten Winterschlaf. Wenn sie trächtig sind, überwintern sie in sicheren Geburtshöhlen. Sie säugen den Nachwuchs und zehren von ihrer Fettschicht. Sobald es wärmer wird, gehen die Eisbärenmütter auf Futtersuche, um ihre Fettreserven wieder aufzufüllen. Ihre Hauptnahrung sind Robben. Ideal für die Jagd ist eine leicht brüchige Eisdecke. Aber das Eis geht immer weiter zurück, und die Robben ziehen mit dem Eis. Für die hungrigen Weibchen und ihre Jungen heißt das, sie müssen immer weitere Strecken für die Nahrungssuche auf sich nehmen.

Schmelzender Lebensraum

Satellitenbild: Rückgang Eismassen in der Arktis

Satellitenmessungen der NASA beweisen, dass im Sommer das arktische Eis seit Jahrzehnten immer wieder auf neue Rekordminimumwerte schrumpft.Dann können die Eisbären ihr Jagdglück nur noch auf dem Festland versuchen. Doch die großen und schweren Tiere sind an Land keine guten Jäger, und selbst die trägen Walrosse sind keine leichte Beute.

Ungewisse Zukunft

Eisbär greift Walross an

Um überhaupt noch an Nahrung zu kommen, schwimmen Weibchen mit ihren Jungen Strecken von bis zu 700 Kilometern und sind dabei fast zehn Tage ohne Pause im eiskalten Wasser unterwegs. Eisbären sind zwar exzellente Schwimmer, doch der Weg zehrt an den Kräften. Und nicht selten geht der Nachwuchs auf den weiten Strecken verloren. Doch selbst wenn Mutter und Kind das rettende Festland wieder erreichen, ihre Fettreserven für den Winter zu füllen, wird ihnen mit dem Nahrungsangebot an Land nur schwer gelingen. Wenn sich die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte fortsetzt, wird es in Zukunft eng für die Eisbären.

Rasende Geschwindigkeit

Überflug Arktis

Eisbären sind unbestechliche Zeugen des Klimawandels, weil sie Opfer der sich verändernden Verhältnisse sind. Zwar haben die Eisbären schon früher solche wärmeren Phasen in der Arktis überstanden, denn die Eisflächen sind in den letzten Jahrtausenden schon immer in gewissen Zeiträumen geschrumpft und wieder gewachsen. Der Unterschied zu vergangenen Wärmephasen ist die Geschwindigkeit, mit der das Eis nun verschwindet.

Wachsende Gletscher trotz Erderwärmung

Durch den Klimawandel ziehen sich die Gletscher weltweit zurück. Doch mancherorts zeigt sich ein ganz anderes Bild. Am Mont-Blanc-Massiv lag dort, wo sich heute eine mächtige Eiszunge befindet, der Ort St. Jean de Pertuis. Er wurde vor über 400 Jahren unter dem langsam vorstoßenden Eis begraben. Andere Alpengletscher sind über Jahrhunderte hinweg immer wieder einmal vorgedrungen und zurückgewichen. Der Untere Grindelwaldgletscher in der Schweiz war 1998 viel größer als 1974. Wie passt das mit der allgemein propagierten Gletscherschmelze zusammen?

Ötzi, die Gletschermumie

Gletscherleiche Ötzi liegt auf abetautem Eis

Ein besonderer Zeitzeuge liefert ein wichtiges Indiz für die Entwicklung der Temperatur über Tausende von Jahren. Mehr als fünf Jahrtausende lang war es so kalt, dass sein Körper verborgen und konserviert blieb. Erst 1991 taute die Firnkappe und gab die Eismumie frei. Sie wurde unter dem Namen Ötzi berühmt. Inzwischen ist die Firnschicht, in der Ötzi lag, völlig abgeschmolzen. Wenn der Trend sich fortsetzt dann gehört das Bild der weißen Alpengipfel im Sommer bald der Vergangenheit an.

Über Satelliten werden Eismassen auf der Erdoberfläche vermessen. Auf diese Weise haben französische Forscher 2012 am Rande des Himalaya entdeckt, dass im Karakorum-Gebirge Gletscher zu Beginn dieses Jahrhunderts nachweislich an Masse zugelegt haben. Die Erklärung der Forscher ist plausibel: Mit jedem Grad plus nimmt der Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre um sieben Prozent zu. Mehr Wasserdampf führt zu mehr Niederschlag, der oberhalb der Nullgradgrenze als Schnee niedergeht. Die Gletscher wachsen also nicht trotz – sondern wegen der globalen Erwärmung. Solange ein Gletscher über der Nullgradgrenze liegt, kann er durch Schneefälle wachsen. Wird es wärmer, und klettert dadurch die Nullgradgrenze weiter nach oben, schmilzt er.

Oberfläche der Sonne mit Eruptionen
Sonneneruptionen setzen gewaltige Enegiemengen frei. (Quelle: Nasa)

Die Launen der Sonnenaktivität

Die Sonne ist der wichtigste Energielieferant für unser Klima. Doch sie ist nicht gleichmäßig aktiv, und das könnte große Auswirkungen haben, glauben manche. Tatsächlich schwankt die Aktivität der Sonne in Zyklen von etwa elf Jahren. In Zeiten hoher Aktivität platzt ihr Magnetfeld förmlich aus allen Nähten. Von der ungleichen Rotation des Plasmas verdreht, stülpen sich magnetische Feldlinien aus und schleudern heftige Strahlung ins All. Dabei wird Hitze von dem extremen Magnetismus eine Zeitlang gefangen. Die betroffenen Stellen sind deswegen kühler und wirken daher dunkler. Doch die Strahlungsintensität wächst. Das heißt, je mehr Flecken, desto mehr Strahlung, vor allem im UV-Bereich.

