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planet e. um 14.55 Uhr  | 31.01.2016  Das leise Sterben der Löwen

Nie ging es Löwen so schlecht wie heute. Ein Team internationaler Forscher hat den Bestand in Afrika untersucht. Mit alarmierenden Ergebnissen. Droht dem König der Tiere der Untergang? 

Löwe
(31.01.2016)
Forscher testet die Fotofalle
(28.01.2016)
(28.01.2016)
Löwen

Vorschau auf die planet e.-Dokumentation "Das leise Sterben der Löwen"

(24.11.2015)

Dieser Frage gehen die Löwenforscher Dr. Philipp Henschel und Ingela Jansson in Tansania nach. Dort finden Löwen noch geeignete Lebensräume, stoßen aber auch auf viele Probleme.

Sendezeit

Sonntag, 31.01.2016 um 14.55 Uhr

Besonders schwierig ist es für die Tiere, in von Menschen bewohnten Gebieten zu überleben. "Das hat zu deutlichen Bestandseinbußen geführt", berichtet Philipp Henschel. Der deutsche Zoologe arbeitet für die Organisation "Panthera", die sich ganz dem Schutz von Wildkatzen verschrieben hat. Er ist dort für Löwen zuständig. "Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Anzahl der Löwen um etwa 90 Prozent zurückgegangen. Heute gehen wir davon aus, dass es nur noch rund 20.000 wildlebende Löwen gibt", sagt Henschel.


Löwin
Löwin in Tansania (Quelle: ZDF/Axel Gomille)
Experten schätzen, dass die Tiere nur noch in rund acht Prozent ihres ehemaligen Verbreitungsgebietes vorkommen. Eine dramatische Entwicklung, die bisher weitgehend unbemerkt geblieben ist. "In großen Nationalparks, wie etwa der Serengeti, lassen sich Löwen bis heute leicht beobachten. Das mag darüber hinwegtäuschen, dass die Großkatzen außerhalb von Schutzgebieten einen massiven Bestandseinbruch erleben", erläutert Henschel.

Inzucht bedroht die Populationen

Die Gründe dafür sind vielfältig. Um die Bedürfnisse der stetig wachsenden Bevölkerung zu stillen, werden große Wildnisflächen in Acker- und Nutzland umgewandelt. Viele Löwenbestände werden dadurch voneinander getrennt und sind inzwischen durch Inzucht bedroht. Zum Beispiel im Ngorongoro-Krater: Auf den ersten Blick scheinen hier fast paradiesische Zustände zu herrschen. Für die Löwen gibt es Nahrung im Überfluss – doch sie haben nur sehr wenig Nachwuchs. Die Isolation der Tiere und die damit verbundene Inzucht schränken ihre Fruchtbarkeit ein und machen sie anfälliger für Krankheiten. Genetische Studien haben gezeigt, dass es in Afrika keine andere Löwenpopulation gibt, die genetisch derart verarmt ist.

Zu wenig Beutetiere und das Ende der Wildnis

Löwin
Löwin (Quelle: ZDF/Axel Gomille)
Selbst wo der Lebensraum noch vorhanden ist, finden Löwen häufig keine Nahrung mehr. Einerseits jagen Menschen die natürlichen Beutetiere der Löwen für den eigenen Kochtopf, andererseits konkurrieren ihre Rinder- und Ziegenherden mit den wildlebenden Huftieren. Den Löwen bleibt also häufig keine andere Wahl, als Nutztiere zu reißen. Im Gegenzug wiederum töten Dorfbewohner aus Vergeltung oder präventiv Löwen. Regional führt auch zu intensive Großwildjagd zu Bestandsrückgängen, und immer häufiger sterben Löwen, weil ihren Knochen in der traditionellen chinesischen Medizin heilende Kräfte nachgesagt werden.

Nur im südlichen Teil des Kontinents zeichnet sich ein entgegengesetzter Trend ab. In Namibia, Botswana, Zimbabwe und Südafrika wachsen die Löwenbestände langsam an. Doch anders als in Ostafrika leben hier die meisten Populationen in eingezäunten Reservaten. So lassen sich Konflikte zwischen Wildtieren und Menschen und ihrem Vieh weitgehend vermeiden. Das Ideal von der grenzenlosen Wildnis ist hier allerdings längst auf der Strecke geblieben.

Eine Zukunft für Menschen und Löwen

Eine Zukunft haben Löwen nur dann, wenn es gelingt, einige der Konflikte zu entschärfen. „Dafür ist es nötig, möglichst große Flächen effektiv zu schützen, in denen Löwen ungestört leben können. Zusätzlich müssten solche Gebiete durch Korridore verbunden werden, damit sich Löwen wieder ausbreiten können“, erläutert Philipp Henschel. Weiterhin sei es wichtig, dass Menschen einen finanziellen Nutzen durch Löwen haben. „In der Tourismus-Branche beispielsweise werden Milliarden umgesetzt, denn alle Afrikareisende wollen wilde Löwen erleben“, schildert Henschel. Wenn Einheimische mehr finanziell von Löwen profitieren würden, wäre das schon ein wichtiger Schritt hin zu mehr Toleranz gegenüber den Raubtieren.

Dies ist ein wichtiger Aspekt in der Arbeit der schwedischen Löwenforscherin Ingela Jansson. Sie leitet das "Ngorongoro Löwen Projekt" und untersucht im Ngorongoro-Schutzgebiet in Tansania, wie Löwen in der Nachbarschaft von Menschen und ihrem Vieh zurechtkommen. Unterstützt wird sie dabei von Massai-Kriegern, die in ihrem Projekt fest angestellt sind. Sie helfen ihr beim Monitoring der Löwen und sollen dafür sorgen, dass weniger der Raubkatzen getötet werden.

Das passiert bis heute. Ein Rudel macht Ingela besonders Sorgen, denn das Löwenmännchen wurde von Menschen getötet. Ob die Jungtiere noch am Leben sind? Ingela und Philipp machen sich auf die Suche nach dem Löwenrudel, dessen Schicksal stellvertretend für viele wildlebende Löwen steht.

Die ZDF-Dokumentationsreihe "planet e." beleuchtet, wie die Zukunft des Königs der Tiere aussieht.

 

Das leise Sterben der Löwen

Löwe

Ein Film von Axel Gomille
Kamera: Michael Habermehl / Axel Gomille
Schnitt: Ute Rübesamen
Redaktion: Martin Ordolff
Leitung der Sendung: Volker Angres

31.01.2016

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