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Terra X  | 12.10.2014  Expedition Supersaurier

Spinosaurus: Auf der Suche nach dem größten Raubdino aller Zeiten

Er ist ein wahrer Urzeitgigant: Spinosaurus lebte vor 113 bis 94 Millionen Jahren in den Gebieten des heutigen Nordafrika. Mit 15 Metern Länge, sieben Tonnen Gewicht und einem imposanten Rückensegel stellt er sogar T-Rex locker in den Schatten. Der gewaltige Saurier gilt bis heute als das größte Landraubtier, das jemals auf der Erde gelebt hat. 

Spinosaurus mit Fisch (Animation)

Expedition Supersaurier

Spinosaurus gilt als das größte Landraubtier, das jemals auf der Erde gelebt hat. Terra X auf den Spuren zweier bedeutender Männer, die ihn erforschten: Ernst Stromer und Nizar Ibrahim.

(12.10.2014)
Setaufbau im Frankfurter Senckenbergmuseum für den Dreh zu

Drehbericht

Wie die rekonstruierten Knochen des Spinosaurus für den Dreh der Terra X-Sendung "Expedition Supersaurier" im Frankfurter Seckenbergmuseum in Szene gesetzt wurden.

(12.10.2014)
Ernst Stromer in Ägypten

Spinosaurus-Entdecker Ernst Stromer

Stromers Spinosaurus bei Terra X: vom Knochenfund bis zur Rekonstruktion.

(10.10.2014)
Ernst Stromer in Afrika (Spielszene)

Knochenfund in Afrika

1910 findet Ernst Stromer von Reichenbach die ersten Dinosaurierknochen auf dem afrikanischen Kontinent. (Spielszene)

(Quelle: ZDF/Ruth Omphalius)

von Michael Leja

Chat mit Nizar Ibrahim

Im Anschluss an die Sendung beantwortete der Paläontologe Nizar Ibrahim ihre Fragen. Hier geht es zum Chat-Protokoll

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg in der ägyptischen Oase Bahariyya entdeckt und 1915 wissenschaftlich beschrieben durch den deutschen Paläontologen Ernst Stromer von Reichenbach, blieb Spinosaurus dennoch selbst für Spezialisten eine kaum bekannte Karteileiche im Dinoartenkatalog.

Ernst Stromer: vergessener Entdecker

1944 wurden die einzigen greifbaren Belege - ein von Ernst Stromer rekonstruiertes Teilskelett - bei einem Bombenangriff der Alliierten auf München vollständig zerstört. Danach gab es den Rekordräuber nur noch auf dem Papier. Auch sein Entdecker, einst eine wissenschaftliche Koryphäe, geriet als Paläontologe beinahe in Vergessenheit, obwohl ihm einst mit seinen Ausgrabungen verschiedener Großsaurier Jahrhundertfunde gelungen waren.

Die Geschichte des Supersauriers

Kurzchronik

Vor 95 Millionen Jahren (Kreidezeit) Zeit des Spinosaurus. Riesiges Flusssystem in Nordafrika von Ägypten bis Marokko

1910 bis 1914 Der bayerische Aristokrat Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach unternimmt mehrere Expeditionen in die ägyptische Sahara

1912 Stromer entdeckt in Ägypten Knochen eines Riesendinos, den er Spinosaurus aegyptiacus nennt. Die Funde werden später in der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München ausgestellt und machen Stromer berühmt

1944 Stromers Fossilien fallen einem Bombenangriff auf München zum Opfer, nur seine Aufzeichnungen können gerettet werden

2008 Paläontologe Nizar Ibrahim bekommt in Marokko von einem Beduinen eine Kiste Gesteinsblöcke mit Knochen angeboten. Es stellt sich heraus, dass Knochen des Spinosaurus dabei sind, die Stromers Knochenfunden ähneln.

2013 Nizar Ibrahim trifft in Marokko den Fossilien-Händler wieder, der ihm den genauen Fundort der Spinosaurus-Knochen zeigt.

2014 Im September beschreiben Nizar Ibrahim, Paul Serano und einige Kollegen erstmals in einem wissenschaftlichen Artikel die Anpassungen von Spinosaurus an das Leben am und im Wasser. Die neuen Fakten zeigen, dass Spinosaurus der einzige Dinosaurier ist, der zumindest einen großen Teil seiner Zeit im Wasser verbracht hat. Zeitgleich eröffnet die National Geographic Society in Washington eine große Ausstellung über Spinosaurus und seine Entdeckungsgeschichte. Ernst Freiherr Stromer von Reichenbach erhält wieder die ihm gebührende Beachtung als herausragender Paläontologe.

