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28.10.2015  Palmöl - Vom Urwald in die Schokocreme

Egal ob Margarine, Pizza, Schokoriegel, Waschmittel oder Biosprit – überall ist Palmöl drin. Ein Boom mit fatalen Folgen: Palmöl-Plantagen gefährden die letzten Regenwälder Südostasiens. Weil Palmöl das perfekte Fett für die Lebensmittelindustrie ist, verdoppelt sich der Weltbedarf alle zehn Jahre. planet e. zeigt die Folgen für die die Artenvielfalt und das Klima und stellt die Frage, ob wir auch ohne das Fett aus der Ölpalme auskommen können. 

Für Palmölplantagen wird der Regenwald zerstört

Palmöl - Vom Urwald in die Schokocreme

(25.10.2015)
ZDF-Umweltexperte Volker Angres und

Volker Angres bei "Volle Kanne"

Billig, haltbar und gut zu verarbeiten - für den steigenden Bedarf an Palmöl werden riesige Flächen von Regenwald abgeholzt. ZDF-Umweltexperte Volker Angres klärt über die fatalen Folgen auf.

(29.10.2015)
haze südostasien

Heute Journal vom 27.10.2015

Eine riesige, giftige Rauchwolke liegt über weiten Teilen Südostasiens. Besitzer großer Palmöl-Plantagen lassen in der Trockenzeit Urwald abbrennen, um neue Flächen für den Anbau zu gewinnen.

(27.10.2015)

Tier- und Pflanzenwelt in Indonesien

(08.10.2015)

Palmöl gilt als ein billiges, extrem haltbares Universalfett. Jedes zweite Supermarkt-Produkt, darunter auch viele Kosmetika, enthält mittlerweile Palmöl: „Es ist fest, geruchlos und lässt sich prima verarbeiten, erklärt Lebensmitteltechnologe Stephen Hubbes die Vorzüge des Fetts für die Lebensmittelindustrie: „Es wird nicht ranzig und es ist günstig – deshalb ist zum Beispiel auch in immer mehr Schokoladen Palmöl statt Kakaobutter drin.“


Die Schattenseiten des Palmöl-Booms sind kaum bekannt: Allein in Indonesien werden jedes Jahr 620.000 Hektar (entspricht der Fläche von rund 868.000 Fußballfeldern) Regenwald abgeholzt, um Ölpalmen anbauen zu können. Durch die Entwässerung der entwaldeten Torfböden entweicht Kohlendioxid in die Atmosphäre. Dadurch ist Indonesien mittlerweile für knapp zehn Prozent der globalen Treibhausemissionen verantwortlich und steht hinter China und den USA an dritter Stelle der größten Klimasünder.

EU fördert Anbau

Es sind auch finanzielle Hilfsprogramme der EU, die den Ausbau der Mega-Plantagen außerhalb Europas fördern. Statt Nahrung für die Regionen anzupflanzen, wird vor allem in Asien für die Märkte der wohlhabenden Länder produziert – einheimische Bauern werden von ihren Feldern vertrieben.

Das ZDF zeigt die planet e.-Dokumentation „Palmöl – vom Urwald in die Schokocreme“ anlässlich des Startes des Dokumentarfilms „Landraub“ in den deutschen Kinos. Kino-Regisseur Kurt Langbein ist für seine Recherchen nach Indonesien und Malaysia gereist und zeigt die Kehrseite des Palmölbooms auf. Gemeinsam mit seiner Kollegin Marlies Faulend fragt er für planet e. nach: Kann Palmöl auch ökologisch, ökonomisch und sozial verträglich hergestellt werde? Und: Wäre es überhaupt möglich im Alltag auf Palmöl zu verzichten?

 

Landraub - Der Kinofilm

Palmölfrüchte

Der Kinofilm "Landraub" läuft seit 08.10.2015 in den deutschen Kinos. Weitere Infos zum Kinofilm finden Sie hier:

Landraub - Der Kinofilm

 

Palmöl

Abholzung im großen Stil

Kalhschlag für Palmölplantage

Schätzungen der Weltbank zufolge wachsen 70 Prozent der Palmölplantagen auf Flächen, auf denen vorher Wald wuchs.

Die Rodung des Tropenwaldes lohnt sich für die Firmen in mehrfacher Hinsicht: Die Flächen werden frei für den Anbau der Plantagen, und der Verkauf des Tropenholzes bringt viel Geld ein. Oft fließt dieses Geld  als Startkapital in den Aufbau der Plantagen verdienen.

Die Rodungen geschehen legal und illegal. Insbesondere Indonesien ist berüchtigt für Korruption und lasche Kontrollen - Strukturen, die der rasanten Waldvernichtung und Umwandlung des Landes in Palmölplantagen den Weg ebnen.

Einkaufen ohne Palmöl

Seit Dezember 2014 muss Palmöl in Lebensmitteln gekennzeichnet werden, in anderen Produktgruppen jedoch nicht. Wer Palmöl meiden will, muss die Inhaltsstoffe der Produkte genau studieren.

