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Geschichte der Tiere (2/2)  | 09.08.2015  Die Katze

An der Seite des Menschen wurde die Samtpfote vergöttert - und verteufelt

Im Mittelpunkt der zweiten Folge von "Die Geschichte der Tiere" steht die Katze. Vor etwa 11.000 Jahren kommt sie auf samtenen Pfoten und mit scharfen Krallen aus der Wildnis und erobert sich einen Platz in der Zivilisation. Ihrem Wesen nach aber bleibt die Hausmieze eine Wildkatze. 

eine Katze

Die Doku in voller Länge

(09.08.2015)
Tiertrainer Robin Hausberg mit einer Katze

Trailer: Geschichte der Tiere - Katze

(09.08.2015)

Fakten Hund und Katze

Wussten Sie, wie viele Hunde und Katzen in deutschen Haushalten leben? Wie viele Geruchszellen Hunde im Vergleich zum Menschen haben? Oder dass Katzen den Stickstoff- und Schwefelgehalt ihrer Nahrung herausschmecken können? Klicken Sie sich durch unsere Infografiken!

Katze

Kulturgeschichte der Katze

Vor etwa 11.000 Jahren erobert sich die Katze auf samtenen Pfoten und mit scharfen Krallen einen Platz in der Zivilisation.

(Quelle: ZDF/Jasper Engel)

Der deutsche Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky hat einmal über die Katze gesagt, dass sie das einzige vierbeinige Tier sei, das dem Menschen eingeredet habe, er müsse es versorgen, ohne dass es selbst dafür etwas tun müsse. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Der Mensch liebt die Katze, füttert sie, überhäuft sie mit Zuwendung und gibt ihr ein Zuhause. Im Gegenzug demonstriert sie ihre Unabhängigkeit und zeigt sich überaus eigensinnig. Die Katze gehorcht nicht, will sich nicht unterordnen und bleibt ein sturer Einzelgänger. Selbst die treueste und verschmusteste Katze der Welt kann schon mal von heute auf morgen die Beziehung zu ihrem Besitzer beenden und grußlos für immer verschwinden. Katzenhalter können sich ihres unberechenbaren Mitbewohners nie hundertprozentig sicher sein.

Interview mit Biologin Birgit Rödder

„Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal“

Die Diplom-Biologin Birgit Rödder erforscht das Verhalten von Katzen. Seit mehreren Jahrzehnten ist sie als Tierpsychologin und Katzentrainerin tätig. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Kommunikation mit Haustieren.

Wie hat sich die Hauskatze ihre Wildheit bewahrt?

Man kann frei nach Victor Hugo sagen: „Wir haben zu Hause einen Tiger zum Streicheln“. Die Katze ist Raubtier geblieben, weil sie mit ihrer Anatomie, ihrer Physiologie, den Sinneseindrücken durchaus noch dem Tiger entspricht. Das Jagdverhalten ist weitgehend das Gleiche, beide jagen als Einzelgänger und sind auf ihre natürlichen Fähigkeiten angewiesen, eine Jagd erfolgreich zu Ende zu bringen. Auch verlief die Haustierwerdung der Katze mit Sicherheit anders als die der meisten anderen Haustiere. Domestizierung beinhaltet immer auch, dass wir unsere Tiere in Bezug auf gewisse Nutzungen optimieren wollten. Das heißt, wir haben bestimmte Eigenschaften herausgezüchtet. Die Menge an Wolle, die wir haben wollten, Fleisch, Milch oder bestimmte Eigenschaften wie das Jagdverhalten vom Hund. Da wurden eben ganz gezielt bestimmte Individuen miteinander verpaart, um diese Eigenschaften hervor zu züchten. Bei der Hauskatze ging es eigentlich immer darum, dass sie ihre Mäuse fängt. Und auch wenn man versucht hat, bestimmte Katzen oder bestimmte Eigenschaften zu züchten, kam einem im Prinzip immer die Katze in die Quere, die draußen ihren Kater gesucht und gefunden hat und sich so der gezielten Zucht des Menschen lange Zeit entzogen hat. Dadurch hat sie ihre Ursprünglichkeit auch weitgehend bewahrt.

Inwiefern hat sie ihr Verhalten verändert?

Die Hauskatze stammt von einem einzelgängerischen Vorfahr, von der Falbkatze, ab. Sie hat aber durch die Domestikation das Potenzial zum Zusammenleben mit dem Menschen erworben. Und nicht nur mit dem Menschen, sondern auch mit Artgenossen und mit anderen Tierarten. Sie hat nämlich erkannt, dass der Mensch ihr viele Vorteile des Gruppenlebens bietet, aber keine Nachteile. Der Mensch bietet ihr Nahrung, ein Dach über dem Kopf, er ist Ansprechpartner, er schmust mit ihr, er spielt mit ihr, er ist für sie da, sie kann sich nachts an ihn anschmiegen und sich bei ihm wärmen. Natürlich ist die Katze dann auch bereit, dass sie auch ihren Menschen etwas Gutes tut. Viele Katzen reagieren sehr gut auf eine positive Ansprache des Menschen, ihr liegt offenbar auch sehr viel daran, dass der Mensch auch ihnen wohlgesonnen ist.

Hatten sozialere Tiere einen Vorteil?

Es waren vor allen Dingen die toleranteren Falbkatzen, die in dem Moment einen Vorteil hatten, als sie sich an den Menschen angenähert haben. Sie haben sich darauf eingelassen, sich diesen „furchteinflößenden, großen Wesen“ zu nähern. Aber so hatten sie mehr zu fressen, und sie hatten auch die Chance, mehr Nachkommen zu bekommen. Das birgt natürlich ein gewisses Potenzial, dass die Katzen bereit waren, vom Menschen zu lernen, dass sie in der Lage waren, Belohnungen anzunehmen und dass sie erkannt haben, dass sich bestimmte Verhaltensweisen lohnen, weil der Mensch sie mit Futter oder mit anderen Zuwendungen bestärkt hat. Das ist das, was wir heute bei jeder Hauskatze beobachten können. Sie haben das Betteln zum Beispiel perfektioniert. Und das sind in aller Regel Verhaltensweisen, die beim Besitzer den Eindruck vermitteln, dass die Katze entweder ganz besonders bedürftig oder ganz besonders putzig ist.

Wie ist das Sozialverhalten unter Katzen?

Man kann sagen, dass die Hauskatze ein geselliger Einzelgänger ist. Das heißt, sie hat ihren ursprünglichen, einzelgängerischen Background, und auf den greifen auch sehr viele Katzen zurück, die ohne Artgenossen aufgewachsen sind. Aber mit entsprechendem Input in ihrer Jugend, das heißt, zusammen mit vielen anderen Katzen, lernt sie auch, die Vorteile im Zusammenleben mit dem Artgenossen zu sehen, und kommt dann später durchaus auch sehr gut mit ihresgleichen klar. Oder sie kommt sogar alleine überhaupt nicht mehr zurecht, weil sie genau die Gesellschaft mit Artgenossen braucht.

Wie sehen Katzen Menschen?

Es bleibt nach wie vor Spekulation, wie eine Hauskatze ihren Menschen tatsächlich sieht und was sie genau in ihm sieht. Es gibt aber schon Hinweise darauf, dass die Katze den Menschen als eine große Mutterkatze betrachtet, die sie füttert. Sie reibt sich an unseren Beinen, wie sie es auch bei ihrer Mutter tut, wenn sie um eine mitgebrachte Maus bettelt. Und auch das vor die Füße laufen, wenn wir mit dem Napf in der Hand durch die Gegend gehen, das ist ganz typisch Jungkätzchen, und zeigt das Verhalten dem Menschen gegenüber, wie es früher gegenüber der Mutter gezeigt wurde. In den mütterlichen Bereich würde auch das Streicheln fallen. Hiermit imitieren wir die pflegende Zunge der Mutterkatze, die die Kätzchen eben leckt, und dadurch ihr Fell säubert und die Haut massiert. Und das ist eine ganz wichtige Funktion, die wir Menschen heutzutage haben. Es gibt jedoch große Unterschiede. Es gibt Katzen, die warten zu Hause sehnsüchtig auf ihre Menschen, dass die endlich nach Hause kommen. Andere Katzen betrachten ihre Menschen tatsächlich nur als Dosenöffner, der ihnen da ab und an das Futter hinstellt. Und das reicht ihnen völlig aus, ansonsten führen sie ihr unabhängiges Leben.

Nehmen uns Katzen als Sozialpartner ernst?

