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planet e  | 14.02.2016  Risiko Hochwasser - wenn der Rhein überläuft

Durch den Klimawandel steigt das Risiko von Überschwemmungen. Wird in Deutschland zu wenig für den Hochwasserschutz getan? Die Holländer jedenfalls greifen zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Sie siedeln Bauernhöfe um, reißen Häuser ab, beseitigen sogar Deiche. Unsere Nachbarn bereiten sich auf ein "Jahrtausendhochwasser" vor, das eines Tages über den Rhein zu ihnen kommen könnte. Wie ist Deutschland vorbereitet, wenn die "große Flut" tatsächlich kommt? 

Baustelle bei Nijmegen
(14.02.2016)

Holland: Deichrückbau

(10.02.2016)
Hochwasser in Koblenz 2003

Vorschau auf die Dokumentation

(12.02.2016)

Ein gigantisches Programm in den Niederlanden lässt aufhorchen: Es heißt "Raum für den Fluss" und ist ein milliardenschwerer Masterplan mit über dreißig Baustellen. Das Verblüffendste dabei: Bisher kannte man die Niederländer als ein Volk, das dem Wasser Stück für Stück Land abringt. Nun geben sie den Flüssen gezielt Raum zurück, graben neue Seitenkanäle, schaffen gigantische Überflutungsflächen.

 

Sendezeit

Sonntag, 14.02.2016 um 14.50 Uhr

 

Unsere Nachbarn haben gar keine andere Wahl. Sie wissen, dass sie sich mit dem Wasser arrangieren müssen, auch mit dem Hochwasser aus Deutschland, das über den Rhein in ihr Land getragen wird. Als Rheinanlieger sind sie das letzte Glied in der Kette. Je weniger Hochwasser auf dem langen Weg von der Schweizer- bis zur holländischen Grenze in deutschen Flussauen abfließen kann, desto mehr Wasser kommt bei ihnen an. Und der Klimawandel wird dafür sorgen, dass es immer mehr sogenannte "Starkregenereignisse" geben wird.

In den Niederlanden entscheidet die Regierung zentral, wo etwas für den Hochwasserschutz getan werden muss, zum Beispiel in Nimwegen, direkt hinter der deutschen Grenze. Hier leitet die Ingenieurin Andrea Voskens mit viel Enthusiasmus ein Projekt, das nicht nur die Bewohner vor gefährlichem Hochwasser schützt, sondern auch ganz neue Freizeit- und Wohnmöglichkeiten eröffnet.

 

Hochwasserschutz in Deutschland: Ländersache

In Deutschland ist Hochwasserschutz nach wie vor Ländersache: Ein Problem bei der Umsetzung vieler wirksamer Hochwasserschutzmaßnahmen, denn nicht immer wird in den Bundesländern solidarisch gedacht. In vielen Rheinanlieger-Gemeinden - vor allem im Süden Deutschlands - scheint noch zu oft der Spruch "Nach uns die Sintflut" die gängige Devise zu sein. Ein Denken, das eines Tages sowohl weiter rheinabwärts gelegenen deutschen Städten wie Koblenz oder Köln als auch den Niederländern zum Verhängnis werden könnte.

Hochwasserschutz: Ja, aber wo?

  • Jürgen Jacob, Bürgermeister von Altrip

    "Es ist nicht begreifbar, dass wir hier in einem solch belasteten Gebiet so eine Maßnahme installieren sollen, während die darunter liegenden Städte wie Ludwigshafen, Mannheim oder auch Mainz mittlerweile bis ans Rheinufer eine Bebauung durchführen."

    Jürgen Jacob, Bürgermeister von Altrip

  • Reinhard Vogt, ehem. Leiter Hochwasserschutz Stadt Köln

    "Wenn ein Hochwasser entstehen würde wie an der Donau 2013, dann würden unsere Schutzanlagen alle überschwemmt werden. Dann wäre zum Beispiel die U-Bahn total unter Wasser. Da wäre der Zoo unter Wasser und 200.000 Menschen betroffen in Köln. Die Stromversorgung würde ausfallen, dann würden eine Million Leute betroffen sein."

    Reinhard Vogt, ehem. Leiter Hochwasserschutz Köln

  • Björn Burger, Landwirt im Hessischen Ried

    "Wenn das Poldergebiet ausgewiesen würde, wäre ja meine Existenzgrundlage als Landwirtsmeister und auch als Bauer vernichtet. Und dass man irgendwo anders einen landwirtschaftlichen Betrieb aufbauen kann, das ist ja nicht möglich."

    Björn Burger, Landwirt im Hessischen Ried

  • Bas Burger, ehem. Landwirt, heute Gastronom

    "Die Landwirtschaft war jetzt hier nicht mehr möglich. Aber wir sagten uns, dass die Flusslandschaft schön ist, und wir etwas in Freizeit und Tourismus anbieten sollten. Die Menschen genießen hier die schöne Aussicht auf der Terrasse."

    Bas Bars, ehem. Landwirt, heute Gastronom

Früher schützten Auwälder das dahinter liegende Land vor Hochwasser. Sie saugten das Wasser auf wie ein Schwamm. Für ihren Erhalt kämpft Christian Damm vom Aueninstitut Rastatt: "Wir haben dem Rhein in den letzten Jahrhunderten achtzig Prozent seiner natürlichen Überflutungsflächen genommen, vor allem durch das Abholzen der Auenwälder und seiner Kanalisierung. Aber ein Umdenken ist möglich", erklärt Christian Damm. Mit dem Flussökologen ist "planet e." an Deichen und in Auenwäldern unterwegs. Am Rhein sieht er viele Möglichkeiten für einen natürlichen Hochwasserschutz – vor allem im Rheingraben zwischen Basel und Bingen. Doch vor Ort gibt es immer Widerstand: Ob Hausbesitzer, Bauern- oder Jagdverband: Jeder hat seine Gründe, sich nicht dem Allgemeinwohl unterzuordnen.

