zurück Startseite

Top-Thema  | 15.07.2015  Rufmord im Netz

Sich gegen Cyber-Mobbing zur Wehr setzen

Mobbing – jemanden gezielt schikanieren – ist kein neues Phänomen, das Internet ist nur ein neuer Tatort, statt Klassenzimmer oder Büro. Beim Cyber-Mobbing können die Täter anonym bleiben und beleidigende Äußerungen oder persönliche Informationen über ihr Opfer einer großen Öffentlichkeit zugänglich machen. Wie man auf solche Attacken reagiert, erklärt Michael Terhaag, Fachanwalt für IT-Recht. 

Tablet, Chat-Verlauf

Cybermobbing unter Jugendlichen

Wenn Schüler über das Internet verleumdet und beleidigt werden, hat das dramatische Folgen. Dabei nutzen die meisten die Anonymität des Internets, doch die Täter machen sich strafbar.

(25.01.2016)
Michael Terhaag, Fachanwalt für IT-Recht, im Gespräch mit Andrea Ballschuh

Im Netz gemobbt

Stellen Sie sich vor, Sie werden von Männern angerufen, die Nacktfotos von Ihnen im Internet gesehen haben. Dabei handelt es sich um eine perfide Form des Mobbings im Internet.

(15.07.2015)
Mobbing-Schriftzug auf Tastatur mit Stop-Zeichen

Cyber-Mobbing

Anonym bleiben und dennoch eine große Öffentlichkeit erreichen: Mobbing findet zunehmend im Internet statt.

(Quelle: imago/McPhoto)

Von Cyber-Mobbing spricht man, wenn jemand gezielt persönlich angegriffen wird. Eine sachliche Kritik dagegen ist erlaubt. Kritik äußern zu dürfen, bedeutet Meinungsfreiheit. Nicht erlaubt aber ist, Menschen zu beleidigen, zu beschimpfen oder zu diffamieren. „Wenn es nur noch darum geht, jemanden öffentlich schlecht zu machen, dann ist die Grenze erreicht“, erläutert Terhaag.

Sich gegen Cyber-Mobbing wehren

Es ist immer empfehlenswert, einen Screenshot der Seite als Beweismittel abzuspeichern und den Seitenbetreiber zum Löschen der betreffenden Inhalte aufzufordern. Zudem sollte der Webseitenbetreiber tätig werden und den Verursacher anschreiben, sonst haftet er laut Bundesgerichtshof selbst für die Rufschädigung. Aus Gründen des Datenschutzes halten sich Seitenbetreiber allerdings gerne bedeckt, wenn es um die Identität ihrer User geht. Michael Terhaag: „Prinzipiell bekommt man so etwas nur dann heraus, wenn man sich mit einer Anzeige an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft wendet.“

Recht am eigenen Bild

Es ist einfach, mit dem Handy einen Film zu drehen und ihn im Internet hochzuladen. Verletzt der Film aber die Privat- oder sogar Intimsphäre eines Menschen, ist es verboten, die Bilder öffentlich zu zeigen. Prinzipiell gilt bei Fotos oder Videos: Jeder hat das Recht am eigenen Bild und darf selbst über eine Veröffentlichung entscheiden. Beim Cyber-Mobbing werden solche Rechte aber gebrochen. „Den Tätern habhaft zu werden, ist schwierig, denn sie gehen oft über fremde Accounts oder anonym von Internetcafés aus ins Netz“, weiß Terhaag aus Erfahrung.

Bei Seiten, deren Betreiber im Ausland sitzen, kann es schwieriger werden, etwas gegen das Cyber-Mobbing zu bewirken. Große Firmen wie Facebook und Google werden in aller Regel tätig und löschen auch Inhalte, man muss jedoch selbst aktiv werden. Terhaag: „Solange der Seitenbetreiber nichts von dem Mobbing weiß, haftet er auch nicht. Wird er aber darauf hingewiesen, muss er tätig werden und den Einsteller kontaktieren. Reagiert dieser nicht, müssen die fraglichen Inhalte entfernt werden.“ Passiert das nicht, könne man auch Seitenbetreiber, die im Ausland sitzen, vor deutschen Gerichten auf Unterlassung verklagen, sofern die Seiten auf Deutsch sind.

Ortsschild mit Aufdruck Mobbing und Cybermobbing
Die fiese, anonyme Variante: virtuelles Mobbing (Quelle: imago)

Gelöschte Beiträge im Zwischenspeicher

„Am besten reagiert man möglichst schnell, denn wenn etwas länger im Netz steht und sich weiter verbreitet, wird es immer schwieriger, die Inhalte wieder zu entfernen“, warnt Terhaag. Denn selbst wenn die Einträge gelöscht und vermeintlich verschwunden sind, können sie trotzdem noch im Internet gefunden werden, zum Beispiel wenn sie auf anderen Seiten verlinkt sind. Frühere Fundstellen werden oft im „cache“ (einem eigenen Zwischenspeicher) gelagert. Außerdem gibt es Webseiten, die automatisch öffentliche Archive von früheren Webseiten anlegen.

Um sicherzustellen, dass sich das Mobbing nicht wiederholt, kann man als Betroffener auch vom Täter eine Unterlassungserklärung einfordern. Je nach Stärke des Falles, hat man Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. „Ist der Tatbestand der schweren Beleidigung oder Verunglimpfung aus dem Strafgesetzbuch erfüllt, dann kann theoretisch eine Gefängnisstrafe in Betracht gezogen werden“, so Terhaag.

Für Inhalte selbst verantwortlich

Grundsätzlich gilt: Sie sind verantwortlich für alles, was auf Ihren eigenen Blogs oder auf Ihrer „Facebook“-Seite passiert. Experte Terhaag: „Wenn jemand auf Ihrer Seite verleumdet wird, dann müssen auch Sie sich um die Löschung der Einträge kümmern, sobald Sie darüber in Kenntnis gesetzt wurden.“

Wenn mein Kind betroffen ist

Mobbing-Opfer können aufgrund der Beleidigungen und Bloßstellungen im Internet psychische Probleme bekommen. Wenn man als Eltern merkt, dass sich das Kind auf einmal nur noch schlecht konzentrieren kann, nicht mehr gerne zur Schule geht oder oft müde, nervös und angespannt ist, dann sollten Sie behutsam das Gespräch suchen. Eltern sollten ihr Kind unterstützen, ihm Mut machen, ihm zeigen, dass sie das Problem in die Hand nehmen und gemeinsam mit dem Kind dem Mobbing entgegen wirken.

Michael Terhaag empfiehlt Jugendlichen, einen Internetführerschein zu machen, bevor sie ins Internet dürfen, das könne auch im Schulunterricht stattfinden. Als Erwachsener sollte man seinen Kindern unbedingt aufzeigen, was sie im Netz mit Beleidigungen anderen gegenüber anrichten können.

15.07.2015

Weitere Links zum Thema Mobbing

Mehr aus "Volle Kanne"

Versenden

Artikel versenden

Versenden Sie den Beitrag an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
schließen Beitrag versenden

Versenden

Hinweis

Der Beitrag wurde erfolgreich versendet.

schließen

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.

Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen