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Sendung vom 24.01.2013 [Archiv]

Hilfe, der Arzt kommt!

Wer stoppt den Medizin-Pfusch?

Können Patienten gänzlich fehlerfreies Arbeiten von Ärzten erwarten? Haben Ärzte und Krankenhäuser inzwischen ihr eigenes Konto mehr im Blick als das Wohlergehen der Patienten? Was ist überhaupt ein Behandlungsfehler? Und wie schwer ist es als Betroffener, Recht und damit Schadensersatz zu bekommen? Darüber diskutierte Maybrit Illner mit ihren Gästen. 

Sendung verpasst?

Sehen Sie hier die "maybrit illner"-Sendung "Hilfe, der Arzt kommt - wer stoppt den Medizin-Pfusch?" vom Donnerstag, den 24. Januar 2013.

(24.01.2013)

"Alle anderen halten den Mund"

Notfallmediziner Paul Brandenburger zu Gast bei "maybrit illner" zum Thema Medizin-Pfusch. Der Arzt sagt selbstkritisch: "Man macht sich in so einem System auch zum Komplizen."

(24.01.2013)

Änderungen beim Fallpauschalen-System

Frank Ulrich Montgomery, Präsident Bundesärztekammer, und der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn schlossen bei "maybrit illner" Änderungen am System der Fallpauschalen für Krankenhäuser nicht aus.

(24.01.2013)

"Eine Erklärung ist so wichtig"

Anja Printz zu Gast bei "maybrit illner": 2004 wurde ihr ohne Einwilligung die gesamte Schilddrüse entfernt und die Stimmbänder so stark verletzt, dass sie nach der OP nicht mehr sprechen konnte.

(24.01.2013)

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn (CDU), würde die umstrittenen Boniverträge für Chefärzte, die allein auf die Menge an Operationen abzielen, gerne verbieten. Ein solcher Schritt griffe jedoch stark in das Vertragsrecht ein und wäre damit verfassungsrechtlich kompliziert, sagte Spahn in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Patienten müssten sich deshalb in der Zukunft genau darüber informieren können, für welche Art von Operationen der Chefarzt eines Krankenhauses Prämien erhalte. Dies müsse aus den Qualitätsberichten der Kliniken hervorgehen.

"Zweite Meinung bei planbaren OPs zur Regel machen"

Spahn plädierte zugleich dafür, dass vor planbaren großen Operationen die Meinung eines zweiten Arztes eingeholt wird. Dieses Zweitmeinungsverfahren sollte "regelhaft" eingeführt werden, um die Notwendigkeit einer Operation zu prüfen.

Spahn schloss im Verlauf der Diskussion auch Änderungen am System der Fallpauschalen für Krankenhäuser nicht aus. Wo es eine besondere Steigerung der Zahl der Eingriffe gegeben habe, müsse der finanzielle Anreiz herausgenommen werden, sagte er. So könnten Krankenhäuser, die zum Beispiel besonders viele Herzkatheter-Operationen machten, diese dann "nicht mehr zu 100 Prozent" bezahlt" bekommen. Grundsätzlich aber seien die leistungsbezogenen Fallpauschalen deutlich besser als die früher übliche Abrechnung von Klinikleistungen nach Verweiltagen, betonte Spahn.

"Änderungen bei Fallpauschalen-System werden kommen"

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Montgomery, verwies vor dem Hintergrund der Diskussion um unnötige Operationen darauf, dass auch Ärzte unter dem Zwang "wettbewerblicher Strukturen" stünden. "Ich bin sicher, wir werden beim Fallpauschalen-System Änderungen durch die Politik erleben", sagte er. So sollten Transplantationen aus diesem Abrechnungsmodus herausgenommen und "in eine andere Finanzierungsform überführt" werden, um wirtschaftliche Anreize zu vermeiden, schlug Montgomery vor.

Dass die Medizin der Ökonomie diene und nicht die Ökonomie der Medizin, beklagte auch die Anwältin für Arzthaftungsrecht Britta Konradt. Mit der Einführung der Fallpauschale sei den Boniverträgen für Chefärzte Tür und Tor geöffnet worden. Dabei sei die Zahl der Operationen in den letzten Jahren deutlich gestiegen - wie auch die Zahl der Klagen von Patienten gegen Behandlungsfehler. Das neue Patientenrecht sei allerdings eine "Mogelpackung". An den Rechten der Patienten ändere es nichts. "Ich habe nichts entdeckt, was Patienten stärkt, außer, dass sie es jetzt nachlesen können", so Konradt.

