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Terra X: Abenteuer Sibirien  | 30.12.2012  Abenteuer Sibirien (1/2) - Vorstoß ins Unbekannte

Georg Wilhelm Steller leistete wissenschaftliche Pionierarbeit in Sibirien

Es waren Deutsche, die sich im 18. Jahrhundert als erste Siedler in die unwirtlichen Gebiete des Ostens vorwagten und auf abenteuerlichen Expeditionen ihr Leben riskierten. Georg Wilhelm Steller war als einer der ersten Naturwissenschaftler im Auftrag der russischen Zaren unterwegs und legte den Grundstein für die Erforschung Sibiriens. Viele Wissenschaftler aus Deutschland folgten seinen Spuren bis heute. 

Abenteuer Sibirien (1/2)

Die erste Folge des ZDF-Zweiteilers "Abenteuer Sibirien" begleitet deutsche Wissenschaftler auf ihren Reisen durch dieses beeindruckende Land jenseits des Urals.

(30.12.2012)

Vorschau: Abenteuer Sibirien, Teil 1

Vorschau auf den ersten Teil des Zweiteilers "Abenteuer - Sibirien: Aufbruch ins Unbekannte" vom 30.12.2012. Auf den Spuren deutscher Forscher in Sibirien, der erste von ihnen war Georg Steller.

(30.12.2012)
Georg Wilhelm Steller in Sibirien - Spielszene

Georg Wilhelm Steller (Spielszene)

Georg Wilhelm Steller wurde am 10. März 1709 in Bad Windsheim, Franken ge­boren. Nach dem Studium der Naturwissenschaften und Medizin ging er 1734 nach Russland, wo er sich bessere berufliche Perspektiven als in Deutschland erhoffte. 1737 wurde er Mitarbeiter der Petersbur­ger Akademie der Wissenschaft und Mitglied der "Großen Nordischen Expedition", die ihn quer durch Sibirien bis nach Alaska führte. Der Grundstein für das Forschungsvorhaben war noch von Peter dem Großen gelegt worden. Nach seinem Tod 1725 wurden die Expeditionen auch von seinen Nachfolgern weiter gefördert. Die Wissenschaftler sollten das russische Riesenreich erkunden und herausfinden, was zwischen dem östlichsten Ende Russlands und Amerika liegt. Damals war noch unklar, ob es eine Landbrücke zwischen den Kontinenten gibt.

Abenteuerliche Expedition in den unbekannten Osten

Naturforscher Steller leistete als Erster wissenschaftlich präzise Aufzeichnungen aus Sibirien.
Georg Wilhelm Steller war unermüdlich in seinen Beobachtungen (Spielszene). (Quelle: ZDF)
Für Steller war die "Große Nordische Expedition" das langersehnte Karriere­sprungbrett. Mit zahlreichen Wissenschaftlern, Soldaten und Zeich­nern startete er 1737 von Moskau in Richtung Osten, wo er die Deutschen Johann Georg Gmelin und Friedrich Müller traf. Bis nach Kamtschatka sollte Steller vordringen. Damals ein tollkühnes Vorhaben. Doch es geht um eine der wichtigsten Fragen der damaligen Zeit: Was liegt zwischen Sibirien und Amerika? Eine eventuelle Landbrücke nach Amerika würde Russlands Einfluss in der Neuen Welt erhöhen und seine Macht festigen. Auf der jahrelan­gen Tour machte Steller Station in Jekatarinburg, am Baikalsee, in Jakutsk und Ochotsk, bevor er mit dem Schiff nach Kamtschatka über­setzte. Am Baikalsee verfasste Steller sein botanisches Hauptwerk.

Im März 1740 hatten Georg Wilhelm Steller und sein Tross den Baikalsee verlassen. Vor ihnen lag der eisige Osten Sibiriens. Die Route führte durch unwegsames Gelände, Kutschen und Pferde hatten sie zurück lassen müssen. Nun schleppten die Männer Hunderte Kilo an Proviant und Ausrüstung auf Schlitten. Schnee, Eis und Kälte machten die Reise zu einem Horror-Trip. Das Treibeis auf den breiten sibirischen Flüssen stellte die Expedition vor weitere Probleme. Brücken gab es damals noch nicht Dennoch beschrieb der ehrgeizige Forscher unermüdlich viele noch unbekannte Tiere und sammelte unzählige Pflan­zen, die noch heute seinen Namen tragen. Die Gegend um Jakutsk war die bis dahin härteste Strecke. Fünf weitere Monate dauerte es, bis sie die Hafenstadt Ochotsk erreichten. Von dort aus ging es weiter nach Kamtschatka.