Palmöl verbirgt sich hinter Begriffen wie Sodium Laureth, Palmitic Acid, Sulfat und hinter vielen Begriffen, in denen „Palm“ oder „Palmitate“ steckt.

Auch in vielen Bio-Produkten ist Palmöl enthalten. Für die planet e.-Doku schickten wir eine Familie in konventionelle und Bio-Supermärkte. Rund die Hälfte der Produkte enthielt Palmöl.

Mit einer kostenlosen Smartphone-App kann man beim Einkauf leicht prüfen, ob Palmöl in Produkten enthalten ist. Die App der Kampagne "Zero Palmöl" finden Sie hier:

App "Zero Palmöl"

Eine Datenbank mit Produkten ohne Palmöl finden Sie hier:

Umweltblick: Produkte ohne Palmöl

Verwendung von Palmöl

Weltweit werden jährlich 58 Millionen Tonnen Palmöl verbraucht.
Indonesien produziert schon heute die Hälfte des Weltbedarfes, und bis 2020 sollen die Anbauflächen verdreifacht werden.

Die Verwendung von Palmöl ist vielfältig:

71 Prozent werden in Lebensmitteln verwendet
24 Prozent landen in Kosmetika und Waschmitteln
  5 Prozent als Treibstoff in den Tanks der Autos

"Biosprit": Beitrag zum Klimaschutz?

Auto wird getankt

Bis 2020 sollen in der EU zehn Prozent aller Treibstoffe aus Pflanzen hergestellt werden, auch aus Palmöl. Dies soll zum Klimaschutz beitragen.

Schon heute landet Palmöl in den Tanks der Autos in Europa. 2012 wurden 1,9 Millionen Tonnen Palmöl als Treibstoff in Dieselmotoren der EU verbraucht. Unter anderem die Förderung von Agrardiesel führte dazu, dass Europa heute weltweit drittgrößter Importeur von Palmöl ist.

Doch durch die Abholzung der Regenwälder für die Palmölproduktion gelangen große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre.

Zudem speichern die Torfböden der Regenwälder 50 mal mehr Kohlendioxid als normale Böden. Durch Entwässerung und Brandrodung wird auch dieses Treibhausgas frei.

Die rasante Abholzung und die Zerstörung der Torfböden machen Indonesien heute zum drittgrößten Klimasünder weltweit: Zehn Prozent der CO2-Produktion stammen aus Indonesien.

Vorteile für Industrie und Investoren

Der Anbau von Ölpalmen ist lukrativ: Investoren locken Gewinnspannen von mehr als 50 Prozent. Schon drei Jahre nach der Pflanzung tragen die Palmen 40 Kilo schwere Früchte.

Die Industrie schätzt die besonderen Eigenschaften von Palmöl:
- Billiges Produkt, da die Pflanze sehr ertragreich ist und es in Niedriglohnländern produziert wird
- Bei Raumtemperatur fest, aber trotzdem cremig
- Leicht zu verarbeiten: Kann durch Mischung der einzelnen Fett-Fraktionen in der jeweils gewünschten Konsistenz hergestellt werden

- Wird langsamer ranzig als andere Öle

Aufgrund dieser Vorteile für die Industrie wird Palmöl heute in Massen für die Industrienationen produziert. Dabei gibt es erprobte Alternativen - Öle und Fette, die an Stelle von Palmöl verwendet werden können.

Denn es ist es noch nicht lange her, dass die Produkte mit anderen Ölen hergestellt wurden: Noch vor 20 Jahren war Palmöl hierzulande eine Rarität.

Palmöl-Siegel RSPO

Palmölplantage

Der WWF hat 2004 den Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl ins Leben gerufen (RSPO, Roundtable on Sustainable Palm Oil). Mitglieder sind Palmöl-Anbauer, Händler, Konsumgüterhersteller, Banken und Nichtregierungsorganisationen wie der WWF und Oxfam. Ziel des Runden Tisches ist es, möglichst viele beteiligte Firmen zur Einhaltung der Mindeststandards zu bewegen. Doch das Label ist umstritten.

Laut WWF ist RSPO kein Öko-Label, sondern signalisiert, dass auf den Plantagen freiwillig mehr für Naturschutz und Menschenrechte getan wird, als gesetzlich vorgeschrieben.

Kritiker bemängeln, dass RSPO den Firmen hilft, ihre Produkte „grün zu waschen“. Das Label würde den Eindruck vermitteln, dass das in den Produkten verwendete Palmöl nachhaltig produziert wurde.

Tatsächlich schließt RSPO nicht die Rodung von Regenwald aus. Nur die Abholzung von Primärwäldern und Wäldern mit besonderem Schutzwert ist verboten, doch diese machen nur noch zwei Prozent der Wälder aus. Der Rest sind Sekundärwälder, die jedoch ebenfalls ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen sind.

Weitere Kritikpunkte sind unter anderem unzureichende Überwachung und mangelnde Ahndung von Verstößen gegen die RSPO-Kriterien.

RSPO - Roundtable on Sustainable Palm Oil (engl.)

WWF zu RSPO

Rettet den Regenwald zu RSPO

28.10.2015

ZDFmediathek: planet e

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