Es gibt sehr viele Katzen, für die der Mensch ein sehr wichtiger Sozialpartner ist. Wenn Menschen versterben, trauern Katzen teilweise enorm – bis zur Nahrungsverweigerung. Durch die ursprünglichen Lebensweisen, die Katzen führen, und durch die unterschiedlichen Beziehungen, die sie zu ihrem Menschen eingehen, ergeben sich ganz unterschiedliche Bindungsmöglichkeiten. Es gibt das teilweise bis zur extremen Anhänglichkeit, bei der der Mensch keinen Schritt durch die Wohnung machen kann, ohne dass die Katze an seinem Rockzipfel hängt. Die typische Hauskatze hat es gerne, wenn ihr Mensch ihr zur Verfügung steht, allerdings nur dann, wenn sie ihn wirklich benötigt.

Das Besondere am Zusammenleben mit einer Katze?

Die Hauskatze ist ein recht eigenständiges Wesen. Die meisten anderen Haustiere brauchen unbedingt den Sozialkontakt. Das ist bei Hauskatzen in der Form nicht der Fall. Eine Hauskatze dazu zu bringen, mich zu mögen, ist eine gewisse Herausforderung. Ich muss mich mit ihr gut stellen, ich kann nicht versuchen, sie mit Gewalt zu irgendwas zu zwingen, sondern ich bin wirklich darauf angewiesen, dass ich es ihr angenehm gestalte, dass ich ihr positive Inputs liefere. Und wenn ich das schaffe, kann ich durchaus stolz darauf sein, eine Hauskatze zum besten Freund zu haben.

Charakterunterschiede von Hund und Katze?

Man sagt ja allgemein: „Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal“. Das ist nicht weit hergeholt. Also es ist schon eine sehr große Aufgabe, eine Katze immer genau dann zu motivieren, wenn der Mensch es gerne hätte. Das ist beim Hund wesentlich einfacher, der als soziales Wesen eigentlich sehr stark vom Wohlwollen des Menschen abhängt und der es liebt, wenn sein Mensch viel von ihm hält und ihm sagt, er solle jetzt springen. Dann fragt der Hund: „Wie hoch?“. Katzen sind eher unabhängig und wissen, wie man den Menschen um die Pfote wickelt. Insofern finde ich auch den Spruch passend: „Katzenerziehung ist gar nicht so schwer. Schon nach wenigen Tagen haben sie uns das Wichtigste beigebracht“.

Was ist für Sie das Faszinierende an Katzen?

Ich finde, die Katze ist im Umgang eine ganz besondere Herausforderung, weil man sie zu nichts zwingen kann. Man ist wirklich darauf angewiesen, dass die Katze einem wohlgesonnen ist. Dann kann man auch gewisse „Forderungen“ bei der Katze geltend machen. Es ist nicht einfach, eine Katze zu beeinflussen, und das ist wirklich diese ganz große Herausforderung, der ich mich gestellt habe, um zu fragen: „Wie kann ich das Zusammenleben zwischen Mensch und Katze vielleicht optimieren, aber wenn es schief läuft, auch therapieren? Unter Umständen betrifft das auch das Leben zwischen mehreren Katzen in einem Katzenhaushalt. Wie kann man das verbessern?“ Und das ist nicht so einfach wie bei anderen Haustieren, die wir haben.

Wie schlau sind Katzen?

Katzen versuchen ständig, Verknüpfungen herzustellen, probieren Sachen aus. Sie schauen, ob sie in irgendeiner Art und Weise irgendwie erfolgreich sein können. Sie nehmen auch Dinge auf, die im ersten Moment vielleicht gar keine Bedeutung haben, aber später im Leben durchaus einen Sinn haben könnten. Dadurch, dass sie früher einzelgängerisch gelebt haben, haben sie nicht den großen Input des sozialen Lernens, den viele soziale Tiere haben. Das heißt, sie müssen sich viele Sachen selbst beibringen, selbst ausprobieren, ob irgendetwas funktioniert oder nicht. Ein junges Kätzchen lernt zunächst immer von seiner Mutter. Es lernt auch von seinen Geschwistern. Später schauen sich Katzen von anderen, von befreundeten Katzen Verhaltensweisen ab, die sie dann nachahmen. Auch von Menschen werden Sachen nachgeahmt. Natürlich sind nicht alle Katzen gleich schlau, und so gibt es dann welche, die können eine Türklinke betätigen, und andere Katzen lernen sowas nie.

Das Interview führte Kirsten Hoehne.

Zunächst Resteverwerter und Mäusefänger

Jagende Katze
Die Katze ist eine Meisterin der Jagd. (Quelle: ZDF/Jasper Engel)
Dabei ist es die Katze - genauer gesagt die Falbkatze - die vor rund 11.000 Jahren in einer Art "Selbstdomestikation" die Welt des Menschen betritt. Doch anders als der Hund wartet das kleine Raubtier damit, bis die Jäger und Sammler des Alten Orients das Feuer beherrschen und sesshaft sind. Ihre Karriere beginnt sie als Resteverwerter und erfolgreicher Mäusejäger. Kein anderes Haustier beherrscht die Technik des Lauerns, des schnellen Zugriffs und Tötens so, wie die Katze. Die Jungsteinzeitler schätzen sie dafür. Und nicht nur sie: Wo immer in den folgenden Jahrtausenden auf dem Globus Siedlungen entstehen, gehört mindestens eine Katze zum Haushalt.

Kultische Verehrung erfahren die Samtpfoten vor allem im Alten Ägypten. Forscher sagen, dass das Pharaonenreich ihren Wohlstand auch den Katzen zu verdanken habe, die in den zahlreichen Getreidespeichern Ratten und Mäusen nachstellten. Für ihre wertvollen Dienste werden die Jäger sogar vergöttlicht. Millionen enden als Opfergabe an die Katzengöttin Bastet, die Ägypter kaufen von Händlern teure Katzenmumien. Mehr als einmal werden die Käufer dabei über den Tisch gezogen, wie jüngste Untersuchungen offenbaren. Nicht in jedem Exemplar ist auch tatsächlich Katze enthalten. Die Wissenschaftler entdeckten auf den Röntgenbildern Hölzer, Hunde- und andere Tierknochen. Die Nachfrage hat das Angebot zeitweise offensichtlich bei Weitem überstiegen. Das erklärt vielleicht auch, warum die Pharaonen den Export von Katzen in fremde Länder unter Todesstrafe gestellt haben.

Exotisches Luxustier, aber auch Geschöpf des Teufels

Um 500 vor Christus gelangen über Griechenland trotzdem die ersten Katzen nach Europa und vermischen sich mit der dort heimischen Wildkatze. In Italien erobern sie als exotische Luxusgeschöpfe zunächst die Herzen der reichen Damen, bevor sie im Römischen Reich auch kultische Weihen erhalten. Erst ab dem 2. Jahrhundert nach Christus ist die Katze ein Haustier für alle und erweist sich als nützlicher Jäger von üblen Nagern. Marder und Wiesel, die dafür immer eingesetzt wurden, sind schon bald aus dem Rennen – auch deshalb, weil Katzen nicht so stinken und viel reinlicher sind. Im nebligen Germanien beginnt man, die Wildkatze anzuhimmeln. Sie ist aber nicht domestiziert, sondern als mystische Begleiterin der Fruchtbarkeitsgöttin Freya vorbehalten.

Zitate

  • El floridita bar mit Hemingway-Statue und Foto mit Fidel Castro

    „Katzen erreichen mühelos, was den Menschen versagt bleibt, durchs Leben zu gehen, ohne Lärm zu machen.“

    Ernest Hemingway

    (US-amerikanischer Schriftsteller, 1899 - 1961)

  • Leonardo da Vinci - Porträt von einem unbekannten Maler

    „Jedes Katzentier ist ein Meisterstück der Natur.“

    Leonardo da Vinci

    (italienischer Maler, Bildhauer und Naturphilosoph, 1452 - 1519)

  • Rainer Maria Rilke

    „Das Leben und dazu eine Katze, das gibt eine unglaubliche Summe.“

    Rainer Maria Rilke

    (Lyriker deutscher Sprache, 1875 - 1926)

  • Jean Cocteau

    „Ich liebe die Katzen, weil ich mein Heim genieße und sie nach einer Weile dessen sichtbare Seele werden.“

    „Die Überlegenheit der Katze über den Hund zeigt sich darin, dass es keine Polizeikatzen gibt.“

    Jean Cocteau

    (französischer Schriftsteller, Regisseur und Maler, 1898 - 1963)

  • François-René de Chateaubriand

    „Die Katze gibt vor zu schlafen, um desto klarer sehen zu können.“

    François-René de Chateaubriand

    (französischer Schriftsteller, Politiker und Diplomat, 1768 - 1848)

  • Pablo Picasso

    „Katzen sind die rücksichtsvollsten und aufmerksamsten Gesellschafter, die man sich wünschen kann.“

    Pablo Picasso

    (spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer, 1881 - 1973)

  • Porträt Kurt tucholsky

    „Die Katze ist das einzige vierbeinige Tier, das dem Menschen eingeredet hat, er müsse es erhalten, es brauche aber nichts dafür zu tun.“

    Kurt Tucholsky

    (deutscher Journalist und Schriftsteller, 1890 - 1935)

  • Victor Hugo

    „Was ist eigentlich die Katze? Eine Korrektur der Schöpfung!“

    Victor Hugo

    (französischer Schriftsteller, 1802 - 1885)

  • Robert Musil

    „Wenn Gott Mensch werden konnte, kann er auch Katze werden.“

    Robert Musil

    (österreichischer Schriftsteller, 1880 - 1942)

  • Henning Mankell

    „Katzen reisen nicht, sie sind eben keine spazierenden Tiere.“

    Henning Mankell

    (schwedischer Theaterregisseur und Schriftsteller, geb. 1948)

  • Mark Twain

    „Könnte man den Menschen mit der Katze kreuzen, würde man damit den Menschen verbessern, aber die Katze verschlechtern!“

    Mark Twain

    (US-amerikanischer Schriftsteller, 1835 - 1910)

  • „Katzen sind Freunde der Gelehrsamkeit.“

    Charles Baudelaire

    (französischer Schriftsteller, 1821 - 1867)

  • "Katzen sind geheimnisvoll. In ihnen geht mehr vor, als wir gewahr werden."

    Sir Walter Scott

    (schottischer Dichter und Schriftsteller, 1771 - 1832)

  • Robert Gernhardt

    „Von einer Katze lernen - heißt siegen lernen - wobei siegen 'locker durchkommen' meint - also praktisch: liegen lernen.“

    Robert Gernhardt

    (deutscher Schriftsteller, Zeichner und Maler, 1937 - 2006

Mit der Christianisierung jedoch folgt der tiefe Fall, die Katze wird als Geschöpf des Teufels, der Hexen und Dämonen verdammt und später manchmal auch auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ihr schlechtes Image hält sich über Jahrhunderte. Noch im späten Mittelalter entstehen zahlreiche Sprichwörter, Mythen und Legenden - alle mit eindeutig negativer Botschaft. Nach damaligem Verständnis verkörpern Katzen weibliche Laster. Sie gelten als unmäßig, diebisch, treulos und sündig. Das halbwilde, unkontrollierbare Wesen von Katzen, die nächtlichen Jagdausflüge und das lautstarke Paarungsverhalten sorgen bis ins 18. Jahrhundert für Misstrauen und Verfolgungsexzesse durch Kirche und Staat. Erst ab dem 19. Jahrhundert gewinnt die Katze wieder an Ansehen. Dafür sorgt unter anderem der deutsche Zoologe Alfred Brehm. Inzwischen ist sie gesellschaftlich rehabilitiert, geliebt und bewundert. Manche von ihnen sind prominent, einige kosten ein Vermögen, Millionen leben als eigenwilliger Stubentiger auf dem Sofa.

Sendungsinformationen

ZDF-Erstausstrahlung:
Teil 1 "Der Hund" am Sonntag, 02. August 2015, 19:30 Uhr
Teil 2 "Die Katze" am Sonntag, 09. August 2015, 19:30 Uhr

Filme von Kirsten Hoehne und Nanje De Jong-Teuscher
TV-Redaktion: Claudia Moroni, Michael Leja
Online-Redaktion: Sonja Roy

09.08.2015

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Berühmte Katzenliebhaber

Papst Benedikt XVI. (geb. 1927)

Papst Benedikt XVI. spricht am 24.02.2013 bei seinem letzten Angelus-Gebet.

Papst Benedikt XVI. besaß als deutscher Bischof eine schwarz-weiße Katze namens Chico. Als er nach Rom ging, musste die Katze zurückbleiben, weil Tierhaltung im Vatikan nicht erlaubt ist. Kardinal Roger Mahony sagte einmal über das Verhältnis von Ratzinger zu Katzen, dass der Papst Katzen keineswegs liebe. Er würde sie anbeten. Als Vorsitzender der Glaubenskongregation hat sich Ratzinger sehr um die streunenden Kater in der Nähe seiner Amtswohnung gekümmert.

Sir Winston Churchill (1874-1965)

Winston Churchill 1964

Winston Churchill hatte zunächst einen Kater namens Nelson, den er auch  „Premierministerielle Wärmflasche" nannte. Auch Nachfolger Jock, den Churchill mit 88 Jahren bekam, schlief im gleichen Bett wie er. Kam Jock nicht zum gemeinsamen Essen, ließ Churchill nach ihr suchen und wartete so lange mit der Mahlzeit. Es heißt, Jock wäre dabei gewesen, als Churchill starb. Churchill vermachte sein Besitz in Chartwell dem Staat unter der Bedingung, es müsse immer ein roter Kater namens Jock auf dem Anwesen leben. Heute streift Jock III. durch die Räume und den Garten des Hauses in Chartwell.

Albert Schweitzer (1879-1955)

Albert Schweitzer in Lambarene

Albert Schweitzer besaß eine Katze namens Sizi. Sie hatte die Angewohnheit, auf dem linken Arm des Theologen und Arztes einzuschlafen. Schweitzer hielt so lange still, bis Sizi ihn aus freien Stücken verließ.

Mohammed (570 – 632)

Mohammed besaß eine Katze namens Muezza. Es heißt, der Religionsgründer habe einen Mantel zerschnitten, als er zum Gebet gerufen wurde, damit Muezza auf dem Teil des Mantels weiter habe schlafen können. Als er vom Gebet zurückkam, hat sich die Katze vor ihm verneigt, worauf ihr Mohammed dreimal über den Rücken streichelte. Bis heute werden Katzen im islamischen Raum verehrt. Sie gelten als reine Tiere und es ist ihnen erlaubt, durch Moscheen zu streifen.

Interview Dr. Bradshaw

"Hauskatzen lernen, Menschen zu akzeptieren"

Der Anthrozoologe Prof. Dr. John Bradshaw ist Verhaltensforscher an der University of Bristol. In seinen Studien beschäftigt er sich mit der Frage, wie Katzen den Mensch sehen und wie sich das Miteinander von Katze und Mensch im Lauf der Geschichte verändert hat.

Wilde Katze versus Hauskatze

Die gesamte Katzenfamilie hat ein ähnliches Verhaltensrepertoire: Alle sind Jäger und fast alle Einzelgänger. Der größte Unterschied zeigt sich in ihrem Akezptanzverhalten. Hauskatzen lernen, Menschen zu akzeptieren. Das bleibt ihr ganzes Leben lang so, auch wenn die Katze älter wird. Wildkatzen hingegen können nur domestiziert werden, solange sie klein sind. Wenn sie erwachsen werden, werden sie wieder wild. Daran kann niemand etwas ändern, das liegt in ihrer Natur.

Kann man Wildkatzen dennoch als Haustier halten?

Es gibt tatsächlich einige Menschen, die sich Wildkatzen zu Hause halten, wovon ich strikt abraten würde. Sie können ziemlich gefährliche Tiere werden. Sie müssen über Generationen in Gefangenschaft aufwachsen, bevor sie einigermaßen ungefährlich sind. Wenn sie noch klein und süß sind, unterschätzen viele Menschen diese Tiere und wenn sie dann ausgewachsen sind, ist der Mensch meist überfordert und kann nicht mehr damit umgehen. Die Wildkatze kann einen Menschen verletzen. Am Ende müssen sie die Wildkatze in den Zoo bringen. Ich denke, ein angemessener Ort für eine Wildkatze ist die Wildnis. Wenn man eine Katze möchte, sollte man sich eine artgerechte Hauskatze zulegen.

Wie zeigen Katzen ihre Zuneigung?

Wir wissen, dass Katzen den Menschen gegenüber zugeneigt sind, da sie dasselbe Verhalten an den Tag legen, wenn sie Freundschaften mit anderen Katzen schließen. Wenn zwei Katzen aufeinander treffen und sich mögen, stellen sie ihren Schwanz auf und reiben sich um- und aneinander. Sie gehen physischen Kontakt ein und legen sich dann zusammen hin. Außerdem putzen sie sich gegenseitig. Unsere Katze zeigt genau das gleiche Verhalten uns Menschen gegenüber. Wenn wir abends nach Hause kommen, stellt sie Ihren Schwanz vertikal nach oben und schmiegt sich um unsere Beine. Wenn wir uns auf die Couch setzten, dann kommt sie auf unseren Schoß und versucht, uns abzulecken. Nicht jeder mag das, aber das ist ein Zeichen ernstgemeinter Zuneigung.

Ist eine echte Beziehung zum Menschen möglich?

Katzen akzeptieren den Menschen aufrichtig. Jedoch sind mehr Kontakt und mehr Vertrauen nötig, damit eine Katze von einem menschlichen Wesen wirklich angetan ist. Ja, zwischen Mensch und Katze kann sich eine Beziehung langsam aufbauen und auch aufrichtig sein. Die Katze zieht den Menschen vor, den sie am meisten mag, und wird sich auf seinen Schoß niederlegen. Es gibt ein Band des Vertrauens, welches aufgebaut werden kann.

Wieso “miauen” Katzen?

Das Interessante an dem „Miau“ der Katze ist, dass Katzen das nicht untereinander machen. Wenn man eine Katzenfarm besucht, fällt sofort auf, wie still es dort ist. Aber gehst du in dein Haus, fängt die Katze sofort an zu miauen. Wir glauben, dass die Katze dieses Verhalten erst lernt. Sie lernt, dass wir sie nicht ständig im Auge haben. Wenn sie Aufmerksamkeit will, muss sie Lärm machen. Sie hat also gelernt, dass wir sie dann beachten und sie uns erzählen kann, was sie will. Dabei entwickelt jede Katze ihr eigenes „Miau“.

Haben Hunde einen Besitzer, Katzen Personal?

Es steckt wohl schon ein Stückchen Wahrheit darin, da die Zuneigung zwischen Mensch und Hund viel stärker ist, als zwischen der Katze und ihrem Besitzer. Und das ist schlichtweg eine Tatsache der Biologie. Es bedeutet nicht, dass Katzen nicht zutraulich sind. Es heißt nur, dass Hunde in der Tat viel zutraulicher sind. Wir wissen, dass ein Hund innerhalb von 15 Minuten versucht, eine Verbindung zum Mensch herzustellen. Aber eine Katze braucht Wochen, wenn nicht Monate, um eine zutrauliche Beziehung zu jemandem aufzubauen. Ihr Verhältnis zum Mensch ist grundsätzlich etwas distanzierter. Es ist aber nicht so, dass Katzen rumsitzen und darauf warten, dass der Mensch tut, was sie wollen, wie manche Besitzer annehmen. Katzen sind fähig, für ihren Besitzer Zuneigung zu empfinden.

Unterschied zwischen Hund und Katze?

Der einfache Unterschied zwischen Hund und Katze ist der, dass Hunde zur Zeit der Domestizierung vom Mensch sozialisiert werden konnte. Wir haben das so erfolgreich gemacht, dass Hunde heute emotional nicht mehr ohne uns leben können. Katzen hingegen sind schon immer Einzelgänger gewesen. Sie brauchen viel länger, um eine soziale Beziehung aufzubauen.

Was halten Sie von Katzentraining?

Viele Menschen denken, dass Katzen nicht trainiert werden können, weil es dafür auch keinen Grund gibt. Es ist zwar amüsant, aber es hilft der Katze nicht weiter. Dennoch lassen sich Katzen trainieren, um zum Beispiel schwierige Situationen zu meistern. Ein Beispiel: Katzen mögen es nicht, in die Katzentasche gepackt zu werden, da sie damit schlechte Erlebnisse verbinden. Autofahren und der Arztbesuch sind nicht angenehm für sie. Also kämpfen sie, um aus der Tasche herauszukommen. Wenn man aber aus dem Supermarkt eine Box mitbringt, springen die Katzen sofort neugierig drauf oder wollen hineinklettern. Das Internet ist voll mit Videos von Katzen, die in Pappboxen springen. Also wieso wollen sie nicht in die Tragetasche, lieben es aber, in die Pappbox zu springen? Man kann die Katze trainieren, dass es auch eine gute Sache sein kann, in die Tragetasche zu gehen. Man kann sie zum Beispiel während der Fahrt mit kleinen Süßigkeiten füttern. Dann wird die Katze die Tragetasche als neuen Wohlfühlort akzeptieren. Die Katze lässt sich also schon trainieren.

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