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"Alle anderen halten den Mund"
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Änderungen beim Fallpauschalen-System
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"Eine Erklärung ist so wichtig"
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Änderungen beim Fallpauschalen-System
"Eine Erklärung ist so wichtig"
Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn (CDU), würde die umstrittenen Boniverträge für Chefärzte, die allein auf die Menge an Operationen abzielen, gerne verbieten. Ein solcher Schritt griffe jedoch stark in das Vertragsrecht ein und wäre damit verfassungsrechtlich kompliziert, sagte Spahn in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Patienten müssten sich deshalb in der Zukunft genau darüber informieren können, für welche Art von Operationen der Chefarzt eines Krankenhauses Prämien erhalte. Dies müsse aus den Qualitätsberichten der Kliniken hervorgehen.
"Zweite Meinung bei planbaren OPs zur Regel machen"
Spahn plädierte zugleich dafür, dass vor planbaren großen Operationen die Meinung eines zweiten Arztes eingeholt wird. Dieses Zweitmeinungsverfahren sollte "regelhaft" eingeführt werden, um die Notwendigkeit einer Operation zu prüfen.Spahn schloss im Verlauf der Diskussion auch Änderungen am System der Fallpauschalen für Krankenhäuser nicht aus. Wo es eine besondere Steigerung der Zahl der Eingriffe gegeben habe, müsse der finanzielle Anreiz herausgenommen werden, sagte er. So könnten Krankenhäuser, die zum Beispiel besonders viele Herzkatheter-Operationen machten, diese dann "nicht mehr zu 100 Prozent" bezahlt" bekommen. Grundsätzlich aber seien die leistungsbezogenen Fallpauschalen deutlich besser als die früher übliche Abrechnung von Klinikleistungen nach Verweiltagen, betonte Spahn."Änderungen bei Fallpauschalen-System werden kommen"
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Montgomery, verwies vor dem Hintergrund der Diskussion um unnötige Operationen darauf, dass auch Ärzte unter dem Zwang "wettbewerblicher Strukturen" stünden. "Ich bin sicher, wir werden beim Fallpauschalen-System Änderungen durch die Politik erleben", sagte er. So sollten Transplantationen aus diesem Abrechnungsmodus herausgenommen und "in eine andere Finanzierungsform überführt" werden, um wirtschaftliche Anreize zu vermeiden, schlug Montgomery vor.Dass die Medizin der Ökonomie diene und nicht die Ökonomie der Medizin, beklagte auch die Anwältin für Arzthaftungsrecht Britta Konradt. Mit der Einführung der Fallpauschale sei den Boniverträgen für Chefärzte Tür und Tor geöffnet worden. Dabei sei die Zahl der Operationen in den letzten Jahren deutlich gestiegen - wie auch die Zahl der Klagen von Patienten gegen Behandlungsfehler. Das neue Patientenrecht sei allerdings eine "Mogelpackung". An den Rechten der Patienten ändere es nichts. "Ich habe nichts entdeckt, was Patienten stärkt, außer, dass sie es jetzt nachlesen können", so Konradt."Das Leben war weg"
Die zweifache Goldmedaillengewinnerin der Paralympics in London, Birgit Kober, sitzt seit fünf Jahren im Rollstuhl. Sie führt ihre Lähmungen auf einen Behandlungsfehler zurück und klagt gegen das verantwortliche Klinikum. Bei Maybrit Illner schilderte sie ausführlich ihren Fall. "Das Leben war weg", so die Behindertensportlerin des Jahres 2012. Heute wolle sie einfach nur an einem "Runden Tisch" mit dem Krankenhaus erreichen, dass sie nicht auf Hartz IV angewiesen sein muss. Die sportlichen Erfolge in London hätte sie mit ihrem Leben "versöhnt", so Kober.Der Notfallmediziner Paul Brandenburger berichtete bei Maybrit Illner sehr selbstkritisch aus dem Klinik-Alltag. Junge Mediziner seien in diesem "absolten System" stark abhängig von ihren Chef-Ärzten. In den Kliniken, so Brandenburg, finden keine Fehler statt, weil nicht sein könne, was nicht sein darf. Eine "Fehlerkultur" gäbe es nicht. Er habe erlebt, dass oft nur eine Meinung gültig gewesen sei, nämlich die vom Chef-Arzt, selbst wenn Fehler absehbar gewesen seien. Auch sei die Aufklärung von Patienten zu Risiken bei Operationen manipuliert worden. So zitierte Brandenburg einen Chef-Arzt mit den Worten: "Ein Patient der nicht zustimmt, der ist falsch aufgeklärt." Brandenburg selbst hat den Klinik-Betrieb inzwischen verlassen und arbeitet als selbständiger Honorararzt.

