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Kubicki warnt vor Männerclubs
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"Diskussion nicht lächerlich machen!"
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Roth: "Es ist keine Petitesse"
Sendung verpasst?
Kubicki warnt vor Männerclubs
"Diskussion nicht lächerlich machen!"
Roth: "Es ist keine Petitesse"
Anders als Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hält der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Kubicki die umstrittenen Dirndl-Äußerungen Rainer Brüderles nicht für ein Kompliment. Sollte sich der Spitzenkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl gegenüber der am fraglichen Abend kein Dirndl tragenden Journalistin wie zitiert geäußert haben, "würde ich das eher nicht als Kompliment empfinden", sagte Kubicki in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Einer Frau im Dirndl zu sagen, dass ihr die Tracht ausgezeichnet stehe, sei hingegen sehr wohl eines. Leutheusser-Schnarrenberger hatte Brüderles Äußerungen gegenüber der "stern"-Journalistin am selben Tag positiv gewertet.
"Zwei Etiketten ruinieren Menschen: Antisemitismus und Sexismus"
Kubicki betonte im Verlauf der Diskussion, die Gesellschaft laufe Gefahr, dass sich "viele Männer, die sich völlig normal benehmen" aus Angst vor Sexismus-Anschuldigungen in Männerclubs zurückziehen könnten, weil sie nicht sicher seien, ob nicht "möglicherweise eine von hundert Frauen" dieses normale Benehmen als Belästigung empfinden könnte. "Sie können eine Karriere eines Menschen mit zwei Etiketten ruinieren in Deutschland: Antisemitismus und Sexismus", sagte der FDP-Politiker.Verärgert über den Kommentar der Ministerin zeigte sich Grünen-Chefin Claudia Roth. Die Entscheidung darüber, ob eine Äußerung eine Belästigung sei, treffe "doch immer die Person, die so angemacht" werde. "Mit Verlaub, ich bin sehr enttäuscht von Frau Leutheusser-Schnarrenberger", sagte Roth. Momentan sei die Debatte um den Vorfall soweit, dass Brüderle das Opfer sei. "Das ist eine Art, aus Opfern Täterinnen zu machen", die sie nicht akzeptieren könne, so Roth. Es sei auch nicht "hinterfotzig", wenn sich Frauen nicht auf ihre Oberweite ansprechen lassen wollten, empörte sich die Grünen-Chefin."Männer sind halt Männer"
Weniger skandalös bewertete die Schauspielerin Sophia Thomalla den Fall Brüderle. Sie selbst wäre von Journalisten im Gegenzug auch schon die unmöglichsten Sachen gefragt worden, so nach Schönheits-OPs, nach ihren Lippen oder Brüsten. Sie betrachte es eher nach dem Motto: "Männer sind halt Männer." Thomalla begrüßte allerdings, dass nun viele Frauen zumindest im Internet den Mut fänden, ihre Alltags-Erlebnis mit Sexismus in Deutschland zu schildern, denn vorher haben sich wohl "keine getraut".Medienanwalt Ralf Höcker beklagte, dass zur Lösung des Problems derzeit nur die Männer beitragen sollten. Doch seiner Ansicht nach hätten Frauen nicht nur die Möglichkeit sich gegen sexistische Übergriffe zu wehren, sondern auch die Pflicht. Wer sich als Frau in einer Situation nicht wohlfühle, der könne die Situation verlassen, so der Anwalt. Die rechtlichen Möglichkeiten solche Übergriffe zu melden, sah der Rechtsanwalt als ausreichend an."Zahnloser Tiger"
Unabhängige Beschwerdestellen für sexuell belästigte Arbeitnehmerinnen forderte dagegen die baden-württembergische Gewerkschafterin Christina Frank. Die im Zuge des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) eingerichteten Stellen in Unternehmen seien praktisch wirkungslos, weil sie bei den Personalabteilungen angesiedelt seien, sagte die Verdi-Sekretärin bei Maybrit Illner. Werde eine Arbeitnehmerin von ihrem Vorgesetzten belästigt, müsse sie derzeit auf der Hierarchie-Ebene des Chefs Hilfe suchen. "Das kann gar nicht gutgehen", sagte Frank. Der Gesetzgeber habe mit dem AGG "alles versäumt", was Betroffenen Schutz bieten könnte, kritisierte sie. "Wir haben es hier mit einem zahnlosen Tiger zu tun."

