zurück Startseite

Sonneborn rettet die Welt  Warum ich die Welt retten muss

Martin Sonneborn über seine satirische Mission

Alles begann mit einem Foto. Eine weiße Kugel, aus großer Höhe aufgenommen. Auf den zweiten Blick sah ich, dass es sich nicht um die Glatze von Gregor Gysi handelte. Sondern um die Erde, fotografiert aus 1,5 Milliarden Kilometern Entfernung von der Saturnsonde Cassini. Ich bekam sofort Mitleid. 

Martin Sonnneborn ist nachdenklich

Martin Sonneborn und seine Beweggründe

(Quelle: ZDF)

von Martin Sonneborn

Ich wusste, dass meine Tante zeitweise Mitleid mit allem und jedem hatte. Im Urlaub in Italien rettete sie den ganzen Tag Ameisen aus der Überlaufrinne des Schwimmbeckens. Sie konnte den Urlaub praktisch nicht mehr genießen, weil die Ameisenrettung sie so in Anspruch nahm, dass sie vollkommen erschöpft nach Hause fuhr. Und Nietzsche war beim Anblick eines gestürzten Pferdes weinend zusammengebrochen. Wahrscheinlich hat es einfach mit dem Alter zu tun, die Empathie nimmt von Tag zu Tag zu. Irgendwann bekommt man Mitleid mit der Erde.

Als alles noch anders war

Als ich klein war, war die Erde noch gesund. Man machte seinen Ölwechsel auf Amrum am Strand und prahlte mit dem hohen Spritverbrauch seines Autos. Mit sieben Jahren glaubte ich fest daran, dass die Atomkraft alle Probleme auf einen Schlag lösen würde: Ich sah fliegende Autos, Roboter mit unendlich viel Energie, Toaster, in denen das Toastbrot niemals verkohlt, ein Haus mit Pool für jeden Bürger, mit Ameisenrettungsnetzen an den Überlaufrinnen.


Als ich 13 wurde, wusste ich, dass das alles, so wie es damals lief, nicht gut gehen konnte: ewiges Wachstum (ich maß bereits 1,80 Meter), Cola in Dosen, Ikea, eine Fußballnationalmannschaft ohne Paul Breitner ... Keiner hörte auf meine Warnungen. Nicht einmal ich selbst. Aber statt des Systems brach erst einmal die Mauer zusammen und mit ihr die Kategorien von Gut und Böse.

Die Welt retten?

Ich musste handeln. Also gründete ich eine Partei in der Hoffnung, Deutschland zu retten oder zumindest mich selbst. Wir kauften graue C&A-Anzüge für 49 Euro und versprachen den Wählern das Graue vom Himmel. Anfangs eroberten wir die Herzen der Menschen im Sturm. Leider hatten wir übersehen, dass Deutschland inzwischen nicht mehr von der Politik regiert wird, sondern von der Deutschen Bank. Und die Deutsche Bank ist global aufgestellt. Kurz vor der Machtübernahme beschloss ich, Politik Politik sein zu lassen und lieber die Erde zu retten.

Kurzbiografie Martin Sonneborn

Martin Sonneborn wurde 1965 in Göttingen geboren und schlug nach einem kurzen Umweg über eine abgebrochene Versicherungsvertreterausbildung schnell den Weg Richtung Satire ein. Seine Magisterarbeit im Fach Publizistik schrieb er über die Wirkungsmöglichkeiten der Satire und über das Satiremagazin „Titanic“, deren Chefredakteur er schließlich von 2000 bis 2005 wurde. Seit 2006 ist er verantwortlicher Redakteur der Satire-Rubrik „Spam“ auf Spiegel Online.

2004 gründete er "Die PARTEI", Partei für Arbeit, Rechtstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative.

Seit 2009 ist Martin Sonneborn Außenreporter der "heute show" im ZDF.


Erstaunlicherweise stieß ich mit diesem Projekt auf eine Marktlücke. Darauf war vor mir noch niemand gekommen. Die deutsche Politik war eh mit – vorzugsweise alternativlosen – Sachzwängen beschäftigt. Für die großen Fragen der Menschheit hatten Politiker gar keine Zeit. Gut, es gab jede Menge NGOs, aber auch die waren untereinander heillos zerstritten. Die einen wollten Wale retten, andere lieber den Pandabären, den Regenwald, Peter Altmaier oder die Menschenrechte. Den Blick für das große Ganze hatten diese Leute vollkommen verloren.

Das schaffst Du gerade noch ...

Da geriet das Bild von Cassini in meine Hände. Und ich wusste: Die Welt retten, das schaffst Du gerade noch. Also legte ich los. Ich fragte mein treues "heute-show"-Kamerateam, ob es mir notfalls bis in die Hölle folgen würde, (Die Antwort lautete: "Natürlich nicht. Die Lausitz ist das Äußerste!") suchte einen Sender mit vollen Geldspeichern (... und nahm dann mit ZDFneo vorlieb), ordnete die drängendsten Probleme unserer Zeit alphabetisch und knöpfte sie mir vor: Energiekrise, Finanzkrise, globale Totalkrise (inklu­sive Korruption & Lobbyismus).

Sendedaten

Martin Sonneborn versucht gleich drei Mal, die Welt zu retten -  zu sehen am:

10. Oktober, um 22.45 Uhr

17. Oktober, um 22.45 Uhr

24. Oktober, um 23 Uhr

Zur Weltrettung schlug ich mich durch römische Eiscafés, internationale Energiegipfel, Vattenfall-Tagebaubaggerlöcher, verruchte China-Club-Séparées, transnationale Republiken und die Geldtürme der Deutschen Bank. Geholfen haben mir dabei unter anderem Angela Merkel, Peter Altmaier, Gregor Gysi, Karl Lauterbach, Matthias Miersch, Bärbel Höhn, diverse Hinterbänkler, nigerianische Chauffeure und verrückte Wissenschaftler. All ihnen sei hiermit gedankt.


Ob uns Erfolg beschieden war? Das sehen Sie spätestens im Oktober. In den Nachrichten. Oder in ZDFneo.

 

10.09.2013

Martin Sonneborn im ZDFneo Hangout

Martin Sonneborn rettet die Welt! Bevor er damit loslegt, ist er im ZDFneo Hangout.

Wann: 10. Oktober 2013 um 20 Uhr unter sonneborn.zdfneo.de

Wenn du schon immer mal eine Frage an Martin Sonneborn stellen wolltest, hast du jetzt die Chance. Um auch als Gast im Hangout zu sein, schicke uns eine Email an sonneborn@zdfneo.de - wir melden uns dann.

Du kannst aber natürlich auch, ohne selbst im Hangout zu sein, Fragen an Martin Sonneborn stellen! Schicke uns auch hierzu eine Mail an sonneborn@zdfneo.de.

Sonneborn rettet die Welt - wer soll es denn auch ...

Infos zur satirischen Reportage mit Martin Sonneborn [mehr]

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen