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ZDF-History  "Eine andere Zeit"

Unsere Mütter, unsere Väter - Die Dokumentation

Die Geschichte der fünf Freunde in "Unsere Mütter, unsere Väter" ist erfunden, die Filmhandlung dramaturgisch zugespitzt – alles nur Kintopp also? Oder hätte alles tatsächlich so passieren können? Wo hört die Wahrheit auf, und wo fängt die Dichtung an? Die begleitende Dokumentation erzählt die realen Geschichten von Zeitgenossen: Johannes W. Günther, Inge Deutschkron oder Ludwig Baumann  – sie können das, was Greta, Viktor, Wilhelm, Charlotte und Friedhelm im Spielfilm widerfährt, aus ihrem eigenen Erleben berichten. 

Sommer 1941: Fast zwei Jahre sind vergangen, seit die deutsche Wehrmacht das Nachbarland Polen überfallen und besetzt hat. Aus der Sicht der Eroberer gestaltet sich der Krieg bis dahin als ein einziger Triumphzug. Hitlers Reich beherrscht bereits halb Europa, ohne verlustreiche Stellungskriege. Vordergründig herrscht Frühsommerfriede, doch der ist trügerisch.
 
Ein weiterer Jahrgang erhält seine Einberufung zum Kriegseinsatz. Luftschutzübungen werden abgehalten, junge Frauen zu Krankenschwestern ausgebildet, Rekruten geschliffen. Was kaum jemand ahnt: Der Krieg gegen die Sowjetunion ist längst beschlossene Sache. Am frühen Morgen des 22. Juni 1941 überqueren auf einer Breite von 1.600 Kilometern über 3,5 Millionen deutsche und verbündete Soldaten die Grenze zur Sowjetunion. Es ist der größte Truppenaufmarsch der Kriegsgeschichte.

 
"Sterben ist schwer, auch wenn es fürs Vaterland ist"

Die Begleitdokumentation zur ersten Folge der Fernsehfilm-Trilogie "Unsere Mütter, unsere Väter" zeigt diesen Feldzug aus der Sicht der unmittelbar Beteiligten. Ehemalige Frontsoldaten, eine Feldlazarettschwester, eine Schauspielerin und ein von der Deportation bedrohter Jude berichten von ihren tief prägenden Erlebnissen, ihren Hoffnungen und Ängsten.

Zitate von Zeitzeugen (Auswahl)

Johannes W. Günther, Kradmelder Panzerdivision:

"Zur Vergeltung für zwei erschossene deutsche Kradmelder wurden die Bewohner eines angrenzenden Dorfes zusammengetrieben. Jeder zehnte Mann sollte erschossen werden. Die Kinder haben zu schreien angefangen, weil sie nicht wussten, was los ist. Die Frauen haben gebettelt, einige haben sich vor die Offiziere geworfen, deren Beine umklammert und um Gnade für ihre Männer gefleht. Aber die wurde nicht gewährt. Das liegt mir heute noch auf der Seele, wenn man sich vorstellt, dass die Zivilisten einfach abgeknallt wurden. Nur um Stärke zu zeigen."

 

"Dieses Kriegserlebnis hat uns alle psychisch und charakterlich gepackt. Ich habe das erst gar nicht gemerkt. Aber man wird immer grausamer. Am Schluss sind wir über die Toten getreten, da haben wir gar nicht mehr hingeschaut."

Elm Lalowski, Krankenschwester

"Wir hatten im Lazarett sehr viele Verwundete und Tote. Die Zeitungen waren voller Anzeigen: "Für Führer, Volk und Vaterland gefallen", wie es damals hieß. Aber Sterben ist schwer, auch wenn es fürs Vaterland ist."

W. Frankenstein, jüdischer Handwerker in Berlin

"Man lebte von einem Tag zum anderen und obwohl wir uns dauernd einredeten: "Schlimmer kann es nicht werden", wurde es immer schlimmer, von Tag zu Tag. Es war ganz klar: Auswandern ging nicht mehr. Wir saßen in der Falle."

Ingeborg Meyer, Schauspielschülerin

"Wir waren ja noch gar nicht auf diesen Krieg eingestellt. Der überfiel uns sozusagen. Wir erhielten gerade noch ein Not-Abitur, weil wir hinterher Kriegshilfsdienst ableisten sollten, also irgendjemanden ersetzen, der an die Front ging. Da mussten wir jungen Mädchen, die eigentlich ins Berufsleben oder Studium wollten, einspringen."

H. Alex, Richtkanonier Panzerreg."Großdeutschland"

"Es war ein Vernichtungskrieg. Aber man kann nicht gegen die Bevölkerung Krieg führen. Wir sind selber schuld daran, dass wir die Bevölkerung im Osten durch unser Verhalten in den Untergrund getrieben haben. Die Partisanenbewegung hat uns sehr geschadet, und das haben wir selbst verschuldet."

"Für uns Soldaten ging es darum, den nächsten Tag zu überleben und etwas zu essen zu bekommen. Jede Nachlässigkeit konnte das Leben kosten, und so war man ständig in Anspruch genommen."

Aaron Bielski, jüdischer Partisan

"Es ging darum, den Tag zu überleben. Du musstest sehen, wie du heute überlebst, nicht morgen. Wenn du den Tag überstanden hattest, konntest du hoffen, auch den morgigen Tag zu überleben. Das einzige, woran du dachtest, war zu überleben. Das war das einzig wichtige."

Inge Deutschkron, Jüdin, versteckte sich in Berlin

"Es war manchmal schwer durchzustehen. Es waren Momente, wo es ganz kritisch wurde. Wir hatten schreckliche Angst, dass die Nazis siegen würden."

"Als ich dann morgens hörte, dass die russischen Panzer einrollten, war mir klar, es ist vorbei. Der Krieg ist zu Ende. Und ich war natürlich wie eine Verrückte vor Freude."

Karl Marschall, damals Soldat an der Ostfront

"Ich habe von vornherein gesagt, den Krieg können wir nicht gewinnen. Du musst nur sehen, dass du heil raus kommst. Das ist mein Prinzip gewesen." 

Ruth Trinks, Krankenschwester an der Ostfront

"Es war sehr, sehr hart. Es war sehr hart. Meine Tränen sind des Öfteren geflossen. Ich habe mir immer wieder gesagt "Durchhalten!"

Ludwig Baumann, Deserteur

"Ich war zehn Monate in der Todeszelle, Tag und Nacht an Händen und Füssen gefesselt. Jeden Morgen, wenn die Wachen wechselten, dachte ich, sie holen mich raus. Es war so ein Grauen, es verfolgt mich bis heute."

Heinz Franz, damals Soldat der Wehrmacht

"Also ich bin missbraucht worden. Man hat mir meine Jugendzeit auf eine ganz brutale Art und Weise gestohlen. Man hat mich für einen Zweck benutzt und wenn wir unter dem Strich die Bilanz ziehen, wie viele Opfer das alles gekostet hat, die ganze Geschichte, die Verwüstungen die hinterlassen wurden, dann kann man nur sagen, das war eines der schlimmsten Verbrechen, die je geschehen sind."

Günter Debski, Strafdivision 999

"Wir fühlten uns als Angehörige des Strafbataillons als Himmelfahrtskommando. Wir wurden für schwierige Aufgaben wie Minenfelder anlegen, Minenfelder räumen eingesetzt, weil dabei auch viele draufgegangen sind."

Hans-Jürgen Habenicht, damals Hitlerjunge

"Wir waren stolz, als man uns Aufgaben übertrug. Wir waren vollwertig. Da fragte keiner, bist du 14, bist du 15, sondern wir machten die Arbeit, die eigentlich auch die Erwachsenen machten. Es war völlig klar: Wir waren plötzlich erwachsen, erwachsene Kinder." 


 
Die Dokumentation beleuchtet die historischen Hintergründe der zuvor gezeigten Spielhandlung: Welchen Eindruck machte es auf die deutschen Soldaten, als sie nach dem Überfall auf die Sowjetunion mancherorts mit offenen Armen als Befreier empfangen wurden? Warum haben sich junge Frauen freiwillig zum Dienst in den Lazaretten an der Ostfront gemeldet? Was war der Kommissarbefehl? Wie erlebten die jungen Soldaten den Massenmord an den Juden in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten? Betrachteten sie die gefangenen russischen Soldaten auch als Untermenschen, wie es ihnen die Propaganda der Nationalsozialisten eintrichterte?
 
Es ist das Vermächtnis einer Generation, "Unsere Mütter, unsere Väter", die ihre Erfahrungen in einer tief umwälzenden Zeit an die Kinder und Enkel weitergibt.
 
Film von Peter Hartl und Annette von der Heyde

27.02.2013

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