Expeditionsmitglied Gmelin über Steller

 "Er war mit keinen Kleidern beschweret. Weil man die Haushaltung durch Sibirien mit sich führen muß, so hatte er sie so klein, als immer möglich, eingerichtet. Sein Trinkgefäß zum Bier war eines mit dem Trinkgefäß zum Meth und Brandtwein. Wein verlangte er gar nicht. Er hatte nur eine Schüssel, daraus er speisete, und in welcher er alle seine Speisen anrichtete […] Er kochte alles selber, und dieses auch wieder mit so wenigen Umständen, daß Suppe, Gemüse und Fleisch in einem Topfe zugleich angesetzt und gekocht wurden.  Er konnte den Qualm davon in der Stube, da er arbeitete, gar leicht ertragen. Er brauchte keine Perücke und keinen Puder; ein jeder Schuh und ein jeder Stiefel war ihm gerecht; er hatte bey allem diesem keinen Verdruß über die elende Lebensart; er war immer gutes Muths, und je unordentlicher alles bey ihm zugieng, desto frölicher war er. […] Dabei bemerkten wir, daß ohngeachtet aller der Unordnung, die er in seiner Lebensart von sich blicken ließ, er doch in Anstellung seiner Wahrnehmungen überaus pünktlich, und in allen seinen Unternehmungen unermüdet war, so daß wir deswegen nicht die geringste Sorge tragen durften. Es war ihm nicht schwer, einen ganzen Tag zu hungern und zu dursten, wenn er etwas den Wissenschaften ersprießliches ins Werk richten konnte.“  Der Arzt und Naturforscher Johann Georg Gmelin (1709-1755) war zeitweise Stellers "Vorgesetzter" in Sibirien. Zitat aus: "Die Große Nordische Expedition von 1733 bis 1743", Verlag C.H.Beck, München 1990

Steller sieht seine Heimat Deutschland nie wieder

Schwarzkopfhäher
Ein Vogel als "Landmarke": Der Schwarzkopfhäher. (Quelle: ZDF)
Im Frühjahr 1741 stach Steller gemeinsam mit Kapitän Vitus Bering von Kamtschatka aus in Richtung Osten in See. Nach einer wochen­langen Irrfahrt durch den Nordpazifik landeten sie auf einer Insel. Steller entdeckte dort einen Schwarzkopfhäher. Einen ähnlichen Vogel kannte er aus einem Buch über amerikanische Tiere.  Steller war sich sicher, dass er auf amerikanischem Boden stand. Doch wegen der bevorstehenden Herbststürme konnte das Team nicht bleiben, sondern musste die sofortige Heimfahrt antreten. Wie berechtigt diese Sorge war, zeigte sich bald: Ihr Schiff sank einem schweren Unwetter. Unter härtesten Bedingungen mussten Steller und die Besatzung auf einer unbewohnten Insel östlich von Kamtschatka überwintern.

Viele litten unter Skorbut. Steller war nicht nur Naturforscher sondern auch Arzt. Er pflegte die Kranken und sammelte vitaminreiche Flechten. Einigen Männern rettete er damit das Leben.  Doch Vitus Bering konnte Steller nicht mehr helfen. Der Kapitän starb im Dezember 1741. Das Meer zwischen Alaska und Kamtschatka sollte später nach ihm benannt werde.  Erst im folgenden Frühjahr gelang es Steller und einigen anderen Männern, die Insel mit einem selbstge­bauten Boot zu verlassen und nach Kamtschatka zurückzukehren.

Steller blieb zunächst auf Kamtschatka und forschte weiterhin naturwissenschaftlich und ethnologisch. Nachdem im Herbst 1743 die zweite Kamtschatka-Expedition für beendet erklärt und die Teilnehmer zur Rückkehr aufgefordert worden waren, machte sich Steller im August 1744 auf die Rückreise nach St. Petersburg. Doch er kam nur bis Tjumen, über 2000 Kilometer östlich von Moskau in Sibirien. Noch während der Reise verstarb der Forscher am 12. November 1746 an den Folgen eines heftigen Fiebers. Er wurde nur 37 Jahre alt.

