zurück Startseite

Thema und Gäste  | 22.06.2014  Kinder in Not

Brauchen wir einen Elternführerschein?

Immer wieder erscheinen Meldungen über Kindesmisshandlungen in der Presse. In der Regel quälen die leiblichen Eltern ihren Nachwuchs – körperlich, psychisch oder durch Vernachlässigung. Um diesem grassierenden Problem Herr zu werden, hat nun die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer einen Aufsehen erregenden Vorschlag gemacht. Inwiefern sich ihr Modell eines „Kinderführerscheins“ in die Tat umsetzen lässt, diskutiert die Urheberin dieser Idee bei „Peter Hahne“ mit der TV-Moderatorin und zweifachen Mutter Caroline Hamann. 

von Harald Grimm

Kind wehrt drohende Schläge mit den Händen ab.
Fast 20.000 Kinder wurden 2013 in Deutschland missbraucht oder misshandelt. (Quelle: imago)
„Wer Mofa fahren will, muss eine Prüfung absolvieren – aber jeder Idiot darf Kinder in die Welt setzen!“ Was nach übelster Stammtischparole klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Es mehren sich die Meldungen über Kinder, die von ihren Eltern brutal zusammengeschlagen, lieblos behandelt oder ohne Frühstück in die Schule geschickt werden. Das Thema hat nun die Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer (CDU) – natürlich eleganter formuliert – aufgegriffen und eine Art „Kinderführerschein“ für überforderte Eltern angeregt.

Die Obfrau der CDU/CSU-Fraktion im Familienausschuss des Bundestags schlägt in der „BILD“ vor, dass die üblichen Untersuchungen, ob ein Kind reif für die Schule sei, erweitert werden sollten. Es müsse auch geprüft werden, ob das Kind in irgendeiner Weise von den Eltern vernachlässigt wird. Sollte dies der Fall sein, müssten die Eltern ein Erziehungsprogramm absolvieren, beispielsweise Sprach- oder Kochkurse – sie müssten also einen Kinderführerschein machen. Sollten sich die Eltern weigern, daran teil zu nehmen, würde Christina Schwarzer sie mit einem Bußgeld – ähnlich dem bei fortgesetztem Schulschwänzen – bestrafen.

Rettet die Familie!

Die Häme lässt nicht lange auf sich warten. Im „Freitag“ schlägt ein Blogger vor, die Eltern mit Beginn der Schwangerschaft einem Intelligenztest zu unterziehen. Bei einem unterdurchschnittlichen Wert sollten demnach die Neugeborenen sofort in ein „geprüftes Elternhaus“ gegeben werden. Ganz zu Ende gedacht erscheint der Vorschlag allerdings nicht. Wäre es nicht sinnvoller, diesen Test vor der Zeugung durchzuführen? Wer ihn nicht besteht, darf dann keine Kinder zeugen oder empfangen. Oder riecht das dann doch zu sehr nach „unwertem Leben“, einer „Diagnose“, die unter den Nazis zu Hunderttausenden Zwangssterilisationen geführt hat?

Andererseits stellt sich die Frage, welchen Sinn Zwangs-Fortbildungen und Bußgelder haben. Ist es wirklich vorstellbar, auf diesem Weg, liebevolle und fürsorgliche Eltern zu erschaffen? Oder steckt nicht vielmehr wieder einmal (wie beim Betreuungsgeld, auch „Herdprämie“ genannt) der verzweifelte Versuch dahinter, die traditionelle Familie zu retten. Frei nach dem Motto: Es gibt für ein Kind nichts Besseres als das Elternhaus. Nichts Besseres? Trotz aller Berichte über Heimskandale ist es in den meisten Fällen dem Kindeswohl zuträglicher, wenn die Kleinen bei Pflege- oder Adoptiveltern beziehungsweise in einem Heim groß werden, als jahrelang von den leiblichen Eltern misshandelt und vernachlässigt zu werden. Doch, gestützt von einer konservativen Familienpolitik, sehen das offenbar die Jugendämter und Familiengerichte (meistens) immer noch anders.

Die Gäste der Sendung

Christina Schwarzer
Christina Schwarzer (Quelle: Tobias Koch)
Christina Schwarzer wird 1976 in Berlin-Neukölln geboren. Nach dem Abitur 1996 absolvierte sie bis 1999 eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten. Daran anschließend arbeitet sie in einer Kanzlei und später als Immobilienverwalterin.

Mit 20 trat sie der CDU und der Jungen Union bei. Nach verschiedenen Tätigkeiten für den CDU-Kreisverband Neukölln und die Bezirksverordnetenversammlung wird sie 2013 im Wahlbezirk Berlin-Neukölln über die Landesliste in den Bundestag gewählt. Seit Januar 2014 ist sie Mitglied des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Caroline Hamann
Caroline Hamann (Quelle: imago)
Caroline Hamann wird 1971 in München geboren. Nach einem Volontariat bei ProSieben geht sie 1995 als Anchorwoman zu den VOX-Nachrichten. Zwischen 2001 und 2007 arbeitet sie für verschiedene Nachrichtenformate des ZDF, um anschließend zur Tagesschau zu wechseln.

Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter im Jahr 2009 entschließt sie sich, ihre berufliche Karriere auszusetzen und sich ganz ihren Kindern und der Familie zu widmen. 2014 erscheint ihr erstes Buch „Mami Talk“, in dem sie mit der Ko-Autorin Christiane Hoffmann ihr Leben als Mutter beschreibt.

22.06.2014

Weitere Links zum Thema

ZDFmediathek: Peter Hahne

  • Peter Hahne | 25.09.2016, 00:40Nachtprogramm

    Ich bin jetzt weg!

    Warum man zum Aussteiger wird fragt Peter Hahne seine Gäste: Die ehemalige Managerin und jetzige ... VIDEO

  • Peter Hahne | 18.09.2016, 00:45Nachtprogramm

    Vergewaltigung nach Kriegsende

    Schweigen und Tabu gebrochen. Die hohe Zahl an vergewaltigten Frauen durch Besatzungssoldaten war ... VIDEO

  • Peter Hahne | 28.08.2016, 01:00Nachtprogramm

    Wie viel Islam verträgt Deutschland?

    Streit um Werte und Integration - Eine Diskussion mit der Islamkritikerin Düzen Tekkal und Aiman ... VIDEO

  • Peter Hahne | 14.08.2016, 00:50Nachtprogramm

    Sind Schüler die Dummen?

    Was Schule leisten soll - Peter Hahne diskutiert mit seinen Gästen: Josef Kraus, Präsident Deutscher ... VIDEO

  • Peter Hahne | 31.07.2016, 00:20Nachtprogramm

    Nach Würzburg, München, Ansbach

    Wie sicher sind wir noch? Peter Hahne diskutiert mit seinen Gästen, dem Innenexperten Wolfgang ... VIDEO

Kontakt zur Redaktion

Wenn Sie noch Fragen zur Sendung haben [mehr]

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen