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planet e  | 13.09.2015  Die Affenapotheke - Medizin aus dem Urwald

Es ist eine kleine Sensation: Menschenaffen haben medizinisches Wissen. Zum Beispiel behandeln Bonobos im Kongo sich selbst mit den Pflanzen ihres Waldes. Der Regenwald ist die größte Apotheke der Welt und eine Schatztruhe der Biodiversität. Im Kongo beobachtet die Wissenschaftlerin Barbara Fruth Bonobos beim Verzehr von Heilpflanzen – ein Wissen, das bislang weitgehend unerforscht ist und Menschen helfen könnte. 

Barbara Fruth und Papa Rigo im Dorf Lompole

Barbara Fruth und Papa Rigo

(Quelle: ZDF/Axel Friedrich)
Es ist eine kleine Sensation: Menschenaffen haben medizinisches Wissen. Zum Beispiel behandeln Bonobos im Kongo sich selbst mit den Pflanzen ihres Waldes.
(13.09.2015)
Bonobo

Vorschau auf die Doku

Sendezeit der ganzen Dokumentation: Sonntag, 13.09.2015 um 14.45 Uhr

(11.09.2015)

Seit 16 Jahren untersucht Barbara Fruth das Verhalten der Bonobos. Ihre Beobachtungen der Menschenaffen gleicht sie mit dem Arzneiwissen des Volkes der Nkundo ab, die im selben Wald leben. Ein Ergebnis: Affen wie Menschen kennen die Wirksamkeit der Regenwald-Kräuter bei Krankheiten wie zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden. Um mehr über die Urwald-Apotheke herauszufinden, hat die Wissenschaftlerin tausende unterschiedliche kongolesische Pflanzen gesammelt, bestimmt und getrocknet.

Sendezeit

Sonntag, 13.09.2015 um 14.45 Uhr

Die Pflanzen müssen auf ihre Inhaltsstoffe überprüft werden - und darauf, ob und wie sie pharmazeutisch wirksam sind. In einem Labor in Kongos Hauptstadt Kinshasa etwa untersucht ein Doktorand eine Wurzel auf ihre Tauglichkeit als Anti-Malaria-Mittel. In Deutschland ist diese Forschung an den Heilpflanzen noch nicht richtig in Gang gekommen. Zu aufwändig – und vor allem zu teuer ist den Pharmafirmen bis jetzt das Zulassungsverfahren.

Doch es tut sich was: An der Technischen Universität Braunschweig werden demnächst erstmalig Proben der kongolesischen Heilpflanzen, die Barbara Fruth gesammelt hat, auf ihre pharmazeutische Wirksamkeit überprüft.

Die "planet e."-Autoren Axel Friedrich und Eva Demmler begleiten die Wissenschaftlerin auf ihrer Reise zu den Bonobos in den Kongo. Die Zeit drängt: Wilderer haben die Zahl der Tiere stark dezimiert. Gerade einmal 30.000 von einst 100.000 leben nach Schätzung des UN-Umweltprogramms heute noch im kongolesischen Dschungel. Auch Rodungen bedrohen den Regenwald. Eines Tages könnte das Medizinwissen der Affen für immer verloren sein.

Internationaler Tag der Tropenwälder

Gedenktag zum Schutz der Tropenwälder

Überflug Regenwald

Der 14. September ist der Internationale Tag des Tropenwaldes. An diesem Tag soll die globale Bedeutung der Tropenwälder hervorgehoben und auf die fortschreitende Zerstörung der Wälder hingewiesen werden.

Initiiert wurde der Tag der Tropenwälder 1989 durch den "World Wildlife Fund" (WWF) und findet seitdem jährlich statt. Das Datum erinnert an den Geburtstag des bedeutenden Amazonas-Forschers Alexander von Humboldt, dem 14. September 1769.

Zunehmende Zerstörung

Abgeholzter Regenwald im Amazonasgebiet Brasiliens

Einst bedeckten Tropenwälder rund 20 Prozent der Erdoberfläche. Laut WWF sind es heute weltweit nur noch etwa sieben Prozent, und pro Minute werden rund 35 Fußballfelder an Tropenwaldfläche vernichtet. Ursachen der Zerstörung sind vor allem die Abholzung der Wälder. Experten schätzen, dass bis zu 20 Prozent der Holzimporte in die EU aus illegalem Einschlag stammen. Aber auch Rodungen zur Landumwandlung, durch Menschen verursachte Waldbrände und durch den Klimawandel hervorgerufene Austrocknungen sind mit verantwortlich für die rasante Zerstörung.

Immense Artenvelfalt

Rund zwei Drittel aller bekannten Tier-und Pflanzenarten leben in den Tropenwäldern. Experten schätzen, dass durch die Zerstörung der Wäder jeden Tag bis zu 150 Arten ausgerottet werden.  Aufgrund ihrer Artenvielfalt gelten Tropenwälder als die größte Apotheke der Welt. Bisher wurden jedoch nur wenige Arten auf ihre Heilwirkung untersucht. So könnte die Zerstörung der Lebensräume potentielle Heilmittel vernichten, bevor sie überhaupt entdeckt wurden.

 

Medizin aus Tropenpflanzen

Weltweit sind Pharmafirmen auf der Suche nach neuen Wirkstoffen. Einige Pflanzen der Tropenwälder, die Einheimische  zur Linderung von Krankheiten anwenden, werden heute schon in der modernen Medizin genutzt. Sehen Sie hier eine Auswahl:

 

Heilpflanzen aus dem Tropenwald

Chinarindenbaum

Chinarindenbaum

Wissenschaftlicher Name: Cinchona spec.
Herkunft: Südamerika
Traditionelle Nutzung: Dem Chinarindenbaum wurde eine starke Wirkung bei Schmerzen und Fieber zugesprochen. Daher verwendeten ihn die indigenen Völker schon vor Jahrhunderten zur Malaria Behandlung.
Moderne Medizin: Aufgrund seines Hauptwirkstoffes "Chinin" ist der Chinarindenbaum auch heute noch wichtigste Grundlage für Medikamente gegen Malaria. Er eignet sich zudem zur Linderug von Muskelkrämpfen, weshalb Chinarindenbaum auch in der Sportmedizin eingesetzt wird.

Madagaskar-Immergrün

Madagaskar-Immergrün

Wissenschaftlicher Name: Catharantus roseus
Herkunft: ursprünglich aus Madagaskar, mittlerweile weltweit in den Tropen verbreitet, in Deutschland als Zierpflanze kultiviert
Traditionelle Nutzung: In Brasilien, Südafrika, Indien und den Philippen wird die Pflanze unter anderem gegen Skorbut, starke Blutungen, Zahnschmerzen, Bluthochdruck, zur Behandlung chronischer Wunden, Wespenstiche und vor allem Diabetes eingesetzt.
Moderne Medizin: Das Madagaskar-Immergrün ist eine hochgiftige Pflanze, die Erbrechen, Fieber aber auch Lähmungen und Schlaganfälle auslösen kann. Die Alkaloide Vinblastin und Vincristin stören die Zellteilung und werden daher zur Krebstherapie verwendet. Vor allem bei der Chemotherapie gegen Brustkrebs und Leukämie kommt die Giftpflanze zum Einsatz. Bei der Behandlung der Hodgkin-Krankheit und lymphatischer Leukämie konnten die Heilungschancen von 20 auf 80 Prozent gesteigert werden.

Brechwurzel

Brechwurzel

Wissenschaftlicher Name: Cephaelis ipecacuanha
Herkunft: Tropische Region Brasiliens
Traditionelle Nutzung: Die Brechwurzel wurde von den indigenen Völkern Brasiliens gegen die Amöbenruhr verwendet. Auch in Europa diente sie früher diesem Zweck, beispielsweise um bei Kindern, die vermeintlich giftige Pflanzen oder Chemikalien zu sich genommen haben, Erbrechen auszulösen.
Moderne Medizin: Die Tropenpflanze ist sehr giftig, weshalb aus der Brechwurzel bereitete Medikamente in Deutschland verschreibungspflichtig sind. Bei korrekter Dosierung wirkt die Brechwurzel gegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall und wird daher bei Magen-Darm-Grippe angewendet. Da sie auch den Hustenreiz lindert und das Abhusten fördert, wird die Brechwurzel in der Homöopathie auch gegen Bronchitis, Asthma, Keuchhusten eingesetzt.

Wilder Yams

Wilder Yams

Wissenschaftlicher Name: Dioscorea villosa
Herkunft: Mexiko, aber auch in andere tropische und subtropische Gebiete. Es gibt etwa 650 Arten in Asien, Afrika und Südamerika.
Traditionelle Verwendung: Die mexikanische wilde Yamswurzel fand bereits bei den Azteken, Mayas, den Indianern Nordamerikas und den Chinesen medizinische Verwendung. Sie wirkt krampflösend, entzündungshemmend, antirheumatisch, harntreibend, cholesterinsenkend und gallefördernd. Sie wurde als Schmerzmittel zur Behandlung rheumatischer Beschwerden genutzt. Die Frauen setzten es außerdem zur Regulierung des weiblichen Zyklus, zur Geburtserleichterung und zur Verhütung ein.
Moderne Medizin: Wilder Yams enthält den hormonähnlichen Wirkstoff Diosgenin, der für die empfängnisverhütende Wirkung verantwortlich ist. Auf dieser Basis entwickelten Forscher die erste Antibaby-Pille.

Schlangenwurzel

Schlangenwurzel

Wissenschaftlicher Name: Rauwolfia spec.
Herkunft: ursprünglich aus Indien, heute weltweit in den Tropen verbreitet
Traditionelle Nutzung: In Indien wurden die Wurzeln gegen Schlangenbisse eingesetzt, aber auch gegen Schlafstörungen und Nervenerkrankungen. Schon damals war bekannt, dass die Heilpflanze auch blutdrucksenkend und beruhigend wirkt.
Moderne Medizin: Schlangenwurzel wirkt abführend, beruhigend, krampflösend und stimmungsaufhellend. Vor allem der Inhaltsstoff Reserpin ist vielseitig anwendbar. Er half bei psychischen Erkrankungen und wurde als einer der ersten Wirkstoffe gegen Schizophrenie eingesetzt. Heute kommt die Schlangenwurzel vor allem bei der Behandlung von Bluthochdruck zum Einsatz. Um unerwünschte Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Depressionen zu vermeiden, wird es jedoch nur noch in niedriger Dosierung eingesetzt. Die Schlangenwurzel ist in höheren Mengen giftig und daher verschreibungspflichtig. In der Homöopathie hingegen kann es in niedrigen Dosen eingesetzt werden.

Sennespflanze

Sennespflanze

Wissenschaftlicher Name: Cassia senna
Herkunft: Ägypten und Indien, heute weltweit in den Tropen verbreitet
Traditionelle Nutzung: Die abführende Wirkung der Sennes Pflanze ist seit Jahrhunderten bekannt. Sie gehört zu den ältesten Heilmitteln bei Verstopfungen. Bis ins Mittelalter wurde es außerdem bei Infektionskrankheiten wie Lepra oder Magenerkrankungen verwendet.
Moderne Medizin: Die Sennesblätter- und Früchte wirken abführend sowie anregend auf die Darmmuskulatur und werden somit bei hartnäckigen Verstopfungen als Kurzzeittherapie angewendet. Dies ist der Fall, wenn ein erleichterter Stuhlgang gewünscht ist, beispielsweise vor oder nach chirurgischen Eingriffen, Darmuntersuchungen oder Hämorrhoiden. Extrakte der Heilpflanze sind als Tee erhältlich, sollten jedoch, wie alle Abführmittel, nur kurzzeitig angewendet werden.

Die Affenapotheke

Bonobos bei der Fellpflege

Ein Film von Axel Friedrich und Eva Demmler
Kamera: Thomas Keffel
Schnitt: Christian R. Timmann
Redaktion: Steffen Bayer
Leitung der Sendung: Volker Angres

13.09.2015

|

Drehbericht: Im Reich der Bonobos

Filmautor Axel Friedrich berichtet über die Dreharbeiten in der Demokratischen Republik Kongo. [mehr]

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