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Superbauten 2  | 25.11.2012  Eine Bildungsreise mit Terra X

Zum Dreiteiler "Superbauten 2" mit Christian Berkel

2010 präsentierte "Terra X" in der Reihe "Superbauten" drei architektonische Ikonen Deutschlands: den Kölner Dom, Schloss Neuschwanstein und die Dresdner Frauenkirche. Die außerordentlich gute Publikumsresonanz ermutigte uns, die Reihe fortzusetzen – diesmal über die heimischen Gefilde hinaus. 

Ubersichtskarte Superbauten

Alle Superbauten der zweiten Staffel im Überblick.

Superbauten (1/3): Wettlauf zum Himmel

Die erste Folge des Dreiteilers "Superbauten 2" erzählt vom alten Traum der Menschheit, das höchste Gebäude der Welt zu errichten.

(09.12.2012)

Superbauten (2/3): Säulen der Ewigkeit

Die zweite Folge von "Superbauten 2" erzählt, worin sich die Baustile und Gotteshäuser der verschiedenen Religionen unterscheiden.

(16.12.2012)

von Georg Graffe

Die drei neuen Dokumentationen richten ihren Blick auf Bauwerke, die zu verschiedensten Zeiten an den unterschiedlichsten Orten der Erde entstanden. Sie alle haben gemeinsam, dass sie auf kühnen Visionen und oft auch schier übermenschlichen Leistungen beruhen. "Terra X" stellt diese großartigen Zeugnisse aus Stein, Stahl und Glas vor. Wie keine andere Hinterlassenschaft verkörpern Bauwerke den Geist unterschiedlicher Epochen und Kulturen, ihre technischen Fähigkeiten, ihre politischen und sozialen Verhältnisse – und ihre Träume. Bis heute ist Architektur ein Spiegel der Gesellschaft.

Wettlauf zum Himmel

Die erste von drei Dokumentationen verfolgt den Wettlauf zum Himmel, den offensichtlich der Menschheit innewohnenden Ehrgeiz, immer höher zu bauen. Was der Legende nach mit dem Turmbau zu Babel begann, erlebt heute mit den Schwindel erregenden Wolkenkratzern auf der Arabischen Halbinsel seinen bisherigen Höhepunkt.

Was Menschen zu Ehre ihrer Götter errichteten, betrachtet die zweite Folge. Sie spannt den Bogen von Stonehenge, der 5000 Jahre alten Kultstätte im Süden Englands, über Klöster und Kirchen auf mehreren Kontinenten, bis hin zur High-Tech Moschee Hassan II. Im frommen Wettlauf um das Prädikat "höchstes Gotteshaus der Welt" hat sie den Sieg davongetragen. Selbst das Ulmer Münster, die welthöchste Kirche, überragt sie um ganze 50 Meter.

Bauwerke zum Staunen

Der dritte Teil widmet sich aberwitzigen Bauwerken aus Vergangenheit und Gegenwart. Unfassbar scheint die schiere physische Anstrengung, die der Bau der Chinesischen Mauer erforderte, aber auch das "Palais Idéal" des französischen Postboten Ferdinand Cheval – von ihm allein aus Millionen eingesammelter Steinchen erbaut – lädt zum Staunen ein. So unterschiedlich beide Bauwerke sind, ihnen gemeinsam ist doch ein Erfolgsgeheimnis: die eiserne, vielleicht besessene Konsequenz, mit der der Bau vorangetrieben wurde – jahre-, jahrzehnte- und im Fall der Mauer sogar jahrhundertelang.

Christian Berkel
Superbauten 2-Presenter Christian Berkel (Quelle: ZDF/Rico Rossival)
"Superbauten 2" ist nicht nur eine Reise zu "must seen places of the world"; die Dokumentationen würdigen vor allem die Erfindungen und Leistungen der Architekten, Ingenieure, Baumeister und Arbeiter, denen wir die Baudenkmäler zu verdanken haben. Häufig sind die Gebäude längst mehr als steinerne Zeugen einer großen Vergangenheit. Die Pyramiden, Angkor Wat oder der Eiffelturm sind Ikonen geworden, die stellvertretend für ganze Länder oder Städte stehen. Eine Auswahl dieser beeindruckenden architektonischen Werke zu präsentieren und erfahrbar zu machen ist im besten Sinne eine Bildungsreise in der Tradition von "Terra X".

Christian Berkel als Presenter

Der Schauspieler Christian Berkel, als "Der Kriminalist" im ZDF zu sehen, führt als Presenter durch die Reihe. Als Experte gibt Architekt Professor Dr. Volkwin Marg Antworten auf die Frage, welchen Zweck Architektur innerhalb einer Gesellschaft erfüllt und was sie darüber aussagt, wer wir sind.

Interview mit Volkwin Marg

Was ist Architektur?

ZDF: Sie sind seit fast 50 Jahren Architekt. Was ist für Sie "Architektur"?

Volkwin Marg: Architektur ist Baukunst, die Mutter der Künste. Für den Baumeister besteht die Kunst darin, beim Bauen in den Ketten der unzähligen Sachzwänge zu tanzen. Für den Bauherrn, egal ob Einzelperson oder Gemeinschaft, dient Architektur zur Selbstdarstellung. Darum hat Architektur so unterschiedliche Ausprägungen, individuell wie ihre Auftraggeber.