Der Entdecker

Ernst Stromer in Ägypten

Ernst Stromer von Reichenbach war einer der bedeutendsten Paläontologen der Welt und sicher die Nummer 1 in Deutschland. Trotzdem ist sein Name heute völlig unbekannt. Als erster vermutete er in der Sahara Überreste von Dinosauriern und wurde 1910 während seiner elften Expedition endlich fündig. In der Bahariyya-Oase, rund 400 Kilometer von Kairo, entdeckte er eine völlig unbekannte Lebenswelt, bevölkert von den seltsamsten und größten Dinosauriern, die die Welt heute kennt. Neben dem riesigen Pflanzenfresser Aegyptosaurus legte Stromer Skelettreste von drei gewaltigen Fleischfressern frei: Carcharodontosaurus, den er so nannte, weil die Zähne des Riesen denen des Haifisches Carcharodon ähnelten, Bahariasaurus nach der Oase, in der er die unglaublichen Funde gemacht hatte, und schließlich Spinosaurus, das größte Landraubtier, das jemals auf der Erde gelebt hat.

Warum Stromer dem Großteil der wissenschaftlichen Literatur trotzdem kaum mehr als eine Fußnote wert ist, liegt vor allem daran, dass seine Funde während des Zweiten Weltkrieges im Frühjahr 1944 bei einem Bombenangriff der Alliierten auf München zerstört wurden. Von Stromers wertvollen Fossilien blieb nichts als ein Haufen Asche.

Der Raubsaurier

Spinosaurus Skelett

Spinosaurus konnte neueren Schätzungen zufolge mindestens 15 Meter lang und wohl sieben Tonnen schwer werden. Damit ist er der größte bekannte fleischfressende Dinosaurier, gewaltiger noch als Tyrannosaurus rex oder Giganotosaurus. Auch sein Schädel bricht alle bisherigen Rekorde. Neu entdeckte Kiefer- und Schädelknochen lassen vermuten, dass sein  Kopf von der Maulspitze bis zum Hinterkopf eine Länge von 1,75 Meter erreichen konnte. Damit hatte er auf jeden Fall den längsten Schädel  unter den Raubsauriern.

Der Spurensucher

Nizar Ibrahim in Marokko

Ohne die Funde als Beweis spielten Ernst Stromers Erkenntnisse über Spinosaurus in der internationalen Wissenschaftsgemeinde kaum eine Rolle. Erst als in neuerer Zeit immer wieder einmal seltsame Knochen aus der Sahara von Fossilienhändlern angeboten wurden, machte sich ein junger Forscher aus Deutschland, Nizar Ibrahim, auf den Weg, Stromers Riesensaurier zu finden. Es gelang ihm tatsächlich, die Fährte des Spinosaurus aufzunehmen. Er entdeckte nach ereignisreicher Suche endlich das Teilskelett eines riesigen Spinosaurus. Der Fund bestätigt nicht nur viele Interpretationen Stromers zu seinem Supersaurier, sondern ermöglicht auch erstmals eine detailgenaue Rekonstruktion des größten Landraubtieres aller Zeiten. Für seine jahrelangen akribischen Forschungen über den Spinosaurus, seine kreidezeitliche Lebenswelt in Nordafrika und seinen Erstentdecker Stromer von Reichenbach erfuhr Dr. Nizar Ibrahim eine seltene Ehrung: Die National Geographic Society ernannte ihn 2014 zum Emerging Explorer.

Obschon erst während der letzten 20 Jahre wieder einige Zähne und Knochenfragmente entdeckt wurden, geisterten seit den 1950er Jahren die verschiedensten Spinosaurus-Darstellungen durch populäre Bücher und Filme wie etwa in "Jurassic Park III" im Jahr 2001 - viel Fantasie auf wackeligen Füßen. Doch dann tauchten plötzlich bei marokkanischen Fossilienjägern seltsame Knochenfragmente auf.

Paläontologische Weltsensation

Der junge deutsch-marokkanische Paläontologe Nizar Ibrahim erkannte sie als Dino-Reste. Er verfolgte die Spur der Fossilien zurück und landete einen Volltreffer. Tatsächlich gelang es ihm 2008, ein neues Spinosaurusskelett in der Kem-Kem-Formation Marokkos zu finden. Anhand der aktuellen Funde, computer-generierter Modelle jedes einzelnen Knochens und mit Hilfe eines topmodernen 3D-Druckers ist jetzt erstmals eine detailgenaue Rekonstruktion eines Spinosaurusskeletts erstellt worden - eine paläontologische Weltsensation.

Interview mit Nizar Ibrahim

Interesse für Stromer und Spinosaurus

Nizar Ibrahim

Wie kam Nizar Ibrahim dazu, sich für Stromer und den Spinosaurus zu interessieren?

Expeditionen früher und heute

Nizar Ibrahim

Nizar Ibrahim über die Grabungsbedingungen früher und heute.

