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Verbraucherschutz  | 04.06.2015  Urteil zu „Mogelpackungen“

Bilder auf Lebensmittelverpackungen

Himbeeren und Vanille auf dem Karton - aber nicht im Tee: Der Europäische Gerichtshof hat geurteilt, dass die Verpackung eines Lebensmittels den Verbraucher nicht über die Zutaten in die Irre führen darf. 

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg im Gespräch mit Ingo Nommsen

Urteil zur Lebensmittelkennzeichnung

Der Europäische Gerichtshof hat geurteilt: Lebensmittelhersteller dürfen auf einer Verpackung nicht den Eindruck erwecken, dass eine Zutat vorhanden ist, die tatsächlich fehlt.

(04.06.2015)
Eine Tee-Packung wird aus dem Regal genommen.

EuGH

Der Europäische Gerichtshof fällte ein Urteil zu irreführenden Lebensmittelverpackungen.

(04.06.2015)
Supermarktkunden

Zutatenlisten

Auch im Supermarkt empfiehlt es sich, das Kleingedruckte zu lesen.

(Quelle: imago/Jochen Tack)

Die Firma Teekanne hat den Früchtetee „Felix Himbeer-Vanille Abenteuer“ genannt; auf der Verpackung sind Himbeeren und Vanilleblüten abgebildet, zudem ist dort von „natürlichen Zutaten“ und „natürlichen Aromen“ zu lesen. Tatsächlich enthält dieser Tee keinerlei Zutaten oder Aromen, die Vanille oder Himbeeren entstammen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen empfand das als Irreführung und hat Teekanne auf Unterlassung verklagt.

Der Hersteller dürfe nicht den Eindruck erwecken, dass eine Zutat vorhanden sei, die tatsächlich fehle. So hat der Europäische Gerichtshof am Donnerstag geurteilt. Nach Ansicht der Richter reicht es nicht, dass in der Zutatenliste alle Bestandteile richtig genannt werden.

Informationen für mündige Verbraucher

In der Vergangenheit hatte der EuGH bei vergleichbaren Fällen die Gefahr der Irrreführung als gering eingestuft und auf das Zutatenverzeichnis der Lebensmittelverpackung verwiesen – eine Informationsmöglichkeit, die der mündige Verbraucher wahrzunehmen habe. Für „Felix Himbeer-Vanille Abenteuer“ konnte das nach Ansicht des Bundesgerichtshofs (BGH), der den Fall dem EuGH vorlegte, aber nicht gelten: „Der Verbraucher erhält aufgrund der Angaben auf der Verpackung bereits die eindeutige Antwort auf die Frage, ob der Geschmack des Produkts durch aus Himbeerfrüchten und Vanillepflanzen gewonnene Aromen mitbestimmt wird. In einem solchen Fall hat auch der mündige Verbraucher keine Veranlassung mehr, sich anhand des Zutatenverzeichnisses zusätzlich zu informieren.“

Armin Valet, Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, ist der Überzeugung: „Was draufsteht, muss auch drin sein – dieser Grundsatz muss endlich von den Herstellern befolgt werden. Bisher haben sie oftmals versucht, sich darum zu drücken.“

Image der Produkte verbessern

Valet erklärt, warum die Hersteller derartige Verpackungen gestalten: „Die Industrie gibt ihren Produkten ein Image, das nicht vorhanden ist. Sie wollen ihre Produkte in besserem Licht darstellen.“ Verbrauchertäuschung dieser Art kann seiner Ansicht nach auch nicht durch die Angabe aller Inhaltsstoffe im Kleingedruckten kompensiert werden, da dieses selten sorgfältig gelesen werde: „Verbraucher nehmen beim Einkauf vor allem die Aufmachung und die Bilder wahr und gehen davon aus, dass zum Beispiel die Früchte drin sind, die abgebildet sind.“ Häufig allerdings seien noch nicht einmal die verwendeten Aromen aus den namensgebenden Früchten hergestellt; oder umgekehrt, gebe es zusätzliche Zutaten, von denen bei oberflächlicher Betrachtung der Verpackung nicht auszugehen sei – etwa Schweinefleisch in der Geflügelwurst.

Valet: „Das macht verständlich, warum Verbraucher so wenig Vertrauen zu den Herstellern haben.“ Und um dieses verlorengegangene Vertrauen zurückzugewinnen, sollten die Hersteller bei ihren Produkten endlich für „ehrliche Kennzeichnung auf der Schauseite“ sorgen.

04.06.2015, Quelle: ZDF, dpa

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