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Imperium - Der Kriegsruf der Indianer  | 24.07.2011  Chronik Indianerkriege

Vom Powhatans-Krieg zum Massaker am Wonded Knee

Untereinander haben die Indianer ständig Kriege geführt. Doch nach Ankunft der Europäer veränderte sich die Art der Kriegsführung grundlegend, vor allem durch die Einführung von Pferden und neuen Waffen, besonders von Gewehren. Die Expansion der Weißen Siedler bedrohte jede indianische Nation. Aus lokalen Konflikten entwickelte sich mit wachsender Zuwanderung die "wandernde Grenze" Sie verdrängte die Rothäute, trieb sie vor sich her und nahm ihnen zuletzt den Atem.  

von Rainer Aust

Indianerkriege (Spielszene)
Indianerkriege (Spielszene) (Quelle: ZDF)

1608 - 1644 Powhatans KriegKurz vor Ankunft der Engländer und der Gründung von Jamestown vereinigt Häutling Powhatan 200 Dörfer unter seiner Herrschaft. Das Verhältnis zu den Siedlern ist trotz Annäherung (Pocahontas) angespannt. Nach Powhatans Tod bricht ein offener Krieg aus, (1622 Jamestown-Massaker ) der erst mit der endgültigen Niederlage der Indianer endet. Da aus dem Hinterland auch die Irokesen angreifen, zerfällt Powhatans Bund.

Soldaten ziehen in den Kampf
Soldaten ziehen in den Kampf (Quelle: ZDF)

1675 - 1676 King Philips Krieg
Philips Vater, Häuptling Massasoit, hatte die Pilgrim Fathers freundlich aufgenommen. Nach seinem Tod verschärft sich der Ton zwischen den Wampanoag-Indianern und den Siedlern. Ihre Zahl wächst rasch und als die Engländer Massasoits Sohn und Nachfolger in den Tod treiben, organisiert sein Bruder Philip den Widerstand. Doch die Siedler sind bereits zu zahlreich. Philip und seine Verbündeten werden besiegt. Seine Familie in die Sklaverei verkauft und er selbst ermordet. Die Siedler beherrschen nun weite Teile der Atlantikküste.

1680 Aufstand der Pueblo-Indianer
Als die Spanier auf der Suche nach El Dorado nach Norden vordringen, erobern sie weite Länderein die sie als Neu Mexiko ihrem Herrschaftsbereich angliedern. Nach Jahrzehnten der Zwangschristianisierung, bringt eine Hungersnot die Unzufriedenheit zum Ausbruch. Unter dem indianischen Priester Pope wagen die Pueblo-Stämme den Aufstand. Trotz Vorwarnung werden die Spanier besiegt. Die Aufständischen erobern die Stadt Santa Fee und gründen einen eigenen Staat. Nach 1686 gewinnen die Spanier die Herrschaft zurück.

1754 - 1763 Englisch-Französischer Kolonialkrieg
Der Krieg verschärft die Stammeskonflikte unter den Indianern, die sich für eine der beiden Seiten entscheiden und dafür verstärkt von beiden Seiten mit Waffen ausgestattet werden. Es folgt der Aufstieg der auf englischer Seite kämpfenden Irokesen Nationen und der Niedergang der Huronen. In der Folge Verdrängung anderer Stämme nach Süd-Westen. Die Ottawa unter ihren Häuptling Pontiac kämpfen auf der Seite der Franzosen.

1763 - 1766 Pontiaks Aufstand
Pontiak strebt eine Koalition aller Stämme entlang des Mississippi gegen die englischen Siedler an. Zunächst im Bündnis mit den Franzosen, verfolgt er nach Ende des Kolonialkrieges sein Ziel weiter und wird für die Siedler zu ernsten Gefahr. Doch Pontiac wird verraten und 1788 durch einen von englischen Händlern gedungenen Indianer ermordet. Anhänger Pontiacs löschen als Rache den Stamm des Mörders aus.

1775 - 1783 Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg
Beide Seiten, Amerikaner und Engländer, werben um die Unterstützung der indianischen Stämme. 1776 erklären die Amerikaner ihre Unabhängigkeit. Nach dem Sieg der Amerikaner werden die Irokesen und andere Stämme nach Kanada vertrieben. In der Folge schüren die Briten von Kanada aus den Widerstand der Stämme am Mississippi gegen das weitere Vordringen amerikanischer Siedler nach Westen.

1812 - 1814 Amerikanisch-Englischer Krieg
Die Amerikaner hatten 1803 von den Franzosen Louisiana gekauft. Das brachte alles Land westlich des Mississippi in ihr ihren Besitz. 1812 versuchen die Briten ein letztes Mal ihren Einfluss in diesen Gebieten zu nutzen und Amerika zurück zu gewinnen. Ihr Plan: Einen Angriff von See auf New Orleans, sowie einen Vorstoß von Kanada aus, den Mississippi abwärts. Als Verbündete unterstützt eine mächtige Koalition der Indianerstämme, geführt von dem Shawnee-Häuptling Tecumseh, die Engländer. Den Sieg der Amerikaner erkämpft Andrew Jackson bei New Orleans. Die Niederlage der Briten besiegelt auch das Schicksal der Indianerkoalition unter Tecumseh, der 1812 in der Schlacht am Thames River fällt.

1817 - 1818 und 1835 - 1842 Seminolenkriege
Als die Amerikaner 1819 Florida von den Spaniern erwerben, verbindet sich das Schicksal der dort ansässigen Seminolen mit dem der Cree und Cherokee. Ihr bedeutendster Häuptling, Osceola, entstammt einer Cree-Familie, die sich nach Zerstörung ihres Dorfes den Seminolen anschloss. Im ersten Seminolenkrieg behaupten sich die Indianer erfolgreich. Florida ist unwegsam und kaum erschlossen. Auch den zweiten Krieg gewinnen die Amerikaner erst nachdem sie Osceola unter Parlamentärsschutz in ihr Lager gelockt und dort gefangen genommen hatten. Die Besiegten werden deportiert. Einige fliehen und überleben im Schutz der Everglages. Endgültig besiegt werden die Seminolen nie.

1838 Pfad der Tränen
Die Deportation der so genannten "fünf zivilisierten Stämme" nach Oklahoma erfolgt auf Anweisung Präsident Jacksons, der ein Wahlversprechen an die amerikanischen Siedler einlösen muss. Als die "zivilisierten Stämme" gelten die Cherokee, Chikasaw, Choctaw, Cree und Seminolen. Als Stämme des Südostens hatten sie früh Kontakt zu den Weißen und passten sich ihrer Lebensweise an. Der Aufruf Tecumsehs zum Kampf gegen die Weißen spaltet die Stämme. Ein Aufstand der Cree wird jedoch in der Schlacht am "Horseshoe Bend" 1814 niedergeschlagen. Das Umsiedlungsgesetz von 1830 vertreibt und enteignet alle Indianer östlich des Mississippi und zwingt sie ihre Heimat zu verlassen. Von der Armee bewacht gehen allein 10.000 Cherokee zu Fuß mit all ihrer Habe auf den Weg nach Oklahoma. Fast die Hälfte von ihnen überlebt nicht.

1866 - 1867 Red Clouds Krieg
In Fort Laramie kommt 1851 unter zweifelhaften Umständen ein Vertrag zustande, der die Indianer der "Großen Plains" verpflichtet, Stützpunkte der Amerikaner auf ihrem Gebiet und den Durchzug der Siedler nach Kalifornien (Goldrausch) zu dulden. Als es in der Folge zu Zwischenfällen kommt, wehren sich die Indianer. Unter ihren Häuptlingen Dull Knife und Red Cloud besiegen sie die amerikanische Armee mehrfach und zwingen sie zu erneuten Verhandlungen in Fort Laramie. Red Cloud erweist dabei großes diplomatisches Geschick und bricht, als die Soldaten versuchen ihn einzuschüchtern die Verhandlungen ab. Gemeinsam mit Crazy Horse gelingen ihm weitere militärische Erfolge. Am 6. November 1868 wird weiter verhandelt. Die Amerikaner geben nach und bestätigen im 2. Vertrag von Laramie die Rechte der Indianer. Damit ist Red Cloud der einzige Häuptling der Prärie, der einen Krieg gegen die Weißen siegreich beendet.

Little Big Horn
Little Big Horn (Quelle: ZDF)

1876 - 1877 Little Big Horn und der Krieg um die Black Hills
Red Cloud hält in der Folge Frieden. Doch die Konflikte mehren sich. 1869 ist der Bau der Eisenbahn abgeschlossen. Die Zahl der Siedler-Trecks wächst schnell und als in den heiligen Bergen der Indianer, den Black Hills, Gold gefunden wird, kann kein Militär den Ansturm aufhalten. Noch ein Mal bringen die Sioux eine Streitmacht der letzten frei lebenden Stämme zusammen. Unter ihren Häuptlingen Sitting Bull und Crazy Horse gelingt den Indianern im Juni 1876 in der Schlacht am Little Big Horn ein großer Sieg. Doch damit beginnt ein gnadenloser Rachefeldzug. Die Armee zerstört systematisch die Dörfer, Wasserstellen und Vorratslager der Indianer. Crazy Horse geht mit den meisten überlebenden Sioux in ein Reservat, wo er getötet wird. Sitting Bull flieht nach Kanada.

1890 Massaker am Woundet Knee
Die Lage in den Reservaten ist für die Indianer verheerend. So findet die Geistertanzbewegung, die sich seit Beginn des Jahres 1889 unter den Indianern ausbreitet in den Reservaten viele Anhänger. Die Lehre gründet auf die Visionen Wovokas, dem Sohn eines Medizinmannes der Paiutu. Er verkündet die Rückkehr aller getöteten Krieger und der Büffel. Die Weißen sollen in den Ozean, von dem sie gekommen sind zurück getrieben werden. Im Winter 1890 laden die Sioux die anderen Stämme zu einer Zusammenkunft ein. Die Behörden fürchten einen Aufstand. Der alte Sitting Bull, der aus Kanada zurück kam, unterstützt die Bewegung. Er wird verhaftet und bei einer Rangelei getötet.

Wounded Knee
Soldaten Originalbild von 1890 (Quelle: ZDF)

Am 29 Dezember 1890 umstellen Truppen der Armee eine 340 Frauen, Männer und Kinder zählende Gruppe Sioux, die auf dem Weg zu dem Treffen ist. Die Armee eröffnet das Feuer und nahezu alle Indianer werden getötet. Der Ort des Geschehens heißt "Wounded Knee". Er markiert Ende und Anfang zugleich. 1973 besetzen Mitglieder der "American Indian Movement"-Bewegung den Ort und erreichen Aufmerksamkeit für die Lage der Indianer. Alljährlich erinnern die Stämme mit einem Gedenkritt zum Wounde Knee an die Getöteten ihres Volkes.

24.07.2011

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