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Terra X  | 05.05.2013  Wilder Planet (2/3): Erdbeben

Gewaltige Kräfte der Erde noch immer wenig vorhersehbar

Spätestens seit der Reaktorkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat die Diskussion um die Erdbebensicherheit von Städten, Gebäuden und gerade auch Atomreakto­ren weltweit eine neue Brisanz erreicht. Die Auswirkungen eines Bebens können nicht länger als lokal oder regional gelten, sondern müssen als globale Phänomene betrachtet werden. Wissenschaftler versuchen daher weltweit die Mechanismen zu erforschen, die Beben verursachen. Sie hoffen Technologien zu entwickeln, die einen besseren Erdbebenschutz ermöglichen. Im zweiten Teil der "Terra X"-Reihe "Wilder Planet" besucht das ZDF-Team Forscher in den seismisch aktivsten Gebieten der Erde. 

Erdbeben Hotspots

Wilder Planet: Erdbeben

Spätestens seit Fukushima hat die Diskussion um die Erdbebensicherheit von Städten und Gebäuden eine neue Brisanz erreicht. "Terra X" besucht Forscher in den seismisch aktivsten Gebieten der Erde.

(05.05.2013)
Eingestürzte Wohnhäuser

Wilder Planet: Erdbeben

Erdbebengefährdet: Istanbul und der Apenninin Italien liegen auf geologischen Pulverfässern ...

(11.04.2013)

Erdbeben und Tektonik

Die interaktive Grafik zeigt die tektonischen Platten und die Wirkweise von Erdbeben.

In vielen Ländern der Erde ist die Bevölkerung so an Erdbeben gewöhnt, dass ein kurzes Rucken des Bodens kaum mehr wahrgenommen wird. In Kalifornien oder Chile stellen sich Vorsichtige möglicherweise kurz unter einen Türsturz, aber kaum hat das Wackeln aufgehört, geht jeder wieder seiner Wege. Beben gehören zum Alltag, man blendet sie aus als Irrita­tion wie anderswo auf der Welt Auto- oder Fluglärm. In Europa dagegen hat man wenig Erfahrung mit Erdbeben, da die seismische Tätigkeit hier nicht besonders ausgeprägt ist.

Beben selbst verhinderte einen Tsunami

Installation eines Seismographen in den Anden
In den Anden installieren Wissenschaftler einen Seismographen (Quelle: ZDF)
In Chile untersucht der Geophysiker Prof. Dr. Stephen Miller von der Universität Bonn mit seinem Team eine Region in den Chilenischen Anden. In dieser seismisch hochaktiven Gegend stellen die Wissenschaftler erstaunliche Dinge fest. 2010 hatte ein Erdbeben der Magnitude 8,8 den Seeboden vor der Küste Chiles erschüttert. Der Boden brach auf einer Länge von mehreren 100 Kilometern auf und hätte eigentlich ei­nen gewaltigen Tsunami auslösen müssen.

In Panik flüchte­ten die Bewohner aus der Küstenregion, doch wie durch ein Wunder blieb der Tsunami aus. Der Grund dafür: Das Beben selbst verhinderte die Ka­tast­rophe. Innerhalb weniger Sekunden hob es die Küste um 2,5 Meter an und errichtete so einen Schutzwall gegen die Überflutung. Solche überra­schenden Beobachtungen machen deutlich, wie wenig vorhersehbar die gewaltigen Kräfte der Erde noch immer sind. Miller sieht vor allem in dem Zusammenwirken von Erdbeben und Vulkanen ein wichtiges Forschungs­gebiet.

