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"Von den Geldern kommt wenig an"
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Schröder: Ton zutiefst familienfeindlich
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"Von den Geldern kommt wenig an"
Schröder: Ton zutiefst familienfeindlich
Nach Einschätzung von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) können die rund 220.000 fehlenden Krippenplätze in Deutschland noch rechtzeitig zur Einführung eines Rechtsanspruches im August 2013 geschaffen werden. "Wenn sich alle an ihre Zusagen halten, ist das zu packen", sagte Schröder in ZDF-Sendung "maybrit illner".
"Wir als Bund helfen, wo wir können"
Das Problem sei, dass einige Bundesländer ihren Pflichten nicht nachkämen und zudem die insgesamt 4,5 Milliarden Euro Fördermittel des Bundes an die Kommunen "teilweise nicht weitergereicht" hätten. So beklagten derzeit Kommunen in Rheinland-Pfalz, dass "vom Land kein einziger Cent zum Kita-Ausbau zur Verfügung gestellt" worden sei, kritisierte die Ministerin. "Wir als Bund helfen, wo wir können", betonte Schröder. Nun habe die Bundesregierung noch einmal 580 Millionen Euro draufgelegt. Sie wisse aber nicht, was davon bei den Kommunen ankomme.Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), gab der Familienministerin Recht. Der Vorwurf, dass die Bundesmittel an "klebrigen Händen" in den Landesfinanzministerien hängenblieben, sei "nicht ganz unberechtigt", sagte der SPD-Politiker in der Sendung. Buschkowsky ging im Verlauf der Sendung von einem weit höheren Bedarf an Kita-Plätzen aus. Er teile die Einschätzung des Deutschen Städtetages wo nach gut zwei Drittel aller Familien mit Kleinstkinder sehr gerne einen Krippenplatz beanspruchen würden. Er verteidigte eine möglichst frühe Heranführung der Kinder an Bildung. Dass die Erzieher dieser Einrichtungen die Kinder "nicht nur den ganzen Tag auf dem Schoß sitzen" hätten, sondern den Kindern ein Programm lieferten, bei dem jede "Hausfrau strampeln" müsste, sei ein absoluter Vorteil. Das Betreuungsgeld dagegen sei, wie sich auch aus internationalen Erfahrungen ablesen ließe, eine "bildungspolitische Katastrophe"."Betreuungsgeld für Horst Seehofer"
Ähnlich hart ging die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt mit dem Koalitionsbeschluss ins Gericht. Dies sei ein milliardenschweres "Betreuungsgeld für Horst Seehofer", so Göring-Eckardt und fügte hinzu, dass so die Benachteiligung der Kleinkinder bildungsferner Eltern weiter zementiert werde. Das Geld würde beim Ausbau der Kita-Plätze und bei der Ausbildung neuer Fachkräfte viel dringender gebraucht. Möglicherweise sei die Anzahl der Betreuungsplätze zu schaffen, die Qualität würde dabei unter den gegebenen Voraussetzungen leiden. Vernünftige Gruppengrößen und Betreuungsverhältnisse seien nur realisierbar, wenn wirklich "richtige Kraftanstrengung" folge.Auch die ZDF-Moderatorin Barbara Hahlweg, Mutter von drei Töchtern, kritisierte die aktuelle Betreuungssituation. Es gehe nicht nur darum überhaupt einen Krippenplatz zu finden. Eltern wollten auch sicher sein, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Qualität sei bei der Betreuung der Kinder enorm wichtig. Doch gute Erzieher seien schwer zu finden, der "Markt leergefegt". Das Betreuungsgeld sei dagegen in dieser Situation unsinnig: "Wer arbeiten gehen will, für den spielen 100 Euro keine Rolle. Und für die Frauen, die arbeiten gehen müssen, ist es zu wenig", so Hahlweg.Herzlos oder hirnlos?
Dies sah die Sprecherin der Initiative Familienschutz, Hedwig von Beverfoerde, grundsätzlich anders. Die Annerkennung der betreuenden Mütter sei ein wichtiges Zeichen. Die Zustimmung zu dieser Regierungsentscheidung sei gerade bei den betroffenen jungen Frauen enorm hoch. Die Bindung an feste Bezugspersonen wie Mutter und Vater seien für ein- und zweijährige Kinder enorm wichtig, "um später bildungsfähig zu sein", so Beverfoerde. Diese "eins zu eins Betreuung" könnte keine Kindertagesstätte leisten. Der Normalfall in allen Familien, egal wie bildungsnah oder -fern, sei, dass Eltern ihre Kinder mehr liebten, als "irgendjemand, der das als Job macht".Familienministerin Schröders fasste ihre Hoffnung für die Debatte so zusammen: "Wenn wir uns darauf einigen könnten, dass wer sein Kind in die Kita gibt, nicht herzlos ist, und wer es zuhause betreut nicht hirnlos ist, dann hätten wir einiges gewonnen."Die Gäste:
Kristina Schröder (CDU), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2013
Hedwig von Beverfoerde, Sprecherin der Initiative Familienschutz
Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln
Barbara Hahlweg, ZDF-Moderatorin u.a. "ML Mona Lisa", Mutter von 3 Töchtern
Michael Ebling, Oberbürgermeister der Stadt Mainz, zieht im Rechtsstreit um Schadenersatz für einen fehlenden Kindergartenplatz vor das Bundesverwaltungsgericht Leipzig


