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Thema und Gast  Sendung vom 20.10.2014 [Archiv] Die Zukunft der Arbeit

Macht das Netz arbeitslos?

Die digitale Revolution schafft nicht nur vielfältige neue Formen von Kommunikation und Lebenskomfort - sie verändert auch in großem Tempo unseren Arbeitsmarkt. Sehr viele traditionelle Dienstleistungsbereiche befinden sich auf dem Rückzug. Wo aber bleiben die Arbeitsplätze? Macht das Netz arbeitslos - oder schafft es vielleicht ganz neue Formen der Arbeit? Darüber spricht Richard David Precht mit Sascha Lobo, Internet-Vordenker und Autor. 

Sascha Lobo bei Richard David Precht

Die Zukunft der Arbeit

Richard David Precht spricht mit Internetvordenker Sascha Lobe über die Frage: Was wird aus den Arbeitsplätzen? Macht das Netz arbeitslos – oder schafft es vielleicht ganz neue Formen der Arbeit?

(20.10.2014)

Sascha Lobo prophezeit: Der gegenwärtige Weg des digitalen Fortschritts führe in die „Dumping-Hölle“. Der „Plattform-Kapitalismus“ vernichte nicht nur Millionen von Arbeitsplätzen um deutlich weniger neue zu schaffen, er verändere auch die Arbeitswelt derjenigen, die noch Arbeit finden. Deren Arbeitsverhältnisse dürften in Zukunft äußerst prekär werden.

Literatur

Wir nennen es Arbeit

Holm Friebe und Sascha Lobo: Wir nennen es Arbeit

Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung

Heyne Verlag, 2008

Mein Gesprächspartner Sascha Lobo (*1975) und Ko-Autor Holm Friebe (*1972) beschreiben in diesem fast schon historischen Buch den Blickwinkel der von ihnen so genannten „digitalen Boheme“ auf die Gegenwart und Zukunft der Arbeitswelt. Das Buch schildert die Alternative zur Welt der Angestellten in Form einer flexiblen Arbeitswelt, in der das Home Office das Büro ersetzt, Hierarchien verschwinden und Arbeitszeit und Arbeitstempo selbst bestimmt werden. Während die Gefahren eines solchen Arbeitsmarktes zwar benannt werden – so etwa die Gefahr einer „Dumping-Hölle“ bei den Löhnen – überwiegt die selbstbewusst optimistische Tendenz, dass die digitale Arbeitswelt der Zukunft die Emanzipation des Menschen von fremdbestimmter Arbeit vorantreibt und ermöglicht.

Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft

Jeremy Rifkin: Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft

Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus

Campus Verlag , 2014

Nachdem der Soziologe, Ökonom und Publizist Jeremy Rifkin (*1945) bereits 1995 etwas irrtümlich das „Ende der Arbeit“ – gemeint war die bezahlte Arbeit – durch Digitalisierung und Nano-Technologie prophezeit hatte, prognostiziert er in seinem jüngsten Buch wiederum eine positive Zukunft.  Den auf Effizienz getrimmten Kapitalismus sieht Rifkin – recht frei nach Marx – an seinen eigenen Widersprüchen zugrunde gehen. An seine Stelle trete eine neue gemeinwohlorientierte Gesellschaft, in der eine immer billiger werdende Produktion und das Konsumententum miteinander verschwinden. Statt Status gehe es in Zukunft um Gemeinsames, um Teilen und echte Lebensqualität. Eine höchst optimistische Prognose, die die positiven Kräfte und Effekte der Digitalisierung absolut setzt und die negativen Effekte nur als Übergangsstadium sieht. Wohl etwas zu schön, um wahr zu sein…

Die deutsche Ideologie

Karl Marx und Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie

Zernodot Verlagsgesellschaft 2011

 

Das in der Sendung genannte Zitat vom kommunistischen Ziel eines selbstbestimmten Lebens, in dem jeder Hirte, Fischer, Viehzüchter oder Kritiker sein kann, ohne dass er sich auf eines als Lohnarbeits-Beruf festlegen muss, ist eine der berühmtesten Passagen der „Deutschen Ideologie“. Zugleich ist es Marx‘ erste Definition des Kommunismus. In diesem Frühwerk bilanzieren die Autoren den Zeitgeist gegen Mitte des 19. Jahrhunderts anhand der drei Protagonisten Ludwig Feuerbach, Max Stirner und Bruno Bauer. Ein solcher Zeitgeist sei dann „Ideologie“, wenn als Interesse aller verkauft wird, was nur das Interesse der Mächtigen ist: „Die herrschenden Gedanken sind immer die Gedanken der Herrschenden“. Im Hinblick auf den Begriff der Arbeit träumen Marx und Engels in ihrem ersten gemeinsamen Werk von einer Aufhebung der Entfremdung und der industrialisierten Arbeitsteilung. Besonders bemerkenswert ist, dass sie sich mit Arbeitsfeldern wie „Hirte“, „Fischer“ oder „Viehzüchter“ gedanklich noch in einer aristokratischen Agrargesellschaft bewegen und nicht in der Industriegesellschaft, die Friedrich Engels kurz zuvor in Manchester hatte studieren können.

