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Terra X  | 29.06.2014  Phantome der Tiefsee - Monsterhaie

Team filmt kaum bekannte Exemplare der Hai-Society

Einer internationalen Tiefseeexpedition war es unlängst gelungen, den Riesenkalmar Architeuthis erstmals in seinem natürlichen Lebensraum zu filmen. Die einzigartigen Aufnahmen des mysteriösen Lebewesens gingen um die Welt. Jetzt wird der aufwändige Vorstoß ins noch weitgehend unbekannte Ökosystem der Tiefsee fortgesetzt. In einem weiteren spektakulären wissenschaftlichen Großprojekt versuchen die japanischen Meeresbiologen Dr.Yoshihiro Fujiwara und Dr. Sho Tanaka, kaum bekannte Tiefsee-Haie vor die Kameras zu bekommen. 

Kobold-Hai

Video Phantome der Tiefsee - Monsterhaie

In einem spektakulären wissenschaftlichen Großprojekt versuchen japanische Meeresbiologen kaum bekannte Tiefsee-Haie vor die Kameras zu bekommen.

(28.07.2013)
Ein Kran hievt einen Walkadaver ins Meer.

Bizarre Tiefsee-Haie

Sensationelle Aufnahmen aus den ozeanischen Canyons vor Japan.

(10.07.2013)
Kobold-Hai

Tiefseebewohner Kobold-Hai

Fast sechs Meter Länge sollen diese Meeresbewohner erreichen, über die jedoch kaum etwas bekannt ist.

(Quelle: ZDF/NHK)

Der Versuch ist eine Weltpremiere: Ein junger Pottwal, vor Jahren am Strand verendet und von den Wissenschaftlern komplett eingefroren, dient in dem einzigartigen Experiment als Köder. In Mafia-Manier mit einem Betonklotz im Meer versenkt, soll der riesige Körper hungrige Haie anlocken – und es klappt. Ein gewaltiger Sechskiemer-Hai schneidet den Kadaver auf und ermöglicht so einer Armada hungriger Tiefsee-Wesen eine wochenlange Mahlzeit in der ewig finsteren Ödnis.

Mysteriöser Riesenmaul-Hai

Bei ihren Tauchfahrten mit modernsten Deap Sea Rovern begegnen die Wissenschaftler dem urtümlichen Kragenhai, der mit keinem modernen Hai näher verwandt ist und dessen Wurzeln wohl 380 Millionen Jahre in die Erdgeschichte zurückreichen. Ein Gänsehaut auslösender Koboldhai mit skurriler Kopfform und ausstülpbarem Maul macht seinem Ruf als Meeresmonster alle Ehre. Und neben so seltenen Arten wie dem Schokoladenhai und dem Schlafhai gelingt es erstmals, den mysteriösen Riesenmaul-Hai detailliert im freien Pazifik zu filmen.

Die Entdeckung des Riesenmaul-Haies (1976), auch als Megamouth bekannt, gilt nach der Entdeckung des Quastenflossers als zweite zoologische Sensation des 20. Jahrhunderts. Seither wurden nur wenige Exemplare gesichtet, die meisten in sterbendem oder verendetem Zustand. Wie der Kragenhai steht auch der Megamouth in der heutigen Hai-Society allein da, eine einzigartige Spezies. Etwa sechs Meter lang und ausgestattet mit einem ein Meter breiten Maul lebt der Tiefsee-Koloss vor allem von kleinen Garnelen wie Krill. Die Begegnung mit diesem so noch niemals gefilmten Hai ist der krönende Höhepunkt der Expedition und dokumentarisch auch von größtem wissenschaftlichem Wert.

Noch nie gefilmte Tiefsee-Bewohner

Die mit höchstem technischem Aufwand und in Zusammenarbeit mit dem ZDF und arte erstellte Co-Produktion von NHK und Discovery Channel besticht durch eine spannende Story und fantastische Aufnahmen selten oder noch nie gefilmter Tiefsee-Bewohner in ihrem historischen Entdeckungsgebiet.

Tiefsee-Haie vor der Kamera

Experiment mit Wal-Kadaver

Tiefsee-Experiment Walkadaver

Einzigartiges Experiment: Ein tonnenschwerer Köder wird mit dem Forschungsschiff "Alucia" in Position gebracht und in der Sagami-Bucht am Rande des Fujiama in 500 Meter Tiefe versenkt. Der Walkadaver soll selten oder noch nie gefilmte Tiefsee-Haie anlocken. Spezialkameras am Meeresgrund und an den Tauchbooten "Deep Rover" und "Triton" sollen die spektakulären  Aufnahmen ermöglichen.

