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PRAXIS täglich  | 02.10.2015  Leben strikt nach Plan

Entwicklungsstörung Asperger

Amerikanische Selbsthilfegruppen sprechen auch vom "Wrong Planet Syndrom", weil sich die Betroffenen oft wie auf einem falschen Planeten vorkommen und sich in ihrer alltäglichen sozialen Umgebung nicht zurechtfinden: Das Asperger-Syndrom ist eine Entwicklungsstörung, die mit dem Autismus verwandt ist. Sie ist aber weniger deutlich ausgeprägt. 

Frau mit Asperger-Syndrom

Asperger macht sich bei Frauen oftmals anders und weniger stark bemerkbar. Dennoch ist auch für sie der Alltag mit Schwierigkeiten verbunden. Christine Preißmann lässt uns an ihrem Leben teilhaben.

(02.10.2015)
Ernst blickendes Kind

Menschen mit dem Asperger-Syndrom haben Schwierigkeiten, Emotionen richtig zu deuten. Dies macht sich schon im frühen Kindesalter bemerkbar.

(Quelle: imago)

Asperger ist eine Entwicklungsstörung, bei der die genetische Veranlagung eine große Rolle spielt. Wissenschaftler vermuten, dass bis zu 20 Gene an ihrer Entstehung beteiligt sind. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Auch andere Faktoren können Einfluss auf die Entstehung des Asperger-Syndroms haben, so zum Beispiel neurologische und biochemische Auffälligkeiten.

Statistik

Autistische Störungen werden immer öfter diagnostiziert. Mittlerweile gehen Experten von einer Häufigkeit von einem Prozent aus. Insbesondere bei Frauen und Mädchen ist die Dunkelziffer derer, die nicht diagnostiziert werden, besonders hoch. Früher ging man von einem Verhältnis von einem Mädchen auf acht Jungen aus. Inzwischen schätzen Fachleute die Verteilung eher auf eins zu vier oder eins zu zwei.

Symptome: mehr als nur sonderbar

Die spezifischen Symptome sind bei Asperger-Autisten unterschiedlich stark ausgeprägt. Einige wirken auf ihre Umwelt lediglich etwas sonderbar, introvertiert oder humorlos, andere sind durch ihre Symptomatik so stark eingeschränkt, dass sie nicht eigenständig leben oder einem Beruf nachgehen können. Die ersten Symptome zeigen sich bei Asperger-Autisten oft erst im Kindergarten- oder Schulalter. Dazu gehören zum Beispiel eine verzögerte Motorik, Probleme mit der Aufmerksamkeit oder eine übersteigerte Wahrnehmung, durch die sie immer wieder abgelenkt werden.

Asperger-Autisten fällt es schwer, sich in andere Menschen oder Situationen hineinzuversetzen. Rollenspiele wie zum Beispiel das Spielen mit Puppen ergeben für sie oft keinen Sinn. Auch fällt es ihnen oft schwer, in einem Gespräch Augenkontakt zu halten. Sie wirken auf andere oft humorlos, da es ihnen schwer fällt, zwischen den Zeilen zu lesen. Ironie, Sarkasmus oder Sprichwörter erkennen sie nicht.

Asperger-Frauen fallen weniger auf

Da Frauen mit Asperger eher ruhiger und zurückhaltender sind, werden bei ihnen Auffälligkeiten oft erst im Jugend- oder Erwachsenenalter bemerkt. Sie ziehen sich in Stresssituationen zurück, während Jungen eher auffallen, zum Beispiel durch Stören des Unterrichts und eher aggressives Verhalten. Im Internet sind zahlreiche Selbsttests zu finden, die erste Hinweise auf Asperger geben können. Die endgültige Diagnose kann aber nur ein Arzt oder ein Kinder- oder Jugendpsychiater stellen.

Durch die oft späte Diagnose erhalten autistische Frauen im Gegenzug meist auch erst sehr spät eine effektive Förderung. Auch wenn Mädchen und Frauen mit Autismus oft über mehr soziale Kompetenzen verfügen als betroffene Männer, haben sie nicht weniger Schwierigkeiten. Effektive Unterstützung bietet zum Beispiel die autismusspezifische Therapie an einem Autismus-Therapiezentrum. Ebenfalls hilfreich sind Maßnahmen der Psycho- und Ergotherapie.

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Asperger bei Kindern allgemein

Kinder mit Asperger-Syndrom sind oft nicht in der Lage, Situationen als Ganzes zu erfassen. Zudem können sie ihre Aufmerksamkeit nur schwer auf Neues richten. Asperger-Kinder sind häufig vergesslich, lassen sich relativ schnell ablenken und reagieren verzögert auf Aufforderungen. Besonders unter Gleichaltrigen werden sie schnell zu Außenseitern. Nicht zuletzt leiden sie unter einer mangelhaften zeitlichen und räumlichen Organisation.

Die Erkrankung ist aber auch mit Stärken verbunden. Die betroffenen Kinder sind meist aufrichtig, loyal, zuverlässig und verfügen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Oft sind sie von einer großen Leistungsbereitschaft angetrieben, bei Anerkennung und Lob sehr motiviert und besitzen, was Spezialinteressen betrifft, ein gutes Gedächtnis. Das Asperger-Syndrom ist nicht selten mit einer Hoch- oder Inselbegabung verbunden.

Hilfe von Fachzentren

Wichtig ist, das Kind so anzunehmen, wie es ist. Als Orientierungshilfe müssen klare und regelmäßige Strukturen geschaffen und Routineabläufe eingeübt werden. Darüber hinaus sind Rückzugsmöglichkeiten wichtig. Die Förderung von Sozialkontakten muss behutsam angegangen werden. Für Asperger-Kinder ist es hilfreich, wenn sie gelobt werden und ihr Spezialinteresse anerkannt wird. Manche Betroffene benötigen wenig Hilfe, andere fühlen sich schnell als Außenseiter. Ein Integrationstraining im Rahmen einer Ergotherapie kann für ein selbstbestimmtes Leben wichtig werden.

In Deutschland gibt es Autismuszentren und auch Selbsthilfegruppen zur Asperger-Erkrankung. Von einigen Autismuszentren und psychiatrischen Ambulanzen wird soziales Kompetenztraining angeboten. In schwieriger verlaufenden Fällen kann betreutes Wohnen in einer Autismuseinrichtung, einem Heim oder Internat eine Option sein. Vor allem zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten kann eine tiergestützte Therapie hilfreich sein. In vielen Fällen benötigen Asperger-Kinder auch eine professionelle schulische Betreuung. Darüber hinaus kann eine Musik-, Sport- oder Verhaltenstherapie helfen. Ganz wichtig ist, alle Maßnahmen mit dem behandelnden Arzt, in der Regel ein Neurologe oder Psychologe, abzustimmen.

Gutes Fachwissen

Der Umgang mit dem Asperger-Syndrom verlangt von Eltern und Familienangehörigen meist viel Verständnis und Hingabe. Einige Kinder kommen gut mit ihrer Krankheit zurecht. Durch ihre Hartnäckigkeit und das Wissen auf Spezialgebieten können sie hervorragende Leistungen erbringen und später außergewöhnliche berufliche Erfolge erzielen.

02.10.2015

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