Stromers Skelettrekonstruktion

Nizar Ibrahim

Nizar Ibrahims Begeisterung über die Modernität von Ernst Stromers Skelettrekonstruktion.

Faszination Stromer

Nizar Ibrahim

Nizar Ibrahim erzählt, was ihn an Stromers Biografie so fesselt

Ungewöhnliche Fundstelle

Nizar Ibrahim

Ibrahim Nizer über Fossilienschatzinsel mitten im Nirgendwo.

Überwältigendes Gefühl

Nizar Ibrahim

Nizar Ibrahim über seinen Fund in Marokko.

Über das Lleben zur Zeit des Raubsauriers

Nizar Ibrahim

Nizar Ibrahim über die Welt vor 100 Millionen Jahren.

Bedeutung des Spinosauriers

Nizar Ibrahim

Nizar Ibrahim über einen Meilenstein in der Paläontologie.

Digitale Rekonstruktion

Nizar Ibrahim

Nizar Ibrahim über die Planung der digitalen Rekonstruktion des Spinosaurus.

Ziemlich einzigartige Fundsituation

Nizar Ibrahim

Nizar Ibrahim beschreibt die Knochenfunde.

Die wissenschaftliche Analyse zeigt, dass der Riese semi-aquatisch gelebt und vermutlich riesige Fische gefangen hat. Wahrscheinlich ist er sogar geschwommen. Er ist der bislang einzige bekannte, an ein Leben im und am Wasser angepasste Dinosaurier. Und eine weitere Überraschung: Die wissenschaftlichen Hightech-Methoden bestätigen die Arbeit von Ernst Stromer von Reichenbach, der mit vergleichsweise einfachen Mitteln vor 100 Jahren zu einem verblüffend ähnlichen Ergebnis kam.

Abenteuerliche Spurensuche bis Nordafrika

Im Rahmen dieser Koproduktion begleiteten Kamerateams von National Geographic und ZDF Nizar Ibrahim bei seiner abenteuerlichen Suche auf den Spuren seines Vorbildes Ernst Stromer von Reichenbach bis zum Ausgrabungsort in Marokko. Aufwändige Reenactments zeichnen Szenen aus dem Leben von Ernst Stromer von Reichenbach in seinem fränkischen Familiensitz auf Burg Grünsberg, in der Bayerischen Staatssammlung München und in Nordafrika nach.

State-of-the-Art-Animationen erwecken Spinosaurus und einige seiner Urzeitgenossen zum Leben und präsentieren in noch nie gezeigten Bildern das Leben der Giganten in der kreidezeitlichen Fluss- und Sumpflandschaft Nordafrikas. Wesentliche wissenschaftliche Ergebnisse der Grabungskampagne werden fast zeitgleich mit der Ausstrahlung des Films erstmals veröffentlicht.

Sendungsinformationen

Erstausstrahlung: Sonntag, 12. Oktober 2014, 19.30 Uhr

Film von Ruth Omphalius und Chad Cohen
Redaktion TV: Michael Leja

Redaktion Online: Michael Büsselberg

12.10.2014

Hintergrund

  • Expedition Supersaurier

    Wasser war sein Element

    Seinem Erst-Entdecker Ernst Stromer bereitete Spinosaurus Kopfzerbrechen. Lauter Skelett-Teile, die ... ARTIKEL

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Lesetipps - von Michael Leja

Mister Big

Cover National Geographic

Tom Mueller & Mike Hettwer
Mister Big
In: National Geographic, Oktober 2014, S. 104 – 127

Der Artikel von Autor Mueller und Fotograf Hettwer beschreibt die wichtigsten Stationen der beiden deutschen Paläontologen Ernst Stromer von Reichenbach und Nizar Ibrahim auf ihrer Spurensuche nach Spinosaurus. Es lohnt sich unbedingt, in der Oktober-Ausgabe des National Geographic Magazins nachzulesen. Hervorragende Illustrationen und ein gut zu lesender Text vermitteln die komplizierte und spannende Entdeckungsgeschichte sowie die neuesten Erkenntnisse über den spektakulären Raubsaurier.

The lost dinosaurs of Egypt

William Nothdurft
The Lost Dinosaurs of Egypt
Random House, New York 2002

Wer mehr über die einstige Heimat von Spinosaurus, die versunkenen kreidezeitlichen Welten Nordafrikas, erfahren möchte und sich vom englischen Text nicht schrecken lässt, der findet in diesem Buch eine Fülle von Informationen. Keine andere populärwissenschaftliche Publikation berichtet so detailliert über Ernst Stromer von Reichenbach und seine Forschungen in Ägypten. Das Buch ist zwar beim Verlag vergriffen, kann aber als gebundene Ausgabe und als Taschenbuch antiquarisch bezogen werden.

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