zurück Startseite

Eurokrise: Finanzhai trifft Sozialistin

Zahlen die Dummen, und die Cleveren sahnen ab?

Die Finanzkrise, die seit 2007 Politik und Wirtschaft in Atem hält, hat eine besondere Spezies von Kaufleuten ins Rampenlicht gerückt: Finanzjongleure, Spekulanten und Börsenzocker. Und – so die weitverbreitete Ansicht – wer zahlt wieder mal die Zeche? Natürlich der „kleine Mann von der Straße“. Bei Peter Hahne diskutieren der frühere Hedge-Fonds-Manager Florian Homm und die stellvertretende Vorsitzende der „Linken“ Sahra Wagenknecht über Krisengewinner und –verlierer und wie dem wilden Treiben auf den Finanzmärkten beizukommen sein könnte. 

Von Harald Grimm

Taschenrechner mit dem Schriftzug "Leerverkäufe"
Leerverkäufe versprechen hohe Profite - oder den Totalverlust. (Quelle: imago)
Was vor zehn Jahren nur ausgesuchten Insidern ein Begriff war ist heute zum Traum oder Alptraum von Investoren geworden: Hedge-Fonds. Diese hochspekulativen Anlagen haben nichts mehr mit klassischem Börsenhandel zu tun. Hedge-Fonds-Manager kaufen und verkaufen keine realen Werte mehr, sondern wetten auf Kursgewinne und –verluste von Aktien oder Währungen, oftmals ohne diese zu besitzen, „Leergeschäfte“ also. Ein Handel, der hohe Renditen verspricht – aber auch das Risiko des Totalverlusts der Einlage mit sich bringt.

Plattmacher am Werk

Den Vorwurf des Zockens und dass sie mit ihrem Verkaufsgebaren sogar die Finanzkrise in Griechenland erst so richtig angeheizt hätten, weisen die Manager weit von sich. Sie betonen, dass ihre „Wett-Geschäfte“ auf einer gründlichen Analyse des Marktes beruhen und sie keineswegs Einfluss auf die Finanzkrise in Europa genommen hätten. Diese Beteuerung hat einige Politiker jedoch nicht überzeugt. Sie erwägen, den Hedge-Fonds strengere Grenzen aufzuerlegen und durch die Einführung einer Transaktionssteuer, Finanzgeschäfte, die computergesteuert in Millisekunden getätigt werden, zu verteuern und so uninteressant zu machen.

Falls das Gerücht des gezielten In-den-Keller-Wettens von Griechenland zutreffen sollte, bestätigt sich das bereits skizzierte Bild: Einige Manager haben sich eine „goldene Nase“ verdient, die finanzielle Rettung darf der normale Steuerzahler bezahlen. Ebenso wie bei einem anderen, beliebten Betätigungsfeld dieser neuen Manager-Generation: Man kauft einen maroden oder angeschlagenen Betrieb, zerschlägt diesen, verkauft die wertvollen Teile des Unternehmens und setzt die Arbeiter auf die Straße. Ein Paradebeispiel dieser Geschäftsmethode bot Ende der 1990er Jahre die Bremer Vulkanwerft. Verantwortlich für deren Zusammenbruch: der damals als „Plattmacher“ bezeichnete und heute bei Peter Hahne diskutierende Florian Homm.

Die Gäste der Sendung

Florian Homm
Florian Homm (Quelle: FinanzBuch Verlag)
Florian Homm wurde 1959 in Oberursel geboren. Sein Großonkel war der Versandhaus-Gründer und Dressurreiter Josef Neckermann. Nach dem Abitur studierte er an der Harvard-Universität Wirtschaftswissenschaften und arbeitete im Anschluss daran bei verschiedenen Großbanken und Investmentfirmen. Nachdem er seine erste Firmengründung „Value Managment & Research AG“ verlassen hatte und sich mit der Zerschlagung der Bremer Traditionswerft „Vulkan“ den Titel „Plattmacher“ verdient hatte, stieg er zu Beginn der 2000er Jahre ins Hedge-Fonds-Geschäft ein. Schnell führte er seine auf den Kaiman-Inseln registrierte Firma „Absolute Capital Management Holdings an die Londoner Börse und erwarb sich die Auszeichnung als „Hedge Fund Leader of The Year“. Seine Erfolge wurden häufig misstrauisch beäugt und mit unlauteren Geschäftsmethoden in Verbindung gebracht. 2003 wurde er tatsächlich wegen der Kursmanipulation der „Sixt-Aktie“ zu einer Geldstrafe verurteilt.