 

Hochwasserrisiko am Rhein

Hochwasser am Rhein bei Koblenz 2003

In welchen Gebieten ist das Risiko für Hochwasser besonders hoch, in welchen niedriger? Eine Übersicht über die Situation am Rhein finden Sie auf den Seiten der Bundesanstalt für Gewässerkunde: 

Rheinatlas 2015

Selbst vorsorgen

Auf die Umsetzung von Hochwasser-Schutzmaßnahmen haben Hausbesitzer wenig bis gar keinen Einfluss. Umso wichtiger ist es, selbst vorzusorgen. In Risikogebieten kann eine Elementarschadensversicherung sinnvoll sein, in stark gefährdeten Gebieten ist es dagegen gar nicht möglich, eine Versicherung abzuschließen. Bianca Boss, Pressesprecherin des Bund der Versicherten e.V. erklärt, worauf es bei der Absicherung von Hochwasserschäden ankommt.

 

Fragen an den Bund der Versicherten

Wer sollte sein Haus gegen Hochwasserschäden versichern?

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

"Derjenige, der es über eine Versicherung absichern kann. Überschwemmungsschäden durch Witterungsniederschläge können deutschlandweit eintreten und nicht nur dort, wo die Flüsse über die Ufer treten. Eine Elementarschadenversicherung für das Wohngebäude macht daher häufig einen Sinn."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Wo können Hausbesitzer erfahren, in welcher Risikozone ein Haus liegt?

"Die Versicherungen nutzen zur Einstufung des Überschwemmungsrisikos das Zonierungssystem „ZÜRS“ vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Auf der Homepage des GdV kann der Verbraucher seine Einstufung ermitteln."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Welche Zusatzversicherung müssen Hausbesitzer abschließen, um sich gegen Hochwasserschäden zu versichern?

"Zusätzlich zur Hausrat- und Wohngebäudeversicherung müssten dann so genannte Elementarschadenversicherungen abgeschlossen werden. Mitversichert sind dann Naturgewalten wie Erdbeben, Erdsenkung, Schneedruck, Lawinen, Überschwemmungen usw."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Was ist beim Abschluss einer Versicherung gegen Hochwasserschäden zu beachten?

"Da gibt es wenig zu beachten bzw. keine nennenswerten Unterschiede in den Bedingungen der Versicherungen."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Sollten Verbraucher die Versicherung regelmäßig überprüfen?

"Warum nicht?! Den Versicherungsschutz hinsichtlich zu zahlender Beiträge und Höhe der Versicherungssumme regelmäßig zu prüfen macht immer Sinn. Zu einem anderen Anbieter wechseln kann man jedoch meist nur, wenn man auch seine Hausrat- und Wohngebäudeversicherung „mitnimmt“."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Wer kann sein Haus nicht gegen Hochwasserschäden versichern, wie viele Menschen betrifft dies etwa?

"All diejenigen, die in bestimmten Risikogebieten wohnen oder aber schon Vorschäden gehabt haben, können die Elementarschadenversicherung nicht mehr abschließen. Wie viele dies sind, können wir nicht sagen. Wie gehen jedoch von einer höheren Zahl als der GdV aus und hatten daher auch in der Vergangenheit eine Pflichtversicherung für alle Hausbesitzer gefordert."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Was können Verbraucher tun, die ihr Haus nicht gegen Hochwasserschäden versichern können?

"Nur eigene Maßnahmen treffen wie Hochwasserschutzdämme und eigene Geldvorsorge für den Fall der Fälle betreiben."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Was müssen Verbraucher beachten, wenn der Schadensfall eintritt?

"Unverzüglich – also so schnell wie möglich - den Versicherer informieren und bitte nur nach Absprache anfangen, aufzuräumen und zu entsorgen. Der Versicherer muss nämlich immer die Möglichkeit haben, den Schaden durch einen Gutachter begutachten zu lassen."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Bei welchen Stellen können sich Verbraucher zu Hochwasserschutz beraten lassen?

"Unabhängige Beratung bekommen Verbraucher bei den Verbraucherzentralen oder als Mitglied bei uns – dem Bund der Versicherten e. V. Wir sind Deutschlands größter Verbraucherschutzverein, wenn es um die Belange der Versicherten geht."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

Verbraucherzentralen

Bund der Versicherten e.V.

Wie schätzen Sie die Gefahren durch Hochwasser für die Zukunft ein?

"Zukünftig werden uns sicherlich vermehrt Naturgewalten begleiten, ob nun Hochwasser- oder Sturmschäden. Daher hätte unseres Erachtens kein Weg an einer Pflichtversicherung gegen Elementarschäden vorbei geführt. Die Politik hat das jedoch leider anders gesehen und damit viele Verbraucher, die keine Elementarschadenversicherung abschließen können, im Regen stehen lassen."

Bianca Boss, Pressesprecherin Bund der Versicherten e.V.

 

Risiko Hochwasser

Ein Film von Christoph Schuch
Kamera: Vita Spieß
Schnitt: Stefan Knauer
Redaktion: Steffen Bayer
Leitung der Sendung: Volker Angres

14.02.2016

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