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Geheimbünde (2/3)  | 26.06.2016  Die Erben der Templer

Templer, Freimaurer und Propaganda due

Geheimbünde und Verschwörungstheorien haben schon immer die Fantasie der Menschen angeregt. Der "Terra X"-Dreiteiler "Gehimbünde" begibt sich auf die Spuren der bekanntesten unter ihnen. "Die Erben der Templer" sucht nach den historischen Wurzeln der Freimaurer und spannt einen Bogen von den sagenumwobenen Tempelrittern des Mittelalters bis zur Gegenwart. 

Tempelritter-Friedhof in Schottland

Geheimbünde: Die Erben der Templer

Die zweite Folge des Dreiteilers "Geheimbünde" sucht nach den historischen Wurzeln der Freimaurer und spannt einen Bogen von den sagenumwobenen Tempelrittern des Mittelalters bis zur Gegenwart.

(12.01.2014)
Grafik: George Washington

Kurzclip

Abriss über die Freimaurer und ihre berühmtesten Mitglieder: George Washington, Mozart und Goethe.

(05.01.2014)

Wissens-Quiz

Zehn Fragen und Antworten zur Reihe "Geheimbünde"

Die Freimaurer sind die wohl zahlenmäßig größte geheime Bruderschaft der Welt. Mehr als vier Millionen Anhänger versammeln sich regelmäßig in ihren Tempeln und Logenhäusern. Ihre Grundideale sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Dass sich dennoch regelmäßig Verschwörungstheorien um den Geheimbund ranken, liegt an ihren zum Teil bizarr anmutenden Ritualen sowie der selbstauferlegten Geheimhaltungspflicht. Bis heute gelten die Freimaurer als eine undurchsichtige Gemeinschaft.

Verschworene Gemeinschaft

Als die älteste Freimaurerloge Deutschlands im Juli 2012 zur 275-Jahrfeier in die Hamburger Michaeliskirche einlädt, kommen Gäste aus aller Welt. Zur Verständigung benötigen sie keine gemeinsame Sprache, denn die geheimen Zeichen der Bruderschaft sind überall auf der Welt gleich. Viele dieser Zeichen stammen wahrscheinlich noch aus den Anfängen der Bewegung, die in den Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen ihren Anfang nahm. Damals vollbrachten die Steinmetze in den Augen der Menschen beim Bau der gigantischen Kathedralen wahre Wunder. Als verschworene Gemeinschaft zogen sie von Baustelle zu Baustelle und teilten ihr Wissen lediglich untereinander. Weder der allmächtige Klerus, noch Staatmänner oder Könige hatten einen Anteil daran. Wenn die Freimaurer unter sich waren, konnten sie frei über alles reden. So entstanden im Laufe der Zeit größere Diskussionsrunden, in die auch Nicht-Handwerker aufgenommen wurden. In den Logen kann man seine Meinung frei äußern, ohne Rücksicht auf soziale Unterschiede, denn hier ist theoretisch jeder Mensch gleich. Anwälte, Ärzte und Politiker zählen ebenso zu den "Brüdern" wie Handwerker und Künstler. Ihr aller Ziel, so die offizielle Lesart, ist es, bessere Menschen zu werden. Wie lässt es sich dann aber erklären, dass ausgerechnet eine Loge der Freimaurer, die sogenannten Propaganda Due (P 2), in die Vorgänge um die Ermordung des Direktors der italienischen Banco Ambrosia, Roberto Calvi, verstrickt zu sein scheint?

Geheimbünde in Folge 2

"Die Erben der Templer"

Der Film begibt sich auf Spurensuche nach den historischen Wurzeln der Freimaurer und spannt einen Bogen von den sagenumwobenen Tempelrittern des Mittelalters bis zur Gegenwart.

Freimaurer

Die Freimaurer bilden eine eingeschworene Gemeinschaft. Weltweit zählen sie etwa fünf Millionen Mitglieder. Sie versammeln sich regelmäßig in ihren Logen und gehen dort der sogenannten "Tempelarbeit" nach. Dabei gilt es vor allem, die fünf Grundideale des freimaurerischen Denkens zu praktizieren: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

So spielt weder der Beruf, noch das Vermögen oder die Religionszugehörigkeit der Mitglieder eine Rolle. Die Zeremonien, sowie die sogenannten "Alten Pflichten", der Verhaltenskodex der Freimaurer, gehen wahrscheinlich auf historische Steinmetzbruderschaften des Mittelalters zurück, die als freie Maurer (freemasons) von Baustelle zu Baustelle zogen. Damals vollbrachten die Steinmetze in den Augen des Volkes wahre Wunder, indem sie gigantische Kathedralen errichteten. Die abgeschotteten Steinmetz-Zirkel waren Inseln des Wissens. Zu Beginn des 18. Jahrhundert interessierten sich auch Nicht-Handwerker für die Logen - boten sie doch einen lang ersehnten Raum, um aktuelle politische Fragen zu erörtern. Fragen, die man damals oft nur unter Lebensgefahr öffentlich stellen durfte.

Die Logenbrüder, zu denen so illustre Personen wie Johann Wolfgang von Goethe, Wolfgang Amadeus Mozart oder auch George Washington gehörten, nutzten ihre abgeschotteten Logen als Orte der Aufklärung. Was aber genau bei diesen Zusammenkünften geschah, weiß niemand, denn seit der Gründung der ersten Loge haben sich die Freimaurer der Verschwiegenheit verpflichtet. Schon bei ihrem bizarren Aufnahmeritual müssen die Logenbrüder ein Schweigegelübde ablegen, das sie ihr Leben lang bindet. Wer es bricht, wird bestraft. So bleiben bis heute viele Fragen unbeantwortet, etwa warum das Innere der Tempel Parallelen zur Beschreibung des Salomonischen Tempels in Jerusalem aufweist. So spielen die in der Bibel genannten beiden Säulen, die den Eingang des jüdischen Tempels schmückten, auch in der Architektur der Freimaurer eine wichtige Rolle.

P2 - Propaganda due

Die selbstverordnete Verschwiegenheit der Freimaurer führt nicht nur dazu, dass sich immer wieder neue Verschwörungstheorien um die Bruderschaft ranken, sondern dass hin und wieder auch kriminelle Machenschaften zutage kommen. Der bekannteste Fall ist sicher der der italienischen Freimaurerloge Propaganda due, deren Mitglieder nicht nur in den Mord an dem römischen Bankier Roberto Calvi verstrickt waren. Die kriminellen Machenschaften der Loge wurden 1981 bekannt. Bei den Untersuchungen wurde bekannt, dass Mitglieder der P2 ein konspiratives Netzwerk aus Führungspersonen der Polizei, des Militärs, der Wirtschaft, der Politik, der Mafia und von Geheimdiensten geschaffen hatten. Da ein Teil der Unterlagen ins Ausland geschafft wurde, sind die genaue Größe und Struktur der P2 bis heute unbekannt. 1982 wurde die Loge vom italienischen Parlament aufgelöst. In den Folgejahren wurden bereits zwei neue Geheimbünde gegründet, die höchstwahrscheinlich ähnliche Ziele wie die P2 verfolgen, die Logen P3 und P4.

Templer

Im Jahre 1118 wurde im Zuge des Ersten Kreuzzuges in Jerusalem ein Orden namens "Arme Ritter Christi" gegründet. Die Aufgabe dieser Ritter war es, die Straßen des Heiligen Landes für christliche Reisende zu sichern. Als Unterkunft stellte ihnen der neuernannte König von Jerusalem seinen ehemaligen Palast auf dem Tempelberg zur Verfügung. Der Ordensname "Arme Ritter Christi" wurde um den Zusatz "und des Tempels von Salomo zu Jerusalem" erweitert. Als "Tempelritter" sollten sie in die Geschichte eingehen. Die Templer waren der erste Orden, im dem sich die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche mischte. Sie galten als gottesfürchtige Kämpfer, "Soldaten Christi", der militärische Arm des Heiligen Stuhls. Kein Fürst oder König konnte ihnen befehlen, Gehorsam schuldeten sie allein dem Papst in Rom. Für ihn zogen sie in den Heiligen Krieg, als Dank dafür befreite er sie von aller Steuerpflicht.

Nur 150 Jahre nach der Gründung ihres Ordens waren die ehemaligen "Armen Ritter Christi" zu einer der reichsten Vereinigungen Europas aufgestiegen. Ob ihr legendärer Reichtum nur durch Geschäfte zustande kam oder ob die Ritter vielleicht im Tunnellabyrinth unter ihrem Quartier auf dem Tempelberg in Jerusalem antike Schätze fanden, konnte nie geklärt werden. Doch so kometenhaft wie ihr Aufstieg vollzog sich auch der Fall der Templer. Mit der Eroberung Jerusalems durch die Araber am 18. Mai 1291 nahm auch ihr Untergang seinen Anfang. Geschlagen und ihres Lebenszweckes beraubt - denn kein Pilger wagte mehr die Reise ins Heilige Land - zogen sie sich in ihre europäische Heimat zurück. Hier hätten sie vielleicht in Frieden leben und eine neue Aufgabe finden können, wenn ihre Reichtümer nicht längst Begehrlichkeiten geweckt hätten. Zudem gefiel den weltlichen Herrschern das arrogante und selbstherrliche Auftreten der Ritter nicht. Nachdem die Päpste zwei Jahrhunderte lang ihre schützende Hand über die Templer gestreckt hatte, wurde ihr Orden in einer spektakulären Aktion zerschlagen. Am Freitag, dem 13. Oktober 1307, ließ Philip IV., König von Frankreich, einen Großteil der Ritter in einer konzertierten Aktion gefangen nehmen. Nur einigen wenigen gelang die Flucht.

Der sagenumwobene Schatz der Templer aber, auf den es König Philip wohl abgesehen hatte, blieb für immer verschwunden. Manche behaupten, er liege noch immer in einer der alten Templerburgen in Frankreich vergraben. Andere sagen, dass er von den wenigen Templern, die den Häschern des Königs entkommen konnten, per Schiff nach Schottland gebracht wurde. Tatsächlich haben die Tempelritter in Schottland Spuren hinterlassen. So wurden auf einem Friedhof im Kilmartin Tal Grabsteine gefunden, die stark an Darstellungen der Tempelritter erinnern. Der wohl bekannteste Hinweis auf die Ritterschaft ist allerdings in der Rosslyn Kapelle nahe Edinburgh zu finden. Die Kirche wurde Mitte des 15. Jahrhunderts auf Befehl von William Sinclair, Baron of Roslin, einem Mitglied der normannischen St. Clair Familie, erbaut. Ein Stein in der Kapelle erinnert an einen Vorfahren des Barons, an Sir Wiliam Sinclair, einen Großprior der Tempelritter. Besonders interessant ist aber die Architektur der Kapelle. Ihr Grundriss lehnt sich an den jüdischen Tempel in Jerusalem an, und sie enthält auch zwei Säulen, die den beiden Säulen Jachin und Boas nachempfunden sind, die den Eingang dieses Tempels flankierten. Eben diese Säulen findet man aber auch in den Tempeln der Freimaurer. Tatsächlich finden sich überall in der Kapelle freimaurerische Motive. Sie scheint ein Beleg für die Legende zu sein, die Freimaurer seien "die Erben" der Templer. Weltberühmtheit erlangte die Kapelle durch das Buch "Sakrileg" des amerikanischen Schriftstellers Dan Brown.

Seit der Gründung der ersten Loge im frühen 18. Jahrhundert wird immer wieder die Frage nach dem Grund für die strikte Geheimhaltung laut. Spricht das nicht dafür, dass der Geheimbund vielleicht doch etwas zu verbergen hat? Und was hat es mit den Anspielungen auf den Salomonischen Tempel in Jerusalem auf sich, die in jedem Tempel der Freimaurer zu finden sind? Könnte es gar eine Verbindung zu den sagenumwobenen Tempelrittern geben, wie manche vermuten?

Sendungsinformationen

Erstausstrahlung ZDF: 12. Januar 2014

Geheimbünde (1/3): Der Code der Illuminaten
Geheimbünde (2/3): Die Erben der Templer
Geheimbünde (3/3): Die Masken der Verschwörer

Film von Jens Nicolai und Kay Siering
Konzeption der Reihe: Gisela Graichen

Redaktion TV: Georg Graffe und Heike Schmidt
Redaktion Online: Michael Büsselberg

26.06.2016

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