Vom Verhalten der Kröten lernen

USArray-Messstationen
Messstationen des Forschungsprojektes USArray (Quelle: ZDF)
Dass Erdbeben jedoch längst nicht immer im Zusammenhang mit Vulka­nen stehen müssen, zeigt das Projekt "USArray". In Michigan, mitten in der nordamerikanischen Prärie, begleitet "Terra X" ein USArray-Team. Die Männer versenken einen hochempfindlichen Seismografen in der Erde, Teil eines Netzwerks von 400 solcher Geräte, die überall in den USA Messungen durchführen. Die Seismografen haben keinen festen Platz, vielmehr wird das Netz nach einer festgelegten Zeit immer weiter von Westen nach Osten bewegt. Auf diese Weise soll mit nie dagewesener Genauigkeit die amerikanische "Unterwelt" erforscht werden. Vor allem die Frage, warum Erdbeben gelegentlich auch weit entfernt von den tektonisch aktiven Grenzen der Kontinentalplatten ausgelöst werden können, kann nun beantwortet werden. Offenbar tauchen nicht alle Platten, wie bisher angenommen, komplett an einer sogenannten Sub­duktionszone in den Erdmantel ein, um wieder eingeschmolzen zu werden. Die gewaltige Ozeanplatte, die seit mehr als 100 Millionen Jahren vor der Westküste der USA in die Tiefe sinkt, tut dies beispiels­weise ganz und gar nicht in einem Stück. Im Verlauf der USArray-For­schung wurden stattdessen Fragmente nachgewiesen, die in geringer Tiefe unter dem Kontinent bis nach New York reichen. Diese Bruchstücke sind in der Lage den Kontinent zu destabilisieren und bis hin zur Ostküste Erdbeben auszulösen, weit weg von der eigentlichen Subduktionszone an der Westküste Amerikas.

Atomkraftwerk in seismisch aktiver Zone

Geplante Kraftwerksblöcke Akkuyu

Über die besondere Bedrohung, die von Atomkraftwerken in Erdbeben gefährdeten Gebieten ausgehen, denkt man seit dem Reaktorunglück von Fukushima fast überall auf der Welt nach. Allerdings gibt es auch Aus­nahmen: In Akkuyu, im Süden der Türkei, beginnt ein russisches Konsor­tium mit dem Bau des ersten türkischen Atomkraftwerks in unmit­telbarer Nähe einer der seismisch aktivsten Zonen der Welt. Wissen­schaftler ge­hen davon aus, dass innerhalb der nächsten 100 Jahre ein Beben ver­gleichbar mit dem in Fukushima zu erwarten ist.

All diese Forschung lässt die Möglichkeit sinnvoller Erdbebenvorhersage immer unwahrscheinlicher werden. Allerdings gibt es manchmal überra­schende Hilfe. Im Umland der italienischen Stadt L’Aquila erforscht die britische Biologin Rachel Grant seit über vier Jahren das Verhalten von Kröten. Wenige Tage vor dem Beben im Jahr 2009 verschwanden sämtli­che Kröten aus dem nahegelegenen See. Zwei Wochen nach dem Beben tauchten sie wieder auf. Grant vermutet, dass sich im Vorfeld des Bebens die chemische Zusammensetzung des Seewassers geändert haben könnte. Vielleicht eröffnen die sensiblen Amphibien ganz neue Möglich­keiten für die Vorhersage von Erdbeben.

Disaster City
Disaster City: Katarophenszenarien für den Ernstfall (Quelle: ZDF)
In Disaster City in Texas steht nicht die Vorhersage von Erdbeben im Vordergrund, hier übt man vielmehr, was zu tun ist, wenn die Erde bereits gebebt hat. 70 000 Spezialisten aus aller Welt kommen jedes Jahr in die texanische Katastrophenstadt, um hier das ABC des Rettens zu trainie­ren. Was passiert wenn bei einem Erdbeben Gebäude über ihren Bewoh­nern einstürzen? Wo könnten Überlebende verborgen sein und wie kann man sie bergen? Auf einer Fläche von 30 Fußballfeldern wird das Szena­rio so echt wie möglich nachgespielt, damit die Rettungskräfte hand­lungsfähig sind, wenn es zum Ernstfall kommt.

Mehr Infos über Erdbeben

Tsunami-App für Smartphones

Tsunami-App für Smartphones

Warum Kontinente wandern

Animatation Kontinente wandern

Animation: FaberCourtial

Neuland für die Forschung

Animation Subduktion

Animation: FaberCourtial

Das USArray-Projekt

Animation USArray

Animation: FaberCourtial

Seebeben und Tsunamis

Animation Tsunami

Animation: FaberCourtial

Erdbeben-Zyklen

Animation Erdbeben-Zyklen

Animation: FaberCourtial

Sendungsinformationen

Folge 1 Vulkane - 28.4.2013 19:30 Uhr

Folge 2 Erdbeben - 05.05.2013 19:30 Uhr

Folge 3 Stürme - 12.5.2013 19:30 Uhr

Film von Stefan Schneider

Redaktion TV: Ruth Omphalius

Redaktion Online: Michael Büsselberg, Dany Stief, Sonja Roy

05.05.2013

Sendungsinformationen

Donnerstag 26.05.2016, 05:25 - 06:05 Uhr Nachtprogramm

Länge: 40 min.

