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Terra X: Abenteuer Sibirien  | 06.01.2013  Die Transsibirische Eisenbahn

Die Geschichte eines Mammutprojektes

Sie ist eine Meisterleistung russischer Eisenbahningenieure und noch heute ein Mythos: Mit rund 9300 Kilometer Streckenlänge ist die Transsibirische Eisenbahn die längste durchgängige Eisenbahnstrecke der Welt. 

Transsibirische Eisenbahn: Bahnbedienstete an einer Weiche um 1900

Unterwegs mit der Transsib

(29.11.2012)
Karte der Streckenführungder Transsib  durch Sibirien

Die Streckenführung der Transsib

(Quelle: ZDF)

Thomas Szuecs & Kirsten Bode

Die rasante Entwicklung der Eisenbahnnetze, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts in weiten Teilen Europas zu beobachten war, verlief im russischen Zarenreich nur stockend. Zwar wurde schon 1837 die erste Eisenbahn auf heutigem russischem Boden fertig gestellt, doch war es nur eine kleine Privatbahn für den Zaren, die Sankt Petersburg mit seiner Sommerresidenz, Zarskoje Selo, über 23 Kilometer verband. Erst 1852 wurde dann die zweite Bahnstrecke zwischen der damaligen Hauptstadt Sankt Petersburg und Moskau mit einer Länge von circa 644 Kilometer in Dienst gestellt. Etwa zur gleichen Zeit waren in Deutschland bereits 8000 Kilometer in Betrieb.

Sträflinge, Soldaten und Wanderarbeiter

Arbeiter an der Baikalstrecke der Transsibirischen Eisenbahn um 1900
Sie hatten meist keine Alternative: Arbeiter an der Baikalstrecke. (Quelle: akg-images)

Russland erfuhr dann unter Zar Alexander II. (1855-1881) eine soziale und wirtschaftliche Modernisierung, dabei wurde auch das Eisenbahnnetz erweitert. Sein Sohn, Zar Alexander III, entschied sich aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen für den Bau der langen und technisch anspruchsvollen Strecke, welche die entfernte Hafenstadt Wladiwostok mit Moskau verbinden sollte. Es sollte der eisfreie Hafen im Osten an den Westen des russischen Reiches angebunden werden. So konnte man sich einen Teil des weltweiten Warentransports sichern und eine Alternative zum langsameren Seeweg bieten, der immerhin deutlich mehr als zwei Monate in Anspruch nahm. Mit dem Zug dauerte es dagegen nur circa fünf Wochen bis Europa. Auch der wichtige innerrussische Rohstoff- und Personentransport wurde erleichtert und die expandierende russische Wirtschaft konnte sich entlang der Strecke besser entwickeln.

Nach langen Vorüberlegungen begannen die Bauarbeiten 1891 in Wladiwostok. Aufgrund der Länge der Trasse, wurden die verschiedenen Streckenabschnitte gleichzeitig gebaut und so waren zeitweise bis zu 90.000 Arbeiter gleichzeitig im Einsatz. Der Bau ging, gemessen an der Herausforderung, schnell voran, doch die extrem harten Arbeits- und Lebensbedingungen forderten ihren Preis: Zehntausende Arbeiter starben während der Bauphase an Krankheiten und Seuchen. Die Kälte im Winter, das Leben und Arbeiten im Sumpf während des Sommers, die harte körperliche Arbeit und die schlechte Versorgung zehrten an den Menschen. Manchmal mussten sie im sibirischen Winter, bei Temperaturen um die minus 40 Grad Celsius ohne feste Behausung auskommen. Eine ausreichende medizinische Versorgung fehlte. Von weither hat man sie heranholen müssen: Es waren Soldaten, Sträflinge, Bauern, aber auch Saisonarbeiter aus China, Japan oder der Mongolei, die mit einfachsten Mitteln ohne großen Geräteeinsatz schufteten.

Mit der Bahn im Schlitten über den Baikalsee

Drainagearbeiten beim Bau der Transsibirische Eisenbahn um 1900
Drainiagearbeiten beim Streckenbau. (Quelle: akg-images)
1904 war dann endlich ein durchgängiger Schienenverkehr zwischen St. Petersburg über Moskau nach Wladiwostok möglich. Bis zur Fertigstellung der felsigen Passage am Baikalsee musste die Bahn im Winter mit Schlitten, im Sommer mit Schiffen über den riesigen See transportiert werden. Die Fertigstellung dieses technisch schwierigsten und kostspieligsten Teilstücks wurde aufgrund des Russisch-Japanischen Kriegs (1904- 1905) forciert, da die Strecke nun militärisch bedeutsam wurde. Ein ganzer Waggon voller Sprengstoff wurde für einen Kilometer Strecke durch die Felsen am Seeufer benötigt. Dadurch stiegen die Kosten beinahe auf den dreifachen Preis eines Durchschnittskilometers der Transsibirischen Eisenbahn.

Der Krieg machte auch eine veränderte Streckenführung notwendig. Ein Teil der Strecke führte durch die Mandschurei, die nicht zu Russland gehörte. Aufgrund der harten klimatischen Bedingungen in dieser Region, hatte man sich bei der Planung der Strecke mit China auf einen Eisenbahnkorridor durch die Mandschurei geeinigt, wodurch 700 Kilometer Strecke eingespart wurden. Doch die Angst vor einer japanischen Besatzung der Mandschurei veranlasste die russische Führung, die Streckenführung zu verändern. Trotz der Herausforderung, die Permafrostböden und wiederkehrende Überschwemmungen beim Bau darstellen sollten. Bis 1916 wurden an der Amur-Strecke gebaut, die seitdem die klassische Streckenführung der Transsibirischen Eisenbahn darstellt.

Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde

Baustelle an der Streckenfürhung der Transsibirische Eisenbahn um 1900
Bauarbeiten an der Transsib um 1900. (Quelle: imago)
Die technische Meisterleistung der Arbeiter und Ingenieure bleibt bis heute beeindruckend. Auch wenn anfangs einfache und billige Lösungen bevorzugt wurden. Etwa, indem man Tunnel durch enge Kurvenradien und große Steigungen vermied und Material minderwertiger Qualität verbaute. Dies geschah natürlich auf Kosten der Reisegeschwindigkeit, die Anfang des 20. Jahrhunderts kaum die 30 Stundenkilometer überstieg, was auch für die damalige Zeit sehr langsam war. Die Schienen waren leichter als üblich und bogen sich, jedoch war dies auch eine notwendige Anpassung an die klimatischen Bedingungen, denn ansonsten wären die Schienen womöglich in den auftauenden Frostböden eingesunken. Brücken, die anfangs aus Holz gebaut wurden, fingen manchmal wegen des Funkenflugs Feuer; sodass man später Brücken aus Stein und Stahl baute. Insgesamt über 485 Brücken liegen auf der Strecke, einige von ihnen gehören zu den längsten Brücken Asiens. Wie zum Beispiel die Amur-Brücke, die zwei Kilometer überspannt.

Trotz der großen Bedeutung der Strecke war sie am Anfang nur eingleisig ausgebaut. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das zweite Gleis geplant, konnte jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende geführt werden. Die Elektrifizierung der Hauptschlagader des russischen Streckennetzes konnte erst im Dezember 2002 abgeschlossen werden.

06.01.2013

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