"Das Leben war weg"

Die zweifache Goldmedaillengewinnerin der Paralympics in London, Birgit Kober, sitzt seit fünf Jahren im Rollstuhl. Sie führt ihre Lähmungen auf einen Behandlungsfehler zurück und klagt gegen das verantwortliche Klinikum. Bei Maybrit Illner schilderte sie ausführlich ihren Fall. "Das Leben war weg", so die Behindertensportlerin des Jahres 2012. Heute wolle sie einfach nur an einem "Runden Tisch" mit dem Krankenhaus erreichen, dass sie nicht auf Hartz IV angewiesen sein muss. Die sportlichen Erfolge in London hätte sie mit ihrem Leben "versöhnt", so Kober.

Der Notfallmediziner Paul Brandenburger berichtete bei Maybrit Illner sehr selbstkritisch aus dem Klinik-Alltag. Junge Mediziner seien in diesem "absolten System" stark abhängig von ihren Chef-Ärzten. In den Kliniken, so Brandenburg, finden keine Fehler statt, weil nicht sein könne, was nicht sein darf. Eine "Fehlerkultur" gäbe es nicht. Er habe erlebt, dass oft nur eine Meinung gültig gewesen sei, nämlich die vom Chef-Arzt, selbst wenn Fehler absehbar gewesen seien. Auch sei die Aufklärung von Patienten zu Risiken bei Operationen manipuliert worden. So zitierte Brandenburg einen Chef-Arzt mit den Worten: "Ein Patient der nicht zustimmt, der ist falsch aufgeklärt." Brandenburg selbst hat den Klinik-Betrieb inzwischen verlassen und arbeitet als selbständiger Honorararzt.

24.01.2013

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Die Gäste am 24. Januar

Birgit Kober

Birgit Kober bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Birgit Kober: Die zweifache Goldmedaillengewinnerin der Paralympics in London und Behindertensportlerin des Jahres 2012 sitzt seit fünf Jahren im Rollstuhl. Sie führt ihre Lähmungen auf einen Behandlungsfehler zurück und klagt gegen das verantwortliche Klinikum.

Britta Konradt

Britta Konradt bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Britta Konradt ist Ärztin und Anwältin für Arzthaftungsrecht. Sie stellt fest: "Auch unser Gesundheitssystem zeigt, dass wir uns von der Solidargemeinschaft verabschiedet haben. In der Medizin steht nicht mehr der einzelne Patient im Mittelpunkt, sondern Fallpauschalen. Die Gier mancher Ärzte muss begrenzt werden. Man braucht keinen Ferrari vor der Tür!"

Jens Spahn

Jens Spahn bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

"Menschen machen Fehler", sagt der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn. Den gesetzlichen Schutz von Patienten will er stärken, warnt allerdings davor, dass die Diskussion problematischer Einzelfälle das Vertrauen in die Medizin insgesamt beschädigt.

Paul Brandenburg

Paul Brandenburg bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Der Notarzt und Allgemeinmediziner Paul Brandenburg beklagt: "Wir haben in der Ärzteschaft eine besonders ausgeprägte Kultur des Klappehaltens und Wegsehens."
Brandenburg kritisiert: "Die Grenze von der ärztlichen Entscheidung, die medizinisch geboten ist, zu dieser Entscheidung, die wirtschaftlich motiviert ist, wird regelhaft oft überschritten. Oder kurz: Es gibt viele zu viele überflüssige OPs."

Frank Ulrich Montgomery

Frank Ulrich Montgomery bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery wirbt um Vertrauen: "Jeder Mensch, der durch den Fehler eines Arztes oder eines anderen stirbt, ist einer zu viel. Man muss die Zahl tödlicher Fehler aber auch im Verhältnis sehen zu den mehr als 17 Millionen Behandlungen im Jahr."

Anja Printz

Anja Printz bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Anja Printz : Der jungen Mutter und Anwältin wurde 2004 ohne Einwilligung die gesamte Schilddrüse entfernt und die Stimmbänder so stark verletzt, dass sie nach der Operation nicht mehr sprechen konnte. Ihre Stimme musste sie mühsam wieder erlernen. Bis heute hat sich keiner der Verantwortlichen bei ihr entschuldigt.

Sendetermine


14. Feb 2013 22:45


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