Das Maunder-Minimum

Grafik: Maunder-Minimum

Einer der ersten, der die Sonnenflecken erforscht hat, ist Galileo Galilei. Viele andere Sternengucker ziehen nach. Merkwürdig daran ist, im 17. Jahrhundert ist kaum etwas zu sehen. 50 Jahre lang suchen die Astronomen vergebens nach den rätselhaften dunklen Flecken. Zur gleichen Zeit kämpft der Norden Europas mit einer Kältewelle, die bis 1830 andauern sollte – die kleine Eiszeit. Die Forschung konnte später zeigen: In Zeiten niedriger Sonnenaktivität war auch die mittlere Temperatur niedriger. Im sogenannten Maunder-Minimum hat die Sonne über mehrere Elf-Jahres-Zyklen hinweg geschlafen. Aber ist die Sonne auch die Hauptursache für das viele Eis gewesen? Spuren im Klimaarchiv der Erde können das klären. In Eisbohrkernen haben Forscher in eingeschlossenen Bläschen einen Stoff gefunden, der auf eine andere Fährte führt. Schwefelpartikel. Dafür gibt es nur eine Quelle: Explosionen, die sie bis in die Stratosphäre geschossen haben. Vulkanausbrüche an verschiedenen Orten der Welt haben den Himmel damals über Jahre verdunkelt. Das war die eigentliche Ursache für die Kälteperiode.

Weil starke Sonnenwinde Satelliten und Funkverkehr stören, verfolgen wir die Sonnenaktivität heute permanent. Momentan sinkt sie, und sollte der nächste Zyklus wieder so schwach sein, hätten wir es ab 2020 mit einem neuen großen Minimum zu tun. Eine neue kleine Eiszeit wird es deswegen aber nicht geben. Zwar kann eine schwache Sonne, wie beispielsweise im Jahr 2008, die Winter regional verstärken. Global ergäbe sich aber nur ein durchschnittlicher Temperaturrückgang um 0,3 Grad, errechneten Experten. Das bremst den Trend zur globalen Erwärmung wenig. Auch umgekehrt gilt: Selbst wenn die Sonne heftig aus vielen Flecken feuert, trägt sie zur Erderwärmung kaum bei. Ihre Strahlungsleistung schwankt im Verlauf eines Zyklus um 0,2 Watt pro Quadratmeter Erdfläche. Das ist nicht viel. Mit 0,1 Prozent sind die Klimaeffekte der Solarzyklen im globalen Maßstab gering. Die Wärme staut sich in erdnahen Schichten. Die Sonne verdirbt unser Klima also nicht. Sie berührt es nur - kaum merklich.

Die Favela Paraisopolis im Stadtteil Morumbi der brasilianischen Wirtschaftsmetropole Sao Paulo. Im hintergrund, die Hochhaeuser der reichen Viertel .
Unsere Urahnen konnten sich noch ihren Lebensraum aussuchen. (Quelle: dpa)

Die größte Gefahr des Klimawandels

Häufige Wetterextreme wie Sturmfluten und Dürren geben uns eine Vorstellung vom Klimawandel. Doch der größte und gefährlichste Wandel kommt ganz harmlos daher: die Verschiebung der Klimazonen. Für Mitteleuropa ist subtropisches Klima prognostiziert. Warum uns das bedroht wie keine andere Folge der globalen Entwicklung zeigt eine Reise zurück zu den Anfängen der Menschheit. Bis vor 20.000 Jahren bediente sich der Mensch alleine aus der Natur. Die Jäger und Sammler zogen das ganze Jahr ihrer Beute hinterher. Sie lebten in Großfamilien und vollkommen autark. Natürliche Klimaschwankungen, die sich schleichend über Tausende Jahre entwickelten, konnten angestammte Jagdreviere der Gruppe zerstören. Für die Menschen gab es jedoch eine einfache Überlebensstrategie: Sie machten sich auf den Weg und suchten nach einer günstigeren Jagdgegend. Selbst wenn sie dort auf andere Gruppen trafen, war das kein Problem. Der Planet bot reichlich Platz, um einander auszuweichen.

Vor etwa zehntausend Jahren sollte sich dies ändern: Aus Jägern und Sammlern wurden Ackerbauern. Die Menschen banden sich an einen festen Ort - an ihr Feld. Die Bevölkerungszahl explodierte. Doch wer wusste, wie man Vieh züchtet und Ackerbau betreibt, der brauchte erst einmal keinen Hunger mehr fürchten. Die neuen Verhältnisse zeigten bald ihre Kehrseite. Der, dessen Ernte ausfiel, holte sich nun die Nahrung  vom Nachbarn. Es galt nicht mehr, das Großwild zu besiegen, um zu überleben, sondern Nahrungs-Konkurrenten. Mit der Aufteilung des Bodens schrumpfte der verfügbare Raum. Man konnte einander nicht mehr ausweichen. Auf einem Gebiet, das früher nur eine Handvoll Jäger und Sammler versorgen musste, leben heute Millionen Menschen. Die Weltbevölkerung wächst stetig und besetzt immer mehr Land. Ein Ausweichen ist unmöglich geworden. Dadurch sind vielleicht nicht Hitzewellen und Stürme die größte Gefahr des Klimawandels - sondern die Konflikte in einer Welt, deren Lebensräume sich rasend schnell verändern.

24.11.2015

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Terra X Lesch & Co

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  • Leschs Kosmos | 24.05.2016, 23:00

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