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Top-Thema  | 19.11.2015  Bluthochdruck kann Herz belasten

Symptome sind oft nicht frühzeitig erkennbar

Experten schätzen, dass fast die Hälfte aller Deutschen unter einem hohen Blutdruck leidet, doch nur jeder Zweite weiß davon. Von diesen informierten Betroffenen lassen sich nur etwa 40 Prozent behandeln. Der Grund: Die Krankheit macht in der Regel kaum Beschwerden. Doch ohne Therapie kann sie schwere organische Schäden anrichten. 

Blutdruckmessgerät

Risikofaktor Bluthochdruck

Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland haben zu hohen Blutdruck - viele ohne es zu wissen. Medizinjournalist Dr. Christoph Specht klärt über das Risiko der Volkskrankheit und neue Erkenntnisse auf.

(19.11.2015)
Patient bekommt Blutdruck gemessen

Blutdruckmessgerät

Bluthochdruck wird oftmals nur bei einer Routineuntersuchung festgestellt.

(Quelle: imago)

Ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck (medizinisch: Hypertonie) haben Menschen, in deren Familie er bereits ein Problem ist. Auch Übergewichtige, Raucher und Menschen mit Bewegungsmangel gehören zur Risikogruppe. Außerdem kann es mit zunehmendem Alter zu Hochdruck kommen. Selten gibt es Formen, die aufgrund anderer Erkrankungen, wie zum Beispiel Gefäßveränderungen an der Niere, entstehen.

Blutdruckwerte

Wird beim Arzt der Blutdruck gemessen, ergeben sich in der Regel Werte von „120 zu 80“. Doch was bedeuten diese genau? Der erste Wert gibt den sogenannten systolischen Blutdruck an, welcher auftritt, während das Herz Blut in die Schlagadern drückt. Der zweite Wert gibt den diastolischen Blutdruck an. Dieser herrscht, wenn sich die Herzkammern entspannen und füllen.

Das Herz bekommt Probleme

Ohne Therapie kann Hypertonie schwere organische Schäden anrichten. Vor allem das Herz steht durch den erhöhten Druck unter Stress. Mit jedem Schlag muss es mehr Arbeit leisten, um das Blut in den Kreislauf zu pumpen. Das führt dazu, dass die Herzwand durch den vermehrten Aufwand dicker wird – ähnlich einem Muskel, der mit Gewichten trainiert. Mit der Zeit vergrößert sich das ganze Herz.

Die veränderte Struktur beeinträchtigt mit der Zeit die Funktion des Herzens, die Pumpleistung sinkt. Dann kann der Betroffene auch erste Symptome wahrnehmen wie nachlassende Belastbarkeit, allgemeine Schwäche oder Luftnot. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass durch die Veränderungen im Herzen teilweise lebensbedrohliche Rhythmusstörungen auftreten. Die Gefäße des Herzens selbst können durch den Hochdruck ebenfalls geschädigt werden, die Durchblutung wird schlechter, mögliche Folge ist ein Herzinfarkt. Da der Druck im gesamten Kreislauf zu hoch ist, werden auch Gefäße an vielen anderen Stellen angegriffen, zum Beispiel im Gehirn oder in der Niere. Eine gefürchtete Komplikation des Bluthochdrucks ist der Schlaganfall. Auch eine Demenz kann sich entwickeln oder Funktionsstörungen an der Niere sind möglich. Bei Männern gibt es außerdem das Risiko der Impotenz.

Junge Frau wird auf Belastungs-EKG vorbereitet
Eine junge Patientin wird für ein Belastungs-EKG vorbereitet. (Quelle: imago)

Genaue Diagnose

Wenn bei einer Routineuntersuchung ein erhöhter Blutdruck festgestellt wird, reicht das noch nicht für eine Diagnose. Denn gerade bei Arztbesuchen kann Aufregung dazu führen, dass der Blutdruck steigt. Auch nach Anstrengungen ist ein erhöhter Blutdruck oft noch normal. Für eine zuverlässige Diagnose ist daher eine ambulante 24-Stunden-Messung erforderlich. Parallel dazu sollten die Betroffenen ihre Tätigkeiten dokumentieren, damit der Arzt abschätzen kann, ob zum Beispiel eine körperliche Anstrengung vorlag, die einen höheren Wert erklärt.

Ein echter Bluthochdruck liegt vor, wenn die Werte regelmäßig über 140/90 mm Hg liegen. Hinweise auf mögliche Veränderungen am Herzen lassen sich oft schon im EKG erkennen. Ein Belastungs-EKG zeigt, ob Einschränkungen der Leistungsfähigkeit vorliegen. Mit einem Ultraschall des Herzens lassen sich die Herzgröße, der Zustand der Herzwand und die Pumpfunktion gut beurteilen. Eventuell ist zur exakten Beurteilung die Durchführung einer Herzkatheter-Untersuchung nötig.

Gesunde Lebensweise und Medikamente

Bei leicht erhöhten Blutdruckwerten kann es genügen, den Lebensstil entsprechend umzustellen. Ärzte empfehlen, sich fett- und salzarm zu ernähren, sich viel zu bewegen und eventuell vorhandenes Übergewicht zu reduzieren. Doch in vielen Fällen gelingt es damit alleine nicht, den Blutdruck dauerhaft auf normale Werte zu senken. Dann müssen Medikamente eingenommen werden.

Es gibt verschiedene Substanzgruppen, die auf unterschiedlichen Wegen im Körper wirken und die häufig auch kombiniert werden. Ist das Herz bereits angegriffen, sind Medikamente in der Regel unverzichtbar. In diesen Fällen muss nicht nur der Druck gesenkt, sondern die Funktion des Herzens gestützt werden. Die Überlastung des Herzens wird reduziert, um seine Leistung wieder zu steigern.

Ergebnisse einer neuen Studie

Bislang ging man davon aus, dass der systolische Blutdruck bei einer bestimmten Patientengruppe mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden mittels Medikamenten auf einen Wert von 140 gesenkt werden sollte. Eine neue Studie aus den USA kommt aber nun zu dem Ergebnis, dass die Betroffenen seltener an diesen erkranken und seltener frühzeitig versterben, wenn ihr Blutdruck auf 120 gesenkt wird.

„Volle Kanne“-Medizin-Experte Dr. Christoph Specht warnt allerdings vor vorschnellen Schlüssen aus dieser Studie. Es handele sich hierbei noch um eine sehr akademische Diskussion, eine veränderte Leitlinie wäre kompliziert umzusetzen in der Praxis – weil so starke Nebenwirkungen aufgetreten seien. Denn zwar ging die Zahl von Infarkten, Schlaganfällen, Herzversagen oder gar Tod durch ein Herzkreislaufleiden in der Gruppe, deren Blutdruck unter 120 gedrückt werden sollte, zurück. Aber in der intensiver behandelten Gruppe kam es häufiger zu akutem Nierenversagen, Kreislaufkollaps, einem bedrohlich langsamen Herzschlag und einem gefährlichen Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt.

Link zu den Ergebnissen der „Sprint“-Studie im „New England Journal of Medicine“:
Ergebnisse der "Sprint"-Studie
(Das ZDF ist für die Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich.)

19.11.2015

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