Deutschland , 2013

Altersfreigabe: 6

Weitere Informationen

Regie: Stefan Schneider, Florian Breier

Buch: Stefan Schneider

Kamera: Dieter Stürmer

Zur Reihe

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Buchempfehlungen

Literaturtipps von Michael Leja

Vulkane

Susanna van Rose
Memo, Band 37: Vulkane
72 Seiten
Dorling Kindersley Verlag, München 2011

Kurze, prägnante Texte in idealer Verbindung mit zahlreichen informativen Abbildungen zeichnen auch diesen Band der bewährten memo-Reihe aus. Für ein junges Publikum ab 8 Jahren konzipiert, ist die Lektüre des lebendig aufgemachten Buches auch für Erwachsene durchaus gewinnbringend. Alle wesentlichen Wissensbereiche rund ums Thema „Vulkane“ werden fundiert erklärt. Glossar und Chronik bereichern diesen empfehlenswerten Band.


Martin Rietze & Marc Szeglat
Vulkane – Schöpfung und Zerstörung
176 Seiten
F.A.Herbig Verlagsbuchhandlung, München 2012

Die fantastischen Farbaufnahmen hat der Fotograf und Hobby-Vulkanologe Martin Rietze zu diesem prächtig illustrierten großformatigen Buch beigesteuert. Die fachkundigen Texte stammen von dem Geologen und Vulkanologen Marc Szeglat. Nach kurzer Einführung in die Natur der Feuerberge und die Geschichte ihrer Erforschung führen die Autoren zu den bedeutendsten Vulkanen in allen Gegenden der Welt.

Marc Szeglat & Martin Rietze
Vulkane
96 Seiten
Primus-Verlag, Darmstadt 2010

Wer sich einen detaillierten Überblick über das Naturphänomen „Vulkane“ verschaffen möchten, ohne dicke Fachbücher wälzen zu müssen, ist mit diesem handlichen Buch gut bedient. Informativ illustriert, mit ausführlichen Steckbriefen von exemplarischen Feuerbergen unterschiedlicher Vulkan-Typen, vermittelt dieser Band ein breites Basiswissen über Entstehung, Funktionsweise, Gefahren und Folgen von Vulkanen und ihren Aktivitäten.


Ulrich Schreiber
Vulkane – Wissen, was stimmt
128 Seiten
Herder-Verlag, Freiburg 2011

Dieses etwas nüchtern aufgemachte Taschenbuch bietet dem eingehend interessierten Laien viel Information zu günstigem Preis. Der Autor, Professor für Geologie an der Uni Duisburg-Essen, gibt in sachlichen Texten einen fundierten Überblick über alles Wichtige, das man über Vulkane wissen sollte. Besonders interessant für deutsche Leser ist Kapitel 4: Vulkanismus in Deutschland und weltweit. Jedem sehr zu empfehlen, der auf bunte Bilder verzichten kann.

Vulkane, Erdbeben und Stürme

GEO kompakt Nr. 19
Naturgewalten – Vulkane, Erdbeben, Wirbelstürme
160 Seiten
Gruner + Jahr, Hamburg 2009

Kurzweilig und gut verständlich gibt das fantastisch illustrierte Heft eine preiswerte Einführung in Grundlagen und Funktionsweisen von großen „katastrophalen“ Naturereignissen, in Vulkanismus- und Erdbebenforschung sowie Wetterphänomene. Die lebendig geschriebenen Texte laden zum „Bildungs-Schmökern“ ein. Trockene Wissenschaft und dramatische Ereignisse werden hier gleichermaßen spannend erlebbar.


Robert Dinwiddie, Simon Lamb & Ross Reynolds
Naturgewalten – Vulkane, Erdbeben, Wetterextreme
360 Seiten
Dorling Kindersley Verlag, München 2012

Das gewichtige opulent illustrierte Kompendium bringt uns die faszinierenden wie erschreckenden Urgewalten auf unserem Planeten sehr anschaulich und bestens verstehbar näher. Mehr als 1.000 informative Grafiken und hochwertige Farbabbildungen verschiedenster Art ergänzen beispielhaft die gut lesbaren Texte über das breite Spektrum geologischer Prozesse, die Gewalt der Ozeane und die Gefahren extremer Wetterverhältnisse.

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