Kragen-Hai (Chlamydoselachus anguineus)

Kragen-Hai

Dieses "lebende Fossil" zählt zu den ältesten Hai-Typen überhaupt – ein absolutes Unikum der Hai-Society. Vermutlich gehört der Kragen-Hai zu einer 380 Millionen Jahre alten Verwandtschaftsgruppe. Männchen werden 1,50 Meter, Weibchen zwei Meter lang. Die Tragzeit ist extrem lang: vermutlich ein bis zwei Jahre, nach denen bis zu sechs Junge die Dunkelheit der Tiefsee erblicken. Obwohl seit 1884 wissenschaftlich erfasst, ist der Kragen-Hai (auch als Krausen-Hai bezeichnet) ein beinahe Unbekannter. Nur wenige Exemplare konnten bisher untersucht werden. Er lebt wahrscheinlich in Tiefen zwischen 100 und 1100 Metern und scheint weltweit in mäßig warmen Meeren verbreitet zu sein. Er besitzt sechs Kiemenspalten. Die fransig herausquellenden Kiemen waren namengebend.

Stumpfnasen-Sechskiemer-Hai (Hexanchus griseus)

Stumpfnasen-Sechskiemerhai

Nur wenige Haie haben sechs Kiemenschlitze. Der Grau-Hai, wie diese Art auch heißt, ist einer von ihnen. Er lebt weltweit bis in Tiefen bis fast 2500 Metern. Der langsame Schwimmer steigt nachts gelegentlich in die oberen Wasserschichten auf. Etwa fünf Meter lang und bullig gebaut, kann das kräftige Tier mit seinen Sägezähnen sogar den dicken Wal-Blubber durchtrennen und so Kadaver öffnen. Mit mehr als 100 Jungen pro Wurf zählt diese Spezies zu den fruchtbarsten Hai-Arten. Sechskiemer-Haie sind für Taucher potentiell gefährlich.

Kobold-Hai (Mitsukurina owstoni)

Koboldhai

Bislang wurden nur wenige Kobold-Haie an verschiedenen Stellen der Weltmeere gefunden. Das erste, bereits 1898 wissenschaftlich beschriebene Exemplar wurde  in der japanischen Sagami-Bucht gefangen. Koboldhaie leben in Tiefen zwischen 100 und 1300 Metern. Über ihr Verhalten ist wenig bekannt. Die Tiere können über sechs Meter lang werden. Ihre bizarre Kopf-Anatomie macht sie unverwechselbar. Bereits in der Kreidezeit vor mehr als 100 Millionen Jahren lebten ähnlich gebaute Vorfahren dieser sehr seltenen Haie. Obwohl langsame Schwimmer, können sie mit dem ausstülpbaren Maul und den langen spitzen Zähnen schnell schwimmende Fische einfangen. Das Rostrum, eine auffällige Schnauzenverlängerung, ist mit Sinneszellen besetzt und dient als Scanner zum Auffinden von eingegrabener Beute.

Riesenmaul-Hai (Megachasma pelagios)

Riesenmaul-Hai (Megamouth)

Obwohl diese Haie mehr als fünf Meter lang und über 1200 Kilogramm schwer werden können, wurde das erste Exemplar erst 1976 entdeckt. Ihr etwa ein Meter breites Maul war namengebend für diese drittgrößte Spezies planktonfiltrierender Haie. Vor allem kleine Garnelen wie Krill werden eingesaugt und abfiltriert. Vermutlich leben die Tiere in Tiefen zwischen 150 und 1000 Metern weltweit in tropischen und gemäßigten Ozeanen. Nachts folgen sie ihrer Beute und kommen nahe an die Oberfläche. Wie fast alle Haie besitzt der "Megamouth" fünf Kiemenöffnungen. Seine Zähne sind winzig und für Menschen ungefährlich. Er zählt zu den am seltensten gesichteten Fischen.

Rauhaut-Glattfisch (Centroscymnus owstoni)

Rauhaut-Glattfisch

Der zur Familie der Dornhaie gehörende kleine Tiefsee-Hai erreicht eine Länge von 1,2 Meter. Er lebt in Tiefen zwischen 500 und 1400 Metern in der Nähe des Meeresgrundes. Für Menschen harmlos, erbeutet er kleine Fische und Weichtiere. Ansonsten ist über die Biologie dieses selten gefundenen Haies kaum etwas bekannt.

Sendungsinformationen

ZDF: 29. Juni 2014, 19:30 Uhr  (Erstausstrahlung: 28. Juli 2013, 19:30 Uhr)

Regie: Tatsuhiro Beniko

Redaktion TV: Michael Leja

Redaktion Online: Michael Büsselberg, Dany Stief

29.06.2014

Hintergrund

  • Phantome der Tiefsee - Monsterhaie

    Spitzname Megamouth

    Ein Großmaul unter den Haien taucht auf ARTIKEL

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Buchempfehlungen

Literaturtipps von Michael Leja

In den Tiefen des Ozeans

Susan Middleton
In den Tiefen des Ozeans – Die schillernde Welt der Wirbellosen
Knesebeck Verlag (2014)

Susan Middleton, eine für die besondere Ästhetik ihrer Aufnahmen von seltenen Lebewesen weltberühmte Tierfotografin, eröffnet in diesem prachtvollen Band ein Kaleidoskop höchst seltsamer, skurriler und bizarrer Bewohner der Meere. Allesamt Wirbellose und vor neutralen Hintergründen großformatig abgebildet, lassen Krebse, Mollusken, Stachelhäuter und Vertreter vieler anderer Tiergruppen den Betrachter ungläubig staunen über die „verrückten“ Designs des marinen Lebens. Kurze Übersichtskapitel und ein faktenreicher Katalog mit Anmerkungen zu den gezeigten Arten ordnen das Gesehene ein – eines der schönsten Bücher dieser Art seit Langem.

Von Schwarzen Rauchern und blinkenden Fischen

Dagmar Röhrlich
Tiefsee – Von Schwarzen Rauchern und blinkenden Fischen
320 Seiten, mareverlag, Hamburg 2010

In schmöker-gerechten Kapiteln serviert die Geologin und Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich eine Fülle von überraschenden Fakten, Informationen und Geschichten über die Tiefsee. Dabei berichtet sie über die Vorstöße des Menschen ins Reich der Finsternis, über wissenschaftliche Forschungen und die unglaublichsten Kreaturen im größten Lebensraum der Erde. Bestens recherchiert, fundiert und allgemein verständlich geschrieben, vermittelt das wunderbar von Jan Feindt illustrierte Buch einen facettenreichen Eindruck vom Reich der Finsternis – Staunen, Erkenntnisgewinn und Lesespaß garantiert.

Das dunkle Paradies

Antje Boetius & Henning Boetius
Das dunkle Paradies – Die Entdeckung der Tiefsee
464 Seiten, C.Bertelsmann-Verlag, München 2011

Es ist kein 08/15-Sachbuch, das Tochter und Vater – die Meeresbiologin Antje und der Schriftsteller Henning Boetius – geschrieben haben. Sachverstand und Herzblut sind hier zu einer fesselnden Symbiose verschmolzen. Sie lassen den Leser tief eintauchen in die biologische und geologische Terra incognita der Tiefsee und ihn gleichzeitig weit über den naturwissenschaftlichen Tellerrand hinausblicken in literarische, philosophische und mythologische Gedankenwelten. Ein lesenswertes Buch, für dessen gewinnbringende Lektüre man sich unbedingt Zeit nehmen sollte.

Die Entdeckung der Tiefsee

Andreas von Klewitz
Carl Chun, die Valdivia und die Entdeckung der Tiefsee
215 Seiten, Parthas-Verlag, Berlin 2013

Der in Höchst bei Frankfurt am Main geborene Carl Chun (1852 – 1914) zählt bis heute zu den namhaftesten Meereszoologen. An Bord des Forschungsschiffs "Valdivia" leitete er in den Jahren 1898 und 1899 die erste deutsche weltweit durchgeführte Tiefsee-Expedition. Sein populärwissenschaftlicher Bericht darüber, "Aus den Tiefen der Weltmeere", gehöre zu den beeindruckendsten Werken deutscher Wissenschafts- und Expeditionsgeschichte, schreibt der Historiker Andreas von Klewitz im Vorwort zu seinem neuen Buch, das die Fahrt der "Valdivia" in Form und Umfang zeitgemäß nachzeichnet. Viele Zitate und sehr gut reproduzierte Abbildungen aus Chuns Werk lassen jene abenteuerlichen Zeiten noch einmal lebendig werden.

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