Hintergründe zu Steller

Die Route der "Großen Nordischen Expedition"

Stellers Reiseroute

Die Expedition beginnt im Dezember 1737, insgesamt 10.000 Kilometer ist Georg Steller unterwegs. Vorbei an Nischni Nowgorod und Kasan überquert er mit seiner Truppe nach drei Monaten den Ural und sie erreichen Jekaterinburg. Über Irtysch, Surgut und Tomsk gelangt Steller nach Jenisseisk. Nächste Station ist Irkutsk, die Stadt am Baikal. Im März 1740 geht es weiter in den Osten Sibiriens. Fünf Monate dauert es, bis die Hafenstadt Ochotsk erreicht ist, dann geht es weiter auf die Halbinsel Kamtschatka. Hier verbringt Steller neun Monate bevor er zur letzten Etappe der Expedition startet. 1741 durchquert er mit dem dänischen Kapitän Vitus Bering das Meer zwischen Kamtschatka und Alaska. Steller betritt als erster Europäer im Sommer 1741 die Kayakinsel, eine Vorinsel Alaskas. Auf der Rückfahrt strandet das Schiff im November 1741 auf der heutigen Beringinsel, östlich von Kamtschatka. Erst im Frühjahr 1742 gelangen Steller und die anderen Überlebenden wieder nach Kamtschatka mit einem selbst gebauten Boot.

Kapitän Bering - der "Kolumbus des Zaren"

Georg Wilhelm Stellers Reiseroute von Sibirien bis Kayak Island

Der 1681 in Dänemark geboren Vitus Bering stand bereits seit 1703 im Dienste der russischen Marine. 1725 wurde er im Namen des russischen Zaren Peter der Große beauftragt, mit zwei Schiffen von der ostasiatischen Küste in Richtung der nordamerikanischen Westküste zu segeln, um festzustellen, ob die Landmassen Asiens und Amerikas verbunden sind oder ob es eine Seestraße zwischen den Erdteilen gibt. Nachdem die erste Expedition 1728 wegen schlechten Wetters in der Region aufgegeben werden musste, landete Bering bei der zweiten Expedition im Sommer 1741 auf der Kajakinsel, einer Vorinsel Alaskas. Bering gilt als der erste europäische Entdecker Alaskas und der Meerenge zwischen Asien und Amerika, die man heute als Beringstraße kennt. Auf dem Rückweg von der Kajakinsel geriet das Schiff in Seenot und strandete Anfang November 1741 auf einer menschenleeren Insel, die östlich der großen Halbinsel Kamtschatka liegt. Die Mannschaft litt stark unter Vitaminmangel und es gab einige Verluste. Bering starb am 8. Dezember 1741 auf dieser Insel, die heutige Beringinsel.

Stellersche Seekuh

Die Stellersche Seekuh wurde 1741 vom Naturforscher Steller entdeckt und war bereits 1768 durch Überjagen ausgerottet.

Stellers bekannteste Entdeckung ist die Stellersche Seekuh, ein cica acht Meter langer Koloss. 1741 hat Steller das Tier erstmalig auf der heutigen Beringinsel beschrieben. Damals lebten schätzungsweise noch 2.000 Exemplare rund um die Inseln im Eismeer. Doch bereits 1768 war die Seekuh durch Überjagen ausgerottet.

Neben dem Selöwen, dem Riesenseeadler und der Scheckente gibt es noch den Diademhäher (Cyanocitta stelleri) einen amerikanischen Singvogel, der Stellers Namen trägt. Bei den Pflanzen sind es: Belia Steller, Cornus herbacea Steller, Fumaria cucullaria Steller, Galium kamtschaticum Steller, Galium kamtschaticum Steller. Auch der höchste Berg auf der Beringinsel ist nach Steller benannt (Mount Steller).

Stellerscher Seelöwe

Stellerscher Seelöwe

Die Stellerschen Seelöwen gehören zu den Ohrenrobben und leben an den Küsten des Nordpazifiks. Die Männchen können mehr als 1000 Kilogramm schwer werden.

Stellersche Scheckente

Stellersche Scheckente

Die Scheckente, Polysticta stelleri, ist an den Flussmündungen der Beringsee zu Hause.

Stellerscher Riesenseeadler

Stellerscher Riesenseeadler

Mit weit über zwei Meter Spannweite gehören die Riesenseeadler zu den größten Greifvögeln. Sie leben vor allem  an den Küsten des Nordpazifiks.

30.12.2012

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