Die Zukunft der Arbeit

Marc Beise und Hans-Jürgen Jakobs: Die Zukunft der Arbeit

Süddeutsche Zeitung-Verlag 2013

Marc Beise, Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur des Handelsblattes, erstellen in diesem Kompendium von Zeitungsaufsätzen ein Bild von den Arbeitsfeldern und Arbeitsmärkten der Zukunft. Nach Ansicht der Autoren wird die digitale Revolution die Arbeitswelt radikal verändern. Aus sicheren Berufen werden zeitweilige Jobs, aus dem Bildungsideal ein permanenter Weiterbildungsauftrag. Von den demografischen Veränderungen über die neuen Herausforderungen der Wissensgesellschaft entsteht ein Überblick über die anstehenden und zum Teil schon eingeleiteten Veränderungen. Die Zahl der Freiberufler wird steigen und die Selbstvermarktungskunst zur Schlüsselqualifikation. Trotz gelegentlicher Sorgenfalten ein optimistisches Buch, dass ein solcher Wandel ohne allzu große gesellschaftliche Katastrophen erfolgen kann.

Sascha Lobo, Internet-Experte
Sascha Lobo (Quelle: ZDF)

Die Masse wird fremdbestimmt

Amateure statt Profis, „hire and fire“ statt Festanstellung, Schwarmintelligenz statt Fachkräfte: Die Zukunft der Arbeitswelt, so diagnostizieren Kritiker, werde aus einer Art digitalen Klassengesellschaft bestehen. Einige wenige beherrschten und bestückten die Computer, während die Mehrheit dem folge, was die Rechner ihnen vorschreiben. Weder die Politik noch die Gesellschaft können ein Interesse an dieser Entwicklung haben.

Auch die Wirtschaft kann sich nicht wünschen, dass Massenarbeitslosigkeit, ein zusammenbrechender Binnenmarkt und schwindende Kaufkraft unser Land aushöhlen. Doch was kann man dagegen tun? Der digitale Fortschritt ist unaufhaltsam und irreversibel. Oder fallen die Prognosen zur Zukunft unserer Arbeit zu düster aus?

Biografie von Sascha Lobo

Sascha Lobo, Jahrgang 1975, studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin, sowie Publizistik an der FU Berlin. Er arbeitet als Autor und Strategieberater mit den Schwerpunkten Internet und Markenkommunikation für Kunden wie die Deutsche Messe, die Fraunhofer Gesellschaft, Vodafone und VW. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Experten für die digitale Welt von Social Media und digitalen Arbeitsprozessen und ist einer der prominentesten Blogger Deutschlands.

Seit Januar 2011 schreibt er die wöchentliche Kolumne “Mensch-Maschine” auf Spiegel Online, setzt sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ mit vielbeachteten Artikeln kritisch mit der Netzwelt auseinander, ihrem Kontroll- und Überwachungswahn, den er scharf verurteilt. Mit verschiedenen Coautoren verfasste Sascha Lobo Sachbücher zu den Themen Arbeit, Netz und Gesellschaft. Erfolgreich, zusammen mit Holm Friebe 2006 das Buch „Wir nennen es Arbeit“ oder, zusammen mit Kathrin Passig im Jahr 2008 „Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin“, sowie 2012 das Sachbuch „Internet – Segen oder Fluch“. 2010 veröffentlichte er seinen ersten Roman “Strohfeuer”. Für das Gemeinschaftsblog Riesenmaschine.de erhielt er 2006 den Grimme Online Award, 2007 den Erik-Reger-Literaturpreis (Förderpreis) und weitere Auszeichnungen.

20.10.2014

Sendungsinformationen

Sonntag 19.10.2014, 00:00 - 00:45 Uhr Nachtprogramm

VPS 20.10.2014, 00:00 Uhr


Länge: 45 min.

Gesprächsreihe, Deutschland, 2014

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