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Magische Welten: Sahara - Vorstoß ins Ungewisse  | 16.04.2006  Durch den Tschad ins Erdiland

Expedition in die schier endlose Sahara

Erdi-, "Feindesland", gilt als Rückzugsgebiet kriegerischer Räuber und böser Geister. Seit Jahren zieht es den rastlosen Spurensucher Stefan Kröpelin in den Bann. Wo immer er nachforschte, es fand sich kein Bericht, kein Foto, kein Filmdokument über jenen geheimnisvollen weißen Fleck auf der Landkarte.  

In Ndjamena, der Hauptstadt des Tschad instruiert Geologe und Klimaforscher Stefan Kröpelin von der Universität Köln noch einmal seine handverlesene Truppe. Route, Zeitplan und Versorgung werden genauestens berechnet, denn der kleinste Fehler hätte katastrophale Folgen.

Kurzinfo Tschad

Der zentralafrikanische Staat Tschad, ehemals Kolonie des Verwaltungsgebietes Französisch-Äquatorialafrika, ist seit 1960 unabhängig. Auf einer Fläche von 1.284.000 Quadratkilometern leben etwa 8,8 Millionen Einwohner.

Risiko und Vertrauen

Jeder aus dem Kölner Team weiß, welches Risiko er eingeht und dass es im akuten Notfall keine Rettung geben wird. Doch wie der Navigator Sven Oehm vertraut das ganze Team dem routinierten Wüstenforscher. 30 Jahre hat Kröpelin die schier endlose Sahara durchstreift, bis auf das unentdeckte Erdiland.

Die Ethnologin Meike Meerpohl und der Schriftsteller Raoul Schrott gehören seit Jahren zu Kröpelins vertrautem Kreis, wie auch Botaniker Frank Darius, der zu den hartgesottenen Begleitern zählt. Geladen werden fünf Liter Wasser pro Kopf und Tag, 2000 Liter Diesel, auch Zuckergeschenke für die Nomaden. Der Vorrat ist kalkulierbar, die Gefahren der Wüste nicht. Es ist nie auszuschließen, dass man irgendwelchen Räubern oder Rebellen begegnet. 5000 Kilometer werden sie zurücklegen. 80 Prozent davon in schwer befahrbarer Wüste.

Zielgebiet ist Erdi Ma


Zunächst geht es auf der Hauptachse Richtung Osten nach Abeché. Dann folgen sie den sandigen Pisten am Nordrand des Sahel, streifen gefährliche Minengebiete und steuern das gewaltige Ennedi-Gebirge an. Die Durchquerung der Mourdi -Depression, einer riesigen Dünensenke, zählt zu den letzten großen Hürden, bevor sie ihr Zielgebiet Erdi Ma erreichen.

Nach jahrelangen Vorbereitungen bricht die Expedition auf. Dr. Baba, der die Crew verabschiedet, war im Tschad der offizielle Counterpart. Ihm ist zu verdanken, dass das Vorhaben des Teams um Stefan Kröpelin die Expedition trotz aller politischen Unruhen starten darf. Schon die erste Trasse durch die endlosen Savannen bleibt wegen der Überfallgefahr menschenleer. Doch die ländliche Idylle trügt, der Bürgerkrieg lauert unterschwellig. Den Afrikaforscher beschäftigen noch andere Risiken: der Ausfall eines Autos könnte das ganze Unternehmen in Frage stellen.

Keine Chance auf Reparatur

Und schon unmittelbar nach der Abfahrt geschieht es: der Geländewagen bleibt mit einem Krachen auf der Piste stehen. Es sieht nach einem Getriebe-Schaden aus. Nach einer ersten Inspektion wird der Wagen wohl nur noch bis Abeché durchhalten, der nächsten Station ihrer Route. Der Zahnkranz vom Vorderraddifferenzial ist zerstört. Ersatz lässt sich hier nicht besorgen. Keine Chance auf Reparatur. Sie brauchen ein neues Differenzial. Einer muss nach N`Djamena zurück.

Im Tschad sind wieder Machtkämpfe ausgebrochen, ein Putschversuch spitzt die Lage zu. Misstrauen und latente Aggression spiegeln sich in den Gesichtern der Einheimischen. Meike Meerpohl spricht arabisch und sucht die Verständigung. Das Team will vor allem mehr über die Lage im Hinterland erfahren. Einige warnen nachdrücklich vor Rebellen, und halten es für nicht verantwortbar, ins Erdi-Gebiet vorzudringen. Ein alter Kämpfer aus dem Norden will wissen, was Kröpelin vorhat. Er hält die Expedition für ein gewagtes Unternehmen. Er sagt, die Situation sei gar nicht gut, man könne nicht sagen, was dort passiert, man wisse wirklich überhaupt nichts über die Region.

Die Fahrt geht weiter

Trotz der Warnung setzen sie Tage später mit vollem Tank ihre geplante Route fort, nach Norden bis Fada, der letzten Oase, einem abgelegenen tschadischen Militärposten. Falls man ihnen dort die Weiterfahrt nicht verweigert, werden sie sich durch sandige Pisten wühlen, an Minenfeldern vorbei, um dann zum gewaltigen Ennedi-Massiv vorzustoßen.

Kurz hinter den Stadttoren wird die Expedition gleichsam zur Reise in die erdgeschichtliche Vergangenheit. Der grenzenlose Raum der Sahara offenbart in seiner Weite die ungeheuren Dimensionen der geologischen Zeit und der Veränderungen des Globus. Der Ur-Kontinent Pangäa erstreckte sich einst, wo Afrika noch immer liegt. Vor circa 200 Millionen Jahren teilte sich der Superkontinent Gondwana. Immer weiter driftete er auseinander bis er in die heutigen Landmassen der Südhalbkugel zerfiel.

Hinweise auf die Wiege der Menschheit

In Afrika beginnt nicht nur die Erdgeschichte, hier finden sich viel später auch die ältesten Hinweise auf die Wiege der Menschheit. Im Südwesten des Tschad stießen Forscher 2001 auf die Überreste einer sieben Millionen Jahre alten Spezies. Sie entdeckten den berühmten Toomai-Schädel. Handelt es sich dabei um den ersten Urahn des Menschen, das lang gesuchte Bindeglied zwischen uns und den Affen?

Nach neuesten Erkenntnissen gehen die Menschen, die von hier aus zunächst Asien und dann den Rest der Welt besiedelten, auf Frauen in Afrika zurück, die ihren Männern infolge des Klimawandels ins Ungewisse folgten. Jede Erkundung in der größten Wüste der Welt gewährt atemberaubende Einblicke in die vielschichtige Erd- und Menschheitsgeschichte.

16.04.2006

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