 

Wettlauf zum Himmel

ZDF: Man hat den Eindruck, dass Architektur immer mehr nach Superlativen strebt. Ein Wettlauf zum Himmel …

Marg: Die Sucht, den anderen an Größe zu übertreffen, ist ein uraltes Ritual für maskuline Übermacht. Da zeigt sich im Menschen noch das animalische Potenzgehabe. Dessen Überdeckung durch menschliche Kultivierung und Aufklärung erweist sich immer noch als zu dünn für dieses genetisch veranlagte Instinktverhalten.

Skylines in Deutschland

ZDF: Warum sind die Skylines in Deutschland nicht so hoch wie andernorts?

Marg: Bei uns spiegelt die Skyline einer Stadt immer ein geschichtlich gewachsenes Profil. Diese kulturelle Prägung gab es früher in den USA und heute in Dubai oder Shanghai nicht. Dort ist man beim Hochhausbau hemmungsloser. Unser kulturgeschichtliches Bewusstsein nötigt uns zur Abwägung und Mäßigung.

Motor der Architektur

ZDF: Geistliche und weltliche Kräfte waren und sind Motor der Architektur. Früher waren Kirchen die großen Bauaufträge, welche sind es heute?

Marg: Früher versetzte der Glaube Berge und schuf Pyramiden, Tempel, Kathedralen als heilige Orte. Nach der europäischen Aufklärung wurden sie vor allem von den Theatern und Museen abgelöst. Die heutige Gesellschaft verlangt vor allem nach Tempeln des Konsums und Kathedralen für Massenevents, also Einkaufszentren und Stadien.

Totalitäre Architektur

ZDF: Im 20. Jahrhundert haben Diktatoren ihre Städte massiv verändert. Gibt es eine Gemeinsamkeit in der Architektur totalitärer Systeme?

Marg: Mussolini, Hitler, Stalin, Ceausescu, Mao Tse-tung oder Kim il Sung – sie alle haben mit der Überwältigungsästhetik monumentaler Architekturen und Massenchoreografien die Völker folgsam machen wollen. Allen gemeinsam ist die Neigung zu einer selbstverständlichen traditionellen Architektursprache, die einschüchternd ist und jedermann begreifen kann.

Neue Baustoffe

ZDF: Immer wieder haben neue Baustoffe und gewitzte Ingenieursideen zu neuen Möglichkeiten in der Architektur geführt. Was verdanken wir beispielsweise der Erfindung des Stahls?

Marg: Technische Revolutionen wie Stahlbau und Dampfmaschine haben vor 150 Jahren der Architektur ungeahnte Konstruktionsmöglichkeiten gegeben – filigrane Brücken und Türme, hohe Häuser, weite Hallen, wie wir sie von den damaligen Verkehrskathedralen, den Bahnhöfen kennen.

Der Eiffelturm war damals das enthusiastische Bekenntnis zur neuen Technik, von der man sich nur Positives versprach, wie später beim Atomium in Brüssel von der Atomkraft. Heute werden kluge Leute nachdenklich, weil sie auch deren negative Seiten entdecken.

Einführung des Lifts

ZDF: Und was hat die Einführung des Lifts gebracht?

Marg: Der elektrische Lift machte den Massentransport in die Höhe möglich, und damit auch die Immobilienspekulation mit Hochhäusern als Antwort auf die Bodenspekulationen des kapitalistischen Zeitalters. Wer nach oben kam, fühlte sich im Licht, die unten im Dunkeln blieben, sah man nicht. Diese Ignoranz kennzeichnet auch heute noch die soziale Kälte hinter den Hochhaus-Silhouetten.

Architektur und Gesellschaft

ZDF: Was sagt Architektur über ein Land oder seine Gesellschaft aus?

Marg: Will man ein Land in seinem Wesen erkennen, muss man Mensch, Natur und Kultur kennen. Deren Verhältnis zueinander verschmilzt zu Städtebau und Architektur und veranschaulicht ihre Identität.

Die Fragen stellte Cristina Trebbi

Buchtipp

Buchcover Gewagte Konstruktionen

"Gewagte Konstruktionen - Die großen Baumeister" von Kenneth Powell (Hg.)

Parthas Verlag, Berlin (2012)
304 Seiten, mit 229 meist farbigen Abbildungen
ISBN: 978-3-86964-061-7

Taj Mahal, Eiffelturm, die Kuppel des Florentiner Doms oder die futuristischen Gebäude der brasilianischen Hauptstadt Brasilia - um nur einige Beispiel zu nennen. Wer kennt schon die Schöpfer der aufregendsten Bauwerke der Welt und ihre weiteren Objekte? Der für alle (Neu-)Architekturfans sehr empfehlenswerte Bild- und Textband des Londoner Journalisten Kenneth Powell präsentiert chronologisch 40 der kühnsten Konstrukteure und Baumeister: vom Vater der Renaissance-Architektur Filippo Brunellleschi (1377-1446), der das Kapitel "Pioniere des Bauens" eröffnet, bis zum 1954 geborenen Kengo Kuma, der das Kapitel "Neue Visionen" als einer der bedeutendsten Vertreter der japanischen Architektur der "Post-Bubble"-Ära abschließt. Eine spannende Zeitreise durch über 600 Jahr Bau- und Architekturgeschichte.

Michael Büsselberg

25.11.2012

Superbauten - zweite Staffel

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