Nach weiteren dubiosen Geschäften geriet Homm 2011 in das Blickfeld der amerikanischen Börsenaufsicht. Doch da war er bereits abgetaucht und wurde von Privatermittlern unter anderem in Venezuela vermutet, wo er Opfer eines Überfalls geworden sein soll. Die Ermittler berichteten außerdem, auf ihn sei ein Kopfgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro ausgesetzt. 2012 erschien sein Buch „Kopf Geld Jagd“ und er gab einige Interviews – ohne seinen Aufenthaltsort mitzuteilen. In seinem Buch und der Presse erzählt er über seine Vergangenheit und dass er sich komplett verändert habe. Heute strebe er ein soziales Engagement an, wofür er zwei Projekte gegründet habe: die Gesundheitsinitiative „Maximum Impact Medicine“, zur Bekämpfung von tödlichen Krankheiten in der „3. Welt“ sowie die Stiftung zur Verbesserung der Schulbildung im afrikanischen Liberia „Liberia Renaissance Foundation“.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht (Quelle: imago)
Sahra Wagenknecht, 1969 in Jena geboren, studierte nach dem Abitur 1988 ab 1990 in Jena, Berlin und Groningen Philosophie und Neuere Deutsche Literatur. Ihr Studium schloss sie 1996 mit einer Arbeit über Hegel und Marx ab. Seit 2005 schreibt sie ihre Doktorarbeit.

Erste Höhepunkte ihrer politischen Laufbahn waren die Mitgliedschaft im Parteivorstand der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) von 1991 bis 1995. 2000 bis 2007 hatte sie das gleiche Amt inne, und ab Juni 2007 gehört sie dem Vorstand der Partei "DIE LINKE" an. Ebenfalls ab 1991 war sie eine Vertreterin der „Kommunistischen Plattform“ innerhalb ihrer Partei; seit 2010 ruht allerdings ihre Mitgliedschaft in der KPF. Daneben war sie Abgeordnete des Europaparlaments zwischen 2004 und 2009. Im September des gleichen Jahres wurde sie im Wahlkreis Düsseldorf-Süd zur Abgeordneten des Bundestags gewählt. Im Mai 2010 folgte ihre Wahl zur Stellvertretenden Parteivorsitzenden und im November 2011 die zur Ersten Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Ein Jahr später sicherte sie sich wieder die Position der Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2013 im Wahlkreis Düsseldorf-Süd.

Im Umgang mit Spekulanten und Krisen-Gewinnern fordert sie in einem Gastbeitrag im „Stern“ eine radikale Änderung der Politik der Bundesregierung. Statt die Folgen der Krise weiterhin auf die Arbeitnehmer, Rentner und Arbeitslose abzuwälzen, sollten diejenigen für die enorm gestiegenen Staatsschulden haften, die von ihrer Entstehung am meisten profitiert haben: Konzerne, Spitzenverdiener und Vermögende. Ebenso fordert sie ein Ende des „milliardenschweren Freikaufens“ von „Banken, Hedge-Fonds und Spekulanten zulasten der Steuerzahler auf nationaler und europäischer Bühne“. Kürzlich wurde bekannt, dass „DIE LINKE“ das Jahreseinkommen auf 500.000 Euro deckeln will. Die Forderung nach einer 100-prozentigen Steuer ab diesem Betrag soll Eingang finden in ihr Wahlprogramm.

27.02.2013

ZDFmediathek: Peter Hahne

  • Peter Hahne | 17.07.2016, 01:10Nachtprogramm

    Vermächtnis 20. Juli 1944

    Eine Familie im Widerstand. Peter Hahne spricht exklusiv mit Klaus von Dohnanyi: Vater Hans und ... VIDEO

  • Peter Hahne | 09.07.2016, 01:15Nachtprogramm

    Pannenpolitik von BER bis Hahn

    Geplatzter Verkauf des landeseigenen Flughafens, Kostenexplosion beim Bau der Elb-Philharmonie, ... VIDEO

  • Peter Hahne | 03.07.2016, 01:05Nachtprogramm

    Angst vor dem Volk?

    Peter Hahne spricht mit seinen Gästen Christoph Schwennicke und Roland Tichy über die Frage, warum ... VIDEO

  • Peter Hahne | 26.06.2016, 00:50Nachtprogramm

    Schnellschuss Billig-Polizei

    Uniform an, Sicherheit da? Ist der Kampf gegen die steigende Kriminalität in Deutschland so einfach ... VIDEO

  • Peter Hahne | 19.06.2016, 00:35Nachtprogramm

    Wie viele Flaggen verträgt das Land?

    Ist Fußballfieber Nationalismus? Fahnen und Fähnchen weg von deutschen Häusern und Autos!? Peter ... VIDEO

Kontakt zur Redaktion

Wenn Sie noch Fragen zur Sendung haben [mehr]

Weitere Links zum Thema

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen