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Terra X: Faszination Erde  | 18.11.2012  Hawaii: Feuerland im Nirgendwo

Tropisches Inselparadies voller Überraschungen

Rund 3700 Kilometer vom nächsten Festland entfernt liegen sie wie an einer Schnur aufgereihte Perlen mitten im Pazifik: die Hawaii-Inseln, geboren aus dem Feuer unterseeischer Vulkane. Dank ihrer klimatischen Besonderheiten bieten sie unzähligen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Und auch wenn man es kaum glauben mag: Der höchste Berg der Erde erhebt sich auf Hawaii – wenn man der Sache auf den Grund geht. 

Dirk Steffens klettert einen Wasserfall hoch

Dreharbeiten auf Hawaii

Auf die Welle und in die Röhre, runter auf den Meeresgrund und rauf auf den höchsten Gipfel: Dirk Steffens und das Team von Faszination Erde drehten an den interessantesten und eindrucksvollsten Spots der Hawaii-Inseln Oahu und Big Island und scheuten dafür keine Strapazen.

(18.11.2012)
Gletschervulkan

Herrscher über Wind und Wellen

Die Geschichte der Besiedlung Hawaiis ist abenteuerlich. Dass die Polynesier auf den abgelegenen Inseln mitten im Pazifik Fuß fassen konnten, verdanken sie dem Passatwind und ihren eigenen außerordentlichen Navigationskünsten.

(18.11.2012)

Anfängerwellen

Die polynesischen Ureinwohner Hawaiis haben einst das Wellenreiten erfunden. Grund genug für Dirk Steffens, sich für Faszination Erde auch mal auf das Brett zu wagen, das für Surfer die Welt bedeutet.

(18.11.2012)

Glückliche Haie leben in Hawaii

(18.11.2012)

Das gewaltige Felsmassiv des Mauna Kea ist der höchste Berg der Hawaii-Inseln. Seine wahre Größe erkennt man aber erst, wenn man sich das Wasser wegdenkt: Vom Meeresboden aus gemessen, ragt der Koloss über 9000 Meter in die Höhe. Damit ist der Mauna Kea höher als der Mount Everest. Auf dem Gipfel zeugen mehrere Schlackenkegel von der feurigen Vergangenheit des heute schlafenden Vulkans.

Näher an den Sternen

Den Gipfel des Mauna Kea haben Forscher erobert: Mit 13 Teleskopen blicken die Astronomen von hier aus in die Tiefen des Alls. Da die Lichtwellen, die man in dieser Höhe empfängt, eine weniger dicke Atmosphärenschicht durchqueren, liefern die Teleskope besonders scharfe Bilder. Außerdem gibt es kaum Turbulenzen in der Atmosphäre. Und noch einen Standortvorteil bietet Hawaii: Wegen der isolierten Lage des Archipels mitten im Ozean wird der Nachthimmel kaum von störendem künstlichem Licht erhellt.

Vulkaninseln im Pazifik

Glühende Lava des Vulkans Kilauea fließt ins Meer
Lavastrom des Kilauea (Quelle: dpa)
Hawaii besteht aus rund 140 Inseln und Atollen, die ganz unterschiedliche Gesichter zeigen. Diese Vielfalt hat die Tier- und Pflanzenwelt geprägt. Die acht Hauptinseln – sechs davon erschlossen und besiedelt – ballen sich am Südende einer insgesamt 2500 Kilometer langen Kette. Wie sind sie entstanden, mitten im Pazifik, fernab von allen Kontinenten? Ein hawaiianischer Mythos beschreibt es so: Einst kam die Vulkangöttin Pele von weither übers Meer, um ihr Feuer auf der nördlichsten Hauptinsel zu entzünden. Aber ihre missgünstige Schwester, die Göttin des Meeres, löschte die Flammen wieder. Pele türmte auf der nächsten Insel einen Feuerberg auf, doch wieder wurde die Glut von den Wellen erstickt, ebenso auf dem übernächsten Eiland. Schließlich erreichte sie die südlichste Insel. Hier, am Vulkan Kilauea, konnten die Wogen ihr Feuer nicht mehr erreichen. Und so kommt es, dass Pele bis zum heutigen Tag von dort ihre Lava herabschickt.

Der Mythos von der Vulkangöttin Pele ist gar nicht so weit entfernt von der naturwissenschaftlichen Theorie: Die rotglühende Lava, die auf Big Island ins Meer strömt, ist aufgrund ihrer besonderen Zusammensetzung sehr dünnflüssig. Sie enthält wenig Material aus der Erdkruste, aber viel mehr aus dem darunterliegenden Erdmantel – ein Hinweis auf einen Hotspot, eine riesige Magmakammer unter Hawaii. Wie ein Schneidbrenner hat dieser Hotspot die Pazifische Platte, auf der Hawaii liegt, aufgeschmolzen.
Magmakammer lässt eine Vulkankette entstehen (Animation)
Vulkane türmen sich auf und wandern mit der Pazifikplatte nach Nordwesten. (Quelle: ZDF)
Weil die Platte über den Hotspot hinwegdriftet, hat er dabei eine Brennspur hinterlassen. Dort stieg aus dem Erdmantel Magma nach oben, Vulkane türmten sich auf und wuchsen über die Meeresoberfläche hinaus. Sie wanderten mit der Pazifikplatte Richtung Nordwesten. Etwa eine Million Jahre später brachte der Hotspot eine neue Insel hervor. So wächst die Kette an ihrem Südende heute noch ständig weiter. Big Island mit seinen fünf Vulkanen – darunter der schlafende Mauna Kea und der aktive Kilauea, einer der aktivsten Vulkane der Welt – ist die südlichste und zugleich die jüngste Insel. Die alte Geschichte hat also einen wahren Kern: Pele thront über der südlichsten Spitze des Archipels.

Pioniere mit besonderen Wurzeln

Überlebenskünstler

Blüte der Ohia lehua

Wie kam das Leben auf die Vulkaninseln, über 3600 Kilometer vom nächsten Festland entfernt? Stürme verfrachteten Pflanzensamen nach Hawaii, aber auf nackter Lava können die meisten Pflanzen nicht gedeihen. Eine jedoch ist dazu in der Lage: Ohia lehua, ein Myrtengewächs mit roten, pomponartigen Blüten, das zu Büschen und Bäumen heranwächst.

Pionierpflanzen

Ohiabaum wächst inmitten eines Lavafeldes

Die genügsamen und anpassungsfähigen Ohias gedeihen selbst inmitten vulkanischer Ödnis und können bis zu 25 Meter hoch werden. Sie spielen eine wichtige Rolle als Pionierpflanzen. Mit ihrem Laub bereiten sie den Boden für andere Pflanzen und damit für die üppige Vielfalt auf Hawaii. Ihre Wurzeln brauchen keine Erde, sie bahnen sich ihren Weg durch die erstarrte Lava. 

Luftwurzeln

Luftwurzeln des Ohia-Baumes

In Tunneln, die von Lavaströmen gebildet wurden, liegt das Überlebensgeheimnis der Ohias. Hier nehmen ihre tief herabhängenden Wurzeln die Feuchtigkeit aus der Luft auf.

Unterwelt

Lavatunnel

Auf Hawaii gibt es unzählige Tunnelsysteme wie dieses, die von den Ohias angezapft werden.

Lavatunnel

Lavastrom fließt in Tunnel

Ein Tunnel entsteht, wenn ein Lavafluss außen abkühlt und erstarrt, während der Strom im Inneren weiterfließt. Wenn keine Lava mehr nachströmt, leert sich die Röhre.

Leben in elf Klimazonen

Der außergewöhnliche Artenreichtum des Archipels hängt mit seiner besonderen, isolierten Lage mitten im Pazifik zusammen: Die Hawaiianischen Inseln befinden sich in der Passatwindzone. Sie bilden für den Nordostpassat eine über 500 Kilometer breite Barriere. Der Passat weht Tausende von Kilometer über das offene Meer und nimmt dabei viel Feuchtigkeit auf. Auf den Inseln zwingen hohe Berge die feuchte Luft aufzusteigen. Der Wasserdampf kondensiert zu Tröpfchen, und die so entstandenen Wolken regnen auf der windzugewandten Seite ab. Die windabgewandte Seite bleibt trocken.

Aufgrund der großen Niederschlags- und Höhenunterschiede weisen die Inseln elf verschiedene Klimazonen auf. Es gibt feuchte bis hin zu wüstenhaften Regionen, und je nach Höhenlage können die Temperaturen tropisch oder auch frostig sein. Tiere und Pflanzen haben sich auf bestimmte Lebensräume spezialisiert. Deshalb ist Hawaiis Natur so artenreich.

Regenrekorde

Der 1.569 Meter hohe Gipfel des Mount Waialeale auf der Insel Kauai ist einer der regenreichsten Orte der Erde. „wai’ale’ale’“ bedeutet auf Hawaiianisch „plätscherndes Wasser“. Gemessen wurden hier schon 17.000 Liter Nass pro Jahr und Quadratmeter – etwa 20-mal so viel wie in Deutschland. Im Gegensatz zu anderen regnerischen Weltgegenden, die ebenfalls rekordverdächtig sind, verteilen sich die Niederschläge am Mount Waialeale relativ gleichmäßig über das Jahr. Die Regenmengen sind hier so gewaltig, weil die Felswände sehr steil aufsteigen, wodurch die Aufwärtsströmung der feuchten Luft besonders intensiv wird.

Der üppige Regen speist zahlreiche Bäche und Flüsse. Obwohl das Lavagestein hart ist, fräsen sie sich allmählich immer tiefer in den Fels. Sie schleifen kühnste Formen aus dem Gestein und schneiden tiefe Täler hinein. In der Abgeschiedenheit dieser Täler haben sich endemische Arten entwickelt – Tiere, die es nur hier gibt und nirgendwo sonst. Forscher halten diese Täler – Inseln innerhalb der Inseln – für Keimzellen der Evolution. Das berühmteste Beispiel sind die Kleidervögel. Sie stammen von Finken ab, die vom Sturm nach Hawaii verfrachtet wurden. Aus einer einzigen Finkenart entwickelten sich 56 verschiedene: Die einen picken Insekten aus der Rinde, die anderen fressen Früchte, wieder andere trinken Nektar. Sie besitzen lange Schnäbel, um an den süßen Saft am Blütengrund zu gelangen. So hat jede Finkenart ihre ökologische Nische gefunden. Platz ist für sie alle auf den Vulkaninseln mitten im Pazifik.

Sendungsinformationen

Buch und Realisation: Eva-Maria Rauert, Nora Bergenthal

Kamera: Oliver Roetz u. a.

Schnitt: Gabi Kröber

Redaktion: Tobias Schultes, Christiane Götz-Sobel

Online-Redaktion: Katja Treu

18.11.2012

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